Ja, ja und nochmals ja: Das Schlimmste muss nicht kommen. Ich sehe das auch so. Ich bin Optimist. Aber eben auch Realist, der weiß: Es KANN kommen. Ich rede von der KLIMA-KATASTROPHE

Fangen wir mal ganz naiv an, damit es auch jede*r versteht:

Ich bin Papa. Mein Kind ist krank, es fiebert. Die letzten drei Tage ist die Temperatur der Kleinen von 38 auf 40 Grad gestiegen. Ab und zu spricht sie schon im Delirium, aber noch immer erkennt sie mich, sagt „Papa“ und lächelt. Das ist tröstlich. Nur: Vorhin waren es beim Messen 40,2 Grad. Ich weiß, sie muss an diesem Fieber nicht sterben, vielleicht sinkt es ja wieder, bevor die 42 Grad überschritten werden und ihre Körpereiweiße gerinnen. Würde mir diese Hoffnung genügen, um die Hände in den Schoss zu legen, ihr ein bisschen die verschwitzte Stirn zu streicheln und mir die Gefahr so wie die letzten drei Tage schönzureden. Oder muss ich jetzt nicht ALLES (ja: ALLES) dafür zu tun, dass das Unglück nicht geschieht?

Bitte, mal ehrlich! Worst case MUSS in dieser Situation mitgedacht werden. Alles andere wäre verantwortungslos – freundlich ausgedrückt. Man könnte aber auch von „verbrecherisch“ reden.

Und ja, richtig, die Erde muss unter den vorhersehbaren Klimaauswirkungen nicht komplett verrücktspielen. Aber sie KANN. Und dann wird es für uns alles andere als lustig, ganz egal, ob wir nun im europäischen Elfenbeinturm wohnen oder nicht. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, was passieren KANN:

Wir stehen an einer Bewusstseinsschwelle. Das spüren viele. Dieses Bewusstsein – ich würde es ein „Mutter-Erde-Bewusstsein nennen – voranzutragen, zu verstärken und ins Blühen zu bringen, gelingt am besten, wenn wir uns kennenlernen, verbinden, voneinander lernen, gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Weil das so wichtig ist, haben wir auf ökoligenta eine eigene Rubrik für Wandel-Veranstaltungen eingerichtet. Und bitten Euch alle, uns diesbezüglich fehlende Veranstaltungen zu melden an langer@oekoligenta.de

Herzlichen Dank, Bobby

Dass Webseiten kein CO2 produzieren, glauben wohl auch nur Leute, die meinen, der Strom kommt “einfach so” aus der Steckdose. Dass das nicht stimmt, habe ich bereits in mehreren Blogartikeln beschrieben z. B. in diesem hier. Und dass ich nachträgliche Verbesserungen bzw. komplette Relaunches nach den Kriterien CO2-Emission, Ladezeit und Onpage-SEO vornehme, hat sich auch bereits herumgesprochen. Dass ich damit aber alleine auf weiter Flur dastehe, wusste ich nicht. Weiter lesen …

(Aus: umwelt aktuell – Infodienst für europäische und deutsche Umweltpolitik 05/2019)

Bei Klima-, Umwelt-, Tier- und Naturschutz unterscheiden sich die Positionen teils deutlich.

Vom 23. bis 26. Mai entscheiden rund 400 Millionen EU-BürgerInnen, welche ParlamentarierInnen sie in den kommenden fünf Jahren in Brüssel und Straßburg vertreten werden. Wie wollen die deutschen Parteien Herausforderungen wie die Klimakrise, den enormen Ressourcenverbrauch, die Agrarwende oder das Artensterben angehen? Der DNR hat die Wahlprogramme von fünf im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien unter die Lupe genommen. VON ELENA HOFMANN, DNR

(⇒ Text zum Herunterladen)

Gerade aus Umwelt und Klimaschutzperspektive ist die Europawahl von großer Bedeutung: Rund 80 Prozent aller Umweltgesetze haben ihren Ursprung in Brüssel. Da Deutschland mit fast einem Siebtel  die meisten Abgeordneten im Parlament stellen, haben die deutschen Parteien einen großen Einfluss auf Abstimmungen über Gesetzgebungen.(1)

CDU/CSU

Das Wahlprogramm enttäuscht: Naturschutz scheint ein Fremdwort zu sein. Es findet sich lediglich eine Strategie zur Reduzierung des Plastikmülls. Der Schutz des Wolfs wird infrage gestellt und statt über Luftqualität und Gewässerschutz zu reden, träumen CDU/CSU lieber von Raumfahrten zum Mond und TTIP 2.0. Sie bekennen sich zwar zu Klimaschutz und den Zielen des Pariser Klimaabkommens. In der Umsetzung stellt sich aber die Frage, ob es sich hierbei nur um ein Lippenbekenntnis handelt.(2) Die Union will zur Zielerreichung eine globale Bepreisung der Treibhausgasemissionen – ein Vorschlag, der weder dem Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden nachkommt, noch mittelfristig umsetzbar ist. Mit dieser Nebelkerze lenkt die Union von der riesigen Bandbreite an kurz- und mittelfristig auf EU-Ebene umsetzbaren Maßnahmen ab. Genauso ignoriert die Union die Debatte um die planetaren Grenzen und hält an der Vereinbarkeit von  Wirtschaftswachstum mit Umwelt- und Klimaschutz weiter fest.

Die Vorschläge zur Agrarpolitik verkennen die zentrale Rolle, die die Landwirtschaft für Klima- und Umweltschutz spielen kann: So halten die Konservativen an Direktzahlungen und dem bestehenden Säulenmodell fest. Statt die Gelder, die in die Agrarpolitik fließen, effektiv für Umwelt- und Klimaschutz zu nutzen, setzen CDU/CSU auf Freiwilligkeit. Damit zementieren sie ein altes Agrarsystem, das den Herausforderungen von heute und morgen nicht mehr gerecht werden kann. Während SPD, Grüne und Linke sich für mehr Rechte der VerbraucherInnen in Fällen wie dem Dieselgate beispielsweise durch Verbandsklagerechte oder hohe Bußgelder einsetzen, bekennt sich die CDU/CSU zur Automobilindustrie. Auch den Forderungen der anderen Parteien nach mehr Transparenz und Partizipation durch ein Lobbyregister, eine Stärkung der Europäischen Bürgerinitiative oder öffentliche Sitzungen des Ministerrats greift die Union nicht auf.

SPD

In einigen Bereichen versuchen die Sozialdemokraten der Umwelt gerecht zu werden. So setzt die SPD sich für eine Agrarpolitik ein, in der Gelder an Leistungen für den Umwelt- und Tierschutz geknüpft sind, lehnt Glyphosat und Gentechnik in der Landwirtschaft ab, ist für einen eigenständigen Naturschutzfonds und möchte Tiertransporte auf maximal acht Stunden pro Tag begrenzen. Auch das Thema Plastikmüll geht die SPD umfassend an. Ziel ist es, bis 2030 die Plastikmülleinträge in die

Meere um 50 Prozent zu verringern, beispielsweise durch Mehrwegsysteme, eine Ausweitung des Verbots von Plastikartikeln, eine Kostenbeteiligung der Hersteller sowie Vorgaben zur abfallvermeidenden und recyclingfreundlichen Produktgestaltung. In anderen Bereichen bleibt die SPD jedoch stumm: Zur Wasserrahmenrichtlinie, zum umstrittenen Schutzstatus des Wolfs, zu einer Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt oder zu einem möglichen achten Umweltaktionsprogramm findet sich keine Positionierung im SPD-Europawahlprogramm.

Auch in Sachen Klimaschutz lassen die Forderungen der SPD zu wünschen übrig: Die geforderte Anhebung des EU-Klimaschutzziels auf mindestens 45 Prozent Treibhausgasminderung bis 2030 (im Vergleich zu 1990) sowie das langfristige Ziel der Klimaneutralität bis 2050 sind besser als momentan geltendes EU-Recht. Sie liegen aber unter den Forderungen des EU-Parlaments und werden nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind zwar breiter gefächert als bei CDU/CSU und FDP. Wichtige Stellschrauben wie ein rascher Kohleausstieg, eine Ablehnung von Investitionen in Infrastrukturen für Erdgas oder eine Anhebung der Ziele für erneuerbare Energien und Energieeffizienz bis 2030 fehlen jedoch.

Bündnis 90/Die Grünen

Das Europawahlprogramm der Grünen spiegelt zum Teil die Forderungen der Umwelt- und Naturschutzverbände wider. So setzen die Grünen sich, wie auch in der letzten Legislaturperiode(2), für ambitionierten Klimaschutz ein: Mit den Forderungen nach 55 Prozent Treibhausgasreduktion, 45 Prozent Erneuerbaren und 40 Prozent Energieeffizienz sowie einem Kohleausstieg vieler europäischer Länder bis 2030 wären wir auf dem richtigen Weg, die Pariser Klimaziele zu erreichen. Die Maßnahmen sind vielfältig und umfassen beispielsweise einen regionalen CO2-Mindestpreis, keine Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2030, den Abbau klima- und umweltschädlicher Subventionen, eine Besteuerung des Flugverkehrs und Förderprogramme für Aufforstung.

Auch im Natur- und Tierschutz sind die Grünen stark aufgestellt: So setzen sie sich für eine ambitionierte Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt, eine Stärkung europäischer Naturschutzgebiete, einen konsequenten Meeres- und Gewässerschutz und bedürfnisorientierte Tierhaltung ein. Sie sind gegen die Aufweichung bestehender umweltpolitischer Normen. In der Agrarpolitik wollen die Grünen nur solche Leistungen honorieren, die das Gemeinwohl fördern, und Zahlungen an die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards koppeln. Darüber hinaus fordern sie einen eigenständigen Naturschutzfonds von 15 Milliarden Euro jährlich sowie ein Verbot von Glyphosat und Gentechnik in der Landwirtschaft.

Die Grünen zeigen sich in Ansätzen wachstumskritisch. So möchten sie beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch ein grünes BIP ersetzen und engagieren sich für eine Wirtschaft, die am Gemeinwohl orientiert ist. Gleichzeitig halten sie an Marktinstrumenten wie dem europäischen Emissionshandel fest.

Die Linke

Die Linke verfolgt eine sehr ambitionierte Klimapolitik, die teilweise die Forderungen von Umweltverbänden übertrifft. So verlangen sie, bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 65 Prozent zu verringern, europaweit aus der Kohle auszusteigen und den Erneuerbarenanteil auf 45 Prozent und Energieeffizienz auf 40 Prozent zu erhöhen. Statt des Emissionshandels setzen sie auf verbindliche Vorgaben, etwa im Hinblick auf ein Ende der Kohleverstromung in Kombination mit einem CO2-Mindestpreis, einer Kohlenstoffsteuer, Divestment, Maßnahmen zur Stärkung der CO2-Senken und strengen Nachhaltigkeitskriterien für Bioenergie. Ähnlich wie die Grünen stehen auch die

Linken für starken Natur- und Tierschutz: Die Beibehaltung bestehender umweltpolitischer Normen, eine ambitionierte Biodiversitätsstrategie, die Stärkung europäischer Naturschutzgebiete, einen konsequenten Meeres- und Gewässerschutz und strenge Tierschutzvorgaben (einschließlich der Verankerung der Rechte von Tieren in einer europäischen Verfassung) sind bei den Linken Programm. Fördermittel in der Agrarpolitik sollen nur für konkrete gesellschaftliche Leistungen und für die Einhaltung sozialer, ökologischer und Tierschutzkriterien gezahlt werden. Wie auch die Grünen will die Linke Glyphosat und Gentechnik in der Landwirtschaft verbieten sowie gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen.

FDP

Die Liberalen betrachten ein „gesundes“ Wirtschaftswachstum als mindestens ebenso wichtig wie Klimaschutz. Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen sind rein marktwirtschaftlich: Der europäische Emissionshandel allein soll es richten und weltweit und für alle Sektoren gelten. Die FDP versucht hiermit eine Nebelkerze zu werfen, da die Einführung eines globalen Emissionshandels im derzeitigen politischen Klima absolut unrealistisch ist. Die vorgeschlagenen Marktmechanismen, über die Mitgliedstaaten nicht erreichte Klimaziele durch die Finanzierung von Maßnahmen in anderen Ländern ausgleichen können, kommen nicht der globalen Gerechtigkeit nach. Die UN-Nachhaltigkeitsziele werden nur in Bezug auf Entwicklungszusammenarbeit genannt. Zumindest erkennt die FDP die Wichtigkeit von CO2-Senken für den Klimaschutz an. Diese Erkenntnis spiegelt sich jedoch nicht in den Positionen zu Naturschutz und Agrarpolitik wider.

Beim Natur-, Arten- und Ressourcenschutz enttäuschen die Liberalen auf ganzer Linie. Der propagierte Bürokratieabbau bereitet den Weg für Deregulierungen zugunsten der Wirtschaft auf Kosten von Umwelt und VerbraucherInnen. So spricht sich die FDP für eine Aufweichung von Politiken, die wildlebende Arten in Europa schützen sollen, und der Natura-2000-Gebiete aus. Darüber hinaus sollen Agrarsubventionen sukzessive abgebaut werden, was grundsätzlich sinnvoll sein kann. Das Agrarbudget sollte dann allerdings in die Honorierung von Umweltleistungen gesteckt statt – wie von der FDP vorgeschlagen – abgeschafft werden. Außerdem setzt die FDP sich für eine Neuordnung des europäischen Gentechnikrechts ein, bei der die Nutzung von CRISPR/Cas9 in der Landwirtschaft erlaubt werden soll.

Auch beim Tierschutz sieht es bescheiden aus: Die FDP spricht sich nicht für mehr Tierschutz aus, etwa durch ein Verbot von Massentierhaltung oder durch die Begrenzung der Dauer von Tiertransporten.

AfD

Das Wahlprogramm enthält diskriminierende, europafeindliche und menschenverachtende Äußerungen: Grundpfeiler der demokratischen Gesellschaft, die Genfer Flüchtlingskonvention oder die deutsche EU-Mitgliedschaft erkennt die AfD nicht an. Den wissenschaftlich belegten anthropogenen Klimawandel leugnet sie und lehnt das Pariser Klimaabkommen ab. Auf dieser Basis ist kein Natur-, Umwelt- und Tierschutz möglich. Daher verzichten wir auf eine Analyse des Wahlprogramms.

Die Auswirkungen unserer Zivilisation auf den Zustand der Natur jetzt und in Zukunft: Erstmals hat ein internationales Viel-Staaten-Gremium von Wissenschaftlern – der IPBES – die dazu nötigen Daten weltweit analysiert. Die am 6.06.2019 veröffentlichten Ergebnisse sind ausgesprochen alarmierend.

Hier die deutsche Übersetzung des Berichts als (bitte) weiterzuverbreitendes PDF-Dokument. 

 

Bericht des Weltbiodiversitätsrats[1] der UNO

vom 06.05.2019

Der gefährliche Niedergang der Natur ist „beispiellos“.

Das Artensterben beschleunigt sich

Aktuelle globale Antwort unzureichend

„Transformative Veränderungen“ sind notwendig, um die Natur wiederherzustellen und zu schützen

Der Widerspruch der Interessengruppen kann zum Wohle der Allgemeinheit überwunden werden

Umfassendste Bewertung dieser Art

1.000.000 Arten vom Aussterben bedroht

Die Natur geht weltweit mit beispiellosen Raten zurück – und die Rate des Artensterbens wird immer schneller, mit gravierenden Auswirkungen auf die Menschen auf der ganzen Welt, warnt ein bahnbrechender neuer Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services), dessen Zusammenfassung auf der 7. Tagung des IPBES-Plenums in der vergangenen Woche (29. April – 4. Mai) in Paris verabschiedet wurde.

„Die überwältigenden Beweise für das IPBES Global Assessment aus den verschiedensten Wissensgebieten stellen ein bedrohliches Bild dar“, sagte Sir Robert Watson, Vorsitzender des IPBES. „Die Gesundheit der Ökosysteme, von denen wir und alle anderen Arten abhängen, verschlechtert sich schneller denn je. Wir erodieren die Grundlagen unserer Wirtschaft, unserer Lebensgrundlagen, unserer Ernährungssicherheit, unserer Gesundheit und unserer Lebensqualität weltweit.“

„Der Bericht sagt uns auch, dass es nicht zu spät ist, etwas zu bewegen, aber nur, wenn wir jetzt auf allen Ebenen von lokal bis global beginnen“, sagte er. „Durch den ‚transformativen Wandel‘ kann die Natur noch immer nachhaltig erhalten, restauriert und genutzt werden – dies ist auch der Schlüssel zur Erreichung der meisten anderen globalen Ziele. Unter transformativem Wandel verstehen wir eine grundlegende, systemweite Reorganisation über technologische, wirtschaftliche und soziale Faktoren hinweg, einschließlich Paradigmen, Zielen und Werten.“

„Die Mitgliedstaaten der IPBES-Plenarsitzung haben nun anerkannt, dass transformativer Wandel naturgemäß Widerstand von denen erwarten kann, die am Status quo interessiert sind, aber auch, dass dieser Widerstand zum Wohle der Allgemeinheit überwunden werden kann“, sagte Watson.

Der IPBES Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services ist der umfassendste, der je erstellt wurde. Es ist der erste zwischenstaatliche Bericht seiner Art und baut auf der wegweisenden Millenniums-Ökosystembewertung von 2005 auf, die innovative Methoden zur Bewertung von Evidenz vorsieht.

Der Bericht, der von 145 FachautorInnen aus 50 Ländern in den letzten drei Jahren zusammen mit Beiträgen von weiteren 310 AutorInnen erstellt wurde, bewertet die Veränderungen der letzten fünf Jahrzehnte und vermittelt ein umfassendes Bild von den Zusammenhängen zwischen wirtschaftlichen Entwicklungspfaden und ihren Auswirkungen auf die Natur. Er bietet auch für die kommenden Jahrzehnte eine Reihe von möglichen Szenarien.

Basierend auf der systematischen Überprüfung von rund 15.000 wissenschaftlichen und staatlichen Quellen stützt sich der Bericht auch (zum ersten Mal überhaupt in dieser Größenordnung) auf indigene und lokale Kenntnisse, insbesondere auf Fragen, die für indigene Völker und lokale Gemeinschaften relevant sind.

„Die biologische Vielfalt und der Beitrag der Natur für den Menschen sind unser gemeinsames Erbe und das wichtigste lebenserhaltende ‚Sicherheitsnetz‘ der Menschheit. Aber unser Sicherheitsnetz ist fast bis zum Abreißen gedehnt“, sagte Prof. Sandra Díaz (Argentinien), die gemeinsam mit Prof. Josef Settele (Deutschland) und Prof. Eduardo S. Brondízio (Brasilien und USA) die Bewertung leitete. „Die Vielfalt innerhalb der Arten, zwischen den Arten und den Ökosystemen sowie viele grundlegende Beiträge, die wir aus der Natur beziehen, nehmen schnell ab, obwohl wir immer noch über die Mittel verfügen, um eine nachhaltige Zukunft für Mensch und Umwelt zu sichern.“

Der Bericht stellt fest, dass rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind, viele davon innerhalb von Jahrzehnten, mehr als je zuvor in der Geschichte der Menschheit.

Der durchschnittliche Bestand an einheimischen Arten in den meisten wichtigen Lebensräumen an Land ist um mindestens 20 % gesunken, meist seit 1900. Mehr als 40% der Amphibienarten, fast 33% der riffbildenden Korallen und mehr als ein Drittel aller Meeressäuger sind bedroht. Das Bild ist bei Insektenarten weniger klar, aber die verfügbaren Beweise sprechen für eine vorläufige Schätzung von 10% als bedroht. Mindestens 680 Wirbeltierarten wurden seit dem 16. Jahrhundert ausgelöscht, und mehr als 9% aller domestizierten Rassen von Säugetieren, die für Ernährung und Landwirtschaft verwendet werden, waren bis 2016 ausgestorben; mindestens 1.000 weitere Rassen sind noch bedroht.

„Ökosysteme, Arten, Wildpopulationen, lokale Varianten und Rassen von domestizierten Pflanzen und Tieren schrumpfen, verschlechtern oder verschwinden. Das essentielle, vernetzte Netz des Lebens auf der Erde wird kleiner und immer ausgefranster“, sagt Prof. Settele. „Dieser Verlust ist eine direkte Folge menschlichen Handelns und stellt eine direkte Bedrohung für das menschliche Wohlbefinden in allen Regionen der Welt dar.“

Um die politische Relevanz des Berichts zu erhöhen, haben die Autoren der Bewertung zum ersten Mal in dieser Größenordnung und auf der Grundlage einer gründlichen Analyse der verfügbaren Beweise die fünf direkten Treiber für Veränderungen in der Natur mit den bisher größten relativen globalen Auswirkungen bewertet. Diese Täter sind, in absteigender Reihenfolge: (1) Veränderungen der Land- und Meeresnutzung; (2) direkte Ausbeutung von Organismen; (3) Klimawandel; (4) Verschmutzung und (5) invasive gebietsfremde Arten.

Der Bericht stellt fest, dass sich die Treibhausgasemissionen seit 1980 verdoppelt haben und die globalen Durchschnittstemperaturen um mindestens 0,7 Grad Celsius gestiegen sind – wobei der Klimawandel bereits die Natur vom Niveau der Ökosysteme bis zum Niveau der Genetik beeinflusst. Diese Auswirkungen werden in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich zunehmen und in einigen Fällen die Auswirkungen der Veränderung der Land- und Meeresnutzung und anderer Faktoren übertreffen.

Trotz der Fortschritte beim Naturschutz und bei der Umsetzung von Politiken stellt der Bericht auch fest, dass globale Ziele für den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der Natur und die Erreichung von Nachhaltigkeit auf dem derzeitigen Weg nicht erreicht werden können und dass Ziele für 2030 und darüber hinaus nur durch transformative Veränderungen in wirtschaftlichen, sozialen, politischen und technologischen Faktoren verwirklicht werden können. Da bei den Komponenten von nur vier der 20 Aichi-Biodiversitätsziele gute Fortschritte erzielt wurden, ist es wahrscheinlich, dass die meisten bis zum Termin 2020 verpasst werden. Die derzeitigen negativen Trends bei der biologischen Vielfalt und den Ökosystemen werden die Fortschritte auf dem Weg zu 80 % (35 von 44) der Zielvorgaben für die nachhaltige Entwicklung in Bezug auf Armut, Hunger, Gesundheit, Wasser, Städte, Klima, Ozeane und Land (SDGs 1, 2, 3, 6, 11, 13, 14 und 15) beeinträchtigen. Der Verlust der biologischen Vielfalt erweist sich daher nicht nur als ein Umweltthema, sondern auch als ein entwicklungspolitisches, wirtschaftliches, sicherheitspolitisches, soziales und moralisches Problem.

„Um die Hauptursachen für Schäden an der biologischen Vielfalt und die Beiträge der Natur zum Wohl der Menschen besser zu verstehen und vor allem anzugehen, müssen wir die Geschichte und den globalen Zusammenhang komplexer demografischer und wirtschaftlicher indirekter Treiber des Wandels sowie die sozialen Werte, die ihnen zugrunde liegen, verstehen“, sagte Prof. Brondízio. „Zu den wichtigsten indirekten Faktoren gehören der Anstieg der Bevölkerung und des Pro-Kopf-Verbrauchs, die technologische Innovation, die in einigen Fällen gesunken ist und in anderen Fällen den Schaden für die Natur erhöht hat, und vor allem Fragen der Governance und Rechenschaftspflicht. Ein Muster, das sich herausbildet, ist das der globalen Vernetzung und der ‚Telekopplung‘ – wobei Ressourcengewinnung und -produktion häufig in einem Teil der Welt stattfinden, um die Bedürfnisse entfernter Verbraucher in anderen Regionen zu befriedigen.“

Weitere bemerkenswerte Ergebnisse des Berichts

  • Drei Viertel der landgestützten Umwelt und etwa 66% der Meeresumwelt wurden durch menschliches Handeln erheblich verändert. Im Durchschnitt waren diese Trends in Gebieten, die von indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften gehalten oder verwaltet werden, weniger ausgeprägt oder wurden vermieden.
  • Mehr als ein Drittel der Landfläche der Welt und fast 75 % der Süßwasserressourcen werden heute für die pflanzliche oder tierische Produktion verwendet.
  • Der Wert der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion ist seit 1970 um rund 300% gestiegen, die Rohholzernte ist um 45% gestiegen und rund 60 Milliarden Tonnen nachwachsende und nicht nachwachsende Rohstoffe werden heute jedes Jahr weltweit gefördert – eine knappe Verdoppelung seit 1980.
  • Die Bodenverschlechterung hat die Produktivität um 23% der globalen Landfläche verringert; jährliche globale Nutzpflanzen im Wert von bis zu 577 Milliarden US-Dollar sind durch den Verlust von Bestäubern gefährdet und 100 – 300 Millionen Menschen sind aufgrund des Verlusts von Küstenlebensräumen und -schutz einem erhöhten Risiko von Überschwemmungen und Hurrikanen ausgesetzt.
  • Im Jahr 2015 wurden 33% der Meeresfischbestände auf nicht nachhaltigem Niveau geerntet; 60% wurden maximal nachhaltig gefischt, nur 7% wurden auf einem Niveau geerntet, das unter dem liegt, was nachhaltig gefischt werden kann.
  • Seit 1992 haben sich die städtischen Gebiete mehr als verdoppelt.
  • Die Kunststoffverschmutzung hat sich seit 1980 verzehnfacht, 300-400 Millionen Tonnen Schwermetalle, Lösungsmittel, toxischer Schlamm und andere Abfälle aus Industrieanlagen werden jährlich in die Gewässer der Welt gekippt, und Düngemittel, die in Küstenökosysteme gelangen, haben mehr als 400 „tote Zonen“ von Ozeanen mit einer Gesamtfläche von mehr als 245.000 qkm geschaffen – eine Gesamtfläche, die größer ist als die des Vereinigten Königreichs.
  • Negative Trends in der Natur werden bis 2050 und darüber hinaus in allen im Bericht untersuchten politischen Szenarien anhalten, mit Ausnahme derjenigen, die transformative Veränderungen beinhalten – aufgrund der projizierten Auswirkungen des zunehmenden Wandels der Landnutzung, der Nutzung von Organismen und des Klimawandels, wenn auch mit erheblichen Unterschieden zwischen den Regionen.

Der Bericht stellt auch eine breite Palette von beispielhaften Maßnahmen für Nachhaltigkeit und Wege zu ihrer Verwirklichung in und zwischen Sektoren wie Land- und Forstwirtschaft, Meerestechnik, Süßwassersysteme, städtische Gebiete, Energie, Finanzen und vielen anderen vor. Er betont, wie wichtig es unter anderem ist, ein integriertes Management und bereichsübergreifende Ansätze zu verfolgen, die den Kompromissen bei der Nahrungsmittel- und Energieerzeugung, der Infrastruktur, dem Süßwasser- und Küstenmanagement sowie der Erhaltung der biologischen Vielfalt Rechnung tragen.

Als Schlüsselelement einer nachhaltigeren Zukunftspolitik wird auch die Entwicklung der globalen Finanz- und Wirtschaftssysteme zum Aufbau einer globalen nachhaltigen Wirtschaft identifiziert, die sich vom derzeit begrenzten Paradigma des Wirtschaftswachstums entfernt.

„IPBES stellt den Entscheidungsträgern die maßgebliche Wissenschaft, das Wissen und die politischen Optionen zur Prüfung vor“, sagte die IPBES-Exekutivsekretärin Dr. Anne Larigauderie. „Wir danken den Hunderten von Experten aus der ganzen Welt, die ihre Zeit und ihr Wissen freiwillig zur Verfügung gestellt haben, um den Verlust von Arten, Ökosystemen und genetischer Vielfalt zu bekämpfen – eine wahrhaft globale und generationsübergreifende Bedrohung für das menschliche Wohlergehen.“

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Zusammenfassung zu den Themen:

 

Quelle: https://www.ipbes.net/news/Media-Release-Global-Assessment

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Intergovernmental_Platform_on_Biodiversity_and_Ecosystem_Services

Das ist ein Bewusstseinssprung: Junge Leute verstehen, dass die Vertreter des Systems, seien es Banker, Politiker oder Polizisten, auch dann Menschen bleiben, wenn sie ihr Amt ausüben und Demonstranten verhaften. „Extinction“ bedeutet in diesem Zusammenhang die Auslöschung eines Freund-Feind-Denkens. Dem Planeten feindlich sind nicht Menschen, sondern das System der industriellen Zivilisation und des eng damit verschränkten Kapitalismus – oder umgekehrt. Beide gehen achselzuckend über Leichen.

Wer sich für die Arbeit von und die evtl. Mitarbeit bei Extinction Rebellion Deutschland interessiert, findet HIER eine prima Kontaktmöglichkeit.

Heute, am 15. April, beginnt Extinction Rebellion (kurz XR) mit seinen Aktionen des Zivilen Ungehorsams. Heute, am 15. April werden wieder Hunderte von Tier- und Pflanzenarten aussterben. Und dies würde so bleiben, würden wir dem nicht Einhalt gebieten. Nur wie? Roger Hallam, einer der Initiatoren der Extinction Rebellion, erklärt, warum zu dieser Maßnahme gegriffen werden musste.

Wir sollten die Reichen davon überzeugen, dass Klimasanierung eine sichere Sache ist und dass sie besser im Parterre einsteigen sollten.

Wir haben den den Klimawandel falsch kommuniziert. Ich verstehe, dass die Situation ernst ist. Wirklich schrecklich. Aber es geht weit über die Tatsache hinaus, dass jedes Jahr das heißeste Jahr der Geschichte ist, der Meeresspiegel steigt, die Dürre Millionen in den Flüchtlingsstatus zwingt, das Great Barrier Reef fast tot ist, die Ozeane 26 Prozent saurer sind als das vorindustrielle Niveau, unser Oberboden in weniger als 60 Jahren verschwunden sein wird und wir bereits mindestens 1,5 Grad Celsius in Richtung der beiden Grade haben, die für eine echte Katastrophe stehen. Das ist alles schlecht. Die Realität ist eigentlich schlimmer. Weiterlesen

 

Hersteller von Einwegplastik werden in die Verantwortung genommen

„„Sieben Monate nach dem Vorschlag der EU-Kommission einigten sich die VertreterInnen der EU-Institutionen im Dezember
auf den Inhalt der Einwegplastikrichtlinie.

Ab 2021 gelten Verbote für Einwegprodukte aus Kunststoff, für die es Materialalternativen gibt. Das betrifft Teller und Besteck, Trinkhalme, Rührstäbchen, Ballonstäbe und Wattestäbchen aus Plastik. Das Verbot soll auch für Lebensmittelbehälter aus aufgeschäumten Polystyrol und Produkte aus oxo-abbaubarem Plastik gelten, das an der Luft in kleinste Mikroplastikpartikel zerfällt. Weiterlesen

Und die Hoffnung, dass er noch so lange bleibt, bis die Zukunft eine Chance erhält.
Das tut sie aber nur, wenn die Parteiführer um ihre Stimmen zittern
(WANN besinnt sich endlich die SPD vorwärts?!)
und die Lobbyisten sich mit dem neuen Wind drehen.

Der Aufstandstext

„Wir sind die Jugend von heute und die Gesellschaft von morgen.
Und wir werden morgen die Konsequenzen tragen, für das, was ihr heute entscheidet.
Wir sind Entwicklung, und wir werden nicht bis morgen warten, dass unsere Stimme gehört wird.
Deswegen, stehen wir heute auf.
Das ist der Aufstand der Jugend!
Wir werden solange rufen, bis man uns hört.
Heute, auf den Straßen und Plätzen, Morgen, in den Ministerien und in den Herzen der Menschen.
Die Zeit ist gekommen, dass die Jugend von heute mitentscheidet über das, was morgen gilt.
Was wir heute fordern, ist der Austausch zwischen den Generationen
und gemeinsame Verantwortung auf dem Weg Richtung Morgen.
Wir bauen uns eine Welt, in der viele möglich sind,
die oberste Prämisse, ist das glückliche Kind.
Viva la Krevolution!

Musik: Actio Grenzgänger Text: Courtier Videoproduktion: Kemperly Film Produktion Buch und Regie: Simon Marian Hoffmann Produktion: Ansgar Wörner Unterstützt durch Jugendstiftung BW und Fonds Sozio Kultur e. V.