… das ist klar. Neulich las ich und konnte dem nur zustimmen: noch mehr als ein Paradigmenwechsel brauchen wir einen Ontologiewechsel. Aber lassen wir diese Feinheiten. Nennen wir’s einfach „grundlegenden Bewusstseinswandel“. Meistens beschäftigen wir uns – wohl auch wegen der empfundenen Zeitknappheit – mehr mit den äußeren Dingen des Wandels des sozial-ökologischen Wandels. Doch solange wir uns nicht mit den tieferen Ursachen beschäftigen, weshalb wir uns beinahe täglich (ja wir alle, auch ich) an der Weltzerstörung beteiligen; solange wir unser Augenmerk nur auf die quantitiven Aspekte richten (weniger COs, weniger Plastik, weniger Fleischkonsum etc.) statt auf die qualitativen (Respekt vor allem, was lebt; Einsicht in unser Teilsein des Ganzen; Demut statt Hochmut etc.), so lange werden wir die Umkehr nicht schaffen.

Sepp Stahl, Urgestein der Wandelbewegung, Wackersdorf-Aktivist und engagierter Christ, hat sich vor einigen Jahren die Mühe gemacht, viele spannenden Aspekte und Quellen des anstehenden Bewusstseinswandels zusammenzutragen und miteinander zu verknüpfen. Weiterlesen

Folgenden Text schrieb mir Silke Soares David als Geburtstagsgeschenk. Was für eine originelle Idee!

Es gibt heute eine Wandelbewegung, es gibt die Pioniere des Wandels, Wandel-Lokale, doch was ist mit diesem „Wandel“ eigentlich gemeint?

Auch der Schwächste wird gesehen und gehört

Ich glaube, jeder versteht darunter etwas anderes. Ich möchte hier einmal deutlich machen, was ich darunter verstehe. Ich verstehe unter Wandel, dass sich etwas wandelt. Dass wir nicht so bleiben wie wir sind. Und das vor allen Dingen in der Begegnung mit anderen. Dass sich durch die Begegnung mit anderen irgendwas in uns verändert, manche sagen transformiert. Wandel kann dabei in vielfältiger Hinsicht geschehen. Er kann alle Bereiche betreffen. Er ist eigentlich grundlegend. So ist es für mich ein Zeichen des Wandels, wenn sich nicht mehr derjenige durchsetzt, der am lautesten schreien oder sich am besten durchsetzen kann, sondern dass alle gehört werden. Alle bis ins kleinste Glied hinein und bis zum Schwächsten hin. Und dass gerade der Schwächste unter allen Weiterlesen

„Wir könnten so viel von der Natur lernen, stattdessen versuchen wir, sie zu bezwingen. Das Ergebnis: die natürliche Vielfalt zerfällt. Die Würde der Natur gehört ins Grundgesetz – jetzt.“ So Harald Lesch.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Den Satz können wir schon nicht mehr hören, denn unser – allseits weitgehend akzeptierter – ganz normaler Alltag überzieht ihn mit Spott und Hohn. Beispielsweise endet die Würde des Menschen an den Türen der meisten Pflegeheime an den meisten Tagen des Jahres. Oder an den Gefängnistüren von Julian Assange und Millionen anderer Gefangener. Aber das ist hier nicht Thema.
Der Natur Würde zuzugestehen – das ist eine starke Forderung. Man könnte auch sagen: ein starkes Stück. Denn schon den Satz zu Ende zu denken, verursacht mir existenzielle Verunsicherung. Wie geht es erst Mitmenschen, für die die Natur bestenfalls eine kostenlose oder billige Ressource ist? Weiterlesen

Wie können wir in ein neues gesellschaftliches Paradigma finden? Haben wir dazu überhaupt die geringste Chance? Ja, sagt Peter Zettel, dessen oftmals provokative Texte aber letztlich den Weg weisen.

Von Peter D. Zettel

Was kann ich tun, wenn es kein richtiges Leben im falschen gibt, wie Theodor Adorno es formuliert hat? Für bare Münze genommen, wäre das ein ziemlich zynischer Satz. So aber kann das Adorno nicht gemeint haben, jedenfalls kann ich mir das nicht vorstellen. Es ist wohl mehr die Herausforderung, der sich jeder stellen muss, der sich bewusst ist, was in unserer Zeit gerade passiert, von Kriegen über Gewalt, Neid, Hass, Gier und Missgunst bis hin zur Zerstörung der Natur und damit unserer eigenen Lebensgrundlage.

Was kann ich also tun, außer den Kopf in den Sand zu stecken? Vielleicht beginnt es bei dem eigenen Verständnis von Macht. Ich bin, 1951 geboren, von der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus geprägt. Der war ja nicht möglich, weil Hitler ein böser Mensch war, sondern weil viele die von ihm zum Ausdruck gebrachten Einstellungen teilten – oder er sie aufgegriffen hatte. Aber etwas Entscheidendes darf man nicht übersehen, nämlich dass er mit demokratischen Mitteln an die Macht kam. Es war die Bereitschaft vieler, sich der aktuellen gesellschaftlichen Situation zu beugen, sich nicht zur Wehr zu setzen, vielleicht sogar zu glauben, sie für eigene Zwecke nutzen zu können. Und wie ist es heute? Viele beklagen sich lautstark über all die Dinge, die falsch laufen, doch haben sie auch den Mut, das Richtige zu tun und zu ihrem Chef „Nein!“ zu sagen, wenn der will, dass sie etwas tun sollen, was „eigentlich“ nicht in Ordnung ist? Oft ist es ein schleichender Prozess, eine leise beginnende Erosion gesellschaftlicher wie persönlichen Werte, die einen auf die schiefe Bahn kommen lässt.

Gerade höre ich von einer Firma, in der sich alle Mitarbeiter über etwas beklagen, weil es schlicht sinnlos ist und nur Zeit kostet – doch keiner sagt etwas, weil sie Angst haben, ihren Job zu verlieren. Letztlich beschädigt sie das aber alle, denn es trägt nicht zur Wirtschaftlichkeit bei, im Gegenteil. Doch keiner wagt es, etwas zu sagen, eben aus Angst um die eigene Existenz. Und das ist die Falle, in der sich so viele gefangen sehen. „Die da oben“ heißt es dann, weil man sich ja nicht eingestehen will, dass man das freiwillig mitmacht. Doch die da oben haben genauso Angst um ihren Job, denn sie sind den auch recht schnell los, wenn der Aktienmarkt ihnen nicht mehr zugetan ist. Doch warum gibt es Unternehmen, die solche destruktiven Spiele nicht mehr mitspielen und gerade deswegen und nicht trotzdem wirtschaftlich erfolgreich sind? Weil einem jeder Ökonom erklären kann, dass Wirtschaftlichkeit und Aktienmarkt nicht kompatibel sind. Statt also einfach aufgeben und sich selbst zu korrumpieren – und nicht etwa korrumpieren zu lassen – sich also zusammenzusetzen und zu überlegen, was zu tun ist. Aber einer muss anfangen. Und wenn man das selbst merkt, dann ist man eben selbst dieser eine, der anfangen sollte.

Es ist, zwar auf einer ganz anderen Ebene, die selbe Dynamik, die auch in Politik und Gesellschaft Alltag ist. Dazu ein Zitat von Albrecht Mahr: „Die Kraft, derer sich der Nationalsozialismus bemächtigt hat – oder besser: das versucht hat – ist vergleichbar mit der Atomkraft, die unvorstellbar destruktiv sein kann, aber eben auch sehr nützlich. Im Nationalsozialismus waren die Bereitschaft des Dienens, des Verzichts auf persönliche Vorteile, die große Entschlossenheit etc. aufgerufen – alles gute Dinge – und sie waren in den Dienst einer vernichtenden rassischen Ideologie gestellt, die von Abermillionen mitgetragen wurde. Die destruktive Ideologie und die von ihr missbrauchten Kräfte sind aber nicht das Gleiche, und wir sind da zur Klarheit der Unterscheidung aufgefordert. Das heißt, wir müssen uns der mächtigen Kräfte, etwa unbedingter Entschlossenheit und der Willenskraft, für die Wahrheit einzutreten, bewusst werden und lernen, sie für die Ziele einzusetzen, die allen Menschen dienen und niemanden ausschließen. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass die Verquickung von Macht und Ideologie in Deutschland eine „pazifistische Versuchung“ nach sich gezogen hat, das heißt Aggression in jeder Form zu vermeiden, weil sie mit Faschismus gleichgesetzt wurde. Diese Art der Friedfertigkeit führt zu Kraftlosigkeit – wir werden dann ‚wie gekochtes Gemüse‘, hat mal jemand gesagt.“

Es hilft also nichts, wir müssen uns mit all diesen Seelenkräften vertraut machen. An der Grausamkeit des Nationalsozialismus gibt es nichts zu deuteln, aber auch nicht daran, dass viele – scheinbar sehenden Auges – in den Abgrund geraten sind. Die Fokussierung auf nur wenige hat den fatalen Effekt, dass man dann schnell bereit ist, die Anteile und das Verhalten anderer auszublenden. Beispielsweise, dass Höß, der Lagerverwalter von Auschwitz-Birkenau, ein liebevoller Vater und freundlicher Ehemann war. Hanna Arendt hat es in ihrem Text über die Banalität des Bösen klar herausgestellt, eine Betrachtung über Adolf Eichmann. Was ihr aber keine Freunde eingebracht hat, denn das bedeutet letztlich, dass jeder Mensch dazu in der Lage ist, ausnahmslos jeder; wenn er nicht seine Haltung, sein Denken und sein Tun permanent reflektiert und sich wirklich bewusst ist, was gerade in ihm vorgeht. Das ist auch gut beschrieben in dem Video „Das radikal Böse“ oder in dem „Roman eines Schicksallosen“ von Imre Kertész. Doch wenn wir bereit sind, uns gerade auch mit dem ungern Gesehenen zu beschäftigen, nämlich mit den aggressiven Aspekten in uns wie mit unserer Wortwahl, in der oft die Keime zu Gewalttätigkeit enthalten sind und die scheinbar zu unserer Grundausstattung gehören – warum auch immer. Das heißt, wir selbst sind aufgefordert, uns auf einem anderen Bewusstseinsniveau anzusiedeln. Das lässt uns am Ende friedfertiger und zugleich kraftvoller werden – und wir brauchen beides.

Es kann also nicht sein, dass mir die Möglichkeit richtigen Lebens verstellt ist, gleichgültig, wie ich mein Leben gestalte. Das ist in meinen Augen nichts anderes als eine Ausrede. Adorno aber meint das Gegenteil. Anstatt sie aufzuheben, bekräftigt er die Differenz von Richtig und Falsch. Auch wenn ein im Ganzen richtiges Leben unmöglich ist, so ist es für ein unverblendetes Dasein äußerst wichtig, sich denn Sinn für das Richtige nicht abkaufen zu lassen. Und genau deswegen überlegt Adorno immer wieder, wie es am besten wäre, sich in schwieriger Lage zu verhalten, weil er einerseits die destruktiven Tendenzen der Moderne klar sieht, er aber andererseits den „Traum eines Daseins ohne Schande“ nicht aufgibt.

Mit diesem Traum freilich hat es eine besondere Bewandtnis. Adorno lässt sich von einem außerordentlich extremen Ideal des individuellen und gesellschaftlichen Lebens leiten. Dem Modell der Produktion, von dem er alles Leben – und Morden – unter den Bedingungen der Moderne geleitet sieht, stellt er ein Modell der Kontemplation gegenüber, unter dem Menschen und Dinge einander in unwillkürlicher Aufmerksamkeit begegnen könnten. Nur vom Unmöglichen her können wir seiner Ansicht nach unsere Möglichkeiten verstehen. Ich denke, dass es genau so ist.

Dabei gilt es, zwei ganz wesentlichen Dingen gerecht zu werden. Zum einen sind wir nur zu einem sehr geringen Prozentsatz unserer selbst bewusst. Wir können uns also nie sicher sein, dass wir alle Aspekte einer Sache sehen können, auch bei uns selbst nicht. Dieser fehlenden Bewusstheit für uns selbst können wir nur durch einen sehr bewusst gestalteten Alltag begegnen. Krishnamurti hat es treffend formuliert, nämlich dass die Wahrheit ein pfadloses Land ist. Doch das bedeutet eben nicht, alles laufen zu lassen, sondern den Alltag sehr bewusst und klar zu gestalten.

So wie man Kindern eine aus Orten, Zeiten und Gesten bezeichnete Welt baut, damit diese bezeichnete Welt sie die ersten Wichtigkeiten lehrt, genauso machen es auch Zen-Menschen. Sie bauen sich eine absolut klare und einfache, aber auch sehr strikte Alltagswelt auf, denn die ermöglicht es ihnen, die Leerheit zu erfahren. Christliche Mönche machen es übrigens genauso. Erst der klar strukturierte Alltag macht Kreativität, Kontemplation und Reflexion wie geistige Versenkung überhaupt möglich. Je geordneter mein Bücherregal ist, desto leichter finde ich mich darin zurecht. Und dann bin ich nicht mit Suchen beschäftigt, sondern kann lesen. Entsprechend ist es auch mit dem Alltag. Je klarer der strukturiert ist, desto mehr Zeit habe ich für mich selbst. Keine Ablenkung.

Dazu kommt, dass ich ja nur das erreichen kann, was ich mir auch vorstellen kann. Andererseits kann ich mir gar nicht vorstellen, wie gefangen ich normalerweise in Vorstellungen bin. Doch dazu brauche ich ein klares Umfeld, so wie ein guter Designer einen leeren Schreibtisch hat. Je mehr rumliegt, desto weniger kreativ ist er. Ich muss mir also einen Raum schaffen, in dem Neues generiert werden kann. Und je mehr in dem Raum schon vorhanden ist, desto schwieriger ist das für mich. Ich brauche also den leeren Raum mit möglichst geringer Ablenkung, um in mir eine Vorstellung von Leerheit entstehen lassen zu können. Denn auch die Leerheit kann ich mir vorstellen, es ist der Raum des Möglichen.

Gerade habe ich eine Website gefunden, in der es einerseits um Zen, wie um das Kochen in einem Zen-Kloster, und um Kyodo geht, das von Zen geprägte Bogenschießen. Dabei kam mir der Gedanke, der wohl schon lange in mir geschlummert hat, warum nicht Zen mit einem Leben im Alltag und Bogenschießen mit etwas zu tauschen, was man öfters tut, etwa Motorradfahren? Und das Kochen zum Ritual zu machen, wie es ein Zen-Meisters macht? Das würde Zen von dem exotischen Touch befreien, den es dank der Roben und Rituale nun einmal hat. Aber die Haltung bliebe. Und auf die kommt es an. Wir wissen, dass Form den Inhalt generiert. Will ich also eine spezifische Haltung leben, brauche ich die dementsprechende Form. Und weil ich weiß, dass ich einen direkten Einfluss auf Äußerlichkeiten habe, nicht aber auf die Grundlagen dessen, was ich denke und damit auch nicht auf das, was ich tue, denn das ist mir im Wesentlichen nicht bewusst.

Es ist die alte Gretchenfrage: »Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?« Religion steht hier für all das, was Gretchen in ihrem Leben als Maßstab des Handelns ansieht, als Orientierung in ethischen Fragen und im ganz alltäglichen Leben. Es geht in der Gretchenfrage also um das Selbstverständnis Fausts als Menschen. Es ist keine »Gewissensfrage« im traditionellen Sinn, sondern die Frage nach der Norm, nach der ein Mensch sein Leben ausrichtet. Und das ist genau die Frage, der wir uns immer wieder stellen müssen, wollen wir wesentlich und wahrhaftig sein und wenn es nicht bei den philosophischen Gedanken und Reflexionen bleiben soll.

Doch was prägt meine Gedanken, meine Haltung und mein Welt- wie mein Selbstbild? (Immer in dieser Reihenfolge!) Ganz einfach, das ist das, worauf ich mich konzentriere, womit ich mich beschäftige und wie ich letztlich lebe. Und am Anfang steht ein Gefühl, mein Lebensgefühl. In meinem Lebensgefühl wird mein implizites Welt- und Selbstbild sichtbar, es zeigt sich in meiner Lebensweise. Es fängt ganz banal an: Warum fahre ich dieses und kein anderes Motorrad oder Auto? Warum esse ich lieber so und nicht anders? Weshalb mache ich diesen Urlaub und keinen anderen? Oder warum kaufe ich mir lieber eine CD von Sting als in ein Konzert mit ihm zu gehen? In meiner Lebensart und meinem Lebensgefühl ist mein implizites Inneres sichtbar, auch für mich selbst, wenn ich bereit bin, mich darauf einzulassen. Das ist gar nicht so leicht, denn das bedeutet die hellen und die dunklen Seiten gleichermaßen zu sehen. Nur zusammen ergeben sie ein Bild meiner selbst. Immer wieder muss ich mich fragen, ob ich nicht doch wieder einmal an etwas Vordergründigem und an der Oberfläche hängen geblieben bin. Ein Beispiel: Über lange Zeit habe ich von der „Macht der Gedanken“ gesprochen, bis ich irgendwann endlich begriffen hatte, dass die gar keine Macht haben. Persönliche Macht setzt sich nämlich zusammen aus Lebenskraft und einer Ideologie.

Gedanken sind nichts anderes als die Exekutive, die mittels meiner Lebenskraft das umsetzen, was ihnen meine Haltung vorgibt. Und meine Haltung ist nichts anderes als das Spiegelbild meines Welt- und Selbstbildes. Die beiden sind mir aber nicht bewusst, sondern schlummern in den Tiefen meines Nicht-Bewussten. Gehe ich aber davon aus, dass Gedanken selbst Macht hätten, dann sitze ich einer Illusion auf. Und darum funktioniert das mit der Gedankenkontrolle auch nicht, denn über mein Gehirn habe ich nun einmal keine Kontrolle. Und auch mein Welt- und Selbstbild kann ich nicht so einfach mal austauschen, wenn ich einen Fehler darin entdeckt habe, denn es ist ja mehrheitlich nicht bewusst. Damit stellt sich die Frage, was mein Welt- und auch mein Selbstbild eigentlich prägt. Ganz einfach, es wird durch das geprägt, womit ich mich beschäftige und wie ich lebe.

Wie also will ich leben? Auf diese Frage eine sehr bewusste, klare und überlegte Antwort ohne jegliche Spur von Oberflächlichkeit oder Populismus zu geben – das ist die Quintessenz. Manche Menschen denken ja, wir würden uns zu viele Gedanken machen angesichts all der Dinge, die wir nicht wissen. Es ist richtig, wir wissen sehr, sehr vieles nicht. Aber wie es auch ist, wir sollten von dem ausgehen, was wir wissen und das Beste daraus machen. Denn einfach nur fatalistisch die Hände zu falten und nichts zu tun ist exakt die Option, die Adornos für zynisch hält. Fatalismus ist definitiv zynisch und für mich absolut keine Option.

Heißt, ich setze das Thema Zen & Alltag für mich um, so gut es mir gelingt.

 

von Dieter Duhm

Ich bin 76 Jahre alt, heute noch so politisch aktiv wie in der Studentenbewegung 1968, aber mit Erfahrungen, die ich mitteilen muss, weil ich inzwischen verstanden habe, woran bisher fast alle Bewegungen gescheitert sind.

Heute gehen viele Tausend junger Leute auf die Straßen für Klimaschutz und Systemwechsel. Danke dafür! Ich kann nur hoffen, dass diese Bewegung genügend innere Kraft und Ausdauer gewinnt, um tatsächlich zu einem Systemwechsel zu führen. Das wäre wirklich eine historische Wende, denn seit Jahrhunderten kämpfen Menschen gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt, und seit Jahrhunderten verlieren sie ihren Kampf gegen die Übermacht des bestehenden Systems. Und doch ist dieser Kampf nicht mehr zu stoppen, denn überall sind Menschen, vor allem junge Menschen, welche die Barbarei der bestehenden Gesellschaft nicht ertragen können. Sie kämpfen bei den Lakota-Indianern in Standing Rock (USA), sie kämpfen im Hambacher Forst in Deutschland, sie kämpfen in der Friedensgemeinschaft von San José de Apartadó in Kolumbien, sie kämpfen um die Wiederherstellung von Riace ( Italien), sie kämpfen auf den Rettungsschiffen für die Flüchtlinge im Mittelmeer, sie kämpfen … auf allen Kontinenten.

Und immer wieder verlieren viele nach einiger Zeit ihre Kraft, enttäuscht und entmutigt ziehen sie sich zurück, werden krank oder drogensüchtig oder kriminell. Ich selbst habe in der marxistischen Linken in Deutschland (1968) vier Jahre lang diese Art von Kampf miterlebt und mitgeführt. Bis ich gemerkt habe, dass wir eine andere Lösung brauchen. Die Vorstellung der alten Revolutionen ist vorbei, durch Gewalt kam noch nie etwas Besseres auf die Erde. Die ganze Welt braucht eine neue Information. Wie erzeugen wir diese neue Information und wie bringen wir sie in die Welt? Das war seitdem die Frage und die Aufgabe.

Wir danken euch für den kollektiven Aufruf zu einer lebenswerten Zukunft. Möge eure weltweite Rebellion ihr inneres Ziel finden, ein Ziel für die ganze Menschheit. Die wenigen, die heute den Mut haben, aus dieser kollektiven Hypnose auszutreten, brauchen solidarische Unterstützung. Nutzt euren Freiraum stellvertretend für alle, die jetzt nicht diese Möglichkeit haben und deshalb eure Hilfe dringend brauchen. Nutzt eure Wut nicht nur gegen das System und seine Handlanger, sondern nutzt sie, um das Alte von euch selbst abzuwerfen. Wir sind nicht das Produkt einer Gesellschaft, einer Tradition, einer Familie, wir sind Menschen. Befreit euch aus den Altlasten einer fürchterlichen historischen Vergangenheit.

Lasst uns gemeinsam das Leben schützen, das heute im Namen von Konzernen und Regierungen überall zerstört wird. Es gibt einen Sozialismus, der jenseits aller Parteien und Ideologien steht: es ist der Sozialismus von Vertrauen, Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung. Es sind Gedanken der Wahrheit und Gedanken einer parteinehmenden Liebe, die heute die Überlebenskraft in sich tragen und zu dem Wissen führen, das ihr und wir alle für unsere Heilung brauchen. Es ist so einfach, elementar und wahr – und wenn wir es schaffen, dann entsteht ein Feld des Vertrauens, das auch in Krisengebieten wirksam werden kann.

Im Folgenden möchte ich Dinge sagen, mit denen sich die große Rebellion in eine konkrete Kraft verwandeln könnte, die nicht mehr vom bestehenden System eingefangen werden kann. Die gegenwärtigen Demonstrationen für eine lebenswerte Zukunft, für Klimaschutz und Naturschutz, für Menschenrechte und Tierrechte sind Zeichen eines globalen Aufbruchs in fast allen Kontinenten. Sie brauchen aber ein gemeinsames Ziel, sonst verlieren sie ihre Auseinandersetzung mit dem bestehenden System. Die Ziele können nur durchgesetzt werden, wenn es für den nötigen Systemwechsel eine klare Vision gibt.

Systemwechsel! Was heißt das in unserer Zeit, in einer Zeit, wo jährlich viele Millionen Dollar ausgegeben werden für eine gezielte Falschinformation (Verharmlosung) zum Thema des Weltklimas… in einer Zeit, wo es verboten wurde, Flüchtlinge zu retten, die im Mittelmeer ertrinken… in einer Zeit, wo der Wohlstand auf der einen Seite durch unsägliche Raubzüge und Grausamkeiten auf der anderen Seite erzeugt wird? Ganz zu schweigen vom Schicksal der Kinder in den Kriegsgebieten, vom Schicksal der Tiere in Schlachthöfen, Tierlaboratorien oder Pelztierfarmen…

Um das kapitalistische System zu überwinden, brauchen wir eine positive Vision für eine nachkapitalistische Lebensordnung. Wir brauchen eine gemeinsame Vision für uns, unsere Kinder, für alle, die jetzt auf der Flucht sind und keine Heimat haben, eine Vision für Opfer und Täter, eine Vision für die Liebe, auch für unser Verhältnis zu den Tieren, zur Natur und zur ganzen kosmischen Welt, aus der wir ja alle kommen. Diese Vision ist keine Erfindung von Menschen, denn sie existiert als latente Realität im gesamten Bauplan des Lebens.

Der Bauplan des Lebens: Die lebendigen Systeme der Erde und des Universums folgen einer inneren Matrix, die auf Heilung und Einheit, auf höhere Entwicklung durch Kooperation und Zusammengehörigkeit gerichtet ist. Jede Krankheit ist heilbar, jeder Konflikt lösbar, wenn sich das menschliche Frequenzfeld mit der Frequenz dieses kosmischen Feldes verbindet. In diesem Feld sind die Konzepte von Ausbeutung, Feindschaft und Krieg nicht vorhanden. Wo Menschen sich in dieser neuen Lebensordnung begegnen, verwandeln sich Feinde in Freunde. Und genau darum geht es: diese Lebensordnung real auf der Erde zu errichten, eine Ordnung von Vertrauen, Liebe, Kooperation und Solidarität. Dieser Traum wird Wirklichkeit, sobald die ersten Gruppen auf der Erde angefangen haben, ihn zu erkennen und zu verwirklichen. Wir sprechen hier vom „Plan der globalen Heilungsbiotope“. (Nähere Informationen in meinem Buch „Terra Nova. Globale Revolution und Heilung der Liebe“).

Die gequälte Erde kann sich innerhalb kurzer Zeit in ein Paradies verwandeln und große Mengen von CO2 aus der Atmosphäre binden, wenn wir mit der Natur kooperieren und ihre Lebensgesetze befolgen. Wasser, Energie und Nahrung stehen allen Menschen kostenlos zur Verfügung, wenn wir der Logik der Natur und nicht den Gesetzen des Profits folgen. Aber das Problem, vor dem wir heute stehen, ist komplizierter, denn Mensch und Natur bilden in der Biosphäre eine energetische Einheit. Das heißt mit anderen Worten: Die Umweltkrise zerstörter Ökosysteme und die Inweltkrise zerstörter menschlicher Beziehungen und Gemeinschaften sind zwei Seiten desselben Gesamtproblems.

Auf der menschlichen Ebene brauchen wir neue Perspektiven für ein Zusammenleben ohne Angst und Gewalt und ohne die traumatischen Reste unserer historischen Herkunft, wir brauchen sie vor allem in den intimeren Zonen von Sexualität, Liebe und Partnerschaft, denn das tiefste (und heimlichste) Krisengebiet unserer Zeit ist die Beziehung unter Menschen. Es kann in der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe (latenter) Krieg ist. Wir haben in der Zeit der Studentenrevolution vor 50 Jahren viele Ziele erreicht, – aber dann begann der Kampf im Inneren der Gruppen, der Kampf um die richtige Ideologie, um Anerkennung, Macht und Sex! Darauf war noch niemand vorbereitet. Niemand wusste, wie sehr die äußere Gewalt des Systems und der innere Kampf der Menschen aus derselben Quelle kamen. Wenn wir heute zum Erfolg kommen wollen, müssen wir Orte aufbauen, an denen Wahrheit und zwischenmenschliche Solidarität gelernt werden können.

Die Vision einer geheilten Welt kann natürlich nicht mit Zwang oder Gewalt durchgesetzt werden, auch nicht allein mit den herkömmlichen menschlichen und technischen Kommunikationsmitteln, dafür sind die Gegenkräfte noch zu stark. Aber neben der mechanistischen Logik des bisherigen Denkens in den Bereichen von Politik und Ökologie gibt es eine ganz andere Logik: Sie eröffnet sich uns, wenn wir unser Bewusstsein auf die Funktionsweise lebendiger Systeme richten. Resonanz statt harter Macht gehört zu ihren Erfolgsgeheimnissen. Dies bedeutet: Eine Information, die mit der inneren Matrix des Lebens und ihrer universellen Ethik übereinstimmt, verbreitet sich von selbst überall dort, wo empfangsbereite Menschen und Gruppen sind. Wir verwenden für dieses erstaunliche Phänomen den Begriff der „morphogenetischen Feldbildung“ des englischen Biologen Rupert Sheldrake. Wenn die Vision einer neuen Kultur in den ersten Gemeinschaften real entsteht und gelebt wird, gerät die Welt in einen „angeregten Zustand“, denn das, was jetzt an den ersten Orten geschieht, steht in Resonanz mit der höheren Lebensordnung im Bauplan des Lebens. Alle Menschen sind an diese höhere Ordnung genetisch angeschlossen. Viele Gruppen werden sich der neuen Information anschließen. Es entsteht der Gencode für eine neue Zivilisation.

Die Information für eine lebenswerte Zukunft enthält nicht die revolutionären Kampfparolen der alten Zeit, sondern zielt auf eine absolute Parteinahme für das Leben, auf die innere Verbindung mit den höheren Gesetzen der geistigen Welt und auf die Zusammengehörigkeit aller Wesen in der großen Familie des Lebens. Wir leben in der Zeit eines großen Epochenwechsels, dem Wechsel vom Patriarchat zu einer partnerschaftlichen Kultur, vom Hologramm der Gewalt zum Hologramm des Vertrauens. Je mehr Menschen sich weltweit mit diesem globalen Vorgang verbinden, desto schneller kann die grausame Zeit der Kriege beendet sein. Es könnte sehr schnell gehen.

Im Namen der Liebe für alle Kreatur!

von Dieter Duhm | Mai 23, 2019

„Die  Große Transformation  beschreibt einen massiven
ökologischen, technologischen, ökonomischen, institutionellen
und kulturellen Umbruchprozess zu  Beginn des 21. Jahrhunderts.“
Uwe Schneidewind in
„Die Große Transformation – Eine Einführung in die Kunst
des gesellschaftlichen Wandels“

Ich fürchte, dass die folgenden Gedanken vielen Menschen Angst machen werden. Aber wir kommen nicht darum herum, sie zu denken, zu fühlen, zu spüren und in die Tat umzusetzen. Bobby Langer

Von unserem Verhalten in den nächsten Jahrzehnten hängt die Zukunft des planetaren Ökosystems ab. Was ansteht, ist der Schritt aus der Pubertät der Menschheit hin zu ihrem Erwachsenwerden: der Große Wandel. Der pubertäre Mensch denkt an sich, der erwachsen werdende Mensch übernimmt Verantwortung für die Weltgemeinschaft aller Lebewesen und für den Planeten. Und er weiß um sein Eingebettetsein. Weiterlesen

von Sarah Brockhaus

Im Supermarkt steht ein Päckchen Karotten, eingeschweißt in Plastikfolie. Preis: 0,59 €. Auf dem Markt, beim Biolandhändler, der die Karotten selbst in der Region anbaut, sind es 2 € pro Kilogramm. Sind diese Karotten dann mehr wert als die aus dem Supermarkt? Und woraus errechnet sich ihr Wert überhaupt?

In meinem Minijob habe ich einen Stundenlohn von knapp über 10 €. Für die Zeit, die ich im Weltladen stehe und fair gehandeltes Kunsthandwerk und Lebensmittel verkaufe, bekomme ich kein Geld. Ist diese Arbeit deshalb nichts wert? Weiterlesen

Und die Hoffnung, dass er noch so lange bleibt, bis die Zukunft eine Chance erhält.
Das tut sie aber nur, wenn die Parteiführer um ihre Stimmen zittern
(WANN besinnt sich endlich die SPD vorwärts?!)
und die Lobbyisten sich mit dem neuen Wind drehen.

Der Aufstandstext

„Wir sind die Jugend von heute und die Gesellschaft von morgen.
Und wir werden morgen die Konsequenzen tragen, für das, was ihr heute entscheidet.
Wir sind Entwicklung, und wir werden nicht bis morgen warten, dass unsere Stimme gehört wird.
Deswegen, stehen wir heute auf.
Das ist der Aufstand der Jugend!
Wir werden solange rufen, bis man uns hört.
Heute, auf den Straßen und Plätzen, Morgen, in den Ministerien und in den Herzen der Menschen.
Die Zeit ist gekommen, dass die Jugend von heute mitentscheidet über das, was morgen gilt.
Was wir heute fordern, ist der Austausch zwischen den Generationen
und gemeinsame Verantwortung auf dem Weg Richtung Morgen.
Wir bauen uns eine Welt, in der viele möglich sind,
die oberste Prämisse, ist das glückliche Kind.
Viva la Krevolution!

Musik: Actio Grenzgänger Text: Courtier Videoproduktion: Kemperly Film Produktion Buch und Regie: Simon Marian Hoffmann Produktion: Ansgar Wörner Unterstützt durch Jugendstiftung BW und Fonds Sozio Kultur e. V.

Das Mädchen macht wirklich keinen Spaß.  Und Greta ist alles andere als goldig. Wenn sie mit Zähnen statt mit Lippen sprechen könnte, sie täte es: „Why should I be studying for a future, that soon will be no more? When no one is doing anything what so ever to save that future?“

Ihre Rede in deutscher Übersetzung:

Als ich etwa 8 Jahre alt war, hörte ich zum ersten Mal von etwas, das als Klimawandel und globale Erwärmung bezeichnet wird. Anscheinend war das etwas, was wir Menschen durch unsere Lebensweise geschaffen hatten. Mir wurde gesagt, ich solle das Licht ausschalten, um Energie zu sparen und Papier recyceln, um Ressourcen zu sparen. Ich erinnere mich, dass es mir sehr seltsam erschien, dass Menschen, die ja nur eine Tierart unter anderen sind, in der Lage sein könnten, das Klima der Erde zu verändern. Denn wenn wir dazu fähig wären, dann würden wir nichts anderes mehr reden. Sobald man den Fernseher einschaltete, würde sich alles um den Klimawandel drehen. Schlagzeilen, Radio und Zeitungen – man würde nichts anderes hören oder lesen. Als ob ein Weltkrieg ausgebrochen wäre. Aber niemand sprach jemals darüber. Wenn die Verbrennung fossiler Brennstoffe so übel war, dass sie unsere Existenz bedrohte, wie könnten wir dann einfach weitermachen wie bisher? Warum gab es dann keine Einschränkungen? Warum wurde so ein Handel nicht unter Strafe gestellt? Für mich ergab das keinen Sinn. Es war zu unwirklich.

Als ich elf Jahre alt war, wurde ich krank. Ich fiel in Depressionen, ich hörte auf zu reden, und ich hörte auf zu essen. In zwei Monaten habe ich etwa zehn Kilo Gewicht verloren. Später wurde bei mir das Asperger-Syndrom, eine Zwangsstörung und selektiver Mutismus diagnostiziert. Das bedeutet im Grunde genommen, dass ich nur dann spreche, wenn ich es für notwendig halte. Jetzt ist einer dieser Momente.

Für diejenigen von uns, die zu diesem Spektrum gehören, ist fast alles schwarz oder weiß. Wir sind nicht sehr gut im Lügen und nehmen normalerweise nicht gerne an den sozialen Spielen teil, die der Rest von euch so gerne spielt. Ich denke, in vielerlei Hinsicht sind wir Autisten die Normalen und der Rest der Leute ist ziemlich seltsam, besonders wenn es um die Nachhaltigkeitskrise geht, da es doch immer wieder heißt, der Klimawandel sei eine existenzielle Bedrohung und wäre das wichtigste Thema von allen. Und doch machen sie alle einfach weiter wie bisher.

Ich verstehe das nicht, denn wenn die Emissionen aufhören müssen, dann müssen wir mit den Emissionen aufhören. Für mich ist das schwarz oder weiß. Es gibt keine Grauzonen, wenn es ums Überleben geht. Entweder gibt es uns noch als Zivilisation oder eben nicht. Wir müssen uns ändern.

Reiche Länder wie Schweden müssen damit beginnen, die Emissionen jedes Jahr um mindestens 15 Prozent zu reduzieren. Dann können wir unter dem Zwei-Grad-Erwärmungsziel bleiben. Doch wie die IPPC kürzlich gezeigt haben, würde ein Ziel von 1,5 Grad Celsius die Klimaauswirkungen deutlich reduzieren. Was das für die Reduzierung der Emissionen bedeutet, können wir uns nur ausmalen.

Man könnte meinen, dass die Medien und unsere Führer über nichts anderes reden würden. Aber sie erwähnen es nicht einmal. Auch die bereits im System eingeschlossenen Treibhausgase werden nicht erwähnt. Auch nicht die Tatsache, dass die Luftverschmutzung einen Teil der Erwärmung verbirgt, so dass wir bereits ein zusätzliches Erwärmungsniveau von vielleicht 0,5 bis 1,1 Grad Celsius haben, wenn wir aufhören fossile Energieträger zu verbrennen. Darüber hinaus spricht kaum jemand davon, dass wir uns inmitten des sechsten Massensterbens befinden und jeden Tag bis zu 200 Arten aussterben; dass die Aussterberate heute zwischen tausend und zehntausend Mal höher ist als das, was als normal angesehen wird. Auch spricht niemand jemals über den Aspekt der Gleichheit oder der Klimagerechtigkeit, der überall im Pariser Abkommen klar zum Ausdruck kommt und der absolut notwendig ist, damit Klimaschutz weltweit funktioniert. Das bedeutet, dass die reichen Länder innerhalb von sechs bis zwölf Jahren bei der heutigen Emissionsgeschwindigkeit auf Null Emissionen kommen müssen. Und zwar so, dass die Menschen in den ärmeren Ländern die Möglichkeit haben, ihren Lebensstandard zu erhöhen, indem sie die Infrastruktur erhalten, die wir bereits gebaut haben, wie Straßen, Schulen, Krankenhäuser, sauberes Trinkwasser, Strom und so weiter. Denn wie können wir erwarten, dass sich Länder wie Indien oder Nigeria um die Klimakrise kümmern, wenn wir, die wir bereits alles haben, uns keine Sekunde darum kümmern oder um unsere tatsächlichen Verpflichtungen gegenüber dem Pariser Abkommen.

Also: Warum reduzieren wir unsere Emissionen nicht? Warum steigen sie eigentlich immer noch an? Verursachen wir wissentlich ein Massensterben? Sind wir böse? Nein, natürlich nicht. Die Menschen tun immer wieder das, was sie tun, weil die überwiegende Mehrheit keine Ahnung von den tatsächlichen Folgen unseres Alltags hat. Und sie kennen die schnellen Veränderungen nicht, die erforderlich sind. Wir alle wissen, dass wir wissen und wir denken, dass jeder weiß, aber wir wissen es nicht. Denn wie könnten wir das tun? Wenn es diese Krise wirklich gäbe und wenn sie durch unsere Emissionen verursacht würde, würden Sie zumindest einige Anzeichen sehen; nicht nur überflutete Städte, Zehntausende von Toten und ganze Nationen, die zu Haufen von zerstörten Gebäuden nivelliert werden. Ihr würdet einige Einschränkungen sehen. Aber nein. Und niemand spricht darüber. Es gibt keine Notsitzungen, keine Schlagzeilen, keine Nachrichten, niemand tut so, als befänden wir uns in einer Krise. Selbst die meisten Klimaforscher und grünen Politiker fliegen immer wieder um die Welt, essen Fleisch und Milchprodukte.

Wenn ich hundert Jahre alt werde, werde ich im Jahr 2103 leben. Wenn man heute an die Zukunft denkt, denkt man nicht über 2050 hinaus. Bis dahin werde ich im besten Fall nicht einmal die Hälfte meines Lebens gelebt haben. Was passiert als nächstes? Im Jahr 2078 werde ich meinen 75. Geburtstag feiern. Wenn ich Kinder oder Enkelkinder habe, werden sie vielleicht diesen Tag mit mir verbringen. Vielleicht werden sie mich nach Euch fragen, den Leuten aus dem Jahr 2018. Vielleicht werden sie fragen, warum Ihr nichts getan habt, als noch Zeit zum Handeln war. Was wir jetzt tun oder nicht tun, wird sich auf mein ganzes Leben und das Leben meiner Kinder und Enkelkinder auswirken. Was wir im Moment tun oder nicht tun, können ich und meine Generation in der Zukunft nicht rückgängig machen.

Als die Schule im August dieses Jahres begann, entschied ich, dass es genug war. Ich habe mich vor dem schwedischen Parlament auf den Boden gesetzt und einen Schulstreik für das Klima gemacht. Einige Leute sagen, dass ich stattdessen in der Schule sein sollte, andere sagen, dass ich studieren sollte, um Klimawissenschaftler zu werden, damit ich die Klimakrise lösen kann. Aber die Klimakrise ist bereits gelöst. Wir haben bereits alle Fakten und Lösungen. Alles, was wir tun müssen, ist aufzuwachen und uns zu verändern. Und warum sollte ich für eine Zukunft studieren, die bald nicht mehr sein wird? Wenn niemand irgendetwas tut, um diese Zukunft zu retten? Und was nützt es, Fakten in diesem Schulsystem zu lernen, wenn die wichtigsten Fakten der besten Wissenschaften desselben Schulsystems unseren Politikern und unserer Gesellschaft eindeutig nichts bedeuten?

Einige Leute sagen, dass Schweden nur ein kleines Land ist und dass es keine Rolle spielt, was wir tun. Aber ich denke, wenn ein paar Kinder Schlagzeilen auf der ganzen Welt machen können, nur weil sie ein paar Wochen nicht zur Schule gehen, stellen Sie sich vor, was wir alle zusammen tun könnten, wenn wir wollten.

Jetzt sind wir zusammen fast am Ende meines Vortrags. An diesem Punkt fangen die Leute normalerweise an, über Hoffnung, Sonnenkollektoren, Windkraft, Kreislaufwirtschaft und so weiter zu reden. Aber ich werde das nicht tun. Wir haben dreißig Jahre lang aufmunternde Gespräche geführt und positive Ideen verkauft. Es tut mir leid, das funktioniert nicht. Wenn es das getan hätte, wären die Emissionen längst gesunken. Das sind sie nicht.

Und ja, wir brauchen Hoffnung. Natürlich tun wir das. Aber das Einzige, was wir mehr als Hoffnung brauchen, ist Handeln. Sobald wir anfangen zu handeln, ist Hoffnung überall. Anstatt also nach Hoffnung zu suchen, sucht nach Taten. Dann, und nur dann, wird die Hoffnung kommen. Heute verbrauchen wir jeden Tag 100 Millionen Faß Öl. Die einzige Politik, die das ändert – es gibt keine Regeln, um das Öl im Boden zu halten. Also können wir die Welt nicht retten, indem wir nach den Regeln spielen. Aber wenn die Regeln geändert werden müssen, muss sich alles ändern. Und es muss heute beginnen. Ich danke euch.

Ihre Rede auf Englisch:

When I was about 8 years old I first heard about something called climate change and global warming. Apparently that was something we humans had created by our way of living. I was told to turn off the lights to save energy and to recycle paper to save ressources. I remember thinking that it was very strange that humans who are an animal species among others could be capable of changing the earth’s climate. Because if we were and if it was really happening we wouldn’t be talking about anything else. As soon as you turned on the TV everything would be about that. Headlines, radio and newspapers – you would never hear or read about anything else. As if it was a world war going on. But no one ever talked about it. If burning fossil fuels was so bad that it treatened our very existence how could we just continue like before? Why were there no restrictions? Why wasn’t it made illegal? To me that did not add up. It was too unreal.

So when I was eleven I became ill. I fell into depression, I stopped talking, and I stopped eating. In two months I lost about ten kilos of weight. Later on I was diagnosed with Asperger Syndrome, OCD and selected mutism. That basically means that I only speak when I think it’s necessary. Now is one if these moments.

For those of us who are on that spectrum almost everything is black or white. We are not very good at lying and we usually don’t enjoy participating in the social games that the rest of you seems so fond of. I think in many ways we autistics are the normal ones and the rest of the people are pretty strange, especially when it comes to the sustainability crisis where everyone keeps saying that climate change is an existential threat and the most important issue of all. And yet they just carry on like before.

I don’t understand that because if the emissions have to stop then we must stop the emissions. To me that is black or white. There are no gray areas when it comes to survival. Either we go on as a civilization or we don’t. We have to change.

Rich countries like Sweden need to start reducing emissions by at least 15 % every year. And that is so that we can stay below the two degree warming target. Yet as the IPPC have recently demonstrated aiming instead of 1,5 degrees celsius would significantly reduce the climate impacts. But we can only imagine what that means for reducing emissions.

You would think the media and our leaders would be talking about nothing else. But they never even mention it. Nor does anyone ever mention the green house gases already locked in the system. Not that air pollution is hiding a warming so that when we stop burning fossile fuels we already have an extra level of warming perhaps as high as 0,5 to 1,1 degrees celsius. Furthermore does hardly anyone speak about the fact that we are in the midst oft he sixth mass extinction with up to 200 species going extinct every single day; that the extinction rate is today between one thousand and ten thousand times higher that what is seen as normal. Nor does anyone ever speak about the aspect of equity or climate justice clearly stated everywhere in the Paris Agreement which is absolutely necessary to make it work on a global scale. That means that rich countries need to get down to zero emissions within six to twelve years with today’s emissions speed. And that is so that people in poorer countries can have a chance to highten their standards of living by building the infra structure that we have already built such as roads, schools, hospitals, clean drinking water, electricity and so on. Because how can we expect countries like India or Nigeria to care about the climate crisis, if we who already have everything don’t care a second about it or our actual commitments to the Paris Agreement.

So: Why are we not reducing our emissions? Why are they in fact still increasing? Are we knowingly causing a mass extinction? Are we evil? No, of course not. People keep doing what they do because the vast majority doesn’t have a clue about the actual consequences of our everyday life. And they don’t know the rapid changes required. We all think we know and we think everybody knows but we don’t. Because how could we? If there really is a crisis and if this crisis was caused by our emissions you would at least see some signs; not just flooded cities, tens of thousands of dead people and whole nations levelled to piles of torn down buildings. You would see some restrictions. But no. And no one talks about it. There are no emergency meetings, no headlines, no breaking news, no one is acting as if we were in a crisis. Even most climate scientist and green politicians keep on flying around the world, eating meat and dairy.

If I live to be one hundred I will be alive in the year 2103. When you think about the future today you don’t think beyond 2050. By then I will, in the best case, not even have lived half of my life. What happens next? In the year 2078 I will celebrate my 75th birthday. If I have children or grandchildren maybe they will spend that day with me. Maybe they will ask me about you, the people who were back in 2018. Maybe they will ask why you didn’t do anything while there was still time to act. What we do or don’t do right now will affect my entire life and the lifes of my children and grandchildren. What we do or don’t do right now, me and my generation can’t undo in the future.

So when school started in August this year I decided that this was enough. I sat myself down on the ground outside the Swedish parliament, I school striked for the climate. Some people say that I should be in school instead, some people say that I should study to become a climate scientist so that I can solve the climate crisis. But the climate crisis has already been solved. We already have all the facts and solutions. All we have to do is to wake up and change. And why should I be studying for a future, that soon will be no more? When no one is doing anything what so ever to save that future? And what is the point of learning facts in this school system when the most important facts given by the finest science of that same school system clearly mean nothing to our politicians and our society?

Some people say that Sweden is just a small country and that it doesn’t matter what we do. But I think if a few children can get headlines all over the world just by not going to school for a few weeks imagine what we could all do together if we wanted to.

Now we are almost together at the end of my talk. And this is when people usually start talking about hope, solar panels, wind power, circular economy and so on. But I am not going to do that. We had thirty years of pep talking and selling positive ideas. But I am sorry, it doesn’t work. Because, if it would have, the emissions would have gone down by now. They haven’t.

And yes, we do need hope. Of course, we do. But the one thing we need more than hope is action. Once we start to act hope is everywhere. So instead of looking for hope look for action. Then, and only then, hope will come. Today, we use 100 million barrels of oil every single day. The only politics to change that – there are no rules to keep that oil in the ground. So we can’t save the world by playing by the rules. Because if the rules have to be changed everything needs to change. And it has to start today. Thank you.

… 8 Minuten, die man sich als wöchentliche Medizin einflößen könnte
(oder, abhängig von Grad der persönlichen Hoffnungslosigkeit, auch bis zu einmal täglich).
Zu Risiken und Nebenwirkungen frage Deinen Freundeskreis und die herrschende Kaste.

Mich persönlich stört die monotone Hintergrundmusik, aber die lässt sich ja abschalten: