„Wer gibt, dem wird gegeben werden.“ Ein scheinbar einfacher Spruch, eine Forderung wie gleichermaßen Weisheit aus dem neuen Testament. Kennt man. Abgehakt. Passend für arme Leute und Hungerleider, die nichts haben und drauf angewiesen sind, dass sie dem Schicksal eine Gabe abluchsen, bei der sie mehr bekommen als sie gegeben haben. Oder?

Kein Spruch jedenfalls für die moderne Gesellschaft. Stammt ja auch von einem vor 2000 Jahren hingerichteten Sprücheklopfer. Wer weiß, vielleicht ja sogar zu Recht! „Wer gibt, dem wird gegeben werden“ – als ob man das schon mal erlebt hätte! Sagen wir mal, du spendest für Misereor. Und was kriegst du zurück? Im besten Fall ein vollautomatisiertes Dankeschön. Und wenn du einem, der nichts hat, was schenkst, ein Stück Pizza, ein Kilo Äpfel oder ein Butterbrot, dann musst du vielleicht noch mit nem fiesen Spruch rechnen, mitten in der Fußgängerzone.

So weit die banale Einordnung des Spruchs, den wir alle kennen. Und den wir alle nicht wirklich ernst nehmen. Und so weit auch ein Missverständnis. Denn „Wer gibt, dem wird gegeben werden“ adressiert niemanden. Da ist nicht von einem, der braucht, die Rede, sondern von dem Akt des Gebens ohne Absicht. Von einer inneren Haltung vielleicht sogar. Da ist kein Bettler genannt, kein Hungernder, keine Kreatur in Not. „Wer gibt“ – reduzierter könnte man es nicht ausdrücken. Einer, der gibt, vollzieht einen Akt, dessen Gegenteil das Nehmen ist. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit geht es dabei gar nicht um materielle Werte, um Dinge, um kostbaren Besitz. Vielmehr ist der Gebende einer, der sich aktiv der Welt zuwendet, der eine Fülle zur Verfügung hat, einen inneren Reichtum, der ihm das Geben leicht macht. Der Gebende ist kein Bedürftiger. Man muss nichts haben, um jemandem – oder der Welt – ein Lächeln zu schenken oder eine helfende Hand. Oder eine Umarmung, Mitgefühl oder Trost. „Wer gibt, dem wird gegeben werden“ ist ein durch und durch antikapitalistischer Spruch. Ist ja auch alt genug dafür und entstand in einem ersten kapitalistischen Großreiche der Weltgeschichte.

Und nun kommt die große Frage: Was bist du für einer? Bist ein Gebender oder ein Nehmender? Wie begegnest du der Welt und deinen Mitmenschen? Den Tieren, der Mutter Erde? Und um es auf den Punkt zu bringen: Bist du ein Liebender? Lebst du in der Magie der Gabe? Das Schöne dabei: Falls nicht – Du kannst das in jeder Sekunde deines Lebens ändern.

Nur ein echtes Ich kann zu einem echten Du finden.

„Vergiss das Wir, beginne beim Ich.“ Das klingt so befremdlich, dass man den Satz nicht ohne Widerwillen schlucken kann. Und doch könnte er so etwas wie eine neue Formel für kulturelle Transformation sein. Darf eine Aufforderung zum Ich sein, obwohl sich doch der kleinste gemeinsame Nenner der moralischen Erziehung quer durch die westliche Welt in der Mahnung ausdrückt: „Sei nicht so egoistisch.“ Schon Kleinkinder bekommen ihn zu hören, wenn sie im Sandkasten ihr Spielzeug nicht teilen wollen oder das große Brüderchen dem kleinen Schwesterchen die Schokolade wegfuttert. Das bekommt auch der Sohn des Managers zu hören, der am Monatsende 200.000 Euro einstreicht und dem Bettler am Straßenrand keinen einzigen davon gönnt. Weiterlesen

Noch bis vor kurzen war der Spruch “die Welt retten” eine Metapher. Die wurde schon allein deswegen nicht ernstgenommen, weil man dann ja hätte eingestehen müssen, die Welt sei in Gefahr.

Inzwischen hat sich das geändert. Der Spruch ist keine Metapher mehr. Inzwischen könnte sich der blaue Planet tatsächlich in einen grauen Planeten verwandeln – mit der Bodenfruchtbarkeit eines Mars, Corona hin oder her. Gegen den Sturm, der uns auf dem Weg in dieses Desaster umtost, wird die Corona-Krise ein Lüftchen gewesen sein.

Das sind nicht die Weissagungen alttestamentarischer Propheten, sondern die Warnungen nüchterner Wissenschaftler – schwer ernst zu nehmen und noch schwerer, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Die Seite “Wichtigste Mitteilung aller Zeiten (in der Geschichte der Menschheit)!” fasst die Lage zusammen und liefert wichtige Links für weitere Recherchen.

Drei Beispiele von AkteurInnen der Wandelbewegung, die – vermutlich – nichts von einander wissen:

  • Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung dürfte kaum Kontakt haben zu
  • SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil oder zu
  • den Transformativen Theaterworkshops

Alle drei sind natürlich auf ökoligenta vertreten, aber das kann nur ein Anfang sein. Viel besser wäre, sie würden miteinander kommunizieren, sich vielleicht sogar “irgendwie” zusammentun. Damit das immer besser geschehen kann (und sie alle sichtbarer werden), wurde kürzlich das “Wandelbündnis – Gesamtverband für den sozial-ökologischen Wandel” gegründet. Ein klassischer Verband ist das aber nicht. Warum nicht? Weil das Wandelbündnis kein eigenes Thema hat (wie Wirtschaft, Kultur, IT etc.). Alles, worum es geht, ist die sozial-ökologische gesellschaftliche Transformation voranzubringen – auf allen Ebenen, mit allen Themen. Das gelingt am besten, wenn jede/r einzelne AkteurIn mit seinem Thema gestärkt wird.

Die Logik freilich scheint schwer verständlich. Schon geht es los mit Besitzstandswahrung, Ängsten um Terrainverlust etc. Dabei ist und bleibt es so: Je mehr wir uns umeinander kümmern und einander vernetzen, helfen und verstärken, umso stärker wird jede/r Einzelne.

Aber vielleicht tickst Du ja gar nicht so, liebe Leserin, lieber Leser. Vielleicht überlegst Du ja längst, einen Mitgliedsantrag zu stellen? Das würde mich freuen.

Diesmal erteile ich Konstantin Wecker das Wort zu diesen Zeiten.
“Dennoch nicht verzagen.
Widersteh’n.
Leben ist Brücken schlagen,
über Ströme, die vergehn …

Stürmische Zeiten, mein Schatz,
doch oft tragen die Stürme
Botschaften ferner Himmel in unsere Welt,
und es ist immer der Hochmut der prächtigsten Türme,
der allem voran zu Staub und Asche zerfällt.”

Anstelle eines Kommentars:

Das klingt alles ein bisschen wie “kann nicht wahr sein”. Dr. Ha Vinh Tho erzählt davon, wie er in Bhutan Glücksminister wurde und was das konkret bedeutet hat, zum Beispiel, wie sein 1. Arbeitstag aussah. Das 26-minütige, deutschsprachige Interview mit dem heute in der Schweiz lebenden Halbvietnamesen ist sehr inspirierend. Let’s do it!!!

… so heißt Alanders Text über die (scheinbare) Vergeblichkeit, einen grundlegenden Wandel für eine bessere Zukunft zustande zu bringen. Ich kenne diese Trauer sehr gut und sie verstärkt sich, weil gerade so viel Hoffnung in der Welt ist. Wie die “Traurigkeit” entsteht und was wir gegen ihre Ursachen tun können, davon handelt Alanders Beitrag in “Die Posie des Wandels”.

Dies ist DIE Stunde

„Man hat euch gesagt, es wäre fünf vor zwölf.

Nun geht zurück und sagt den Menschen, dass dies die Stunde ist!

Es gibt einiges zu überdenken:

Wo lebst du?

Was tust du?

Welcher Art sind deine Beziehungen?

Bist du in der richtigen Beziehung?

Wo ist dein Wasser?

Kenne deinen Garten!

Es ist Zeit, deine Wahrheit auszusprechen.

Erschaffe deine Gemeinschaft.

Sei gut zu dir selbst.

Und suche nicht im Außen nach einem Führer.

Dies könnte eine gute Zeit werden!

Es gibt einen Fluss, der sehr schnell fließt.

Er ist so groß und schnell, dass es Menschen gibt, die Angst davor haben.

Sie werden sich am Ufer festhalten.

Sie werden das Gefühl haben, zerrissen zu werden und sehr leiden.

Du sollst wissen, dass der Fluss sein Ziel hat.

Die Ältesten sagen, dass wir das Ufer loslassen müssen,

uns abstoßen und in die Mitte des Flusses schwimmen,

unsere Augen offenhalten

und unsere Köpfe über Wasser.

Dann schau, wer bei dir ist und mit dir feiert.

In dieser Zeit jetzt dürfen wir nichts persönlich nehmen,

am allerwenigsten uns selbst.

Denn sobald wir das tun,

stoppt unser spirituelles Wachstum.

Die Zeit des einsamen Wolfs ist vorüber.

Versammelt euch!
Verbannt das Wort Kampf aus eurer Geisteshaltung und aus eurem Vokabular.
Alles was wir jetzt tun, muss auf heilige Art und Weise getan und zelebriert werden.
Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.“

Die Ältesten, Oraibi, Arizona Hopi Nation

[Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Girl_in_the_Hopi_Reservation.JPG]

Eben habe ich mir die neueste Ausgabe von umwelt aktuell angeschaut, dem Infodienst für europäische und deutsche Umweltpolitik des Deutschen Naturschutzrings:
1. Hauptartikel: “Heutiges Handeln entscheidet Zukunft im und am Meer”
2. Hauptartikel: “Eine Bruchlandung im Klimaschutz droht”

Da kann einem schon mehr als mulmig werden, mir jedenfalls. Beide Fachartikel betonen die Dringlichkeit schnellen, entschlossenen Handelns. Und wer wüsste nicht, dass genau das nicht stattfinden wird? Weil alle Mächtigen so hilflos mit ihren eigenen Fesseln und Fallstrichen kämpfen. Dass wir also mehr oder weniger ungeschützt im Klimakollaps landen werden. Eine tückische Stimme in mir flüstert: “Ja, aber dann bin ich vielleicht nicht mehr.” Eine zweite antwortet: “Wohl aber meine Kinder und Enkel.”

Also ist es mal wieder diese Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen. Spricht es für oder gegen mich, dass stets die Hoffnung gewinnt? Vermutlich weder das eine noch das andere. Ich bin nun mal ein (hoffnunglsoser?) Optimist. Doch über diese subjektive Ebene hinaus scheinen mir auch manche Fakten rechtzugeben. Vor 40 Jahren kannte so gut wie niemand das Wort “Ökologie”, geschweige denn seine Bedeutung (letzteres dürfte auch heute noch zutreffen). Heute verhandeln Regierungen miteinander zu diesem Thema. Historisch gesehen ging es also blitzartig. Und in den letzten fünf Jahren hat sich das Tempo noch einmal drastisch erhöht. Kann es da nicht sein, dass auch die moralisch Korruptesten erwachen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegensteuern? Denn sogar die dunkelsten Mafiosi sorgen für Kinder und Enkel. Sagt man.