Eben habe ich mir die neueste Ausgabe von umwelt aktuell angeschaut, dem Infodienst für europäische und deutsche Umweltpolitik des Deutschen Naturschutzrings:
1. Hauptartikel: „Heutiges Handeln entscheidet Zukunft im und am Meer“
2. Hauptartikel: „Eine Bruchlandung im Klimaschutz droht“

Da kann einem schon mehr als mulmig werden, mir jedenfalls. Beide Fachartikel betonen die Dringlichkeit schnellen, entschlossenen Handelns. Und wer wüsste nicht, dass genau das nicht stattfinden wird? Weil alle Mächtigen so hilflos mit ihren eigenen Fesseln und Fallstrichen kämpfen. Dass wir also mehr oder weniger ungeschützt im Klimakollaps landen werden. Eine tückische Stimme in mir flüstert: „Ja, aber dann bin ich vielleicht nicht mehr.“ Eine zweite antwortet: „Wohl aber meine Kinder und Enkel.“

Also ist es mal wieder diese Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen. Spricht es für oder gegen mich, dass stets die Hoffnung gewinnt? Vermutlich weder das eine noch das andere. Ich bin nun mal ein (hoffnunglsoser?) Optimist. Doch über diese subjektive Ebene hinaus scheinen mir auch manche Fakten rechtzugeben. Vor 40 Jahren kannte so gut wie niemand das Wort „Ökologie“, geschweige denn seine Bedeutung (letzteres dürfte auch heute noch zutreffen). Heute verhandeln Regierungen miteinander zu diesem Thema. Historisch gesehen ging es also blitzartig. Und in den letzten fünf Jahren hat sich das Tempo noch einmal drastisch erhöht. Kann es da nicht sein, dass auch die moralisch Korruptesten erwachen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegensteuern? Denn sogar die dunkelsten Mafiosi sorgen für Kinder und Enkel. Sagt man.

66 Jahre

Draußen regnet es, und ich freue mich darüber. Tatsächlich. Vor zehn Jahren hätte ich das vielleicht schon gesagt, aber nicht gefühlt. Damals waren mir die leidende Natur und der Garten nicht so nah wie heute.

Nein, mit 66 Jahren fängt das Leben nicht an. Mit 66 möchte ich keine 20 mehr sein, auch keine 30 oder 40. Allerdings ist auch der Blick nach vorne nicht sonderlich beflügelnd. Während mich der Zeitstrahl gnadenlos weiterträgt, verdichtet sich die Gewissheit düsterer Jahre für meine Freunde, Kinder und Enkel, aber auch das Wissen darum, dass weltweit Millionen Frauen und Männer daran arbeiten, dass es zu keinem Unglück biblischen Ausmaßes kommt. Dafür danke ich ihnen allen. Weiterlesen

Ich kann nicht sagen, dass ich ein großer Freund von Demos bin. Mir fehlt der Glaube, dass sie etwas bewirken. Und doch: Aus dem „fehlt“ wird gerade ein „fehlte“. Denn Demo ist nun mal nicht Demo. Ab einer gewissen Menge von Menschen heben selbst die müdesten Politiker ihre schweren Köpfe vom Lobbytisch und beginnen auf den Wähler zu lauschen: „Hä??? Ob ich nicht vielleicht doch mal …?“

Von der Kraft der Ameisen

Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Mein Glaube an die Handlungsfähigkeit von Berufspolitikern ist noch geringer als mein Glaube an Sinn und Zweck von Demonstrationen. Letztlich hängen beide Unglauben aber zusammen. Ein Bild mag das verdeutlichen. Mein Glaube an die Chance von Ameisen, einen liegenden Elefanten auf die Beine zu stellen, geht gegen Null. Das liegt nicht am mangelnden Engagement der Ameisen, Weiterlesen

Manchmal, ach meistens bleibt einem angesichts der Unbedarftheit vieler Menschen in Sachen Klimakrise die Spucke weg. Aber manchmal stößt man auch auf eigene Wissenslücken. Die Pädagogen for Future haben deshalb eine großartige PDF-Wissenssammlung ins Netz gestellt. Es düfte kaum jemanden geben, der das alles weiß. Aber gut, wenn man weiß, wo man nachschauen kann: https://paedagogenforfuture.org/wp-content/uploads/2019/08/LinksKlimakrise-P%c3%a4dFF.pdf.

Wer wagt es, das wahrzuhaben: maximal noch fünf Jahre, bis das Erdklima endgültig entgleist. Wagt man dennoch, der Gefahr ins düstere Auge zu blicken, scheint es nur die drei berühmten Reaktionsmöglichkeiten zu geben: Flucht, Erstarren oder Angriff. Nur: Egal, wie wir reagieren, es wird voraussichtlich zu spät sein.

Dann vielleicht doch mal kurz innehalten und ein Weilchen nachdenken. Es hat Tausende von Versuchen gegeben, die Welt zu einer besseren zu machen. Und praktisch alle sind gescheitert. Die für die Bundesrepublik einst angedachte „soziale Marktwirtschaft“ sollte den Kapitalismus zähmen und in eine heitere Zukunft führen. Heute erntet der Begriff „soziale Marktwirtschaft“ bei denen, für die er gedacht war, bestenfalls ein schmerzliches Lächeln. Auch dieser Versuch ist gescheitert. 2018 meldete die Caritas: 37.000 junge Menschen ohne Zuhause. „Soziale Marktwirtschaft“ ist etwas anderes.

Da unsere Versuche all die letzten Jahrhunderte gescheitert sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch unsere Rettungs- oder Eindämmungsversuche in den nächsten zwei bis fünf Jahren scheitern werden. Warum? Weil wir nicht bereit sind, die Koordinaten unseres Denkens zu verändern. Weil wir nicht bereit sind, die Liebe zum Zentrum unseres Handelns zu machen. Die Alternative „Gott oder Mammon?“ ist falsch. Gott und Mammon haben sich die letzten Jahrtausende hindurch weltweit bestens vertragen. Nein, die Alternative muss heißen: „Liebe oder Mammon?“ Erst, wenn wir uns für die Liebe entscheiden, haben wir eine Chance. Am besten gleich jetzt. Es ist vielleicht unsere letzte.

Manchmal habe ich den Eindruck: Je dringlicher Nachhaltigkeit wird, desto oberflächlicher und falscher wird der Begriff in Politik und Wirtschaft verwendet. Man könnte glatt auf die Idee kommen, das sei Absicht. So heißt es, Geschäftsmodelle sollten nachhaltig sein, Banker sprechen von nachhaltigen Aktiendividenden, ja sogar Zahnbürsten putzen neuerdings nachhaltig. Die vielen Nebelkerzen sind Grund genug, sich den Begriff nochmals genau anzuschauen. Im Blog „Zentrum der Nachhaltigkeit“ ist das geschehen. Wir verweisen gerne darauf.

„Divide et impera“ – teile und herrsche –, so lautete eine Herrschaftsregel der altrömischen Oberschicht. Sie funktioniert bis heute.

Je mehr wir uns auseinanderdividieren lassen, desto einfacher hat es die „andere Seite“. Was man unter der „anderen Seite“ versteht, kann jeder für sich definieren. Darüber zu streiten, würde bereits dem Wunschprinzip des Teilens in die Hände spielen. Wir meinen, dass wir uns am besten auf das konzentrieren, was wir gemeinsam haben.

Bei der Wandelkonferenz in der Gemeinschaft Sulzbrunn im Oktober 2018 haben deshalb 15 Organisationen und Akteure des Wandels ein gemeinsames „Memorandum of Understanding“ formuliert. Es ist Vision, Wertebasis und Zielformulierung in einem. Und wir finden, dass man darauf gut und gemeinsam stehen und handeln kann. Vielleicht habt Ihr Lust, es mal zu lesen → und HIER zu unterschreiben.