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von Raimar Ocken

Wenn wir Menschen auf die Welt kommen sind wir “unfertige Wesen”. Wir können uns nicht alleine am Leben erhalten, nicht fortbewegen und uns nicht schützen durch Flucht oder Kampf. Wir müssen Stand halten bis uns unsere Kräfte verlassen und sterben.

Letztlich sind es vier Grundbedürfnisse, die uns durch Leben führen und deren Qualität der Befriedigung die Qualität unseres Lebens ausmachen. Wir wollen … Ich schreibe hier “wollen”, weil es ein Grundbedürfnis gibt, das allen Lebewesen innewohnt: Wachstum. Es ist uns ein Bedürfnis zu wachsen.

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Ach ja. Einsteins Aussage, man könne ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, die dieses Problem erzeugt hat, kann ich bald nicht mehr hören. Und doch versagt diese Einsicht mehr oder weniger flächendeckend, wenn es um’s Thema Klimaschutz geht. Die westliche Industriegesellschaft – also das Problem – hat nämlich genau das getan: Seit 2004 hat sie 3.500 Milliarden Dollar in erneuerbare Energie investiert und doch so gut wie nichts damit gewonnen: Wind- und Sonnenenergie tragen nach wie vor weniger als zwei Prozent zur Deckung des weltweiten Primärenergiebedarfs bei.

„Die Ursache“, schreibt der Informatiker Klaus Simon, „liegt im ständig wachsenden Energiebedarf. Das Bedarfswachstum übertrifft den jetzigen wie den künftig erhofften Zugewinn grüner Energie.“ Dazu legt Simon in seinem Buch „Warum Klimaschutz bisher verpufft und wie er gelingt“ präzise Daten vor. Er macht klar: Die erforderliche Emissionsreduktion ist technisch möglich, doch dazu braucht es nicht nur grüne Technik, sondern zugleich eine Absenkung des Energiebedarfs.

Und eben dazu müssen wir Hand an die Wurzeln legen, an die Denkweise. In seinem an neueste Forschungsergebnisse anknüpfenden, ebenso klaren wie übersichtlichen Buch (es erscheint im November 2020), das auch für Laien verständlich ist, skizziert er „die Umrisse einer veränderten Denkweise sowie eines Gesellschaftssystems, das dem Klimawandel wirklich etwas entgegensetzen kann“. Und Simon bleibt inspirierender Optimist, wenn er formuliert: „Dieser Ausblick ist zweifellos utopisch, aber mehr als bloße Hoffnung. Und jede neue Entwicklung war bis zum Vorabend ihres Aufkommens nichts als eben Utopie. Ohne Utopie haben wir keine Orientierung, die über das Bestehende hinauszuführen vermag.“

Klaus Simon, Warum Klimaschutz bisher verpufft und wie er gelingt, ca. 200 Seiten, 106 Illustrationen, Büchner-Verlag, ISBN 978-3-96317-217-5, 20 Euro

Klaus Simon ist Mitglied der Akademie Solidarische Ökonomie – eine 2008 gegründete Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Stiftung Ökumene, die der angeblichen Alternativlosigkeit heutigen Wirtschaftens etwas entgegensetzen möchte: die Vision einer solidarischen, gemeinwohlorientierten und lebensdienlichen Gesellschaft.

Vorschau: www.buechner-verlag.de/buch/warum-klimaschutz-bisher-verpufft-und-wie-er-gelingt

von Theresia Maria Wuttke

Die Entstehung des Geldes ist fast in Vergessenheit geraten; nur ein paar Artefakte haben die Jahrtausende überdauert. Die ursprüngliche Handhabung war, eine Währung als Tauschmittel (anstatt der tatsächlichen natürlichen Güter) anzuerkennen.

In diesen frühen, sehr gerecht angelegten Geldsystemen war  eine Zinsentwicklung, wie wir sie heute kennen, nicht vorgesehen und sogar gar nicht möglich. Über die Jahrtausende hat sich das Geld zu einem, in den Ursprüngen nicht gewollten, Zins- und Zinseszinssystem gewandelt. Die Folgen sind hinreichend bekannt.

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von Peter Zettel

Natürlich bei meinem eigenen. Wo auch sonst? Wir reden zwar oft darüber, bewusst zu sein und über Bewusstsein, doch selten sprechen wir darüber, was wir eigentlich darunter verstehen. Betrachten ich und ein anderer die identische Szene, dann bedeutet das noch lange nicht, dass wir wirklich das Selbe und oft auch nicht das Gleiche sehen, denn was wir wahrnehmen können ist ja davon abhängig, was wir über die Situation denken.

Raum oder Nichtraum?

Und das kann sehr, sehr unterschiedlich sein. Es fängt ganz banal an bei dem Raum, in dem ich lebe. Ist er für mich dreidimensional und lässt sich alles, was wirklich ist, anhand der Dimensionen von Länge, Breite und Höhe beschreiben? Oder ist Raum etwas ganz anderes für mich? Ist er offen und beweglich in der Zeit und lässt sich alles, was wirklich ist, nur dann beschreiben, wenn ich den Raum als gestaltbar ansehe?

Die erste Raumdefinition passt natürlich perfekt auf mechanische Dinge. Doch dann ist damit auch schon Schluss. Alles Lebendige geschieht nämlich nach der zweiten Version der Bewusstseinsbeschreibung. Das Problem dabei ist allenfalls, dass derart viele Faktoren eine Rolle spielen, so dass man sich leicht dazu verleiten lässt, diese Offenheit und Beweglichkeit nicht zu beachten.

Unmittelbar wahrnehmen lässt sie sich in der Regel kaum. Doch ich halte es für fatal, das dann einfach zu ignorieren; so nach der Maßgabe „was ich nicht sehen kann gibt es auch nicht“. Mein gesamter Körper bis hin zum Denken funktioniert leider nicht wie eine Maschine.

Wäre vielleicht auch langweilig. Wie dem auch sei, es gibt eine Menge Gründe, sich damit zu beschäftigen. Und zwar ganz ernsthaft. Mein Verständnis von Bewusstsein hat wie jedes andere auch das eigene Weltbild als Basis. Das zu wissen ist wichtig. Sehe ich das klassische Weltbild als gegeben an, komme ich zu ganz anderen Sichtweisen als etwa ein Quantenphysiker.

Differenziert, aber nicht getrennt

Es gibt für mich keinen Unterschied zwischen dem Kosmos und mir. Schließlich ist ja alles Lebendige aus anorganischer Materie hervorgegangen. Mittlerweile wissen wir ja auch, dass Materie irgendwie alles andere als leblos ist.

Und genau deswegen taste ich mich mit meinem Denken in diesen offenen, prozesshaften Bewusstseinsraum. Erst einmal versuche ich, mein Denken zu begreifen, dann den Rest von mir. Mal sehen, was dann passiert. Also beginne ich damit, folgendes nicht mehr zu glauben: Subjekt und Objekt sind grundsätzlich voneinander getrennt. Ich erlebe mich als eigenständige Persönlichkeit und bin mit belebten und unbelebten Objekten nicht verbunden.

Sondern ich sehe es so: Es gibt weder Subjekt noch Objekt, Dinge sind nur differenziert, nicht aber voneinander getrennt. So existiere ich nicht aus mir selbst heraus, bin weder eigenständig noch getrennt, sondern ich bin mit allem verbunden, was ist. Gerade die Tatsache, dass alles verbunden ist, ist nicht so einfach zu realisieren.

Blind verbunden

Doch das kann ich nicht intellektuell verstehen, ich muss mich auf diese Gedanken einlassen. Nur dann beginnen sie, sozusagen in mir zu arbeiten, denn nur dann kann ich auch die entsprechende Erfahrung machen. Um die geht es nämlich: Die Erfahrung. Ohne die bleibt es immer nur ein gedanklicher Sturm im Wasserglas.

Wir sind nämlich nicht wie mit einer Schnur miteinander verbunden, sondern auf eine ganz andere Art. Die Verbundenheit bezieht sich vor allem auf eine unmittelbare Interaktion, die ich früher oft nicht wahrgenommen oder schlicht ausgeblendet hatte. Es ist eben wie mit dem Meer und der Gischt. Das unbewegte Meer ist das eine, die Gischt entsteht daraus und kehrt auch wieder dorthin zurück.

Manchmal versteht man sich blind. Diese Verbundenheit ist gemeint. Wenn der eine jedoch partout nicht will, dann gibt es eben keine Verbundenheit, erst wieder, wenn die Gischt erneut zum Meer geworden ist. Am klarsten sieht man dies bei einem Tanz. Tänzer und Tänzerin sind von einander differenziert, doch im Tanz werden sie eins, wenn sie sich darauf einlassen.

Die Voraussetzung dafür ist, dass sie ihre gedankliche, auf das „Ich“ reduzierte Gedanken-Hülle verlassen und zum Tanz werden. Nicht-Eins, Nicht-Zwei; Nicht-Zwei, Nicht-Eins. Was die alten Ch‘an-Menschen, hier Dogen Zenji, schon sagten, bestätigen uns heute die Erkenntnisse der Quantenphysik, nur eben pragmatischer.

Den Weg studieren bedeutet, sich selbst studieren.
Sich selbst studieren bedeutet, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie zu sein mit allem, was uns umgibt.

Für mein egozentriertes Leben eine echte Herausforderung. Aber eine wahrhaftige Erlösung, wenn ich es einmal begriffen habe. Nur ist es absolut wichtig, mich nicht von irgendwelchem esoterischen Gesülze einfangen zu lassen.

Noch bis vor kurzen war der Spruch “die Welt retten” eine Metapher. Die wurde schon allein deswegen nicht ernstgenommen, weil man dann ja hätte eingestehen müssen, die Welt sei in Gefahr.

Inzwischen hat sich das geändert. Der Spruch ist keine Metapher mehr. Inzwischen könnte sich der blaue Planet tatsächlich in einen grauen Planeten verwandeln – mit der Bodenfruchtbarkeit eines Mars, Corona hin oder her. Gegen den Sturm, der uns auf dem Weg in dieses Desaster umtost, wird die Corona-Krise ein Lüftchen gewesen sein.

Das sind nicht die Weissagungen alttestamentarischer Propheten, sondern die Warnungen nüchterner Wissenschaftler – schwer ernst zu nehmen und noch schwerer, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Die Seite “Wichtigste Mitteilung aller Zeiten (in der Geschichte der Menschheit)!” fasst die Lage zusammen und liefert wichtige Links für weitere Recherchen.

Dies ist die Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

Teil 1 findest du HIER

Teil 2 findest du HIER

Teil 4 findest du HIER

Teil 5 findest du HIER

Es wird konkret. Eine Idee reift heran und ich veröffentliche meine Überlegungen.

von Kilian Manger

In den beiden vorangegangenen Artikeln habe ich philosophische Fragen über das Wesen des Geldes in den Raum gestellt und darüber berichtet, welche Abschnitte meines Lebensweges mich zu meinem geldsystemkritischen Engagement geführt haben. In den nächsten Zeilen werde ich beschreiben, welcher innerliche Prozess mich dazu gebracht hat, vom passiven Zuschauer zum aktiv handelnden Multiplikator zu werden, meine eigenen Ideen zu veröffentlichen. Und wie ist es mir dabei ergangen?

Wie im zweiten Teil dieser Artikelserie erwähnt, wurde ich in den ersten Jahren meines Studiums auf unterschiedlichen Wegen in die Richtung einer kritischen Auseinandersetzung mit unserem Finanzsystem gestoßen. Interesse am Thema Geldsystem war bei mir also durchaus vorhanden – neben anderen Interessensschwerpunkten wie Umweltschutz, erneuerbaren Energien, Migrationspolitik, internationaler Verständigung, Glaube und Spiritualität, gesellschaftlichem Wandel oder alltagspraktischem, naturnahem Leben.

Verschoben hat sich mein persönlicher thematischer Schwerpunkt eindeutig und radikal auf den Bereich Geldreform, als mir die Idee eines neuartigen Kommunikationsinstruments kam. Dabei handelt es sich um den gedanklichen Entwurf eines informationstechnologischen Werkzeugs, das unsere Gesellschaft anstelle von Geld verwenden könnte. Meiner Vorstellung nach würde die Arbeits- und Wirtschaftswelt unter Verwendung dieses Werkzeugs noch ähnlich funktionieren wie bisher, mit dem Unterschied, dass die gewaltige und aktuell sogar stark anwachsende Schere zwischen Arm und Reich verschwinden würde und sich hierarchische Strukturen sowie Machtgefälle in betrieblichen Abläufen deutlich reduzieren könnten. Das war für mich so etwas wie eine neue Erfindung, die ich so inspirierend fand, dass ich einfach jedem davon erzählen wollte. Meiner Idee habe ich den Namen „vertrauensbasiertes Geldsystem“ gegeben. Um die philosophische Bedeutung meiner Überlegungen zu präzisieren, habe ich etwas später noch den Begriff des „transparenten Schenkens“ eingeführt, mit dem ich genau den gleichen technischen Mechanismus meine, ihn jedoch von einem anderen Blickwinkel aus beleuchte. Worum es sich bei diesem Koordinationsinstrument im Detail handelt, beschreibe ich in meiner Ideensammlung zum Projekt Zeitschein, auf die ich am Ende dieses Textes verlinke.

Jetzt wurde es für mich also tatsächlich konkret. Ich hatte eine Idee, von der ich glaubte, dass sie die Welt verändern könnte. Verrückter Gedanke. In welche Richtung hätte sich wohl unsere Gesellschaft in den letzten hundert Jahren entwickelt, wenn Albert Einstein seine zur damaligen Zeit sehr weltfremd, schräg und seltsam erscheinenden Überlegungen zur Relativität von Zeit und Raum nicht ernst genommen, sondern verworfen hätte? Wären vielleicht andere Menschen auf ähnliche Ideen gekommen oder hätte die Menschheit dann tatsächlich große Chancen verpasst? Für den technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte waren seine mathematischen und physikalischen Arbeiten von fundamentaler Bedeutung.

Unsere Welt braucht Visionäre, sie braucht Utopien. Echter Fortschritt wäre sonst nicht möglich. Soll mir recht sein, wenn mich der eine oder die andere für verrückt erklärt. Meine Ideen schreibe ich jetzt auf jeden Fall einmal auf. Die könnten irgendwann mal nützlich sein. Und ich erzähle Freunden und Bekannten davon. Ich bin gespannt, welche Rückmeldungen ich bekomme.

Tatsächlich waren die Rückmeldungen sehr positiv. Ich glaube, die Begeisterung in meinen Augen hat mehrfach ihren Teil dazu beigetragen, andere Menschen neugierig zu machen. Oft stieß ich auf leichtes Interesse und wurde darum gebeten, doch zumindest einmal meine bisherigen schriftlichen Ausführungen weiterzuleiten. Manchmal wurde ich dazu ermuntert, doch bitte an meinem Projekt dranzubleiben und auch weiterhin anderen Menschen davon zu erzählen.

Schon oft im Leben hatte ich Ideen, die mich begeistern konnten. Ideen, die ich intuitiv als wertvoll empfand und auf Schmierzetteln notierte. In meinem Wohnzimmer habe ich schon seit längerer Zeit einen ganzen Ordner stehen, in dem ich diese angesammelten Papierfetzen und Überlegungen verstaue. Diese Überlegungen sind für mich etwas sehr Vertrautes und Privates. Man könnte fast sagen „Intimes“. Für mich hat dieser persönliche Ordner einen ähnlichen Charakter wie vielleicht für andere Menschen ein Tagebuch. Ich kann mich erinnern, wie ich einmal – es war zu meiner Schulzeit – nervös wurde, als ein guter Freund diesen Ordner in die Finger bekam. Wie wird er wohl reagieren, wenn er von meinen persönlichen Überlegungen liest? Auch an eine spätere Situation erinnere ich mich, bei der ich einen Teil meiner Notizzettel aus dem Ordner entnommen und im Holzofen verbrannt habe: Die Ideen waren mir peinlich geworden und ich wollte, dass sie niemand zu Gesicht bekommt. Oft war es mit meinen Ideen so, dass sie kurzfristig große Faszination bei mir auslösten, dann aber auch schnell wieder in Vergessenheit gerieten. Bei der Thematik Geldsystem war das ganz und gar anders. Vermutlich, weil es zum Thema Geld wirklich viel Wichtiges zu sagen gibt.

Seit jeher kommen mir meine Gedanken ganz spontan. Beim Fahrradfahren, beim Zahnputzen oder vor dem Einschlafen. Auch meine Überlegungen bei der Auseinandersetzung mit dem Geldsystem und seiner Wirkung auf die Gesellschaft habe ich zunächst auf Schmierzetteln notiert. Erstaunlicherweise hat dieser Fluss an Ideen bisher nicht abgenommen. Ständig kommen Ideen hinzu. Meine Zettel-Sammlung wurde also immer größer, sodass ich damit begann, diese thematisch zu ordnen.

Außerdem gewann meine Theorie an Komplexität: Da ist es bei einer Sammlung aus großen und kleinen abgehefteten Zetteln gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. In einem elektronischen Textdokument ist es dagegen viel einfacher, auch nachträglich noch in eine bereits geschriebene Textpassage weitere Zeilen einzufügen.

Weil sich immer wieder Leute für meine Ausführungen interessierten und die Weitergabe von Informationen über das Internet sehr einfach ist, begann ich also, meine Ideen auf den Computer zu übertragen. Mir kommen auch heute noch ständig neue Ideen, die ich dann stichpunktartig elektronisch notiere. Ein Teil meiner Notizen sind eigene Überlegungen. Bei einem weiteren Teil handelt es sich um Internetseiten und Videointerviews, teilweise von ähnlich kleinen Projekten einzelner Blogger oder von Hobby-Kameraleuten, teilweise von großen Netzwerken, die jährlich Kongresse für Geldreformideen organisieren. Auch die Auswahl an Buchempfehlungen, die ich in meine Sammlung aufnehmen möchte, wird immer größer. Meine ungeordnete Sammlung aus Notizen und Stichpunkten ist aktuell etwa doppelt so lang wie das bisher von mir im Internet veröffentlichte Dokument.

Mir war schnell klar, dass es sich bei meinem neuen Hobby, der Beschäftigung mit alternativen Geldsystemen, um ein langfristiges Projekt handeln wird. Wenn ich mir wirklich vornehme, möglichst vielen gesellschaftspolitisch engagierten Menschen von meinen Vorstellungen und Ideen zu erzählen, dann liegt ein weiter Weg vor mir und ich habe einiges zu tun. Ich spürte bei meiner Recherche im Internet und im Gespräch mit verschiedenen Menschen sehr schnell, dass ich beim Geldsystem auf ein spannendes und hochgradig komplexes Themenfeld gestoßen bin, mit dem ich mich bei Weitem noch nicht auskenne und bei dem ich noch sehr viel lernen kann. Der Gedanke, einen Teil meiner Lebenszeit für dieses Projekt herzuschenken, löste ein gutes Gefühl in meinem Bauch aus.

Mit dem Plan, noch viele unterschiedliche Menschen und Organisationen kontaktieren zu wollen, legte ich auf meinem Laptop eine Datenbank an, die ich dafür nutzen könnte, jeglichen E-Mail-Verkehr in Sachen „Geldsystemkritik“ zu speichern und zu sortieren.

Die Entscheidung war also gefallen. Jetzt geht es so richtig los. Ich starte in ein für mich neuartiges Abenteuer gesellschaftspolitischer Bildungs-, Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit. Weiteres dazu im nächsten Artikel.

Link zu meinem Projekt: https://sites.google.com/site/projektzeitschein
Buchempfehlung: „Ökonomie der Verbundenheit“ von Charles Eisenstein. HIER kann das Buch online gelesen werden. Eine Einführung zum Buch gibt es HIER.
Video zur Vermögensverteilung in Deutschland

[Bild von Colin Behrens auf Pixabay]

von Peter Zettel

Was für eine Frage! Die Antwort darauf bin ich ja selbst, denn dieser Körper, zu dem ich „ich“ sage, ist ja selbst eine Gemeinschaft aus ganz, ganz vielen Zellen, Bakterien und was weiß ich noch alles. Und da gibt es keinen, der der Chef wäre und das Sagen hätte und bestimmen könnte, was die anderen zu tun haben, nein, den gibt es nicht. Irgendwie machen die das untereinander aus. Selbst darüber, ob eine Katze und eine Maus eine Gemeinschaft sind, wenn sie in freier Wildbahn leben, ja, auch darüber kann man einmal nachdenken. Denn sie bilden wie die ganze Natur definitiv eine Gemeinschaft. Dumm nur, dass die Regeln vielen Menschen so grausig anmuten. Was aber nicht an den Regeln liegt, sondern an der üblichen menschlichen Sichtweise.

Also bleibe ich mal bei mir selbst, genauer bei meinem Körper. Dass der ganz selbstverständlich nicht für sich alleine existieren kann, will ich der Einfachheit halber mal weglassen. Jede einzelne Zelle ist für sich, aber eben nicht alleine, sondern sie lebt in Gemeinschaft mit allen anderen. Dabei praktizieren diese Zellen keine Basisdemokratie, da wäre ich schon längst tot, wenn sie das täten, nein, ich denke die praktizieren eher ein anarchistisches System, wo jeder ganz von alleine weiß, was sein Job ist und was er zu tun hat. Wahrscheinlich ist das auch Ausdruck von Schwarmintelligenz. Wir Menschen schauen ja immer auf das Ganze und wollen die Regeln vom Ganzen her erkennen, dabei funktioniert Schwarmintelligenz ganz anders, sozusagen von innen nach außen: Jeder orientiert sich an denen, die ihm am nächsten sind und fertig. Was ganz offensichtlich funktioniert! Was wahrscheinlich nicht bedeutet, dass das alles ist. Aber die Natur organisiert sich wohl wesentlich einfacher, als viele Menschen denken, weshalb sie möglicherweise auch solche Schwierigkeiten haben, sie zu verstehen.

Wenn nun schon der scheinbar Einzelne tatsächlich kein Einzelner ist, sondern in Wahrheit eine Gemeinschaft, dann gilt das erst recht für alles, womit wir in Beziehung stehen. Nehme ich da nur die allernächsten, wird das Dilemma schon offensichtlich. Jedenfalls meistens. Die Frage ist nämlich, ob ich überhaupt in der Lage bin, eine ernsthafte Beziehung zu leben! Wenn ich mir all die gesellschaftlichen Verwerfungen anschaue, angefangen in den Familien und dann weiter über den Umgang der einzelnen Länder miteinander bis hin zur Wirtschaft, dann wird, zumindest für mich, offensichtlich, dass in unsere menschlichen Gemeinschaften ein Webfehler eingebaut ist. Und wir wissen ja genau, was es für den einzelnen Körper bedeutet, wenn in der Organisation seiner Zellen ein Webfehler enthalten ist. Der kann dann als Ganzes ganz einfach nicht mehr problemlos seinen Job verrichten. Jede Krankheit ist nichts anderes als ein solcher Webfehler, davon bin ich überzeugt. Was jedoch nicht bedeutet, dass das Problem gelöst ist, wenn man eine Pille einwirft. Die kupieren nur die Symptome, sie lösen aber die Ursache nicht auf.

Was auf der körperlichen Ebene passieren kann und oft auch passiert, findet sich immer wieder auf der zwischenmenschlichen, der gesellschaftlichen wie der wirtschaftlichen Ebene, nämlich ein Webfehler, ein Organisationsdefizit. Ob in meinem eigenen Körper, in Partnerschaften, in der Gesellschaft wie der Wirtschaft geht es immer nur um Organisationsdefizite, um nicht zu sagen: um entsprechende Fehler. Wir Menschen haben uns ziemlich offensichtlich nach Strukturen zu organisieren gelernt, die anderen als natürliche Interessen dienen. Um das aber auf der zwischenmenschlichen Ebene abzuhalten, haben wir auch noch die dazugehörige Pille erfunden, nämlich die Konvention. Solange wir uns an die Regeln der Konvention halten, treten wir uns sozusagen nicht auf die Füße und merken nicht, was wir da tatsächlich machen. Wir leben deshalb nicht in einer Gemeinschaft, sondern einer Pseudo-Gemeinschaft.

„Das verbreitetste Anfangsstadium und einzige Stadium vieler Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ist das der Pseudogemeinschaft, ein Stadium der Vortäuschung und des Scheins. Die Gruppe tut so, als sei sie bereits eine Gemeinschaft, als gäbe es unter den Gruppenmitgliedern nur oberflächliche, individuelle Differenzen und kein Grund für Konflikte. Zur Aufrechterhaltung dieser Vortäuschung bedient man sich vor allem einer Anzahl unausgesprochener allgemeingültiger Verhaltensregeln, Manieren genannt: Wir sollen unser Bestes tun, um nichts zu sagen, was einen anderen Menschen verstören oder anfeinden könnte; wenn jemand anderes etwas sagt, das uns beleidigt oder schmerzliche Gefühle oder Erinnerungen in uns weckt, dann sollen wir so tun, als mache es uns nicht das Geringste aus; und wenn Meinungsverschiedenheiten oder andere unangenehme Dinge auftauchen, dann sollten wir sofort das Thema wechseln. Jede gute Gastgeberin kennt diese Regeln. Sie mögen den reibungslosen Ablauf einer Dinnerparty ermöglichen, aber mehr auch nicht. Die Kommunikation in der Pseudogemeinschaft läuft über Verallgemeinerungen ab. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv.“ Das schrieb Scott Peck.

Und genau so ist es. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv. Andere formulieren es ein wenig drastischer, sie vertreten die Ansicht, dass dieses Verhalten schlicht und einfach krank ist. Das sehe ich auch so. Und genau deswegen wäre der Rückzug in das Alleinsein nichts anderes als eine Flucht, denn nichts und niemand existiert nur für sich. Haben wir also den Mut, uns darauf einzulassen! Doch was passiert, wenn wir sozusagen bereit sind, den Fehde-Handschuh anzunehmen, den das „normale“ Leben dem wahrhaftigen Leben hinhält? Bei der Pseudogemeinschaft geht es um das Kaschieren von individuellen Differenzen, im Stadium des Chaos geht es vorrangig um den Versuch, diese Differenzen auszulöschen. Man versucht, einander zu bekehren, zu heilen, auszuschalten oder ansonsten für vereinfachte organisatorische Regeln einzutreten. Es ist ein unsinniger Prozess, ein Nullsummenspiel, bei dem es nur Sieger und Verlierer geben kann und der zu nichts führt.

Doch steht man diese Phase durch, ohne sich das Hirn einzuschlagen oder wieder in die Pseudogemeinschaft zurückzufallen, dann tritt sie allmählich in die „Leere” ein, wenn alles weggeräumt ist, was zwischen den Einzelnen und der Gemeinschaft steht. Und das ist eine Menge, all die Vorurteile, Meinungen oder Erwartungen wie der Wunsch zu bekehren, zu heilen oder auszuschalten, der Drang zu siegen genauso wie die Angst, sich zum Narren zu machen oder das Bedürfnis, die Kontrolle über alles zu haben. Oft geht es aber auch darum, einen verborgenen Kummer, Abscheu oder tiefe Angst vor etwas zuzulassen und sich selbst einzugestehen, bevor der Einzelne für die Gruppe völlig „präsent” sein kann. Ich kann nicht präsent sein, solange ich etwas verberge. Das verlangt fraglos Mut. Hinterher fühlt man sich sehr erleichtert, doch während dieses Prozesses leider oft auch sterbenselend. Es verlangt eine Menge Konsequenz, um nicht schnell das Thema zu wechseln, wenn es unangenehm zu werden droht. Doch schafft man es, das auszuhalten, dann passiert ein Wandel, ein wirklicher Wandel. Wo sich bisher meist jeder hinter einer Maske zu verbergen suchte, sind auf einmal Offenheit, Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit da. Was bisher unmöglich schien, ist mit einem Mal möglich, egal ob es sich um Partnerschaften, Gesellschaften oder wirtschaftliche Organisationen handelt.

Der Weg in das Alleinsein ist also nur da angesagt, wo der Weg in die Gemeinschaft nicht gegangen werden will. Das ist dann der Fall, wenn die Menschen nicht bereit sind, in einen wirklich ernsthaften und wahrhaftigen Dialog einzutreten.

Wissen für den Großen Wandel

Wir befinden uns längst in einem gesellschaftlichen Wandel hin zu einem neuen zivilisatorischen Paradigma, nämlich einer Welt, die sich nicht mehr einbildet, getrennt von der Natur zu sein. Alle nur denkbaren Stichworte, die auf Weg dorthin relevant sind, sind in unserer Rubrik „Wissen für den Großen Wandel“ zusammengefasst. Dort findest Du Hunderte von guten Büchern, welche alle diese Themen aufgreifen und vertiefen.

Es gibt eine ganz neue Seite auf ökoligenta: Wissen für den Großen Wandel. Der Grund dafür ist einfach: Wer die richtigen Informationen hat, kann auch richtig handeln. Umgekehrt stimmt das leider auch. Und weil nun mal die Besitzer der Meinungshoheit gerne ihre Wahrheit verbreiten, kontrollieren sie damit auch das Handeln der Masse.

Natürlich wird es immer Kritik an unserer Wissensseite geben und vielleicht sogar geben müssen. Dann bitten wir um einen jeweiligen Verbesserungsvorschlag.