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Rezension von Andreas Chajm Langholf

Abschied vom Größenwahn. Wie wir zu einem menschlichen Maß finden. Von Ute Scheub, Christian Küttner.
22 Euro, ISBN 978-3-96238-205-6, oekom Verlag

„Drei Molkereien reichen aus, um ganz Deutschland mit Milchprodukten zu versorgen.“ Mit dieser Aussage schockierte mich ein sehr freundlicher Vertreter einer großen Molkereikette in einem Gespräch im Rahmen der Recherchen für diese Rezension. Da stellte sich mir die Frage: Woher kommt der Gegensatz zwischen der persönlichen Einstellung und dem Handeln in Großstrukturen?

„Abschied vom Größenwahn. Wie wir zu einem menschlichen Maß finden.“ Schon der etwas sperrig wirkende Titel des fast 300 Seiten dicken, im September 2020 im oekom-Verlag erschienenen Buches wirft Fragen auf, ja mag provozieren.

Ziel des Buches ist es dabei nicht in erster Linie, konkrete Anleitungspunkte für nachhaltiges Handeln zu geben, sondern vielmehr einen reflektierten Überblick. Dabei finden in dem spannend zu lesenden Buch selbst Leute, die sich mit der Materie bereits auskennen – nicht zuletzt dank der aktuellen, exemplarischen positiven Beispiele – noch einiges Interessante, Neue, Überraschende.

Das einleitende Kapitel „Größenwahn oder menschliches Maß“ umfasst das erste Drittel des Buches. Sehr umfangreich wird dort versucht, die vielfältigen Krisen und Probleme unserer Zeit wie Epidemien, Klimakrise und Artensterben in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.

Die Autoren, zwei Aktivisten zivilgesellschaftlicher Initiativen und IT-Berater für Organisationen wie den Bundestag, beklagen und beschreiben die größenwahnsinnige Art der gegenwärtigen Globalisierung und die Auswüchse des gegenwärtigen Modells. Dabei werden immer wieder Bezüge zur aktuellen, bedrückenden Corona-Pandemie hergestellt und diese als als Symptom einer Systemkrise beschrieben: Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, wie verletzlich wir uns mit unserem Zivilisationsmodell gemacht haben, etwa in der Massentierhaltung sowohl mit ihrem Umgang mit den Tieren wie auch den dort Beschäftigten, als auch mit der leichten weltweiten Ausbreitung über die globalen Flug- und Handelsrouten.

Dem werden kleinteilige, selbstorganisierte und lokal angepasste Strukturen entgegengestellt:
Selbstbewusst schreiben die Autoren: „Wir alle sind aufgerufen, liebevolle Sterbebegleitung des alten Systems zu leisten, und dieses Buch will dazu seinen kleinen Beitrag leisten.“

Auf die Schilderung des Verlustes des menschlichen Maßes aufbauend widmen sich fünf Kapitel verschiedenen zentralen Bereichen: Ernährung, Lebensorten, Wirtschaft, Gesundheitssystem und Demokratie. Hier wird nach grundsätzlichen Betrachtungen eine Vielzahl von Initiativen vorgestellt. Das abschließende Kapitel „Abschied vom Größenwahn“ unternimmt den nicht einfachen Versuch eines Resümees.

Auf den ersten Blick fällt die gelungene Gestaltung des Buches in vielerlei Hinsicht auf: So wird jedes Kapitel des Hauptteiles umrahmt von einer einheitlichen Gestaltung. Treffende Zitate zu Beginn und Zukunftsvisionen zum Ende umrahmen die einzelnen Kapitel. Sie liefern eine grundlegende Analyse des jeweiligen Problemfeldes, etwa der „Ernährung“, abgesichert durch eine Vielzahl von Zitaten bekannter und renommierter Autoren. Der emanzipatorische Ansatz der Visionen ist teils inspirierend, schlägt dabei für meinen Geschmack jedoch zuweilen ins gegenteilige Extrem um.

Die meiner Ansicht nach teils zu holzschnittartig bemühten und ideologisch gefärbten Visionen, sowie einigen kleineren logischen Ungereimtheiten, wie etwa der Forderung nach Selbstverwaltung, -organisation und Freiheit einerseits und der nach Großstrukturen wie einem europäischen Stromnetz, Vorgaben und Regeln andererseits sind diese Schwächen jedoch vor dem Hintergrund der Qualitäten des Buches zu vernachlässigen.

Dieses Buch liefert viel Theorie; dabei werden ganz grundsätzliche Fragen etwa nach dem Genug, also Genügsamkeit nicht klar genug gestellt. Stattdessen wird das bestehende System mit ausführlich anekdotenhaft geschilderten Auswüchsen kritisiert. Dem werden eine Vielzahl schon jetzt bestehender Initiativen sowie Visionen für eine nachhaltigere Zukunft entgegengestellt.

Für den nötigen und kommenden großen Wandel mag das vielleicht nicht ausreichend sein, es ist aber nötig und hilfreich. Das macht das Buch zu einem guten Rundumschlag. Es macht Mut und Lust auf die Veränderung. Nicht zuletzt lädt es mit den vielen Zitaten und Kontakten zur weiteren und tiefergehenden Beschäftigung ein.

Übrigens: Die aktuelle Anzahl der Molkereien in Deutschland: unter 100. 1990 waren es noch fünfmal so viele). Wie und wohin wollen wir uns entwickeln?

Wir befinden uns an einer historischen Passage-Stelle. Oder sollte ich sagen: an einem systemischen Netzwerkknoten. Nicht der böse Wille der Menschen bedroht den Planeten mit allen seinen Wesen, sondern widersinnige, gefährliche Strukturen. Allen, zumindest äußerlich, voran die Wirtschaftsstrukturen. Diese müssen – wenn nicht jetzt, wann dann – umstrukturiert werden. Letztlich wissen das sehr viele. Abermillionen Menschen wünschen sich das, wollen das, fragen sich aber: WIE. Könnte da das Netzwerk NOW einen passenderen Namen haben? NOW steht für Netzwerk Oekonomischer Wandel.

Wir können nur alle aufrufen, dieses Netzwerk nach Kräften zu unterstützen, damit diese historisch vermutlich einmalige Chance nicht verlorengeht, bevor die alten Strukturen, noch erbarmungsloser als zuvor, wieder zupacken. Weiterlesen

Das ist doch mal eine Überschrift. Und könnte sich als Slogan für die gesamte Wandelbewegung eignen!
Dem ist nichts hinzuzufügen. Man braucht sich den Beitrag nur noch anschauen, um sich inspirieren zu lassen. Weiterlesen

von Raimar Ocken

Wenn wir Menschen auf die Welt kommen sind wir “unfertige Wesen”. Wir können uns nicht alleine am Leben erhalten, nicht fortbewegen und uns nicht schützen durch Flucht oder Kampf. Wir müssen Stand halten bis uns unsere Kräfte verlassen und sterben.

Letztlich sind es vier Grundbedürfnisse, die uns durch Leben führen und deren Qualität der Befriedigung die Qualität unseres Lebens ausmachen. Wir wollen … Ich schreibe hier “wollen”, weil es ein Grundbedürfnis gibt, das allen Lebewesen innewohnt: Wachstum. Es ist uns ein Bedürfnis zu wachsen.

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Ach ja. Einsteins Aussage, man könne ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, die dieses Problem erzeugt hat, kann ich bald nicht mehr hören. Und doch versagt diese Einsicht mehr oder weniger flächendeckend, wenn es um’s Thema Klimaschutz geht. Die westliche Industriegesellschaft – also das Problem – hat nämlich genau das getan: Seit 2004 hat sie 3.500 Milliarden Dollar in erneuerbare Energie investiert und doch so gut wie nichts damit gewonnen: Wind- und Sonnenenergie tragen nach wie vor weniger als zwei Prozent zur Deckung des weltweiten Primärenergiebedarfs bei.

„Die Ursache“, schreibt der Informatiker Klaus Simon, „liegt im ständig wachsenden Energiebedarf. Das Bedarfswachstum übertrifft den jetzigen wie den künftig erhofften Zugewinn grüner Energie.“ Dazu legt Simon in seinem Buch „Warum Klimaschutz bisher verpufft und wie er gelingt“ präzise Daten vor. Er macht klar: Die erforderliche Emissionsreduktion ist technisch möglich, doch dazu braucht es nicht nur grüne Technik, sondern zugleich eine Absenkung des Energiebedarfs.

Und eben dazu müssen wir Hand an die Wurzeln legen, an die Denkweise. In seinem an neueste Forschungsergebnisse anknüpfenden, ebenso klaren wie übersichtlichen Buch (es erscheint im November 2020), das auch für Laien verständlich ist, skizziert er „die Umrisse einer veränderten Denkweise sowie eines Gesellschaftssystems, das dem Klimawandel wirklich etwas entgegensetzen kann“. Und Simon bleibt inspirierender Optimist, wenn er formuliert: „Dieser Ausblick ist zweifellos utopisch, aber mehr als bloße Hoffnung. Und jede neue Entwicklung war bis zum Vorabend ihres Aufkommens nichts als eben Utopie. Ohne Utopie haben wir keine Orientierung, die über das Bestehende hinauszuführen vermag.“

Klaus Simon, Warum Klimaschutz bisher verpufft und wie er gelingt, ca. 200 Seiten, 106 Illustrationen, Büchner-Verlag, ISBN 978-3-96317-217-5, 20 Euro

Klaus Simon ist Mitglied der Akademie Solidarische Ökonomie – eine 2008 gegründete Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Stiftung Ökumene, die der angeblichen Alternativlosigkeit heutigen Wirtschaftens etwas entgegensetzen möchte: die Vision einer solidarischen, gemeinwohlorientierten und lebensdienlichen Gesellschaft.

Vorschau: www.buechner-verlag.de/buch/warum-klimaschutz-bisher-verpufft-und-wie-er-gelingt

Von Martin Winiecki

In diesem Aufsatz werde ich nicht Behauptungen darüber aufstellen, „was gerade geschieht“. Vielmehr möchte einen Raum eröffnen, der den Gegensatz zwischen „objektiver Realität“ und „subjektiven Gedanken oder Gefühlen“ überwindet, der den meisten Theorien, Vorhersagen und Handlungsaufforderungen in dieser Krise zugrundeliegt. Von einer spirituell geprägten holistischen Weltschau kommend, erwäge ich die Möglichkeit, dass wir als Menschheit – oder ein tieferer Teil unserer selbst, bewusst oder unbewusst – diesen Moment in die Existenz geträumt haben, als Katalysator für unsere kollektive Evolution. Wenn das wahr wäre, wie würden wir dann handeln und reagieren? Covid-19 könnte dann für uns eine unwahrscheinliche Gelegenheit für kollektives Erwachen und weitreichenden Systemwechsel bereithalten.

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Wenn du, liebe Leserin, lieber Leser, mir erzählst, du magst keine Pizza – und mit „keine“ meine ich wirklich „keine“ –, dann gehörst du zu den Ausnahmemenschen dieser Republik. Die türkische Lahmacun beziehe ich hier ausdrücklich ein, die französische Croque, die georgische Chatschapuri, die libanesische Manakish und die japanische Okonomiyaki. Nur: Wie kommst du zur Pizza? Daran scheiden sich die Geister. Und das hat eine Menge mit gesellschaftlichem Wandel zu tun.

Wären wir hier die Brigitte oder ein anderes Mainstream-Medium, dann würden wir fragen: Welcher Pizza-Typ sind Sie? Wir hier sagen aber „du“ und gehen die Sache etwas anders an.

Was wir Pizzafreunde weltweit gemeinsam haben: Wir bestellen sie uns gelegentlich in einem Restaurant und lassen uns bedienen. Doch wie, wenn wir zu Hause bleiben?

Welcher Pizzatyp bist du?

Am einfachsten ist es, zum Handy zu greifen, den Lieferservice unserer Wahl anzurufen und 20 Minuten später die heiße Pizza auf dem Teller zu haben. Hoffentlich trennen wir dann den Müll (der volumenmäßig in etwa der Pizza gleichkommt) in Pappe und Alu. Na gut. Wer’s mag. Vom Energieaufwand für die Verpackung und den Antransport mal ganz abgesehen. Aber das ist ja nicht unser Problem, oder?

 

 

 

Schon ein bisschen mehr Arbeit macht die Fertigpizza aus dem Gefrierfach: aufstehen, aufs Blech geben, Ofen einschalten, richtigen Garpunkt beachten, rausnehmen, auf Teller legen – essen. Uahh, viel Arbeit. Außerdem muss man sie vorher eingekauft und eingefroren haben. Momentane Gelüste haben da keine Chance. Uahh, Einschränkung.

 

 

 

Beinahe schon mit Kochen hat der Pizza-Teigling zu tun. Auch der kommt aus dem Gefrierfach, aber man muss ihn noch selbst belegen. Der Belag muss vorhanden sein und natürlich auch der passende Käse, idealerweise – für Nichtveganer – der Büffelmozzarella oder ein Blauschimmelkäse. Sehr viel mehr Arbeit; doch dafür hat man seine Lieblingsauflage drauf, was ja auch nicht zu verachten ist.

 

 

 

Jetzt lassen wir mal ein paar Zwischenschritte aus und kommen zur Vollendung: Du mahlst dein Dinkelmehl aus frischem Vollkorn, benutzt frische Hefe für den Teig sowie Tomaten, Kräuter und Zucchini aus deinem Garten für die Auflage und Ziegenkäse von der regionalen Käserei. Alles in Bioqualität, versteht sich. Deine Einkäufe hast du so geplant, dass du nicht extra fahren musst, und die Essenreste landen im Kompost.

 

 

Der entscheidende Zwischenschritt

Vermutlich muss ich jetzt nicht mehr erläutern, was Pizzaessen mit gesellschaftlichem Wandel zu tun hat. Nur dies: Zwischen der Liefervariante und der Bio-Genussvariante liegt ein Bewusstseinsprozess. Die Produktion von Lebensmitteln ist ein großes, internationales Geschäft, bei dem der am meisten verdient, der mit dem billigsten Rohstoff- und Lohneinsatz, aber der verlockendsten Verpackung, am teuersten verkaufen kann. Das muss ich nicht mitmachen und gleich noch die Pestizide von Bayer, Monsanto & Co mitbezahlen. Aber davon mal ganz abgesehen: Das, was ich in meinen Körper „reinwerfe“, kommt auch hinten wieder raus. Nicht nur am Po. Gesund oder ungesund, bio oder konventionell hergestellt: Das schlägt sich auf meiner Haut und in meinen Organen nieder. Und ganz nebenbei auch in meinem Kopf.

Tipp für alle, die tiefer einsteigen wollen: die Ernährungs-Docs

Wissen für den Großen Wandel

Wir befinden uns längst in einem gesellschaftlichen Wandel hin zu einem neuen zivilisatorischen Paradigma, nämlich einer Welt, die sich nicht mehr einbildet, getrennt von der Natur zu sein. Alle nur denkbaren Stichworte, die auf Weg dorthin relevant sind, sind in unserer Rubrik „Wissen für den Großen Wandel“ zusammengefasst. Dort findest Du Hunderte von guten Büchern, welche alle diese Themen aufgreifen und vertiefen.

von Peter Zettel

Ja, das tun wir. Definitiv. Ich jedenfalls bin der Überzeugung, dass das sehr, sehr viele tun. Und man kann die Matrix auch recht gut beschreiben. Sichtbar wird sie zum einen in der Konvention und zum anderen in dem Wirtschaftssystem, das wir haben und in dem die meisten von uns arbeiten. Beides definiert, wie wir uns letztlich verhalten. Dem kann niemand entkommen, es sind die Rahmenbedingungen unseres gegenwärtigen Lebens. So weit der Anschein und das sogenannte Normalverhalten. Verlasse ich nämlich die Konvention, verlasse ich wohl auch das Funktionieren in diesem Wirtschaftssystem. Weiterlesen

Gestern erreichte uns aus Neuseeland eine Nachricht von einem gewissen Chajm, der folgende Botschaft von Außerirdischen an die Menschheit überbracht bekam. Wir selbst halten uns als Rasse für zu unwichtig, um an ein solches Szenarion zu glauben, ganz auszuschließen ist es aus logischen Gründen freilich nicht. Deshalb hier die Nachricht im Wortlaut:

Seid gegrüßt Menschlinge!

Nicht als Akt intergalaktischer Solidarität haben wir beschlossen, diese Nachricht an Euch zu senden, auch nicht als Akt der Gnade mit Eurer erbarmenswert primitiven Art. Wir verstehen diese Nachricht als Warnung an Euch im Rahmen eines Verhaltensexperimentes als Teil unserer ethnologischen Beobachtungen. Weiterlesen