von Peter Zettel

Und zwar gewaltig. Da ist von CO2-Steuer die Rede, „gutes Fleisch“ soll teurer werden, Abgaswerte werden eingehalten, indem man trickst – und so weiter und so fort. Und die Politik braucht eine Greta, um zu begreifen, das wir etwas in Sachen „Klimaschutz“ tun sollten. Ein SUV ist besser als ein Kleinwagen, wenn man wenig mit ihm fährt. Soll ein Politiker gesagt haben. Aber ich kann einfach nicht glauben, dass er das wirklich gesagt hat.

Ich glaube es wirklich nicht, ich kann es nicht mehr glauben. Was für eine Verdrehung der Tatsachen. Als ob wir das Klima schützen müssten. Oder die Umwelt. Nein, die Umwelt – schon das Wort sagt alles – als wären wir da außerhalb – und das Klima brauchen wir nicht zu schützen. Wir sollten lieber uns vor uns selbst schützen. Denn das Klima und die Umwelt – das sind doch auch wir selber, oder etwa nicht? Weiterlesen

Wir brauchen eine radikale Änderung unserer Wirtschafts- und Lebensweise

Ein Zwischenruf von Bernd Winkelmann / Akademie für solidarische Ökonomie

Folgenden Zwischenruf halten wir für eine ausgezeichnete, klare und übersichtliche Zusammenfassung des Status Quo und der sich daraus ergebenen – ökoligenten – Konsequenzen:

I. Worum es geht

1. „Wenn die Alten taub sind und blind, werden die Kinder schreien und ihnen die Augen öffnen!“
(„Des Kaisers neue Kleider“, Bibel Ps. 8,3).
Genau das geschieht in dieser Zeit: Greta Thunberg hat mit ihrem Schülerstreik Fridays for Future eine
Bewegung ausgelöst, in der tausende Kinder und Jugendliche gegen eine halbherzige Umweltpolitik protestieren.
In Folge sind tausende Wissenschaftler als Scientists for Future aus ihrer Zurückhaltung ausgestiegen
und bestätigen, dass es keine lebenswerte Zukunft auf unserer Erde gibt, wenn wir nicht jetzt eine
radikale Änderung unserer Wirtschafts- und Lebensweise einleiten.(1)

2. Die gravierendsten Symptome einer drohenden ökologischen Katastrophe sind:

  • Der Klimawandel: Um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsste der weltweite CO2-
    Austoß jährlich um 6% reduziert werden. Doch er steigt jährlich um 3%. Bleibt es bei dieser Entwicklung,
    könnte die Erdtemperatur am Ende des Jahrhunderts um 3-4 Grad gestiegen sein.(2) Um das zu verhindern,
    bleibt uns für unser Handeln ein Zeitfenster von ca. 10-15 Jahren. (3)
  • Das Artensterben: Seit 1970 ging die Zahl der wildlebenden Wirbeltiere weltweit um ca. 60% Prozent
    zurück. Besonders gravierend ist das Insektensterben; der Schwund der Insektenbiomasse liegt zwischen
    40 und 80%. Damit verliert das Biosystem unserer Erde das wohl wichtigste Standbein seiner Stabilität
    und Fruchtbarkeit. Hauptverursacher ist die Chemisierung der Landwirtschaft.(4)
  • Hinzu kommt der Verlust an Wäldern, an Ackerland, an Trinkwasserressourcen und unwiederbringlichen
    Bodenschätzen, die Versauerung und Vermüllung der Meere, das weitere Bevölkerungswachstum.
    Nach Erkenntnissen der Evolutionswissenschaften hat es eine so schnelle und umfangreiche Beschädigung
    unseres Erdsystems nur bei großen Asteroideneinschlägen gegeben, zuletzt beim Aussterben der
    Dinosauriere vor 65 Mil. Jahren.

3. Hinter diesen Symptomen steht das viel umfassendere Problem: Die generelle Überlastung des Ökosystems
durch uns Menschen. Sie wird deutlich am Ökologischen Fußabdruck, der die Belastungsgrenze unseres
Erdsystems ausweist. Er liegt weltweit um etwa das 1,7-fache, in Deutschland um das 3-4-fache
über dem für unsere Erde verträglichen Maß. Diese Überlastung unseres Ökosystems kommt aus dem
entgrenzten Wachstum in der Bewirtschaftung unserer Erde. Das schafft uns in den entwickelten Industrienationen
einen nie dagewesenen Überfluss an materiellen Gütern, mit dem wir aber nicht nur das Ökosystem
empfindlich überlasten, sondern auch die Lebensmöglichkeiten unserer Kinder und Enkel berauben.
Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Kenneth E. Boulding, USA, stellt fest: „Jeder, der glaubt,
dass exponentielles Wachstum für immer weitergehen kann in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter
oder ein Ökonom.“

4. Damit verbunden ist eine weitere Irrsinnigkeit unserer Zivilisation: die ausbeuterischen Bereicherungswirtschaft
der Mächtigen: Der Wohlstand der reichen Industrieländer ist nur zu 50-60% durch eigene
Leistung erarbeitet, ansonsten durch die Ausbeutung der Natur und anderer Völker. So ist das Vermögen
der Milliardäre im Jahr 2018 um 12% gestiegen, während das Vermögen der unteren Hälfte der Weltbevölkerung
um 11% gesunken ist. Die 26 reichsten Menschen der Welt verfügen über so viel Nettovermögen
wie die arme Hälfte der Weltbevölkerung.(5)

Deutlich ist: unser Wirtschaftssystem hat zwar nie dagewesene Reichtümer geschaffen, aber mit dieser
Bereicherung hat es in eine noch nie dagewesen Krise der menschlichen Zivilisation geführt.
Bleibt es bei dieser Entwicklung, kommt es in den nächsten Jahrzehnten mit den ökologischen Verwerfungen
auch zu schweren sozialen und politischen Verwerfungen, zu Hungeraufständen, zu Massenmigrationen,
zu Rohstoffkriegen, zu weltweiten Zusammenbrüchen (H. Lesch „Die Menschheit schafft sich ab“)

5. Immer mehr setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Ursachenfrage zur Systemfrage wird. Das heißt:
Wir können die Fehlentwicklung unsere Gesellschaft nur überwinden, wenn wir „radikal“, also von den
Wurzeln (radix), den zerstörerischen Ursachen her das vorherrschende System hinterfragen – so wie es
Greta Thunberg in Kattowitz tat. Graeme Maxton, ehemaliger Generalsekretär des Club of Rome stellt
fest: „aus dem gegenwärtigen System ist es nicht möglich, eine nachhaltige Wirtschaft zu entwickeln… Die
Zielrichtung muss systemisch verändert werden.“(6) Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber stellt
fest: „Wir müssen unsere Zivilisation neu erfinden.“(7)

Die Systemfrage stellen heißt, herausfinden, 1. was in unserer Wirtschaftsweise systemisch zu deren
Fehlentwicklungen führt, 2. was im System umgebaut werden muss, damit diese Fehlentwicklungen
überwunden werden. Die Systemfrage muss auf der mentalen und strukturellen Ebene gestellt werden.

6. Die Ursachen auf mentaler Ebene liegen in einem einseitigen materialistischen Verständnis von Leben:
gutes Leben wird mit viel Haben verwechselt (Erich Fromm): Besitzstandswahrung, immerwährendes
Wachstum und Wohlstandsmehrung, Sich-immer-mehr-leisten-können gelten als höchste Güter, obwohl
die meisten Menschen wissen, dass sie davon nicht glücklich werden, sondern Werte wie Vertrauen,
Wertschätzung, Empathie und Gemeinschaft viel wichtiger sind (Gerald Hüther).

7. Die Ursachen auf struktureller Ebene liegen in den Leitprinzipien der kapitalistischen Wirtschaftsweise:
Wirtschaft habe in erste Linie der Mehrung von Kapital in Privatverfügung zu dienen. Aus Kapital muss
mehr Kapital werden, das wieder gewinnträchtig angelegt werden muss – angefeuert vom Profitstreben
und Konkurrenzdruck. Darum muss Wirtschaft fortwährend wachsen. Im kapitalistischen Wirtschaftsprinzip
liegt somit der systemische Hauptantrieb für den Wachstumszwang unseres Wirtschaftssystems und
damit für das Überschreiten des ökologischen Fußabdrucks und die Ausbeutung der Völker.
Der Philosoph Richard David Precht stellt fest: Der „Kapitalismus“, der immer „wachsen muss“, „wird wohl
in diesem Jahrhundert die Erde weitgehend unbewohnbar machen.“(8)
Der Befreiungstheologe Leonardo Boff mahnt immer wieder: Erst wenn wir den Kapitalismus als Schlüsselursache
für unsere zivilisatorische Krise erkennen, können wir diese Krise bewältigen.(9)
Die Elite in Wissenschaft, Kultur, Religionen und Zivilgesellschaft sollten endlich den Mut haben, das
Kind beim Namen zu nennen, d.h. die kapitalistische Wirtschaftsweise als Fehlkonstruktion (Krebsschaden)
unserer Gesellschaft zu entlarven.

8. Wir brauchen tatsächlich eine „Neuerfindung unserer Zivilisation“, eine radikale Änderung unserer Zielvorstellungen,
unserer Lebensweise und ökonomischen Ordnungsstrukturen.
Ziel allen Wirtschaftens kann nicht der höchstmögliche Profit in Privatverfügung der Wenigen sein,
sondern die Erstellung nützlicher Produkte, Dienstleistungen und sinnvoller Arbeitsplätze
– dies in unbedingter Bewahrung unseres Ökosystems, in gerechter Teilhabe aller, in der Entwicklung
eines zukunftsfähigen Gemeinwesens.

9. Vor allem muss die Wachstumsökonomie in eine Gleichgewichtsökonomie transformiert werden, in der
sich unser Wirtschaften auf unter 100% der ökologischen Belastungsgrenze einpendelt. Das geht nicht
ohne eine zwischenzeitliche Schrumpfungsökonomie, eine Verringerung des Material- und Energiedurchsatzes
auf allen Gebieten.

10. Das geht nicht ohne eine Entschleunigung der wirtschaftlich-technologischen
Entwicklung. Und das geht wiederum nicht ohne Verzichte auf Bequemlichkeiten und Wohlstandsprivilegien,
die durch die Ausplünderung der Natur und durch Ausbeutung anderer Völker zustande kommen
und uns zudem innerlich verarmen lassen. Das wird an einigen Punkten wehtun, aber nur so zu einem erfüllterem
Leben befreien und Zukunft ermöglichen.

II. Was konkret geschehen muss

1. Notwendige Reformschritte im System der Sozialen Marktwirtschaft

  • Verabschiedung vom Irrglauben ständigen wirtschaftlichen Wachstums
  • Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft durchsetzen
  • Machtbegrenzung und hohe Besteuerung der Weltkonzerne; Finanztransaktionssteuer u.ä.
  • Aufgabe schädlicher Subventionen, z.B. der Kohle- und Atomindustrie, des Flugbenzins u.a.
  • Umstieg auf Kreislaufwirtschaft, Durchsetzung des Verursacherprinzips
  • Durchsetzung von konsequenten Ökosteuern, z.B. CO2-Steuer, Plastiksteuer u.ä.
  • Schnellstmöglicher Umstieg auf regenerative Energie, drastische Senkung des Energieverbrauchs
  • Umstieg und konsequente Förderung der biologischen Landwirtschaft
  • Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel
  • Entprivatisierung der Öffentlichen Güter

2. Handlungsmöglichkeiten der Einzelnen:

  • Das eigene materielle Verbrauchen von Ressourcen und Gütern so gering wie möglich halten
  • Wo möglich, gemeinsames Nutzen, reparieren statt neu kaufen und alles für sich haben wollen
  • Drastisches Reduzieren oder Vermeiden von Flugreisen
  • Umstieg auf die kleinsten PKWs, Elektroauto, Fahrrad, Bahn und öffentlichen Nahverkehr
  • Möglichst biologische Nahrungsmittel, fleischreduzierte Ernährung
  • Kritischer Einkauf von Textilien und im Ausland produzierten Gütern (Herstellung, Fairer Handel)
  • Unterstützen von Initiativen, Gruppen und Parteien, die in dieser Richtung wirken.

Merke: In alldem müssen wir nicht perfekt sein. Die Änderung der Sichtweise, die Anfänge und kleinen
Schritte sind entscheidend für eine andere Politik und zivilisatorische Wende.

3. Entwicklung einer Postkapitalistischen Ökonomie

Die Änderungen im bisherigen System und in der Lebensweise der Bürger werden allein die systemischen
Fehleinstellungen unserer Wirtschaftsweise nicht überwinden. Nötig ist vielmehr,
das Wirtschaftsprinzip ständiger Kapitalakkumulation hinter sich zu lassen und die kapitalistischen
Abschöpfungs-, Bereicherungs- und Externalisierungsmechanismen aus den Wirtschaftsabläufen herauszunehmen
und durch nachhaltige, solidarisch-kooperative Wirtschaftsstrukturen zu ersetzen.
Die wichtigsten Systemveränderungen wären in etwa:

  • eine neue Finanzordnung, Abschaffung des Kapitalzins und der spekulativen Geldgeschäfte; das Bankensystem
    als reine Dienstleistung in öffentlicher Hand, in dem keine Gewinne erzielt werden;
  • eine Eigentumsordnung, in der Eigentum zum eigenen Lebensunterhalt aber nicht mehr zur leistungslosen
    Abschöpfung fremder Leistung genutzt werden kann (z.B. Wuchermieten); in der Grund und Boden
    wieder in Gemeineigentum übergehen;
  • eine partizipatorische Unternehmensverfassung, in der ökologische, soziale und gemeinwohlorientierte
    Kennzahlen in die Bilanzrechnung der Unternehmen eingeführt und eine demokratische Teilhabe aller
    am Unternehmen Beteiligten realisiert wird;
  • ein leistungsgerechtes und solidarisches Lohnsystem, in dem die Entlohnung a l l e r nach Tarifen in
    einer Spreizung von maximal bis zu 1:10 gezahlt und Mindestlöhne gewährt werden;
  • eine neue Arbeitskultur, in der die schwindenden Arbeitsplätze durch Absenken der Regelarbeitszeit so
    geteilt werden, dass jeder Arbeitsfähige Erwerbsarbeit findet und neben der Erwerbsarbeit Eigenarbeit
    und Gemeinwohlarbeit als gleichwertig gelten und gelebt werden können.

Auf dem Weg dorthin gibt es schon heute eine Fülle von theoretischen Entwürfen, von praktizierten Modellen
und Bewegungen. Die Akademie Solidarische Ökonomie hat in ihren Büchern und Bausteinen den Entwurf
einer postkapitalistischen Ökonomie skizziert. Die Degrowth-Bewegung, die Postwachstumsgesellschaft
Jena, die Initiative Neue Ökonomie, die Gemeinwohlbewegung, die Potenzialentfaltungsakademie und viele
weitere neue kulturelle Bewegungen sind eine Fundgrube zukunftsweisender Potenziale.

Die drohende Umweltkatastrophe und die kommenden Migrationsströme geben uns nur noch eine kurze
Zeit, den Systemwechsel einzuleiten. „Wer zu spät kommt, den straft das Leben!“ (Michael Gorbatschow).

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1 Pressekonferenz der Initiative Scientists for Future https://www.scientists4future.org/presse/
2 Jürgen Tallig: https://earthattack-talligsklimablog.jmdofree.co/
3 Weltklima-Sonderbericht: https://www.de-ipcc.de/256.php
4 UN-Bericht zum Artensterben 2019; www.bund-rvos.de/artensterben; www.nabu.de/news/2017/10/23291.html;
5 Oxfam-Bericht 2019 siehe z.B. https://www.wsws.org/de/articles/2019/01/23/pers-j23.html
Auch zum Weitergeben gedacht!
6 https://www.riffreporter.de/klimasocial/schulzki-haddouti-graeme-maxton-change-klimakrise/
7 https://www.deutschlandfunk.de/klimaforscher-schellnhuber-wir-muessen-unsere-zivilisation.697.de.html
8 In „Jäger, Hirten, Kritiker“ S. 248
9 Z.B. in „Zukunft für die Mutter Erde“ 2012
10 Ulrich v. Weizsäcker in „Wir sind dran. Club of Rome: Der große Bericht…“

„Unsere Forderungen müssen deutlich verschärft werden“, sagt Detlef Jahn, „wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“ Recht hat er. Drum hat er auf seinem Blog „Unruheraum.de“ – was für ein genialer Name – den Beitrag „Kühlschränke gehören verboten“ verfasst. Er beginnt so:

„Also, jetzt mal ernsthaft: Kühlschränke sind schon was Tolles.

Aber Kühlschränke sind schuld am Klimawandel.

Also zumindest mit – aber zum großen Teil.

Kühlschränke müssen verboten werden, wenn wir überleben wollen – so als Spezies. Da kann man auf individuelle Komfortbedürfnisse oder ein persönlich schwächelndes Immunsystem keine Rücksicht nehmen. Es geht schließlich ums Überleben des Homo Sapiens Sapiens als solches – da sind Einzelschicksale nicht relevant …“

Ihr merkt schon: Da redet einer Tacheles. Und das ist sozusagen Original „Extinction-Rebellion-Tonlage“ oder auch Fridays4Future. Sehr lesenswert und keineswegs polemisch. Den kompletten Artikel findet Ihr HIER.

„Die  Große Transformation  beschreibt einen massiven
ökologischen, technologischen, ökonomischen, institutionellen
und kulturellen Umbruchprozess zu  Beginn des 21. Jahrhunderts.“
Uwe Schneidewind in
„Die Große Transformation – Eine Einführung in die Kunst
des gesellschaftlichen Wandels“

Ich fürchte, dass die folgenden Gedanken vielen Menschen Angst machen werden. Aber wir kommen nicht darum herum, sie zu denken, zu fühlen, zu spüren und in die Tat umzusetzen. Bobby Langer

Von unserem Verhalten in den nächsten Jahrzehnten hängt die Zukunft des planetaren Ökosystems ab. Was ansteht, ist der Schritt aus der Pubertät der Menschheit hin zu ihrem Erwachsenwerden: der Große Wandel. Der pubertäre Mensch denkt an sich, der erwachsen werdende Mensch übernimmt Verantwortung für die Weltgemeinschaft aller Lebewesen und für den Planeten. Und er weiß um sein Eingebettetsein. Weiterlesen

Sein Leben in die Hand nehmen – das ist möglich.

Irgendwie kennen wir ihn alle, den Spruch: „Sei die Veränderung, die du dir wünschst in dieser Welt.“ Und viele haben ihn vermutlich schon selbst auf den Lippen geführt. So etwas nennt man dann Lippenbekenntnis. Aber dann kehrt der Alltag zurück und gar nicht so selten vergessen wir ihn schneller als uns lieb ist.

Anpassung: 100 Prozent

Semra ist ein Beispiel fürs Gegenteil. Semra erfüllt alle Voraussetzungen dafür, im Mainstream zu landen. Mindestens. Mit sechs Jahren kam sie als kurdisches Mädchen nach Deutschland, ging in die Schule, lernte Deutsch, war eine „Türkin“ wider Willen, wurde Deutsche, machte Abi, studierte das maximale Anpassungsstudium fürs System – Betriebswirtschaft – und wurde Finanzkontrollerin, heiratete, wurde Mutter.

Gesundung: 100 Prozent

Mehr war an Anpassungsleistung kaum möglich, der soziologische Idealfall. Aber dann tauchten Fragen auf: „„Es kann doch nicht Sinn des Lebens sein, dass man sein Leben lang jeden Tag lustlos zur Arbeit geht, nur um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können.“ Sie versuchte, diese störenden Fragen zu ignorieren – und bekam einen schmerzvollen Hautausschlag, vor dessen Therapie die Schulmedizin versagte. Statt aufzugeben und sich ihrem Leid zu beugen, stellte sie radikal ihre Ernährung um, verzichtete auf jeden raffinierten Zucker; machte eine Darm- und Lebersanierung. Und war ein Jahr später wieder gesund.

Umorientierung 100 Prozent

In der Zeit der Umorientierung las sie viel, schaute die passenden Videos und gab ihrem Leben eine neue Richtung, wohlwollend begleitet und unterstützt von ihrem Mann und und den Schriften, Sprüchen vieler weiser Philosophen und Mystikern wie dem altpersischen Rumi. Um die vielen guten Gedanken, die ihre geholfen hatten und halfen, weiterzuverbreiten, gründete sie die Internetseite „Lebe Deinen Spruch – lebe Deine Wahrheit“, meines Erachtens die inspirierendste Seite ihrer Art im Internet.

Werbung für den Bewusstseinswandel

Da kann ich nur sagen: „Chapeau, Semra!“ Doch wer nun meint, das sei das Ende der Geschichte, irrt. Semra arbeitet auch an der Umstellung und Gesundung der Gesellschaft, ist Teil der Wandelbewegung geworden. Ein paar Jahre lang hatte sie die Idee, die Menschen mit der Weisheit der Sprüche über Werbebanner zu konfrontieren – aber Werbung im öffentlichen Raum ist teuer. Und noch teurer, wenn das Geld knapp ist. Jetzt hat sie es geschafft und macht Werbung für den Bewusstseinswandel. In Düsseldorf hat sie in guter Lage für 10 Tage eine Werbetafel gemietet. Und was war wohl der erste Spruch, den sie dort für uns alle gepostet hat? Manche ahnen es vielleicht schon: „Bist du die VERÄNDERUNG, die du dir wünschst für diese Welt?“

Doppel-Chapeau, Semra! Du bist ein Vorbild.

 

 

Wie hält es welche Partei mit dem Klima? Die Frage hat die Europawahl entschieden. Das kann der Start für eine andere Politik sein. Campact-Vorstand Christoph Bautz meint: Wir müssen die Klimafrage jetzt ganz neu denken – radikaler, sozialer, ungehorsamer

Hallo zusammen,

die Europawahl wurde zur Klimawahl. Für 48 Prozent der deutschen Wähler*innen war der Klimaschutz das wahlentscheidende Thema.[1] Die Grünen feiern bundesweit ihr bestes Ergebnis aller Zeiten – SPD und Union erleben ihr schlechtestes.[2] Das unterstreicht, was Bewegungen erreichen können: Die vielfältigen Proteste am Hambacher Wald, die mutigen Streiks der Schüler*innen und zuletzt das Youtube-Video von Rezo mit seinen 12 Millionen Views haben das Thema Klimaschutz in die Mitte der Gesellschaft getragen und die Wahl entschieden.

Doch Wahlergebnisse allein ändern nichts. Jetzt muss die Politik handeln. Und zwar so konsequent, wie es Schüler*innen und Klimawissenschaftler*innen zurecht fordern: Die Politik muss das 1,5-Grad-Ziel einhalten, damit sich die Erde nicht über diese kritische Grenze hinaus erhitzt. Wir haben vier Thesen entwickelt, was es dafür jetzt braucht. Und wir möchten diese gerne mit Ihnen teilen. Weiterlesen

Wir stehen an einer Bewusstseinsschwelle. Das spüren viele. Dieses Bewusstsein – ich würde es ein „Mutter-Erde-Bewusstsein nennen – voranzutragen, zu verstärken und ins Blühen zu bringen, gelingt am besten, wenn wir uns kennenlernen, verbinden, voneinander lernen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Weil das so wichtig ist, haben wir auf ökoligenta eine eigene Rubrik für Wandel-Veranstaltungen eingerichtet. Und bitten Euch alle, uns diesbezüglich fehlende Veranstaltungen zu melden an langer@oekoligenta.de

Herzlichen Dank, Bobby

(Aus: umwelt aktuell – Infodienst für europäische und deutsche Umweltpolitik 05/2019)

Bei Klima-, Umwelt-, Tier- und Naturschutz unterscheiden sich die Positionen teils deutlich.

Vom 23. bis 26. Mai entscheiden rund 400 Millionen EU-BürgerInnen, welche ParlamentarierInnen sie in den kommenden fünf Jahren in Brüssel und Straßburg vertreten werden. Wie wollen die deutschen Parteien Herausforderungen wie die Klimakrise, den enormen Ressourcenverbrauch, die Agrarwende oder das Artensterben angehen? Der DNR hat die Wahlprogramme von fünf im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien unter die Lupe genommen. VON ELENA HOFMANN, DNR

(⇒ Text zum Herunterladen)

Gerade aus Umwelt und Klimaschutzperspektive ist die Europawahl von großer Bedeutung: Rund 80 Prozent aller Umweltgesetze haben ihren Ursprung in Brüssel. Da Deutschland mit fast einem Siebtel  die meisten Abgeordneten im Parlament stellen, haben die deutschen Parteien einen großen Einfluss auf Abstimmungen über Gesetzgebungen.(1)

CDU/CSU

Das Wahlprogramm enttäuscht: Naturschutz scheint ein Fremdwort zu sein. Es findet sich lediglich eine Strategie zur Reduzierung des Plastikmülls. Der Schutz des Wolfs wird infrage gestellt und statt über Luftqualität und Gewässerschutz zu reden, träumen CDU/CSU lieber von Raumfahrten zum Mond und TTIP 2.0. Sie bekennen sich zwar zu Klimaschutz und den Zielen des Pariser Klimaabkommens. In der Umsetzung stellt sich aber die Frage, ob es sich hierbei nur um ein Lippenbekenntnis handelt.(2) Die Union will zur Zielerreichung eine globale Bepreisung der Treibhausgasemissionen – ein Vorschlag, der weder dem Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden nachkommt, noch mittelfristig umsetzbar ist. Mit dieser Nebelkerze lenkt die Union von der riesigen Bandbreite an kurz- und mittelfristig auf EU-Ebene umsetzbaren Maßnahmen ab. Genauso ignoriert die Union die Debatte um die planetaren Grenzen und hält an der Vereinbarkeit von  Wirtschaftswachstum mit Umwelt- und Klimaschutz weiter fest.

Die Vorschläge zur Agrarpolitik verkennen die zentrale Rolle, die die Landwirtschaft für Klima- und Umweltschutz spielen kann: So halten die Konservativen an Direktzahlungen und dem bestehenden Säulenmodell fest. Statt die Gelder, die in die Agrarpolitik fließen, effektiv für Umwelt- und Klimaschutz zu nutzen, setzen CDU/CSU auf Freiwilligkeit. Damit zementieren sie ein altes Agrarsystem, das den Herausforderungen von heute und morgen nicht mehr gerecht werden kann. Während SPD, Grüne und Linke sich für mehr Rechte der VerbraucherInnen in Fällen wie dem Dieselgate beispielsweise durch Verbandsklagerechte oder hohe Bußgelder einsetzen, bekennt sich die CDU/CSU zur Automobilindustrie. Auch den Forderungen der anderen Parteien nach mehr Transparenz und Partizipation durch ein Lobbyregister, eine Stärkung der Europäischen Bürgerinitiative oder öffentliche Sitzungen des Ministerrats greift die Union nicht auf.

SPD

In einigen Bereichen versuchen die Sozialdemokraten der Umwelt gerecht zu werden. So setzt die SPD sich für eine Agrarpolitik ein, in der Gelder an Leistungen für den Umwelt- und Tierschutz geknüpft sind, lehnt Glyphosat und Gentechnik in der Landwirtschaft ab, ist für einen eigenständigen Naturschutzfonds und möchte Tiertransporte auf maximal acht Stunden pro Tag begrenzen. Auch das Thema Plastikmüll geht die SPD umfassend an. Ziel ist es, bis 2030 die Plastikmülleinträge in die

Meere um 50 Prozent zu verringern, beispielsweise durch Mehrwegsysteme, eine Ausweitung des Verbots von Plastikartikeln, eine Kostenbeteiligung der Hersteller sowie Vorgaben zur abfallvermeidenden und recyclingfreundlichen Produktgestaltung. In anderen Bereichen bleibt die SPD jedoch stumm: Zur Wasserrahmenrichtlinie, zum umstrittenen Schutzstatus des Wolfs, zu einer Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt oder zu einem möglichen achten Umweltaktionsprogramm findet sich keine Positionierung im SPD-Europawahlprogramm.

Auch in Sachen Klimaschutz lassen die Forderungen der SPD zu wünschen übrig: Die geforderte Anhebung des EU-Klimaschutzziels auf mindestens 45 Prozent Treibhausgasminderung bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das langfristige Ziel der Klimaneutralität bis 2050 sind besser als momentan geltendes EU-Recht. Sie liegen aber unter den Forderungen des EU-Parlaments und werden nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind zwar breiter gefächert als bei CDU/CSU und FDP. Wichtige Stellschrauben wie ein rascher Kohleausstieg, eine Ablehnung von Investitionen in Infrastrukturen für Erdgas oder eine Anhebung der Ziele für erneuerbare Energien und Energieeffizienz bis 2030 fehlen jedoch.

Bündnis 90/Die Grünen

Das Europawahlprogramm der Grünen spiegelt zum Teil die Forderungen der Umwelt- und Naturschutzverbände wider. So setzen die Grünen sich, wie auch in der letzten Legislaturperiode(2), für ambitionierten Klimaschutz ein: Mit den Forderungen nach 55 Prozent Treibhausgasreduktion, 45 Prozent Erneuerbaren und 40 Prozent Energieeffizienz sowie einem Kohleausstieg vieler europäischer Länder bis 2030 wären wir auf dem richtigen Weg, die Pariser Klimaziele zu erreichen. Die Maßnahmen sind vielfältig und umfassen beispielsweise einen regionalen CO2-Mindestpreis, keine Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2030, den Abbau klima- und umweltschädlicher Subventionen, eine Besteuerung des Flugverkehrs und Förderprogramme für Aufforstung.

Auch im Natur- und Tierschutz sind die Grünen stark aufgestellt: So setzen sie sich für eine ambitionierte Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, eine Stärkung europäischer Naturschutzgebiete, einen konsequenten Meeres- und Gewässerschutz und bedürfnisorientierte Tierhaltung ein. Sie sind gegen die Aufweichung bestehender umweltpolitischer Normen. In der Agrarpolitik wollen die Grünen nur solche Leistungen honorieren, die das Gemeinwohl fördern, und Zahlungen an die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards koppeln. Darüber hinaus fordern sie einen eigenständigen Naturschutzfonds von 15 Milliarden Euro jährlich sowie ein Verbot von Glyphosat und Gentechnik in der Landwirtschaft.

Die Grünen zeigen sich in Ansätzen wachstumskritisch. So möchten sie beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch ein grünes BIP ersetzen und engagieren sich für eine Wirtschaft, die am Gemeinwohl orientiert ist. Gleichzeitig halten sie an Marktinstrumenten wie dem europäischen Emissionshandel fest.

Die Linke

Die Linke verfolgt eine sehr ambitionierte Klimapolitik, die teilweise die Forderungen von Umweltverbänden übertrifft. So verlangen sie, bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 65 Prozent zu verringern, europaweit aus der Kohle auszusteigen und den Erneuerbarenanteil auf 45 Prozent und Energieeffizienz auf 40 Prozent zu erhöhen. Statt des Emissionshandels setzen sie auf verbindliche Vorgaben, etwa im Hinblick auf ein Ende der Kohleverstromung in Kombination mit einem CO2-Mindestpreis, einer Kohlenstoffsteuer, Divestment, Maßnahmen zur Stärkung der CO2-Senken und strengen Nachhaltigkeitskriterien für Bioenergie. Ähnlich wie die Grünen stehen auch die

Linken für starken Natur- und Tierschutz: Die Beibehaltung bestehender umweltpolitischer Normen, eine ambitionierte Biodiversitätsstrategie, die Stärkung europäischer Naturschutzgebiete, einen konsequenten Meeres- und Gewässerschutz und strenge Tierschutzvorgaben (einschließlich der Verankerung der Rechte von Tieren in einer europäischen Verfassung) sind bei den Linken Programm. Fördermittel in der Agrarpolitik sollen nur für konkrete gesellschaftliche Leistungen und für die Einhaltung sozialer, ökologischer und Tierschutzkriterien gezahlt werden. Wie auch die Grünen will die Linke Glyphosat und Gentechnik in der Landwirtschaft verbieten sowie gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen.

FDP

Die Liberalen betrachten ein „gesundes“ Wirtschaftswachstum als mindestens ebenso wichtig wie Klimaschutz. Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen sind rein marktwirtschaftlich: Der europäische Emissionshandel allein soll es richten und weltweit und für alle Sektoren gelten. Die FDP versucht hiermit eine Nebelkerze zu werfen, da die Einführung eines globalen Emissionshandels im derzeitigen politischen Klima absolut unrealistisch ist. Die vorgeschlagenen Marktmechanismen, über die Mitgliedstaaten nicht erreichte Klimaziele durch die Finanzierung von Maßnahmen in anderen Ländern ausgleichen können, kommen nicht der globalen Gerechtigkeit nach. Die UN-Nachhaltigkeitsziele werden nur in Bezug auf Entwicklungszusammenarbeit genannt. Zumindest erkennt die FDP die Wichtigkeit von CO2-Senken für den Klimaschutz an. Diese Erkenntnis spiegelt sich jedoch nicht in den Positionen zu Naturschutz und Agrarpolitik wider.

Beim Natur-, Arten- und Ressourcenschutz enttäuschen die Liberalen auf ganzer Linie. Der propagierte Bürokratieabbau bereitet den Weg für Deregulierungen zugunsten der Wirtschaft auf Kosten von Umwelt und VerbraucherInnen. So spricht sich die FDP für eine Aufweichung von Politiken, die wildlebende Arten in Europa schützen sollen, und der Natura-2000-Gebiete aus. Darüber hinaus sollen Agrarsubventionen sukzessive abgebaut werden, was grundsätzlich sinnvoll sein kann. Das Agrarbudget sollte dann allerdings in die Honorierung von Umweltleistungen gesteckt statt – wie von der FDP vorgeschlagen – abgeschafft werden. Außerdem setzt die FDP sich für eine Neuordnung des europäischen Gentechnikrechts ein, bei der die Nutzung von CRISPR/Cas9 in der Landwirtschaft erlaubt werden soll.

Auch beim Tierschutz sieht es bescheiden aus: Die FDP spricht sich nicht für mehr Tierschutz aus, etwa durch ein Verbot von Massentierhaltung oder durch die Begrenzung der Dauer von Tiertransporten.

AfD

Das Wahlprogramm enthält diskriminierende, europafeindliche und menschenverachtende Äußerungen: Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft, die Genfer Flüchtlingskonvention oder die deutsche EU-Mitgliedschaft erkennt die AfD nicht an. Den wissenschaftlich belegten anthropogenen Klimawandel leugnet sie und lehnt das Pariser Klimaabkommen ab. Auf dieser Basis ist kein Natur-, Umwelt- und Tierschutz möglich. Daher verzichten wir auf eine Analyse des Wahlprogramms.

Digitalisierung auf der Basis integraler Unternehmens- und Personalentwicklung

Von Theresia Maria Wuttke

Mit Empathie, Achtsamkeit, Wertschätzung und einem grundlegenden Wertefundament meistern wir die Digitalisierung. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile und alles hängt miteinander zusammen. Die Gallupstudie zeigt uns jedes Jahr deutlich, dass der Durchbruch zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen im Business noch nicht vollumfänglich geschafft ist. Die linke Gehirnhälfte operiert rational, analytisch, liebt Zahlen Daten und Fakten. Wir benötigen beide, um unsere Aufgaben wahrnehmen zu können und mit Sinn zu erfüllen. In der rechten Gehirnhälfte sind die Kreativität, die Ganzheit, unsere Vision, das Fühlen, die Intuition, Musik, angesiedelt.

Der Mensch im Bild der Metapher des Baumes ist aber weit mehr

In seinem Innern, seinem Wesens-Kern trägt er all das, was sich durch ihn in die Welt hinein entfalten will. Hierzu benötigt er nicht nur sein Hirn, sondern ebenso sein Herz, um das volle Potenzial seines Bewusstseins nutzen zu können, in der klaren Absicht Hand in Hand mit Herz und Verstand.

Erst wenn ein Mensch seine eigenen Grundbedürfnisse wahrnimmt und sie nährt, ist er in der Lage, sich vollumfänglich mit seinem Potenzial zu entfalten. Hier ist die Wurzel Liebe, Verbundenheit und Zugehörigkeit sind die tragenden Elemente, weil uns unser Anfang im Mutterleib in dieser elementaren Verbundenheit geprägt hat. Unser Gehirn bietet uns mit seinen zweiten Seiten in der Verbundenheit vollumfänglich seine Dienste an – als Werkzeug unserer Seele und unseres Verstandes. Der Mensch ist eine Ganzheit aus Körper, Geist und Seele.

Um unsere Kernkompetenz: die Fähigkeit zu lieben, ebenso im Business einzusetzen, bedarf es dieser Verbundenheit unserer beiden Gehirnhälften, so dass sie sich gegenseitig befeuern und ergänzen können. Je nach Prägung und schulischer Bildung entwickelt der Mensch unterschiedliche Schwerpunkte in der Priorisierung seiner ihm zur Verfügung stehenden Intelligenz. Die strukturgebende linke Hirnhälfte stellt dem Visionär mit seiner Kreativität den Rahmen und die Strategie, seine kühnsten Träume umzusetzen.

In der derzeitigen Transformation unserer Arbeitswelt 4.0 erfahren wir gerade einen Wandel, wo kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Dieser Wandel kann es mit der Erfindung der Eisenbahn oder der Glühbirne mühelos aufnehmen.

Genau dort sind die Kernkompetenzen von Zugehörigkeit und Verbundenheit notwendiger denn je, das zeigt uns die zu Anfang genannte Gallupstudie, nach der fast 70 Prozent der Arbeitnehmer eine tiefgreifende Identifikation mit ihrem Unternehmen fehlt.

Wir können unsere Arbeitswelt vor allem sinnstiftender gestalten, wenn wir unsere rechte Hirnhälfte mit einbeziehen, wo Ganzheit, Intuition, Kreativität ihren Sitz haben. Was genau könnte der Gewinn der Digitalisierung sein? Wenn wir uns auf unsere Kernkompetenzen besinnen, sind wir nicht ein Gehirn auf zwei Beinen. Es ist hohe Zeit, dass in unsere Arbeitswelt 4.0 Spiritualität, Mitgefühl und Liebe einkehren, damit wir unser menschliches Potenzial zum Wohle der Weiterentwicklung aller Menschen einsetzen und beginnen, Teilhabe zu leben.

Vom Ich zum Du, zum Wir. So werden die neuen Techniken nicht zum Geist des Zauberlehrlings mutieren:

„Und die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los“ (Goethe), sondern das Herz wird unseren Verstand führen. Menschen kreieren Maschinen, die die Rechenleistung unseres Gehirns in ungeahnten Geschwindigkeiten durchführen können , nur mit der Umsetzung beim Menschen haben wir bislang außer Acht gelassen, dass unser Gehirn nicht so schnell lernt; und alte eingeübte Arbeitsweisen gilt es zu verstehen und in neue zu verwandeln, damit das Neue integriert und genutzt werden kann.

Der Siegeszug der rationalen, analytischen Betrachtungsweise ist tonangebend, aber um unsere volle Intelligenz zu nutzen, braucht es die Verschaltung der sogenannten harten mit den weichen Faktoren.

„Genau jetzt, im Zeitalter der Digitalisierung benötigen wir unserer menschlichen Qualitäten von Zugehörigkeit, Spiritualität, Kreativität, Mitgefühl und Liebe mehr denn je.“

Hüther spricht in diesem Zusammenhang von Würde und von den neuen Leadern, die Liebende sein werden.

Liebe im Business: Darunter verstehe ich die Achtung und Würdigung des anderen als den Menschen, der er ist, mit all seinen Gaben und Qualitäten, mit seinen Licht- und Schattenseiten.

Wertfreie Kommunikation im Miteinander, Präsenz in Führung und Management und tiefe Verbundenheit mit der Philosophie und Mission des Unternehmens. Das ist die Basis, um alle im Unternehmen vorhandenen Kräfte strategisch in eine zukunftsweisende Vision lenken zu können und Mitgestalter dieses schöpferischen Prozesses zu sein, teilzuhaben am Reichtum der Vielfalt unterschiedlicher Qualitäten und Kompetenzen.

Wert-Schöpfung durch Wertschätzung ist intensiv mit dem Herzen verbunden.

Matthias Horx sieht in den sozialen Bereichen und der Liebe ebenfalls die größte Entwicklungsmöglichkeit im 21. Jahrhundert. Auf welche Weise können wir Liebe in den Business-Alltag holen? Wenn wir begreifen, was uns Max Planck, Einstein und die Mystiker aller Kulturen wissen lassen, dass wir eine Ganzheit aus Körper, Geist und Seele sind, die mit allem, was ist, verbunden ist, dann erkennen wir, dass die rationalen Daten und Analysen Werkzeuge sind, die innerhalb eines wertebasierten Rahmens uns Erkenntnisse ermöglichen, unsere Gesellschaft zu Wohle des Ganzen weiterzuentwickeln.

Theresia Maria Wuttke ist Vorständin der THEOS Consulting AG, Integraler Senior Consultant und Business Management Coach, Master- und Lehrcoach, Tiefenpsychologin, Pädagogin mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung, Bankkauffrau, Autorin

Das ist ein Bewusstseinssprung: Junge Leute verstehen, dass die Vertreter des Systems, seien es Banker, Politiker oder Polizisten, auch dann Menschen bleiben, wenn sie ihr Amt ausüben und Demonstranten verhaften. „Extinction“ bedeutet in diesem Zusammenhang die Auslöschung eines Freund-Feind-Denkens. Dem Planeten feindlich sind nicht Menschen, sondern das System der industriellen Zivilisation und des eng damit verschränkten Kapitalismus – oder umgekehrt. Beide gehen achselzuckend über Leichen.

Wer sich für die Arbeit von und die evtl. Mitarbeit bei Extinction Rebellion Deutschland interessiert, findet HIER eine prima Kontaktmöglichkeit.