Manchmal verhilft das Alter zu Ansichten, die man in jüngeren Jahren gar nicht gewinnen könnte, zum Beispiel beim Pinkeln. Und von da zum Leben im Allgemeinen.

Pippi kommt aus dem Penis. So weit, so klar. Das trifft auch auf Sperma zu. Wenn sich der Penis auf die Suche nach einer Frau macht, kommt häufig dabei Liebe hinten raus. Oder käufliche Liebe, je nachdem. Aber nur das, was gratis ist, ist wirklich etwas wert, genauer: das, was einem das Leben schenkt. Vielleicht werden deshalb ja Luft und Liebe oft in einem Atemzug genannt. Wobei ich mir bei der Luft schon nicht mehr sicher bin. Eines Tages werden wir auch dafür bezahlen müssen. Weiterlesen

Dass ein großer Wandel ansteht, liegt auf der Hand. Nur: Was tun wir, jede/r Einzelne von uns dafür, fragt Semra Mete

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, heißt es in Anlehnung an Heraklit von Ephesus, der das schon vor rund 2.500 Jahren wusste. Ich denke, vielen Menschen ist heutzutage bewusst, dass wir uns inmitten eines großen gesellschaftlichen, ökologischen, ökonomischen Wandels befinden. Doch in welche Richtung wandelt sich das große Ganze und welche Faktoren sind dabei bestimmend? In Anbetracht der Tatsache, dass jeder Einzelne von uns ein Teil des Gesamtgebildes ist und folglich durch Sein Tun auf das Gesamtgeschehen einwirkt, kommt es bei dem steten weltweiten Wandel zweifelsohne auf jeden von uns an. Jeder von uns ist wie der kleinste Wassertropfen des wellenschlagenden Ozeans, jeder von uns ist wie ein Pixel eines Bildes, welches sich in demselben Maße wandelt, wie jedes einzelne Pixel seine Form, Farbe, Größe, Position … verändert. Wir waren und sind stets die Ursache der Veränderungen des großen Ganzen. Wenn wir es schaffen, die Veränderung in uns, also die Ursache, Ursachen, zum Guten zu wandeln, führen wir zwangsläufig den konstruktiven Wandel auch im Außen herbei.

Die weltweite Virus-Krise und der Wandel in jedem von uns

Doch welche Wandlung durchvollzieht sich IN JEDEM VON UNS inmitten der aktuellen,  globalen Krise – ich nenne es mal die Virus-Krise? Welche Gedanken, Emotionen, Handlungen lösen die äußerlichen Geschehnisse im unmittelbaren und mittelbaren Umfeld in uns aus? Welchen Gefühlen geben wir unbewusst Raum? Worum drehen sich unsere tagtäglichen Gedanken? Ist es die Angst vor der ansteckenden Krankheit bzw. vor dem Tod? Ist es die Angst vor totaler Überwachung, Fremdbestimmung oder ist es das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Perspektivlosigkeit? Wut, Zorn, Aggressivität … sind weitere niederreißende, gemütsbelastende innere Zustände, die ich nicht nur bei meinen Mitmenschen beobachte, sondern auch selbst erfahre. Es kommt immer wieder vor, dass mich die eine oder andere Information oder Äußerung stark antriggert und ich mich dann in den unerwünschten, niederschwingenden Emotionen wiederfinde. Wie soll aus solchen überwiegend destruktiv gesetzten Ursachen das Konstruktive im Kollektiven keimen?!

Die Beobachtungsebene – Bewusstwerdung über den inneren Wandel

Die Herausforderung liegt sicherlich darin, sich über die ausgelösten Gedanken und Emotionen im Inneren, sprich über den unbewussten Prozess der eigenen Reaktionen, bewusst zu werden. Nur mit zunehmender Bewusstwerdung unserer inneren Zustände kann es uns gelingen, heilsame Antworten auf die äußeren Geschehnisse zu geben. Nach jeder frustrierten Reaktion wird mir immer wieder klar, dass meine Antwort definitiv nicht von der förderlichen Art war, weder auf mein eigenes Wesen bezogen noch auf das Kollektive. Als wäre das nicht genug, steigert sich manchmal das hemmende Gefühl noch weiter, wenn ich anfange, meine eigene Reaktion zu kritisieren, weil sie meine in der Tiefe bejahten Werte nicht wiederspiegeln.

Ein Weg, aus der Abwärtsspirale der Emotionen rauszukommen, ist erstmal, mir darüber bewusst zu werden, dass der momentane Gemütsstand, was es auch immer ist, die Ursache für äußere Umstände von morgen sein wird. Das, was ich eigentlich nicht weiter verursachen oder sogar verstärken will (Ärger, Wut, Angst…), gedenke ich deshalb loszulassen, auch wenn es inmitten des Emotionssumpfes nicht immer sofort gelingt. Ich vergegenwärtige mir in solchen Momenten, dass es nicht die äußeren Umstände sind, sondern die Bedeutungen, die wir ihnen beimessen, die entsprechenden Emotionen in uns zum Ausbruch bringen; Emotionen, die unsere Perspektive schmälern und unsere Wahrnehmung von größeren Zusammenhängen stark einschränken. Erst die Erkenntnis, in welche ungewünschten Gedanken- und Gefühlswelt ich mich selbst hineinmanövriert habe, führt zur Auflösung meiner unbewussten Identifikation mit den äußeren Umständen. Es ist so wie ein Beobachtungsposten, von dem ich von einer höheren Warte auf mich selbst schaue und erkenne, wie stark ich in den eigenen Urteilen, Meinungen, Bewertungen gefangen bin und vergessen habe, dass ich selbst für meine innere Realität verantwortlich bin.

Wenn wir also die weltlichen Geschehnisse objektiv betrachten, ohne sie in „gut“ oder „schlecht“ einzuordnen, können wir uns aus der Enge unserer Bewertungen befreien und die Weite in uns fühlen. Die Weite, in der wir erkennen, dass wir auch einen konstruktiveren Umgang mit den äußeren Einflüssen wählen können.

Krisen – Chancen zur Bewusstseinsentwicklung

Als eine Frau, die Erfahrung mit einer Lebenskrise in Form einer schweren Krankheit gemacht hat, bin ich fest davon überzeugt, dass auch diese geballte Krise uns große Gelegenheiten zur Bewusstseinsentwicklung bietet, für jeden Einzelnen wie auch kollektiv. Mehr denn je erkenne ich, wie wichtig es jetzt ist, verstärkter nach innen zu gehen. Ich erkenne, dass es jetzt an der Zeit ist, die tief verinnerlichten Werte in der Tat auch zu LEBEN und zu verfestigen. Mehr als sonst erhalte ich die Gelegenheit, mich selbst bei meinen Gedankengängen und unbewussten Handlungen zu beobachten, was mich zu manchem Erkenntnisgewinn über meine unbewusste, innere Welt führt.

Noch tiefergehend als sonst weiß ich, dass es bei dem, was da draußen auch immer passiert, um uns selbst geht. Wir haben den Fokus auf uns selbst zu richten, weil wir bei dem gewünschten Wandel letztlich nur bei uns selbst ansetzen können. Die bedeutende Frage ist nicht, wohin uns die gegenwärtigen Veränderungen bringen, sondern sich darüber bewusst zu werden, wie sie auf uns einwirken, was sie mit uns machen und wie wir damit umgehen. Wir müssen die Samen der gewünschten Veränderungen zunächst in uns säen, damit sie in unserer physischen Realität gedeihen, auswachsen können. Die Samen der gewünschten Veränderungen keimen zuerst in uns. Der äußere Wandel hängt also davon ab, welche Samen wir in uns tagtäglich säen: mit unseren Gedanken, Emotionen, mit der Art und Weise wie wir kommunizieren, handeln … darüber haben wir stets die Wahl. Das ist unsere Freiheit, das ist unsere Macht, das ist unsere Verantwortung gegenüber uns selbst und gegenüber unserer Mitwelt.

Alles Leben, so befand der Philosoph Karl Popper, ist Problemlösen. Das Problem mit einigen heutigen Problemen ist, dass es für sie keine einfache Definition und keine einfache Lösung gibt. Zu diesen tückischen Problemen gehört auch das Klimaproblem.
Das las ich in dem Artikel „Im Zeitalter der tückischen Probleme“. Interessant, nur was ist denn jetzt das eigentliche Problem?
Der Autor schreibt ganz zu Recht, dass die Antworten auf das jeweilige Thema je nach Prioritätensetzung ganz anders aussehen. Und er schreibt weiter: „Das heisst, so etwas wie «das» Klimaproblem existiert gar nicht. Und genau in diesem Sinn ist es tückisch.“
Erinnert mich fatal an die Medizin: Wir nehmen meist nur die Symptome wahr, deshalb ist auch die medizinische Lösung meist nur Symptombekämpfung. Nur: Was ist überhaupt die Ursache vieler unserer Probleme, mit denen wir aktuell zu kämpfen haben?
Angenommen, ich denke „unstimmig“. Ich nehme beispielsweise etwas als „real“ an, was es aber nicht ist, einfach weil es nicht real, sondern „nur“ bedingt ist. Dann blende ich eventuell genau die Bedingung aus, die den Fehler verursacht.
Ein Beispiel: Im Januar 2020 wurde ich an einer Karotisstenose operiert. So weit, so gut. Doch ist das nicht letztlich auch wieder nur ein Symptom? Folge ich meiner Logik, dann bedeutet das, dass ich unstimmig gedacht habe und wohl auch noch denke. Denn es ist ja Geist und damit letztlich wie ich denke, was mich sein lässt, wie ich bin.
Die spannende Frage ist also: Was beziehungsweise wie habe ich gedacht, dass sich in der Karotis eine Stenose bilden konnte? Das zu erkennen würde mein Problem lösen, die Operation hat nur die aktuelle Situation bereinigt, aber nicht die wirkliche Ursache beseitigt.
Klarer Hinweis, anders zu denken! Nur bitte stimmig! Doch genau das sitzt die Schwierigkeit. Wie soll ich mit meinem Denken eine andere Form des Denkens finden? Das setzt erst einmal voraus, dass ich mir des Zusammenhangs zwischen Form und Inhalt bewusst bin. Nur was dann? Wie finde ich eine stimmige Form des Denkens?
Wie heißt es doch? „Das Mindset macht den Unterschied.“ Nur wie komme ich zu einem anderen Mindset? „Eigentlich“ ist das relativ einfach. Ich muss mir nur bewusst machen, wie ich denke. Dazu brauche ich ein anderes Mindset, sonst wird das nichts. Habe ich dann mein Mindset erkannt, kann ich in einen Dialog mit dem anderen Mindset treten.
Warum ich dann anders denke? Ganz einfach, weil ich damit der Selbstorganisation die Tür öffne, vorausgesetzt ich bleibe offen und lasse es einfach geschehen.

Ach, was wir alles haben möchten. Die ungeteilte Aufmerksamkeit, die Wahrheit, das Rechthaben, die Sicherheit, die Zuwendung, das Verzeihen, den Respekt, die Liebe … Geben wir das alles auch?

Nichts ist sicher. Wirklich nichts. Insbesondere jene Menschen, die das „panta rhei“ (alles fließt) gelegentlich effekthalber ins Gespräch streuen, hüten sich vor dieser Erkenntnis wie die Maus vor der Eule.

Sicher fühlt sich ein geliebtes Kind in den Armen seiner Eltern. Es weiß nichts von der Bedrohung, die seine Eltern erleben, nichts von Gewalt, Krankheit und Not. Schon diese kindliche Sicherheit ist eine Illusion, allerdings eine, die wir um alles in der Welt für unsere Kinder aufrechterhalten müssen. Sie ist die Grundlage ihrer inneren Sicherheit. Gelingt sie uns nicht, sind unsere Kinder verloren.

Das Gefühl der sicheren Aufgehobenseins wandelt sich in der Pubertät in das Gefühl, das auf einen zukommende Leben sicher in den Griff zu bekommen. Irgendwie. Diese nächste Illusion wird ergänzt um die Sicherheit, seine große Liebe gefunden zu haben. Auch sie wird sich abnützen wie Schmirgelpapier. So gut wie immer. Leider.

Als Erwachsener suchen wir Sicherheit in Strukturen, in Karriere und Partnerschaft, in Positionen, Funktionen sowie und politischen und weltanschaulichen Gewissheiten. Bis uns die letzte, die zuverlässige Sicherheit erkennbar wird: unser Sterben, das längst begonnen hat, unser Tod.

Erst wenn wir unsere Schönheit und Kraft, unsere Liebe und unsere Würde in die Opferschale legen und diesem dunklen Gott zu Füßen, werden wir in die Sicherheit finden, die wir von unserem ersten Atemzug an so sehr gesucht haben; die unwiederbringliche Sicherheit des Mutterleibs. Sollten wir also von Mutter Tod sprechen? Für mich ein faszinierender Gedanke. Eingehüllt in die Wolke des Nichtwissens davonzuschweben, von allen Sicherheiten entbunden, die ja jede für sich doch immer wechselhaften, endlichen Bedingungen unterliegen.

Ein glückliches Kind wagt sich in die Welt, weil es um seinen sicheren Zufluchtsort weiß. Erst, wenn wir endgültig abgenabelt sind und einen solchen Zufluchtsort in uns selbst erlebt und verortet haben, wagen wir uns in die wilde, freie Welt, in wilde, freie Gedanken und Ideen und wilde, freie Beziehungen. Erst dann brauchen wir keinen Deal mehr mit dem Leben, dann sind wir keine Lebensbank mehr, die von ihren Klienten Sicherheiten einfordert, sondern können frei geben und annehmen, verschenken und uns beschenken lassen. Dann werden wir zu Wassertropfen im ewigen Kreislauf des panta rhei, sind Individuum und Teil des nun nicht mehr bestimmbaren Ganzen. Dann, endlich, sind wir frei für einander.

Gerade jetzt trifft es uns doppelt: Lockdown + Hintanstellung entscheidender Maßnahmen gegen die Klimakrise. Wenn eine/n da der Blues erwischte, wäre das kein Wunder. Die Stadtwandler Freiburg haben dazu einen guten Artikel geschrieben, auf den ich hier gerne verweise:
“Bei einem Blick auf das Weltgeschehen kann man schon mal vom Weltschmerz überwältigt werden. Und was dann, im Homeoffice still ins Kissen weinen?! Vielleicht mal kurz, aber dann darf es weitergehen.”
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Von Raimar Ocken

Heimat ist der Ort, wo der Mensch seine Wurzel hat. Exil ist der Ort, wo ein Mensch neu wurzeln kann, ohne die Möglichkeit zu haben, in die alte Heimat zurückkehren zu können, selbstgewählt auf Grund der Persönlichkeitsentwicklung oder erzwungenermaßen, weil politisch oder kirchlich nicht (mehr) erwünscht.

Vor Jahren habe ich in einer Zeitung einen kleinen Artikel gelesen, in dem ging es darum, dass ein Amerikaner vor einem Gericht die Scheidung von der Frau, mit der er verheiratet war, erwirkt hat, weil das Gericht seiner Klage: „Du bist nicht wie meine Mutter“ entsprach. Er hat wohl in der Beziehung zu der Frau rückblickend das phantasierte Paradies auf Erden (seine Mutter) gesucht. Das kommt leider öfter vor. Denn die Mutter stellt die erste Heimat dar. In vielen Fällen leider in nicht erfüllender Form. So wird unter Umstände ein Leben lang darauf gehofft, dass die Sehnsucht doch noch eines Tages von ihr oder einer anderen Frau gestillt wird. Dies gilt nicht nur für hoffende und suchende Männer. Es kann sich auch derart zeigen, dass die Erfüllung der Sehnsucht bei einem Mann gesucht wird.

Auf Grund einer nicht sättigenden Mutter-Kind-Bindung ist der erwachsen werdende Mensch gezwungen, diesem Rauswurf aus dem Paradies sein Leben lang nachzutrauern. Findet keine Trauerarbeit statt, in der es um das Bewusstwerden der Schmerzursachen und um eine Heilung geht, so ist dem traumatisierten Suchenden auf seinem Lebensweg viel Mühsal und Leid beschieden. Hinter der Suche nach der idealen Mutter steht wohl der Wunsch nach der Wiedervereinigung mit dem göttlichen Ganzen.

Wer ins Exil gegangen ist, der hat die Aufgabe vor sich, in die neue Heimat einzutauchen und die alte dem Vergessen anheimzustellen. Denn keiner kann zwei Herren gleichzeitig dienen.

Der syrische Exilliterat Rafik Schami schreibt in seinem Buch „Ich wollte nur Geschichten erzählen“: „Die Sehnsucht nach der Ursprungsheimat behindert den Exilanten nicht nur daran, Wurzeln in der neuen Heimat zu schlagen, sondern sie minimalisiert seinen Genuss der Freiheit und anderer realen Schönheiten seines Lebens im Exil durch die Illusion einer Idylle der ursprünglichen Heimat, die ihm seine Sehnsucht vorgaukelt.“ (S. 75, Verlag Hans Schiller, Berlin/Tübingen und Hirnkost KG, Berlin, 2017).

 

Von Raimar Ocken

Meiner Vorstellung nach sind wir Menschen Teile eines großen Ganzen. Ich gehe davon aus, dass ich nicht alleine so denke. Es gibt etliche: Hoffende, Träumer und Aktivisten, die sich eine bessere, eine menschlich-friedlichere und liebevollere Zukunft wünschen. Visionen gibt es, wie auch Versuche und Ansätze, es besser zu machen als es allgemein üblich ist. Was kann entstehen, was wird entstehen?

Wenn wir davon ausgehen, dass die vorhandene Energie nicht mehr und nicht weniger wird, dann ist es sinnvoll bis notwendig, darauf zu achten, wo wir etwas wegnehmen oder hinzufügen. Denn ein Zuviel kann ebenso schaden wie ein Zuwenig. Wenn an einem Punkt Zufluss ist, ist an einem anderen Abfluss.

Wenn wir mehr Lebensfreude, Schönheit, Gesundheit und Friedlichkeit erzeugen, wo ist denn dann der Abfluss? Abfluss bedeutet in diesem Zusammenhang: Was sind wir bereit zu opfern (loszulassen), um unsere Ziele zu erreichen? Opfern bedeutet allerdings nicht, etwas zu schenken, was wir nicht mehr benötigen. Überschuss verteilen ist nicht opfern. Es geht um Beziehungen, Ideen, Gegenstände, Vermögen, die wir eigentlich noch gebrauchen (könnten).

Was sind wir bereit, zu geben?

von Maria Schöller

Vor einigen Wochen durfte ich mit einer Gruppe eine Übung machen. In der Zwischenzeit hat die Erinnerung daran immer wieder mein Herz weich und warm werden lassen – und so möchte ich nun auch Dich daran teilhaben lassen.

Die Übung

Bei der Übung (die noch keinen Namen hat) geht es darum, sich in Zweiergruppen in Begriffspaare hineinzuversetzen und diese in einer Haltung oder Geste zum Ausdruck zu bringen. Die Begriffspaare sind dabei Ausdruck polar gegenüberstehender Lebenshaltungen: Getrenntheit vs. Verbundenheit.

Im Wortlaut zum Beispiel: Weiterlesen

von Raimar Ocken

Wenn wir Menschen auf die Welt kommen sind wir “unfertige Wesen”. Wir können uns nicht alleine am Leben erhalten, nicht fortbewegen und uns nicht schützen durch Flucht oder Kampf. Wir müssen Stand halten bis uns unsere Kräfte verlassen und sterben.

Letztlich sind es vier Grundbedürfnisse, die uns durch Leben führen und deren Qualität der Befriedigung die Qualität unseres Lebens ausmachen. Wir wollen … Ich schreibe hier “wollen”, weil es ein Grundbedürfnis gibt, das allen Lebewesen innewohnt: Wachstum. Es ist uns ein Bedürfnis zu wachsen.

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Beate Reineckers literarische Wegweiser aus der praktischen Philosophie

von Kilian Manger

Unsere Gesellschaft braucht ein tragfähiges ethisches Fundament? Natürlich. Dieses Fundament wird von ehrlichen, mutigen und mündigen Menschen getragen? Sicherlich. Ethik wird dann Wirklichkeit, wenn ihre Werte sich in unserem Handeln widerspiegeln.

Dafür aber müssen wir eine Entscheidung fällen. Ganz allein für uns. Und rechtfertigen müssen wir sie nur vor unserem Gewissen. Keiner von uns ist ohne Fehler. Über moralische Prinzipien und unsere Vorbildfunktion kann man sprechen. Manchmal fehlt uns die Ausdauer, manchmal auch der Wille. Wie kommen wir dazu, unser Wirken beharrlich im Hinblick auf unsere globale Verantwortung zu prüfen und unser Leben an ganzheitlichen, ethischen Maßstäben auszurichten? Wie lassen sich liebgewordene, aber längst nicht mehr zeitgemäße Gewohnheiten aufbrechen?

Die Antworten auf diese wenigen Fragen münden in eine individuelle Entscheidung. Sie steht am Anfang allen Handelns und stellt die Weichen für die konkrete Umsetzung unserer Werte in unseren Lebensalltag. Diese lässt – nicht nur bei mir – zu wünschen übrig. Daher bin ich dankbar für jeden Wegweiser, der mein bisheriges Handeln in Frage stellt, mir tief in die Augen schaut, Kritik offen ausspricht, den Finger in die Wunde legt und mich auffordert, eine ausgereifte Entscheidung zu treffen.

Beate Reinecker, Mutter zweier erwachsener Kinder, geboren 1959 in Essen, studierte Philosophie und Germanistik in Münster. Sie versteht es, hinter die selbsterrichteten Fassaden ihrer Mitmenschen zu schauen, verknüpft ihre Wahrnehmungen mit praktischer Lebenserfahrung und schreibt Bücher, die „unter die Haut gehen“. Schonungslos nimmt sie die Leser*innenschaft in die Verantwortung und spricht ihnen ins Gewissen. Wir sind es, die diese Welt gestalten. An uns liegt es, ein von Rücksichtnahme und Wertschätzung durchströmtes Morgen zu schaffen. Wenn du nicht aufstehst, wer dann? Schau nach innen! Du kennst den Weg!

Beate Reinecker vertritt die These, dass eine Auseinandersetzung mit der praktischen Philosophie aufrüttelnd und zugleich ermutigend ist. Ein ehrliches Hinterfragen unserer gewohnten Denk- und Handlungsmuster hilft uns, neue Wege einzuschlagen. Auf ihrer Homepage https://philosophietexte-reinecker.de eröffnet sie Einblicke in ihre Einsichten, Erfahrungen und Bücher.

Ein Ausschnitt aus ihrem Buch „Freude und Erkenntnis“:

» Die Spaßgesellschaft und die Konsumdiktatur lassen uns kaum zur Ruhe kommen. Wir haben große Probleme, nicht in den Sog der sinnlosen Ablenkungen zu geraten. Wir sind aufgefordert, nicht unsere kostbare Lebenszeit zu vergeuden und wir sind gehalten, das Leben in seiner Komplexität zu erfassen. Der abgelenkte, konsumorientierte Mensch kann die tiefgreifenden Zusammenhänge der Existenz kaum oder gar nicht erfassen, da er pausenlos damit beschäftigt ist, das Geld für die vielen materiellen Wünsche sicherzustellen. Die Konsumdiktate greifen und lenken den Menschen. Die Werbung erweckt immer neue Wünsche und die Turnschuhe von gestern lassen den Modebewussten heute armselig aussehen.

Was ist das für eine Welt, in der Menschen nach ihrer Konsumtüchtigkeit, ihrem Geldbeutel bewertet werden? Das Taxieren des Mitmenschen nach seinen äußerlichen, materiellen Attributen erzählt von einer gnadenlosen, fehlgeleiteten Wahrnehmung. Umso dringender sind wir als mündige Bürger aufgefordert, eigene Schwerpunkte und Lebenskonzepte zu entwickeln. Die vielen Ansprüche an uns, die Ablenkungen und oft sinnentleerten Forderungen bringen uns in eine Gefahrenzone. Diese fremdbestimmenden Entwürfe, wie wir zu sein haben, was wir zu wollen, zu kaufen und zu feiern haben, werden uns übergestülpt. Wir alle sind aufgefordert, uns zu besinnen. Was wollen wir wirklich? «