Wir brauchen ein anderes Paradigma für unsere Zivilisation. Fünf nach zwölf ist es sowieso, aber das heißt nicht, dass wir nicht noch so manches Unheil abfangen können. Was aber bedeutet das: ein anderes Paradigma?

Peter Zettel hat es gut und klar zusammengefasst:

„Ich“ erlebe mich als Eins, auch wenn ich davon ausgehe, dass ich das nicht bin. Denn ich bin ja viele. Alleine was da in meinem Darm oder auf meiner Haut herumkrabbelt! So wie wir uns auch in der Schule erlebt haben. Die Klasse und ich waren Eins.

Und wenn ich im Urlaub in Italien bin, erlebe ich mich als Deutscher. Aus der Nummer komme ich einfach nicht raus. In der Politik hatte ich als Mitglied einer Partei einen regelrechten Stempel auf der Stirn, den ich auch nach bald 30 Jahren wohl nicht mehr los werde. In der Schublade bin ich drin, kaum einer merkt, dass ich heute ganz anders denke.

Wir erleben uns immer wieder als Eins, obwohl wir uns auch als viele erleben. Und wenn wir es genau betrachten, erleben wir uns nicht nur mal als eins und mal als viele, sondern wir sind es definitiv auch. Alles nur eine Frage der Perspektive. Zeit, uns einmal ernsthafte Gedanken über unsere Kommunikation und unseren Umgang miteinander zu machen. Und nicht nur mit uns, sondern mit allem.

»Ein Mensch ist Teil eines Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Zeit und Raum begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken, seine Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes, eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins.

Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns, sie beschränkt uns auf unsere persönlichen Wünsche und auf unsere Zuneigung gegenüber einigen wenigen, die uns am nächsten stehen.

Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir unseren Kreis der Leidenschaften ausdehnen, bis er alle lebenden Wesen und das Ganze der Natur in all ihrer Schönheit umfasst.«

Dieses Zitat von Albert Einstein bringt es auf den Punkt. Die Welt ist eins und wohl auch das ganze Universum. Aber beschränken wir es einmal nur auf diese Erde. So wie viele Lebewesen sich zu einem größeren, komplexeren Lebewesen organisiert haben, zu dem ich jetzt „ich“ sage, organisieren wir uns auch in Gruppen, Parteien, Verbänden, Unternehmen, Regionen, Nationen wie Religionen und so weiter uns so fort zu immer größeren Lebewesen bis hin zur Erde. In sich differenziert, aber Eins.

Eine notwendige Differenzierung, denn sie macht das Leben bunt. Die Natur wäre ziemlich fad, wäre sie nicht differenziert. Und wir Menschen wären auch ziemlich uninteressant, wären wir alle gleich. Doch zu glauben, man sei aufgrund dieser Differenzierung etwas Besonderes oder gar Besseres  als andere, ist nicht nur ziemlich, es ist absolut bescheuert. Ich darf nicht einmal auf Bakterien herabschauen, sondern muss ihnen mit Respekt begegnen, ohne die wäre ‚mein‘ System gar nicht nicht lebensfähig.

Wie krank ist es also, wenn wir uns gegenseitig bekriegen? Oder auch nur schlecht machen? Aber nicht nur uns, die ganze Welt!

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von Peter Zettel 

Was ich tue, folgt stets einer Kette von Ursachen, Reaktionen und Wirkungen. In meinen Reaktionen bin ich jedoch nicht wirklich frei, sondern ich folge immer meiner inneren, geistigen Haltung. Dabei macht es keinen Unterschied, ob ich Zeit habe, darüber nachzudenken, was ich tue oder eben nicht. Der „freie Wille“ liegt ausschließlich in meiner Haltung, die wiederum basiert auf meinen selten bewussten Überzeugungen und Ansichten; letztlich also auf meinem Weltbild, denn das ist das Gegenstück zu meinem Selbstbild.

Mein „freier Wille“ beginnt damit, mir meines Weltbildes wie meines Selbstbildes bewusst zu werden und zu sein, wobei das Selbstbild wesentlich schwieriger zu greifen ist als das Weltbild. Dieses Bild bildet wiederum mein Verständnis, von dem aus ich handle. Mein Verständnis ist also die Form, die „meine“ Inhalte definiert. „Ich“ gestalte Inhalte und damit mich selbst allein durch mein Verständnis, das ich mir immer wieder bewusst machen muss. Weiterlesen

von Peter Zettel

Du und ich: Wir haben das Gefühl, in unterschiedlichen Welten zu leben. Doch das ist nur ein Gefühl, eine Illusion, eine Fiktion, nicht mehr. Keine Realität. Diese Illusion erhalten wir mittels Konventionen am Leben, zum Beispiel indem wir den anderen (meist) permanent auf Abstand halten, damit er nicht hinter unsere Maske schauen kann. Meistens können wir nicht einmal selbst mehr hinter unsere Maske schauen; wir sind mit ihr verschmolzen.

Diese Fiktion, der Glaube vollständig voneinander getrennte Wesen und eigenständige Individuen zu sein, erhalten wir (üblicherweise) durch unsere Sprache, die „anderen“ und die Geschichten am Leben, die wir uns selbst erzählen. Wir leben definitiv in der Einheit, aber wir sehen sie nicht. Einheit ist keine Metapher, sondern eine unbestreitbare Tatsache. Weiterlesen

Zu den unverzichtbaren Grundlagen menschlicher Dummheit, Feindseligkeit, Eifersucht, Gier und von Gewalt gehört die blinde Identifikation mit dem Ich. Sie ist die am schwersten überwindbare Blockade auf dem Weg zu einem „guten Leben für alle“. Einen gleichermaßen kostbaren wie köstlichen Beitrag dazu hat Wolf Schneider verfasst (danke für die Genehmigung der Übernahme):

Ich und das andere

Wenn ich so dahingehe, durchs Haus oder eine Straße lang, was beschäftigt mich da? Ich beobachte mein Bewusstsein. Ich verfolge, worauf es sich richtet. Wohin es schweift, wo es hängenbleibt und wann es ein Objekt wieder loslässt. Wie es sich einnistet, wenn ich an einem Objekt bleiben will oder dies zulasse. Dort verweile ich dann. Erstaunlich, wie leicht »ich« steuern kann, wo »ich« verweile. »Ich bin das dann«, kommt mir als dies beschreibender Satz in den Sinn, wenn ich diesen Vorgang denn benennen muss.

Da die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ in mir sowieso fast beliebig fluktuiert, kann ich sie ebenso gut zu dem hin fluktuieren lassen, was ich gerade wahrnehme. Weiterlesen

Wer sich je mit gewaltfreier Kommunikation auseinandergesetzt hat, der ahnt schon ein wenig, woher der Steppenwind weht. Doch für das ökoligenta-Team stehen Giraffen nicht nur für das empathische Horchen auf die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse unseres Gegenüber. Wir haben uns in ihre tiefere Symbolik eingefühlt und darüber nachgedacht, was sie im anstehenden Paradigmenwechsel bedeuten können:

im Zusammenleben von Frau und Mann, von Mensch und Mitmensch, von Völkern und Mitvölkern, von Nationen und Mitnationen, von Mensch und Mitwelt. Ausführlicher findet ihr diese Gedanken HIER.

Vertrauen ins Leben - so werden wir geboren

Es dürfte wenig Sprachbilder geben, die bekannter sind als das vom halb vollen und halb leeren Glas. Manchmal kann man die Lebenshaltung schon an den Gesichtern ablesen. Es gibt Halb-Voll- und Halb-Leer-Gesichter. Angela Merkel beispielsweise hat so ein Gesicht. Man könnte denken, Optimismus und Pessimismus seien angeboren. Aber so ist das natürlich nicht. In meiner Erfahrung sind Kinder so gut wie immer Optimisten, solange sie sich geliebt fühlen. Und doch gibt es defensive Kinder, die lieber erstmal abwarten, und die Losstürmer, die es meist ein Leben lang bleiben.

Pessimismus lässt sich begründen, Optimismus auch

In meinem Umfeld gibt es viele Frauen und Männer, die sich für eine bessere Welt engagieren. Viele leben von der Hand in den Mund oder gar prekär und leisten ihre wertvolle Arbeit ehrenamtlich. Die allermeisten von ihnen sind interessanterweise Optimisten. Da ich ein (ziemlich) normales Leben führe, bin ich natürlich auch von Pessimisten umzingelt, die halb leere Gläser für die Wahrheit halten. Weiterlesen

Das Einzige, was es für uns zu tun gibt, und das ist meine feste Überzeugung, das ist aufzuhören, irgendwelchen Geschichten über das Leben anzuhängen, nur weil es uns das Leben leichter zu machen scheint.

Es wird Zeit, dass wir endlich in der Wirklichkeit ankommen, dass wir endlich die Illusion der vermeintlich normalen Wirklichkeit verlassen und in der Welt ankommen, wie sie wirklich ist. Es ist an der Zeit, den Dingen auf den Grund zu gehen und zu sehen, was wir sind.

Doch wir sollten nicht glauben, dass wir das „Denken“ einigen wenigen Philosophen, Wissenschaftlern, Politikern oder sonst einem Führer überlassen könnten. Weiterlesen

„Es gibt nur ein Sein.“ Der hochtheoretische Satz könnte bei rein naturwissenschaflich argumentierenden Physikern ebenso auf Zustimmung stoßen wie bei Menschen mystischer Grundierung. In der relevanten Lebenspraxis sieht das freilich anders aus. Da erlebe ich Trennung, wohin ich blicke. Menschen, die sich beispielsweise dem revolutionären Teil der Gesellschaft zurechnen, lächeln oftmals höhnisch über die Spiris, die eine innere Revolution vorantreiben. Und sehr wohl vorstellbar, dass beide über die Ökos lächeln, die noch nicht gecheckt haben, dass es ohne Revolution, ob nun innen oder außen, nicht weitergeht.

Doch gerade dieses besserwisserische Lächeln ist der Grund, weshalb es tatsächlich so schmerzlich langsam vorangeht. Mit jedem Lächeln, mit jedem Quäntchen Hohn dienen wir der lebensfeindlichen Seite oder richtiger: der Seite, die den Bedürfnissen des Lebens – jenseits ihrer Egoperspektive – gleichgültig gegenübersteht, solange das eigene (Macht- oder Geld-)Konto wächst. Diese lebensferne Seite unserer Welt hat sich über Jahrhunderte bestens organisiert und räumt den Planeten ab, solange es noch etwas abzuräumen gibt. Weiterlesen