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Wahlfreiheit wirkt auf unsere Lebenswelten

Peter vom Zürichsee

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Wir sehen «Menschlichkeit» gerne als erstrebenswertes «Gut-miteinander-sein-und-
umgehen». Dazu gehört z.B., sich empathisch, ehrlich, respektvoll, hilfsbereit, achtend,
würdigend und verantwortungsvoll zu verhalten. Menschlich sind auch unsere
Schattenseiten. «Ich bin halt auch nur ein Mensch» wird gerne als Rechtfertigung für
allerlei Gewaltanwendungen benutzt. «Irren ist menschlich»… Es ist Zeit, offen und
grundlegend zu überdenken, was «Menschlichkeit» in unseren Lebenswelten bedeutet.
Mir bewusst zu sein: Welche Art von Menschlichkeit möchte ich selbst leben?

Überall lauert auch Unmenschliches

Unterschwellige, kaum als Gewalt bemerkte Formen sind möglich – und weit verbreitet.
Das folgende Beispiel mag dich überraschen – was könnte da dran sein?
Gewaltfreie Kommunikation (GFK, nach Marshall B. Rosenberg) ist hoch im Kurs. Sobald
der Anspruch im Raum steht, dass «wir alle GFK anwenden müssen und alles wird gut –
wir wissen, wie das geht (du hast es halt noch nicht verstanden oder hast noch
Übungsbedarf)», empfinde ich das als übergriffig – dann wird mir schwindlig. An mir ist
etwas nicht gut. Mein Gegenüber will, dass ich im GFK-Stil kommuniziere.
Um hier möglicherweise aufkommende Missverständnisse zu klären: Ich finde GFK eine
gute Sache – manchmal echt hilfreich. Als Rezept in allen zwischenmenschlichen
Situationen, verbunden mit der Erwartung, es stets und ständig gekonnt anzuwenden, wird
es missverstanden und zum Dogma, zur Kommunikations-Religion. Das entfremdet, statt
zu verbinden. Das Erfüllen der Erwartungen und Vorstellungen anderer, auch meiner
Eigenen, fühlt sich für mich als «übergestülpte Kommunikationsregel» an. Als Form eines
Versuchs, sich einem Konzept unterwerfen zu müssen, (und alles werde gut). Eine Form
von Gewalt, die wir meistens übersehen.

* * * * *

Pure Gewalt und Zerstörung bewirkt in den aktuellen Kriegen unendlich viel Leid,
Schmerz, Tod und gigantische Mitweltverschmutzungen. Kriegerische Angriffe und
Übergriffe werden oft als unmenschlich bezeichnet. Wir versuchen mit diesem «un»-
Wortzusatz, unerwünschte menschliche Handlungen von uns selbst fernzuhalten und zu
verdrängen. «Dein Verhalten ist unmöglich!» «Das kannst du unmöglich machen!».
Es gibt nicht nur unangebrachte und unsinnige Verhaltensweisen, Streitereien und Kriege,
sondern auch heimische Pflanzen, die wir «unbedingt» weghaben wollen in unseren
Gärten: unbeliebte Unkräuter. Gegen die wir Krieg führen, auch mit Chemiewaffen.
Im wirtschaftlichen Wettbewerb gibt es von unlauterem Marktgebaren und
unwirtschaftlichen Märkten bis zu ungeliebten Mitbewerbern und Konkurrenten ebenfalls
Formen des Kämpfens und Bekämpfens. Unmengen von industriellen Erzeugnissen
überschwemmen unseren Planeten, hinterlassen sehr viel mehr giftige als ungiftige
Verschmutzungen.

Politisch hören wir öfters «Unwörter» wie: «Diese Ideologie muss bekämpft werden!» «Wir
brauchen unideologische Lösungen!». Solches verkünden interessanterweise meist die
Exponenten jener Parteien, die selbst nur so strotzen vor ideologischen Überzeugungen
und Selbstüberhöhungen. Politische Machtgelüste führen zu verbaler Gewalt und
Essay «Ein A bis Z der Menschlichkeit?» © by Peter Wyler, CH-8707 Uetikon, 1. April 2026. Seite 2 von 15
Populismus, zum Kampf gegen andere Parteien und Andersdenkende. Während es mir
leichtfällt, Fehlverhalten und Überzeugungen anderer aufs Korn zu nehmen und
manchmal auch anzugreifen, übersehe ich bei mir selbst, dass ich dies und das felsenfest
glaube und als absolut notwendig betrachte – und damit die Deutungshoheit für mich in
Anspruch nehme. Dass ich zu wissen glaube, was richtig und falsch ist. Dass ich mich
richtig verhalte. Dass ich weiss, worauf es ankommt. Dass ich über andere urteile und sie
bewerte. Andere verurteile und insgeheim ablehne.

Auch ich bin eingeladen, die Auswirkungen der Art(en) meiner frei wählbaren
Menschlichkeit auf «meine» und andere Lebenswelten tiefer zu ergründen und zu
überdenken.

Facetten der Menschlichkeit von A bis Z
in zwei entgegengesetzte Richtungen

Unsere Lebenswelten sind voller Widersprüche. Keinesfalls geht es darum, diese als
richtig oder falsch zu klassieren. Es macht Sinn, uns bewusst mit folgenden Fragen in
Ruhe zu vertiefen:

  • Welche menschlichen Eigenschaften sowie Denk- und Verhaltensweisen entfalten welche Wirkungen?
  • Welche Art von Menschlichkeit will ich leben und möchte ich durch mich gedeihen lassen?
  • Welche Arten der Menschlichkeit wollen wir gemeinsam leben?

An den Wirkungen erkennen wir, ob es zunehmend in Richtung von lebensdienlicher
Mitgestaltung, zu einem einander näherbringenden, gesundenden WIR geht. Oder mehr in
Richtung von lebensfeindlichen, trennenden, ausbeuterischen, unterdrückenden,
verwirrenden bis zerstörerischen Verhaltensweisen.

So zeigen sich die «Pole» der Menschlichkeit, die wesentlich für deren Auswirkungen in
unseren Lebenswelten sind:

Lebensförderndes / lebensdienliches / heilsam wirkendes / uns nährend verbindendes
Menschsein & Tun. Der aufwärts zeigende grüne Pfeil symbolisiert das Aufbauende,
gesundend und erstarkend Gedeihende.

Lebensfeindliches / toxisch wirkendes / krankmachendes / uns trennendes
Menschsein & Tun. Der abwärts zeigende graue Pfeil symbolisiert das Abbauende,
gesellschaftlich wie persönlich Schwächende und Lebensgefährdende.

 

Mein Herz schlägt für
unsere lebensdienliche, nährende,
heilende Menschlichkeit.

In diesem anregenden «A-Z der menschlichen Facetten» sind beim aufwärts zeigenden
grünen Pfeil einige «lebensdienliche» Perspektiven und neben dem abwärts gerichteten
grauen Pfeil einige «lebensfeindliche» Aspekte in Beispielen beschrieben.
Dies ist eine persönliche und zugleich universelle Auswahl wesentlicher Menschlichkeits-
Aspekte.
Du kennst sicher viele weitere davon – aus deinen eigenen Erfahrungen, Beobachtungen
und Einschätzungen. Wobei es sinnvoll ist, zu bemerken, dass Einschätzungen oft auch
Bewertungen oder Hypothesen sind.

In Ergänzung des Textes, das in der Digitalzeitung DAS BLATT, Ausgabe April 2026
erschienen ist, findest du hier Zugang zu weiteren gewichtigen Aspekten der
Menschlichkeit.

A

aufeinander zugehen • sich selbst und einander annehmen • artgerecht mit allen
Lebewesen, auch uns und unseren Kindern, umgehen • Andersartigkeit annehmen und
integrieren • achtsam den Wundern des Lebens begegnen • Ängste annehmen,
anerkennen und ihnen zuhören > frei werden für das Hier und Jetzt • Autonomie > mein
Leben gestalten und selbst wählen können • aufeinander achten > auch auf das
Autonomiebedürfnis der anderen …

ablehnend sein • einander abweisen • angreifen • anschuldigen • abwerten •
aussenvorlassen • Andersartigkeit ablehnen • Andersdenkende aussortieren •
Ängstlichkeit > in vielem und von vielen sich bedroht fühlen • Ausgrenzung • auslachen •
Ausbeuten unseres Planeten und seiner Lebewesen • verbale und psychische / soziale
Aggressionen, auch passiv-aggressives Verhalten …

B

Bereitsein für das, was es hier und jetzt braucht • behutsam im Umgang mit allem
Leben und unserem Planeten sein • Bewusstheit für eigenes Fühlen und Tun • Brücken
bauen und Verbindungen zueinander pflegen • sich begeistern für sinnreiches Wirken •
beflügelnd einander inspirieren und unterstützen • bedürfnisbewusst sein • berührend
einander begegnen • in wahrhaftigen Begegnungsräumen einander auf Augenhöhe
erleben • analog gelebte, verbindende, nährende Begegnungen• Begabungen und
Berufung leben > innerste Herzenswünsche sinnhaft einbringen, Essay zum Thema
«Gaben» (2) …

Brutalität anderen und sich selbst gegenüber • Bedürftigkeit >sich von anderen abhängig
machen • über andere bestimmen • von oben herab belehren und besserwissen •
Besitz aneignen zulasten anderer • sich selbst und andere bewerten und vergleichen •
etwas Besonderes sein wollen • Bedürfnisse übergehen • bemitleiden •
Bedingungen stellen • betrügen > das Vertrauen fundamental missbrauchen • beschämen
> die Identität anderer angreifen (Essay zum Thema «Scham» (3) …

C

Couragiertes, mutiges, aktives, lebensdienliches Tun im Alltag • Collaboration >
wirklich zusammenarbeiten und einander unterstützen • Charakterstärke zeigen …

Chancen ignorieren > verpassen und verstreichen lassen • Chaos verbreiten > chaotisch
sein • Coolness > meine Gefühle, Missstände und Unsicherheiten überspielen •
Charakterlosigkeit oder -schwäche • Chauvinismus > zur Schau gestelltes,
herabsetzendes Überlegenheits-Getue gegenüber anderen • cholerisch sein >
unkontrollierte Wutausbrüche über anderen «ausgiessen» • Co-Abhängigkeit > emotionale
Verstrickung, die destruktive und ungesunde Dynamiken etabliert …

D

Dialogbereitschaft und -fähigkeit • Dankbarkeit > bewusst wertschätzen • Deeskalation >
Spannungen beruhigen statt anheizen • dienen im Sinne des Ganzen, ohne sich selbst zu
verlieren • Demut > anstatt sich stolz über andere zu stellen • Dazugehörigkeit schenken >
andere sind willkommen …

demütigen • drohen • doppelmoralisches Verhalten • Du-Botschaften > beratschlagen,
erwarten, übergriffiges Gutmeinen • Distanz halten > Beziehungsentzug •
Dominanzverhalten • digitale, trennende, künstliche Welt bevorzugen • denunzieren >
andere gezielt anschwärzen …

E

Empathie > Einfühlungsvermögen • einladen und ermutigen zur Transformation • effektive
Entwicklung > sich aus bestehenden Verwicklungen lösen und so frei werden •
Eingeständnis meiner Unzulänglichkeiten und Unterlassungen • Einsicht > reflektierendes
Selbstwahrnehmen und -Verständnis • emotional zugänglich sein • Ehrlichkeit •
Eigenverantwortlich sein • Ehrfurcht vor dem Leben spüren > es staunend und dankbar
annehmen • ermöglichen, was es hier und jetzt zum Gemeinwohl braucht •
Erdverbundenheit spüren …

ICH-zentrierter Egoismus > um eigene Vorteile bedacht • emotionale Abschottung und
Kälte (und das gar als emotionale Kompetenz und «professionellen Umgang mit
Emotionen» preisen) • emotionale Erpressung • Empathielosigkeit • Entwertung > andere
entwürdigen, entblössen und kleinmachen • Eifersucht > Misstrauen und zwanghaftes
Kontrollieren …

F

Freiheit meiner Spielräume nutzen und entfalten, ohne andere in ihrer Freiheit
einzuschränken oder sie zu gefährden • Fülle > das Geschenk des Lebens voller
Möglichkeiten sehen, anerkennen und annehmen • Fühlen, Feingefühl > wir sind fühlende
Wesen • friedlich sein • freundlich mit mir und anderen sein • fördern > Wesentliches
ermöglichen helfen • flexibel sein > sich achtsam Veränderungen stellen • Freude aus dem
Herzen leben • Fairness > respektvoll und gerecht handeln …

Fake > Falschinformationen verwirren und fördern die Ignoranz • Feindseligkeit •
Falschheit > so-tun-als-ob-Täuschung • Frustrations-Abladung auf andere • Fatalismus >
«Es bringt eh nichts, also können wir es gleich bleiben lassen!» • Fremdbestimmung >
andere nach meiner Pfeife tanzen und meine Vorstellungen erfüllen lassen und damit ihre
Autonomie aberkennen …

G

Gemeinwohl-dienlich handeln und wirken • Gewahrsein • «gwundrig sein*» > offen für
Wunder (*Schweizerdeutsch für neugierig sein) • nährende Gemeinschaft fördern > zu
Zusammenhalt und Verbundenheit beitragen • zum Gelingen der nötigen Veränderungen
beitragen • Ganzheitlichkeit > zum Wohl von Körper, Geist, Seele und dem WIR • Gnade
spüren …

Gleichgültigkeit > Interesselosigkeit sich selbst und anderen / anderem gegenüber •
Geringschätzung > Qualitäten und das Wesen übersehen und übergehen • gaslighting
gezieltes Irritieren und Verunsichern der Wahrnehmung • grollen > Festhalten an starker
Unzufriedenheit oder Ärger gegenüber einer Person, einer Gruppe oder einer Situation •
Grenzüberschreitungen > Grenzen bei sich selbst und anderen missachten •
Gruppendruck und -manipulation …

H

herzverbunden, aus dem Herzen heraus lebend • Hingabe > sich liebevoll und achtsam
zuwenden: meinen Herzenswünschen, dem was ich tue, ebenso anderen Menschen
und unserem Planeten • in mich hineinlauschen > entdecken, was durch mich gelebt
werden möchte • Herzenswärme > sich selbst und anderen mit echter innerer Wärme und
Zuneigung begegnen • Hilfsbereitschaft > beitragen, ohne zu zögern • Humanität >
menschliches Verständnis pflegen • heilsam wirken > für innere und äussere Trans-
formation • meine Haltung erweitern, siehe gleichnamiges Buch von Martin Permantier (4)

Hass > abgrundtiefe Ablehnung • Herablassung > andere von oben herab behandeln •
Heuchelei > unechtes, doppelbödiges Einlullen • Hilflosigkeit inszenieren > manipulatives
Sich-Als-Opfer-Darstellen • Hinterhältigkeit > verdeckte und perfide Angriffe und
Verhaltensweisen • an meiner Haltung um jeden Preis festhalten …

I

Integrität, integrierend wirken > im Einklang mit mir und unserem Planeten Ich-
Botschaften > ohne Vorwurf oder Bewertung offenlegen, wie ich mich fühle, was es mit mir
macht, was für mich wesentlich ist Ich-Verbundenheit > mit meinem Innersten verbunden
sein Innigkeit > tiefe innere Verbundenheit spüren und teilen Inspirationen schenken >
inspirierenden Austausch pflegen echtes Interesse zeigen > mich aufrichtig für andere
öffnen achtsame Impulse geben > Entwicklung liebevoll anregen Ideen teilen > kreativ
und verbindend wirken inneres Gleichgewicht fördern > sich selbst treu sein …

 

Ignorieren / Ausblenden > Nicht-Wahrnehmen von sich selbst und anderen; sich der
Begegnung entziehen Instrumentalisierung > Mitmenschen, Lebewesen und den

Planeten als Mittel benutzen und ausbeuten Intoleranz > Ablehnung und Abwertung von

Unterschiedlichkeiten Ironie > wird oft missverstanden und kippt schnell unbemerkt in

verletzenden Sarkasmus und Zynismus Ich-kenne-dich-Irrtum > wie soll das möglich
sein, wenn ich nicht mal mich selbst wirklich kenne? …

J

Ja zum Leben im Hier und Jetzt sein «Du bist ein Juwel» > Mitmenschen als kostbar,
einzigartig, hilfreich oder liebenswert würdigen Jugendlichkeit bewahren > offen,
gwundrig (neugierig) und lebensfroh bleiben jederzeit zugänglich sein > für tiefes
Zuhören, Anteilnehmen und Unterstützen präsent sowie verlässlich sein, ohne sich
aufzudrängen justieren > einstellen/ einregulieren, sich neu ausrichten, uns
untereinander fein abstimmen Jubel geniessen > Freude gemeinsam erleben und feiern –
dies keinesfalls auf Kosten anderer jedes Leben achten > es als Teil des Ganzen
annehmen …
Jähzorn > explodierende Wutausbrüche öfters jammern > Mitmenschen als
«Mistkübel» für Probleme missbrauchen und sie damit emotional stark belasten

jemanden Kleinhalten und Kleinmachen > angewendete psychische Gewalt oder

Manipulation, welche das Selbstwertgefühl des Opfers untergräbt …

K

Konflikt(bereitschaft und -fähigkeit) als Lebenskunst; Essay zum Thema Konflikt (5) •
Kontakte pflegen > offen, freundlich und interessiert auf andere zugehen klar werden

und sein (Essay zum Thema Klarheit (6) • kybernetisches Verständnis > Systeme wie

unseren Planeten, Organisationen, Gesellschaften, Maschinen, oder auch uns selbst, als

vernetzte, rückgekoppelte Prozesse betrachten, um dynamische, gesunde, sich selbst

regulierenden Systeme zu fördern Kreativität > neue Perspektiven und Möglichkeiten

öffnend, Unterschiede und Vielfalt als Ressource nutzend und die kollektive Intelligenz

stärkend • Kulturgut nachhaltig erschaffen > dauerhafte Anregung, Verbindung und

Orientierung zum Wesentlichen und Kostbaren erhalten Kompass des Herzens > inneren

Werten und Intentionen achtsam folgen mit meinem Inneren Kind verbunden sein >
bewusst Selbst-Mitgefühl und Lebendigkeit pflegen, staunend und offen sein • 
Kontemplation – achtsam, still und innehaltend das Leben und Geschenk des Lebens
reflektieren …
Konfliktverdrängung Kampf und Streitereien – Kriege > massive Zerstörungen, Leiden,
Tod und Verluste, mit oft negativen Veränderungen von Machtstrukturen, kriegerisch-
technologisch beschleunigter Aufrüstung sowie langfristigen ökologischen,
psychologischen, sozialen und kulturellen Folgen Kränkung > durch Beschämung oder
«links-liegen-lassen» Kontrolldrang > andere kontrollieren und steuern wollen
Konkurrenzdenken (oft toxisch), anstatt Kooperation emotionale Kälte > Bindungen
frieren ein …

L

Liebe, liebevolles Begegnen in mir und dir Landwirtschaft nachhaltig und giftfrei
Lösungsbewusstsein > sich von Problemen lösen Lösungsbereitschaft Lernbereitschaft
liebevolle Selbstführung Lebendigkeit > schenkt im Zwischenmenschlichen mehr
Potenzial für Tiefe, Verbundenheit, Frische und Entfaltung Lebensfreude und Lebenslust
> achtsam entdecken, geniessen und teilen lichtvoll leben > Zuversicht, Inspiration und
Lebenswärme ausstrahlen lachen > Freude und Leichtigkeit versprühen loslassen >
Anhaftendes, Groll und Unstimmigkeiten gehen lassen …

 

Lobbying > aus Eigeninteresse, zulasten anderer Land-Misswirtschaft > vergiftende und
damit lebensverachtende Landwirtschaft mit Kunstdüngern, Herbiziden, Halmverkürzern
und Pestiziden sowie mit bodenverdichtenden Agro-Maschinen (Traktoren usw).

lebensgefährdende Produktionsmethoden mit Chemie, Maschinen, Kunststoffen sowie
Einsatz fossiler Energieträger Lügen > mich selbst und andere belügen und täuschen

lächerlich machen > demütigen und entwürdigen lästern > abwerten und Abwesende
schlechtmachen natürliche Loyalität brechen > Zugehörigkeit verleugnen und Vertrauen
zerstören Leid schaffen > Machtmissbrauch, Gewalt jeglicher Art und Bindungsabbruch,
Projektionen und Beschuldigungen …

M

Mensch sein, als kreativer Gestalter Miteinander > gemeinsam Kreieren und Wirken in
Möglichkeiten denken mitfühlen Mitverantwortlichkeit leben Mut, zu meinem Innersten
zu stehen > das Leben annehmen, verletzlich und authentisch sein meine Menschlichkeit
aufbauend entfalten und leben Meditation > innere Ruhe, Zentrierung und Verbundenheit
finden Meisterschaft im Jetzt > ganz im Hier und Jetzt leben und wirken, Essay dazu (7) •
Magie des Moments > das Wunder und die Schönheit des Augenblicks spüren …
Mensch als Maschine > funktionale Leistungserfüller für die industrialisierte Welt und
deren Leistungsglauben; Bildung ist auf Leistung ausgerichtet, auf das Funktionieren für
das System Mangelbewusstsein > sich im Mangel fühlen in Massen produzieren
Monokulturen anlegen > Krankheitsanfälligkeiten mit negativen Folgemassnahmen
«behandeln» manipulieren > andere damit verdeckt beeinflussen, oft durch
Angstmacherei und Druckausübung Missgunst > anderen nichts gönnen und sie
beneiden Mobbing > systematisches ausgrenzen und schlechtmachen
Machtmissbrauch > ausnutzen der eigenen Position zulasten der darunter Leidenden
chronisches Misstrauen > Beziehungen vergiften und so den Boden entziehen …

N

nützlich sein, sich im Sinne von «lebensdienlich» nützlich machen; gutes und sinnreiches
Tun, das anderen und der Gemeinschaft hilft und Freude bringt Natürlichkeit Nachsicht
> anderen Fehler oder Schwächen vergeben • nahbar sein > emotional und achtsam
zugänglich sein …
Ein «Narzisstischer Eisberg» sein > das einander wirklich begegnen verunmöglichen,
wegen schleichender Selbstbezogenheit mit eingefrorenen Gefühlen im
zwischenmenschlichen Umgang nörgeln > an allem Herummäkeln • neidisch sein >
Missgunst gegenüber anderen durch Vergleichen und sich im Nachteil betrachten
nachtragend sein > an alten Konflikten festhalten oder kleben bleiben / «anhaften»
Neinsager > jegliche Entwicklung und andere Meinungen abwehren prägende Narrative
> angeblich sinnstiftende Erzählmuster, die als Geschichten unser Fühlen, Denken und
Handeln oft unbewusst beeinflussen sowie emotional aufladen, und unser Verhalten damit
manipulativ steuern können …

O

offen sein für sich und das WIR • Organisationstalent > konstruktiv-harmonische Vorhaben
ermöglichen, in denen alle achtsam integriert sind • Ökonomie der Menschlichkeit >
«Gemeinwohl-Ökonomie», das Wirtschaften für das Wohl aller, auch für unseren Planeten
• Orientierung geben > gemeinsame Klärung zum gemeinsamen Unterwegssein
Ordnung schaffen > Klarheit, Überblick und Strukturen für sich selbst und das
gemeinsame Leben pflegen • Oasen bewusst pflegen > persönliche und gemeinsame
Räume der Ruhe, Geborgenheit und des Angenommenseins pflegen …
In Ohnmachtsgefühlen blockiert sein > in unbewusster Hilf- und Sinnlosigkeit
steckenbleiben • Oberflächlichkeit > fehlende tiefe Verbindung • Opferrolle «spielen» >
Selbstbemitleidung, und anderen die Schuld geben und sie manipulieren
Obrigkeitsglauben > weitgehendes Fehlen von Reflexion und gesundem Hinterfragen, was
eine scheinbare Ordnung schafft sowie kritisches Denken und echtes Mitgestalten massiv
schwächt …

P

Passion und freie Potenzialentfaltung • Präsenz > präsent sein – psychische und
physische Gesundheit • Prägungen und Konditionierungen aus der Kindheit aufdecken
und loslassen > frei sein für das Hier und Jetzt • Perspektiven- und Paradigmenwechsel >
offen sein für andere Blickwinkel und Lösungsmöglichkeiten, als die bislang verbreiteten
Narrative und Überzeugungen suggerieren • Praktizierbarkeit fördern > gemeinsam
lebbare Möglichkeiten ausprobieren und praktisch anwenden • Poesie des Lebens >
Schönheit, Wunder und Feinfühligkeit im Alltag • proaktiv sein > vorausblickend selbst-
und gemeinwohlverantwortlich gute Lösungen finden, stets einen Schritt auf persönliche
und gesellschaftliche Herausforderungen zugehen …
Problembewusstsein > in Problemen verwickelt sein und bleiben • passiv-aggressives
Verhalten > von verdeckter Feindseligkeit bis zu verdecktem Narzissmus • Projektionen >
eigene Unzulänglichkeiten, Gefühle, Überzeugungen und Fehler anderen «überstülpen»
provozieren > unterschwelliges bis gezieltes Schüren des Konflikts, bis zur Eskalation
chronischer Pessimismus > destruktive bis toxisch-negative Grundhaltung …

Q

Quelle der Ruhe und des Friedens sein • Querdenken im konstruktiven Sinn > acht- und
einfühlsam neue Lösungswege finden • querverbinden > Netzwerke und Brücken bauen
zwischen dem Planeten und allem Leben, inkl. Menschen, Ideen und Kulturen
Qualitätsbewusstsein > nachhaltiges Leben achtsam fördern • Quintessenz leben >
Wesentliches achtsam erkennen, sich dessen bewusstwerden und danach handeln …
Querulant sein > hartnäckiges, unangemessenes und übersteigertes, reflexartiges bis
zwanghaftes Anklagen, Kritisieren und Infragestellen krankhaftes Querdenken >
zermürbendes Angreifen und Infragestellen von Mehrheitsmeinungen, etablierten
Sichtweisen und «Vorgesetzten», oft als «reflexartiges» Widersprechen und Anklagen …

R

Reflexionskultur > einander offen und respektvoll Feedback geben, ohne zu bewerten
Resilienz fördern > stärkt die psychischen, emotionalen, sozialen und körperlichen
Fähigkeiten, mit Stress, Krisen und Belastungen gesund umzugehen Respektvoll sein >
andere mit ihrer Andersartigkeit achten, mit ihren Grenzen • Rücksicht nehmen > achtsam
und sensibel mit sich und anderen umgehen • Regeneration > sich selbst, anderen und
dem Planeten mit seinen Ressourcen Erholung erlauben und ermöglichen «richtig»
handeln > im Sinne meines eigenen Tuns, das mit meinen innersten Herzenswünschen
übereinstimmt (kongruent sein) mit Ressourcen ausbeutungsfrei umgehen und sie teilen
> Zeit, Wissen oder materielle Mittel bewusst sorgfältig und nachhaltig einsetzen …
Revolution > Revolte: bestehende Machtstrukturen werden herausfordert, ihre Macht
heftig angegriffen, was oft blutig verläuft, weil Privilegien und Kontrolle kompromisslos
verteidigt werden. Auch bei nicht-blutigen Aufständen geht meist «sehr viel Geschirr
kaputt» • Rechthaberei > fehlender Raum für andere Sichtweisen und Erfahrungen, oft
verknüpft mit dem Anspruch auf Deutungshoheit, was richtig und falsch ist • Rache > der
Drang, empfundenes Unrecht zu vergelten, oft begleitet von Groll und hinterhältigem
Verhalten • Rücksichtslosigkeit > schonungsloses Durchsetzen der Eigeninteressen, mit
Ignorieren der Bedürfnisse anderer • Radikalisierung > zunehmend extremer werdendes,
oft intolerantes und aggressives Verhalten gegenüber Andersdenkenden …

S

Sinn und Sinnlichkeit > Sinn öffnet den Blick für die Richtung meines Lebens, wobei mich
meine Sinnlichkeit jeden Moment voller Lebendigkeit spüren lässt Sinnhaftigkeit > unsere
Taten mit innerer Tiefe und mit allem Wesentlichen verweben Spielfreunde und
spielerische Leichtigkeit > belebt den Geist, stärkt Bindungen, fördert Kreativität und
Lebendigkeit Sicherheit systemisches Verständnis > wirkt als zwischenmenschlich
fruchtbarer Boden synergetisches Bewusstsein > Verständnis von Win-Win für alle
Selbstliebe > mich selbst wertschätzen und selbstfürsorglich sein solidarisch sein >
anderen beistehen und gemeinsame Verantwortung übernehmen Stärke > mit innerer
Kraft die sich zeigenden Herausforderungen anpacken und meistern Selbstreflexion >
das eigene Fühlen, Sein, Denken und Handeln bewusst betrachten und spiegeln
Seelenverbindung > inneren Frieden pflegen und ausstrahlen Spiritualität > sich den
Sinn- und Lebensfragen öffnen sowie Verbundensein mit anderen, der Natur oder dem
Universum pflegen schenken > mit Liebe, Achtsamkeit, Präsenz und Hingabe für sich
und andere ein Präsent sein Selbstvertrauen > die eigenen Intentionen, Begabungen und
Fähigkeiten annehmen, würdigen und Leben zwischenmenschliche Sicherheit > schenkt
Vertrauen und Nähe, lässt Offenheit und Gelassenheit wachsen, schafft Raum für
tieferwerdende Verbundenheit, gesunde Entwicklung und Entfaltung …
Schmollen > sich-gekränkt-Fühlen und andere wie Luft behandeln Sarkasmus > wirkt
spitz, spöttisch, entwertend und verletzend, belastet Beziehungen, erzeugt
Missverständnisse und verschleiert Kritik sowie Abschätzigkeit • Schuldzuweisungen >
abschieben der (Mit)Verantwortung siehe auch Beschämung, Kränkung • schweigen >
als Folge von innerer Unsicherheit vertuschen, absichtlich bestrafen, andere im
Ungewissen lassen oder absichtlich verwirren; was sich häufig als Projektion, Vorwurf,
Angriff oder Rückzug zeigt • Selbstgerechtigkeit zelebrieren > moralische Überlegenheit
zeigen • sticheln > kleine, fiese, wiederholte, verbale Angriffe …

T

tolerant sein > sich selbst und anderen annehmend begegnen Traumata bewusst
aufdecken, durchfühlen und loslassen > frei für das Hier und Jetzt sein natürliche Treue
> beständig und verlässlich in Begegnungen und Werten sein • Teilhabe > einander
einbeziehen, zuhören, respektieren und aktiv beteiligen; im Austausch, beim Finden von
Lösungswegen und im gemeinsamen Wirken • Trost spenden / trösten > einfühlsames
Anteilnehmen an Gefühlen und schweren Situationen anderer • Transparenz >
unaufgefordert offen und ehrlich sagen (und dokumentieren/darstellen), was ist • Talente
aufleben lassen > Neigungen und Gaben erkennen und zu Fähigkeiten / kraftvollen
Ressourcen entfalten; Essay zum Thema «Gaben» (2) • Tatkraft > nicht Worte, sondern
Taten Einladung zur ganzheitlichen Transformation > Verwandlung zu gesundem
Selbstbewusstsein, Mitgefühl, nachhaltig regenerierendem Handeln und wohltuender
Verbundenheit mit anderen und der Welt …
Täuschung > bewusste Irreführung absichtliche Taktlosigkeit > fehlendes Feingefühl,
wobei es oft darum geht, Aufmerksamkeit zu erzwingen, Macht zu demonstrieren oder
andere zu provozieren, und damit zu verletzen und zu brüskieren • Tyrannei > dominantes
Unterdrücken • Tratschen > meist wertendes, ungeprüftes Weitererzählen von
Informationen oder Gerüchten und Halbwahrheiten über andere • Trivalisieren >
Kleinreden, Situationen und Probleme oder Gefühle herunterspielen (eigene und die
anderer) • Theatralisieren > übertriebenes Dramatisieren, um damit zu manipulieren oder
Aufmerksamkeit zu erheischen …

U

Urvertrauen > tiefes Vertrauen ins Leben, zu sich selbst und zu anderen spüren
unbeschwert sein und leben > leicht, spielerisch, gelassen und weitend umweltschonend
arbeiten und leben • umsichtig sein > achtsam, erforschend, integrierend und ganzheitlich
• unvoreingenommen sein > Vorurteile weglassen und offen auf andere zugehen
umsorgen > liebevoll begleiten und betreuen, soweit dies gewünscht ist • Universal-
Bewusstsein > achtsames Erleben tiefer Verbundenheit mit allem • Umarmung schenken >
achtsam-zärtliche Nähe, Wärme und Annahme schenken …
Übergriffig sein > die körperlichen, verbalen oder emotionalen Grenzen anderer
missachten oder überschreiten • unehrlich sein > verzerren, verschweigen oder
verfälschen der Wahrheit / Realität, sich selbst und anderen gegenüber • unterdrücken >
andere und sich selbst in der Freiheit, Entfaltung oder Selbstbestimmung einschränken,
durch Druckmachen, Kontrolle, Ausbeutung, ungeduldig sein usw. …

V

Vernetzt Denken und Fühlen, Frederic Vester (8) > Zusammenhänge ganzheitlich
ergründen und erkennen, Wechselwirkungen verstehen lernen, dadurch lebensdienlich
sowie nachhaltig handeln • Vielfalt > natürlicher Reichtum, schafft Stabilität
Verbundenheit > die nährend und wohltuend wirkt; Essay «Welche Verbundenheit …?» (9)
• vergeben > alten Schmerz und Groll befreien, anderen vergeben und Heilung
ermöglichen • Verständnis aufbauen > ! Verständnis heisst NICHT Einverständnis !,
anderen (und sich selbst) offen begegnen, zuhören, die Situationen und Gefühle
nachvollziehen können • Versöhnung > sich mit sich selbst und anderen Menschen
aussprechen, Vergangenes annehmen sowie inneren und zwischenmenschlichen Frieden
finden • Vision > Orientierung, Sinnhaftigkeit und einen gemeinsamen Weg für sich selbst
und gemeinsam finden und leben • Vitalität stärken > Energie spüren, Lebensfreude
entfalten und die eigene Lebenskraft voller Schwung leben • Verträglichkeit fördern >
harmonischer und integrierender miteinander umgehen …
Verwickelt und gefangen in Systemen sowie meinen Überzeugungen und Prägungen >
bewirkt eingeschränkte Wahrnehmung, konditioniertes Verhalten, reduzierte
Selbstbestimmung, emotionale Belastungen und beeinträchtigte Beziehungen
Verdrängung (oft unbewusst) > weggedrückte Gefühle und Herausforderungen erzeugen
Druck Verschlossenheit gegenüber meinem und deinem Inneren > erzeugt emotionale
Distanz, erschwert Selbst- und Fremderkenntnis und blockiert offene, authentische
Beziehungen und Begegnungen Verleugnung meiner Unzulänglichkeiten und
Unterlassungen > verzerrte Selbstwahrnehmung andere psychisch verletzen > Schmerz
zufügen, was Vertrauen und Verbundenheit zerstört …

W

Wesentlich sein > als fühlende Lebewesen das Wesentliche ergründen und leben
Wahrheit und Authentizität leben Wiederverbindung, Interbeing nach Charles Eisenstein
(10) > erkennen, dass alles Leben verbunden ist; daraus mit Mitgefühl, Achtsamkeit und
Verantwortungsbewusstsein gemeinsam im Sinne des Ganzen handeln Wunder achten
und lieben > Die Schönheit und Magie des Lebens im Alltag wahrnehmen und würdigen
Wohlbefinden fördern > das körperliche, emotionale und seelische Gleichgewicht bewusst
pflegen …
Wichtig > übergewichten und dabei oft das Wesentliche übersehen Wirtschaftsdiener und
-sklave Homo sapiens (ssp. oekonomikus) > der Mensch hat der Wirtschaft zu dienen und
zerstört damit Leben und die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten (Hauptsache, die
Wirtschaft wächst, egal wieviel das alles zerstört!), anstatt dass die Wirtschaft primär den
Menschen und dem Planeten dient! Wissensmissbrauch > zerstört Vertrauen, belastet
die Glaubwürdigkeit in Beziehungen und löst einen Teufelskreis von Misstrauen und
Abwehr aus • Warten, und weiter hoffen? Essay (11) • Wortbruch > Störungen des
Vertrauens und der Verlässlichkeit toxisches Wettbebewerbsdenken und nacheifern >
gegeneinander um jeden Preis, anstatt miteinander • Wut > destruktive Gefühlsausbrüche
bewirken Spannungen, blockieren klares Denken sowie konstruktives Handeln und
beschädigen Beziehungen …

X

Xenophilie > die positive Grundhaltung oder Anziehung gegenüber dem Fremden,
Andersartigen oder Unbekannten (also das Gegenteil von Xenophobie) • Xenodochie >
Fürsorge für Gäste, Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft …
Xenophobie > Angst und Feindseligkeit gegenüber dem Fremden und Unbekannten,
Andersartigen …

Y

Yin und Yang > dynamisches Wechselspiel und harmonische Ergänzung von
Gegensätzen, die aufeinander angewiesen sind Die Ypsilon-Perspektive des
menschlichen Daseins ist eine wertvolle Metapher für das Stehen an einer Weggabelung,
an der sich Wahlmöglichkeiten verzweigen und der eigene Weg durch inneres
Bewusstsein ausgerichtet wird • Yoga > praktische Arbeit mit Körper, Atem und Geist –
verbunden mit dem eigenen Wesen und dem universellen Bewusstsein; zur Förderung
von Balance und Wohlbefinden …
Yin-und-Yang-Störung > bewirkt körperliche, emotionale und mentale Unausgewogenheit,
blockiert den Energiefluss und stört innere Harmonie sowie die Verbundenheit mit sich
selbst und anderen …

Z

Zuhören > einander einfach und wirklich tief zuhören wie Momo Zuneigung und
Zuwendung > fördert Sympathie und herzliches Interesse, schafft Vertrauen und Nähe,
stärkt Wohlbefinden und begünstigt achtsames, liebevolles Miteinander • Zugehörigkeit >
schenkt Sicherheit, stärkt Selbstwert und Vertrauen und fördert stabile, engagierte
Beziehungen sowie wertvolle Begegnungen • Zuversicht > stärkt innerliche Ruhe und
Selbstvertrauen, fördert Motivation und entwicklungsfähige Beziehungen einander
Zutrauen > stärkt einander durch die ermutigende Wirkung, fördert Selbstvertrauen und
verleiht Flügel bei Herausforderungen magischer Zauber des Augenblicks > lässt Augen
aufleuchten, weckt Staunen, Freude und Leichtigkeit des Seins …
zweifeln > ständiges Infragestellen, das verunsichert und Entscheidungen sowie das
Handeln hemmt • Zwänge / Zwängerei > erzeugen inneren Druck, hemmen Freiheit sowie
Flexibilität und belasten das Zusammenwirken • Zynismus > untergräbt Vertrauen, erzeugt
Distanz und sät Zweifel an Menschen und deren Absichten • Zurückweisung > verletzt
Gefühle und lässt Nähe sowie Vertrauen zwischen Menschen nicht zu, bzw. lässt sie
abbrechen • Zerstörungsdrang > untergräbt Vertrauen, blockiert das Zusammenwirken und
lässt Konflikte gewalttätig eskalieren …

Epilog

Beim Lesen und Nachklingen-Lassen sind dir wohl viele weitere wesentliche
Menschheitsaspekte und deren Auswirkungen in Erinnerung gekommen.

Eine gekürzte Version dieses Essays ist verfügbar in der Digitalzeitung DAS BLATT (1).

Und das Gedicht «Der Spruch» von Ernst Stalder (1883-1914) ruft uns in Erinnerung:

Mensch, werde wesentlich!

Herzliche Grüsse zu dir, mit Vorfreude auf dein Feedback
Peter vom Zürichsee (12,
peter.wyler@gmx.ch
Vielen Dank für das Lektorat an Bobby Langer vom Deutschen Lektorenbüro in Würzburg!

Links und Quellen

(1) Gekürzte Fassung dieses Essays in derDigitalzeitung DAS BLATT: «A – Z der
Menschlichkeit? – Wahlfreiheit wirkt auf unsere Lebenswelten»

(2)
Peter vom Zürichsee, Welche Gaben hast du – und gibst du sie der Welt? Essay,
Dezember 2024,
Direktlink >
(3)
Peter vom Zürichsee, Wie beeinflusst uns Scham? Vom Verdrängen zum achtsamen
Leben, Essay, Juli 2025,
Direktlink >
(4)
Martin Permantiers Buch Haltung erweitern – ICH, WIR, ALLE gestalten Transformation,
Verlag Versus, 1. Auflage 2023, ISBN 978-3-03909-327-4.

(5)
Peter vom Zürichsee, Konflikt als Lebenskunst. Warum fällt uns das so schwer? Wie
kann es gelingen? Essay, März 2026,
Direktlink >
(6)
Peter vom Zürichsee, Gibt es wirklich Klarheit? Wie wir sie finden und was wir draus
machen. Essay, November 2025,
Direktlink >
(7)
Peter vom Zürichsee, Welche Zukunft? Und was jetzt? Essay, Februar 2025,Direktlink >
(8)
Frederic Vesters Bücher, Die Kunst, vernetzt zu denken – Ideen und Werkzeuge für einen
neuen Umgang mit Komplexität, Verlag Pantheon 1999, 3. Auflage 2019 , ISBN 978-3-570-
55429-6.

Empfehlenswerte, längst vergriffene Titel: Leitmotiv vernetztes Denken – Für einen
besseren Umgang mit der Welt, Heyne Taschenbuch, 1988;

Der Wert eines Vogels, Ein Fensterbilderbuch, Kösel 1983, 4. Auflage 1987;
Weitere, eventuell über Internetsuche auffindbare Bücher von Frederic Vester:
Januskopf Landwirtschaft, Der Boden, der uns nährt, Ein Fensterbuch, Kösel ca. 1986;

Ein Baum ist mehr als ein Baum, Ein fensterbuch, Kösel 1985, 2. Auflage 1986.

(9)
Peter vom Zürichsee, Welche Verbundenheit brauchen wir? Zuhause sein auf dieser
Erde, im Wir. Essay, September 2025,
Direktlink >
(10)
Charles Eisensteins Buch Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich, mit dem
Kernthema «Wiederverbindung, Interbeing», Deutsche Ausgabe ISBN 978-3-943416-76-3.

(11)
Peter vom Zürichsee, Warten – und weiter hoffen? Essay, Dezember 2025, Direktlink >
(12)
Peter vom Zürichsee» ist der Autorname von Peter Wyler, pensionierter Gärtnermeister,
Verfasser des obigen Essays und des entstehenden Buches «Was brauchen unsere Erde, du
und ich zum guten Gedeihen? – Sieben Schritte auf dem Weg zur Lösung unserer
(Menschheits-) Probleme.» Mehr dazu auf
https://era-nova.org.

Warum fällt uns das so schwer? Wie kann es gelingen?

Von Peter vom Zürichsee

Konflikt ist Suche nach Nähe und Verbundenheit. Das hörte ich vor über 30 Jahren von einem Konfliktforscher, der mit Israelis und Palästinensern zusammen Friedensgespräche führte (vermutlich Herbert C. Kelman). Bin ich gerade in einen heftigen Streit verwickelt, bemerke ich «die Suche nach Nähe» bei mir selbst oder meinem Gegenüber kaum. Der kreativ-konstruktive Umgang mit «Konflikten als Lebenskunst» eröffnet uns vielfältige Entdeckungs-, Reflexions- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Peter Wylers vollständigen Artikel findest du HIER.

1. Januar 2076. Vor einem halben Jahrhundert glaubte kaum jemand auf diesem Planeten, dass eine tiefgreifende Transformation der Menschheit möglich sei und gelingen könnte. Was für uns heute, zum Jahresauftakt 2076, völlig «normal» ist, war damals grundlegend anders. Jetzt schauen wir staunend zurück auf die Reise vom inneren und äusseren Wandel – und gehen dankbar den «gemeinsamen Weg des Menschseins» weiter.

Den vollständigen Artikel von Peter Wyler findet du HIER.

[Foto: djovan/pixabay]

In Paris gibt es einen Ort, der Frieden nicht predigt, sondern lebt – und zeigt, wie gesellschaftliches Engagement im Alltag funktioniert.

Oft leben Studierende relativ vereinzelt in ihrer Universitätsstadt, wenn sie es nicht geschafft haben, in Wohngemeinschaften oder Studentenwohnheime hineinzukommen. In Paris gibt es seit 100 Jahren einen Ort des Zusammenlebens für Tausende Studierende, der Elemente alternativer Lebensformen enthält – die Cité internationale universitaire. Ein Projekt, das auch in schwierigen Zeiten Mut machen kann …

⇒ Vollständiger Artikel

Der nächste Schritt der Menschheit – wohin die Reise gehen kann

Annegret Torspecken ist eine Abenteurerin. Kann man von einem Menschen etwas Positiveres sagen? (Das Gegenteil wäre der Mensch als Bürokrat.) Zweifellos besitzt sie ein anarchistisches Gen. Und weil das so ist, glaubt sie nicht an das große, kollektive Erwachen. Nein, nein, aus dem Sumpf muss sich schon jeder an der eigenen Nase ziehen. Ihr Lebenslauf beweist, dass das möglich ist, auch wenn man mal wieder zurückplumpst.

Warum rede ich von dieser Frau, die auf Mallorca ihre Heimat gefunden hat? Weil sie die Schrift „Das holographische Weltbild – was dir deine Aura zeigt und wie Selbstheilung beginnen kann“ verfasst hat. Geeignet ist sie für alle Menschen, die ahnen, dass das derzeitige naturwissenschaftliche Weltbild nicht genügt, um den großen nächsten Schritt zu tun; dass es eine wichtige unsichtbare Welt gibt, die die Naturvölker Australiens Seele nennen und Annegret meist als Aura umschreibt. Zusätzlich sagt sie, und diese Differenzierung stammt auch von den Aborigines, gibt es den göttlichen Kern direkt im Herzen eines jeden. Geeignet vor allem für Menschen, die eine kreative innere Unruhe verspüren und sich nicht mit dem scheinbar einfachen, vorgezeichneten Konsumweg zufriedengeben wollen. Menschen, die immer schon fühlten: „Da gibt es mehr in mir …!“

Letztlich handelt es sich bei ihrem Büchlein um die Aufforderung zu einer Lebens-Reisebegleitung. Annegret schreibt: „Es ist kein Lehrbuch, kein Ratgeber, keine Anleitung für ein besseres Leben. Es ist eher eine Landkarte. Eine Einladung, mit mir gemeinsam die Perspektive zu wechseln – vom mechanischen Weltbild hin zu einem holographischen. Von linearem Denken zum zyklischen Verstehen. Von äußerer Orientierung zu innerer Klärung und Rückverbindung.“

In gewisser Weise wundert es mich, dass ich Annegrets Buch (ja, letztlich ist es eins geworden) anpreisen mag. Denn ich stehe sehr vielen Spiri- und Eso-Angeboten (vorsichtig formuliert) ausgesprochen skeptisch gegenüber. Größtenteils scheint es sich dabei um eine Art Meta-Jahrmarkt der Eitelkeiten zu handeln, subtiles Egofutter eben, wo sich viele Angebote bis in die Formulierungen hinein gleichen – und eben Angebote sind, edel und kostbar verpackte „Produkte“, kaufbar und käuflich.

All dies trifft auf dieses Buch nicht zu. Wer es erwirbt (annegret-torspecken), betritt eine neue Welt in die eigene unsichtbare Natur. Wer dazu innerlich noch nicht bereit ist, kann sich’s auch in einer frühen Version erst einmal herunterladen, kostenlos. Annegret kupfert nicht ab; was sie schreibt, ist authentisch, ist Lebensergebnis. Das spürt man von Zeile zu Zeile, und das machte es mir möglich, ihr bis zur letzten Seite zu folgen, nicht immer zustimmend, aber oft auch das. Und ab und zu auch staunend: Ja, da hat jemand nachgedacht. Nach 25 Jahren intensiven Studiums in diversen Bereichen des Eso/Spiri-Jahrmarktes, etlichen Heilungsmethoden, von psychologischen über hochfrequenten bis zu unsichtbaren Meistern und zurück. Das hat offenbar ihre Sinne für die Klippen und Scheinriesen am Weg geschärft. Und zu 100 Prozent kann ich ihrer Annahme zustimmen: „Ich schreibe, weil ich glaube, dass wir an einem Punkt stehen, an dem alte Antworten nicht mehr ausreichen.“ Einstein lässt grüßen.

Und auch das kann ich unterschreiben: „Die Menschheit wundert sich, warum so ein Chaos auf der Erde herrscht, dabei zeigt es deutlich auf, dass der Mensch die Macht über sich selbst abgegeben und völlig vergessen hat, sein eigenes Gefährt durch seine Dimensionen zu führen. Grundsätzlich ist die Seele/Aura des Menschen programmierbar. Alles, was von außen in den Menschen eindringt oder dazu eingeladen wird, bringt den Menschen von seinem eigenen Weg ab.“

Annegrets Gedanken zu folgen, bedeutet: ein Gefühl dafür zu bekommen, was alles bereits auf der Aura von anderen abgelegt wurde. Was unterstützt mich, was ist „Schnee von gestern“, was kann ich selbst schon mal loslassen. Glaubenssätze erkennen, die mir nicht mehr dienlich sind.

Natürlich, man betritt hier die wenig ausgetretenen Pfade, lässt sich auf innere Abenteuer ein. Aber bedeutet nicht genau das „leben“?

Annegret Torspecken, Das holographische Weltbild – was dir deine Aura zeigt und wie Selbstheilung beginnen kann, 78 Seiten, 17,84 € bei Etsy. Ihre Homepage: annegret-torspecken

Ein Statement und ein Interview mit Peter Schönhöffer

Sicher: Es gab und gibt stets allerlei Gründe, den jetzt wieder einsetzenden, großen Demonstrationen fernzubleiben, so etwa die Furcht vor Polizeigewalt, den Zweifel an Sinn und Zweck, persönliche Einschränkungen, aber auch Resignation, die zu viele nach wie vor gefangen hält: „Das hat doch alles keinen Zweck. Die da oben – oder die jeweils zum Feind Erkorenen oder wahlweise der Putin oder der Trump oder die EU – machen doch sowieso, was sie wollen.“

Dem engagierten katholischen Theologen Peter Schönhöffer sind alle diese Alltagseinwände nicht fremd, doch stehen ihm andere Einsichten näher. Mit den folgenden, grundlegenden Einsichten im Rücken sieht er Ansätze, um neue bzw. verschüttete Friedenspotenziale zu heben.

Schönhöffer verbindet in seiner Analyse wie in seiner praktischen Tätigkeit Spiritualität mit sozialem Engagement sowie die strikte Zusammengehörigkeit der Themenkreise Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Wichtige Impulse für seine den „gerechten Frieden“ suchende Sozialisation erhielt er in weltumspannenden ökumenischen Gerechtigkeitsbewegungen, insbesondere bei der Stiftung Ökumene, pax christi und Kairos Europa.

Schönhöffer konstatiert „ungeniert manipulierte und vollkommen wahrnehmungsgestörte Öffentlichkeiten sowie eine immer offenkundiger werdende, breit sich entwickelnde Zukunftsvernichtung“. „Vielleicht“, vermutet er, „nimmt die Anzahl und Eindrücklichkeit der Friedensdemonstrationen deswegen so schlagartig zu.“ Doch buchstäblich alles, was jetzt not-wendend werden könnte, geschehe noch immer nahezu unbemerkt von der Einheitslinie des veröffentlichten Meinungskorridors.

Daher dieser kurze Artikel und das darauffolgende Interview.

Ein klarer Blick: Kompromisslos für Frieden – ein Statement von Peter Schönhöffer

Festzuhalten ist: Von den realen Basis-Notwendigkeiten einer internationalen Friedenskoalition zur Beendigung aktueller Kriege kommt in den Top-Themen der Leitmedien noch immer kaum etwas vor. Was zum Frieden ohne Waffengewalt führen könnte, gilt als indiskutabel. Vielmehr richtet sich die Grundwahrnehmung der Situationen in der Ukraine und im Gaza-Streifen auf strukturelle und situative Eskalation oder De-Eskalation bei völkerrechtswidrig und absolut menschenverachtend fortgeschriebener Apartheid (Trump-Plan für Gaza). Für eine echte Debatte um eine grundsätzlich notwendige Neuorientierung und praktische Perspektivenauslotung bleibt immer weniger Raum. Eines ist gewiss: dass wir damit die Wahrscheinlichkeit, die Welt zugrunde zu richten, dramatisch erhöhen. Damit aber muss jetzt und hier Schluss sein.

Angesichts der im Raum stehenden Vernichtungspotenziale gegen Menschen und Mitwelt bei gleichzeitiger Wahrnehmungsverweigerung müssen Friedensrationalitäten formuliert und Friedenspotenziale entschieden gehoben werden.

Immerhin: Nach Mobilisierung von 15.000 bis 20.000 Menschen durch BSW plus Dieter Hallervorden, TV-Moderatoren sowie einschlägigen Musik- und Rapper-Promis gingen am 3. Oktober in Berlin 60.000 bis 100.000 Menschen gegen den jede Menschlichkeit verloren habenden Gaza-Krieg auf die Straße. In Barcelona versammelten sich bei Friedensdemonstrationen mehrere zehntausend Menschen, in ganz Italien waren es über eineinhalb Millionen. Auch Stuttgart war groß dabei. In New York organisierten über 1.000 Rabbiner und jüdische Friedensaktivist/innen eine Demonstration, in der sie eine dauerhafte Waffenruhe in Gaza forderten. Eines wird immer deutlicher: Nicht nur die Anzahl und die in wichtigen Ansätzen und weiten Teilen geteilten Grundsatzüberzeugungen, sondern auch die Nachdrücklichkeit der Demonstrationen und mobilisierbaren „Friedensbewegten“ lässt sich nun kaum mehr stoppen. Wann aber werden sie zu mehr als punktuellen Befriedungen bei ungelösten ökonomisch-ökologischen Zangenkrisen beitragen?

Einige wesentliche Anteile öffentlicher deutscher Kräfte sollten die Gunst der geballten herbstlichen Friedensdemonstrationen schnellstmöglich nutzen und zu ernsthaften Friedensverhandlungen drängen: dass es gilt, auf den anderen zuzugehen und die Positionen des anderen verstehen zu wollen; und dass konsequentes und lösungsorientiertes, kleinteiliges Verhandeln reichere Ausbeute hervorbringen wird als europäische Bewegungslosigkeit oder amerikanische Clownerien. Wann, wenn nicht jetzt auf dem Hintergrund des Rückhaltes der Friedensdemonstrationen im Herbst 2025 kann dies öffentlichkeitswirksam ausgesprochen und allgemein gehört werden?

Und die spezifische Rolle der Friedensbewegung? Den jetzt überall aufgepeitschten Eskalationslogiken ist vehement Einhalt zu gebieten. Die sich in der neuen Friedensbewegung plural und nicht faschistisch versammelnden Strömungen sollten orchestriert, klug, nüchtern, eindeutig und eindrücklich, verlässlich und mitvollziehbar vorgehen. Das bedeutet,

  • dem politisch zum Feind Gewordenen gut überlegte und nach Verlässlichkeit und Wechselseitigkeit rufende ökonomische und diplomatische Angebote zu machen (grüner Wasserstoff plus vertrauensbildende OSZE-Verhandlungen plus Wiedereinsetzung eines mehrheitlich von den USA Schritt für Schritt aufgekündigten UN-Waffenkontrollsystems);
  • den Frieden zu proklamieren und auf den jeweiligen Gegenseiten Kräfte zu finden, die dies auch wollen, und dann in Verhandlungen zu gehen, die die Eskalations- und Grausamkeitsdynamik unterbrechen und unterbinden;
  • die Kriegstrommler und Eskalations-Falken in den eigenen wie in den fremden Reihen abzuwehren und das Wagnis eines umfassenden und vor allem ökonomisch bestandsfähigen Friedens einzuläuten.

Biblisch würde man sagen: Von jetzt und hier an weitermachen, ohne noch einmal zurückzuschauen, vorwärtsgehen ohne inneres Wanken. Es ist kein Zufall, dass einem dazu tiefreichende biblische Wegmarken in den Sinn kommen. Sie werden gebraucht werden. Und ihre Zeit wird kommen. Es gilt, wie das Neue Testament schon wusste, nicht nur „arglos wie die (Friedens-)Tauben“ vorzugehen, sondern zugleich auch „klug wie die Schlangen“.

Jetzt, wo die Not übergroß wird, wächst langsam das stille Heer derjenigen, die zuerst tief in sich, später auch nach außen gewandt, das Potenzial der Feindesliebe erkennen werden. Mit ihr kann der dauerhaft fortbestehende Kriegsgrund von vollkommen gespaltenen Öffentlichkeiten in Ost und West doch noch überwunden werden. Möglicherweise erst aus einer solch tiefen Klarheit werden das Potenzial und die Strategiefähigkeit derjenigen kommen, die zuverlässig wissen: Eine realistische Friedensfähigkeit kann die Lagergrenzen zunächst durchlöchern und dann überschreitbar machen. Eine solche Friedensfähigkeit ist die einzige, noch erreichbare Chance für die Menschheit, ohne dass die Ökosysteme vollends sterben und die Migrationswellen aus unzumutbaren Lebenswirklichkeiten vollends über die privilegierten Zonen hereinbrechen.

 

DAS INTERVIEW: Die Frechheit, uns selbst zu trauen!

Bobby Langer: „Friedenspotenzial“, das ist ein schöner, ein hoffnungsvoller Begriff. Stammt er von dir? Und kannst du ihn ein wenig erläutern?

Peter Schönhöffer: Alles andere als das, aber er fühlt sich richtig an, denn Frieden kann „nur gewagt werden“, wie der unvergessene Dietrich Bonhoeffer 1934 aus Anlass der weltweiten, erdumspannenden Ökumene in Fanö (Norwegen) formuliert hat. Frieden sei das einzige große Wagnis. Man komme zu keinem Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Eine solche entschiedene Klarheit gewinnt man erst, wenn man auf das große Ganze schaut und vom Blick auf die gesamte Erde durchdrungen ist. Potenzialentfaltung ist etwas, was in den letzten Jahren unzweifelhaft als Begriff und als Praxis einige Herzen zu erobern begonnen hat. Friedenspotenziale wieder zu heben in uns selber, im Dialog der Generationen, im Aufweichen der sich gerade unglaublich verfestigenden, tief gespaltenen Öffentlichkeiten in Ost und West, die verstörenderweise kaum mehr Berührungspunkte aufweisen.

Und ich sehe es als unsere historische Aufgabe, das Wissen der Friedensbewegung aus den 1980er Jahren zu reaktivieren, das verloren zu gehen droht; hinzu kommen die Erfahrungen der Katastrophe zweier Weltkriege und der Beendigung des Kalten Krieges. Potenzial zeigt sich erst nach und nach. Es will in Mikro-Dosen in und um uns kommunikativ fein und klar gehoben werden – gemeinschaftlich plausibilisiert und zu entfalten im öffentlichen Raum der immer enger abgesteckten Grenzen politischen Denkens und Fühlens. Danach ruft unsere Zeit, um eine berühmte Formulierung von Ernst Bloch wieder in Erinnerung zu rufen. Denn wenn wir nicht öffentlich um Perspektiven ringen, die uns in neue, wechselseitig geteilte Logiken hineinführen, dann schreien buchstäblich die Steine, um noch einmal ein Bibelwort – dieses Mal aus dem Alten Testament – anklingen zu lassen.

BL: Was hat dich bewogen, dich ausgerechnet mit der Frage der Friedenspotenziale zu beschäftigen? Frieden, so das gängige Narrativ, sei gar nicht möglich ohne Krieg.

Sch.: Letztlich kam bei mir die Frage auf: Wie können wir uns in Ost und West neu verbünden und in den unendlichen Traumasümpfen des Nahen Ostens ein verlässlich einschreitender Sicherheitsgarant gegen den fortlaufenden Terror von beiden Seiten sein; und zwar zwingend auf der Basis von Völkerrecht, Rückbau der illegalen Siedlungen und weitestgehender Auseinanderhaltung lebensfähiger Landkorridore. Dazu aber gilt es, nicht nur Empörungs- oder Einzelaktivismus zu kultivieren, sondern breite Mehrheiten zu organisieren.

Notwendige Voraussetzung dafür ist es, so viel wie möglich Fühllosigkeit, Ressentiment und die Leitplanken unserer Vorurteile in uns selber auf- und abzuräumen. So können wir einander zur Hoffnung werden. Mit Friedensdemonstrationen in kurzen Abfolgen, mit dem Hören auf Friedensforschung und Friedensbewegung sowie durch beständigen Druck auf die politisch Handelnden vermögen wir vielleicht, den beispiellos fugendichten öffentlichen Diskursraum zu öffnen, zu kultivieren und eine Friedenslogik (Hanne Bickenbach) zu halten; so können wir jene „Hoffnung schaffen und verkörpern“, wozu Norbert Copray einmal ein schönes Buch geschrieben hat, die in immer weitere Ferne gerückt erschien.

Fugendicht: Das bedeutete u. a., dass Matthias Platzeck, Harald Welzer und Richard David Precht (mit ihrem Buch über die vierte Gewalt), der Erhard-Eppler-Kreis, aber auch Positionen von Gabriele Krone-Schmalz oder Sarah Wagenknecht allesamt für nicht mehr diskussionswürdig erachtet und moralisch abqualifiziert wurden. Da ist mir schlagartig etwas Grundsätzliches klar geworden. Die Kontrolle des öffentlichen Raumes mit einer reichlich einseitigen, wenig informierten, über die Expertise von Bundeswehrhistorikern (Sönke Neitzel) und Bundeswehrpolitologen (Carlo Masala) gesteuerten Stoßrichtung droht komplett versiegelt zu werden, zumal sie durch von langer Hand voreingerichtete Osteuropa-Forschungs-Expert/innen fortlaufend untermauert wird. Einwände der Friedensbewegten wie Andreas Zumach, Clemens Ronnefeldt, Fernando Enns oder Wolfgang Palaver werden systematisch gar nicht mehr erst öffentlich zugelassen.

Nun braucht es in erster Linie klare und realisierbare Perspektiven. Denn noch immer kann jederzeit wieder aufploppen, was historisch, wenn es hervorkam, fast immer verheerend gewesen ist: Siegeslogiken, Auslöschungsfantasien, selbstverständlich auch von Seiten Russlands oder der Hamas, Eskalationslogiken aus der Position wirtschaftspolitischer Ignoranz und ökologisch-weltgesellschaftlicher „Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität“, gespeist aus unerlöst-selbstherrlichem Nato-Siegestaumel oder fehlender historischer Klugheit und aus vermeintlicher moralischer Gewissheit oder im Gaza-Konflikt auch aufgrund unlösbarer Dilemmata: Die Alternativen, die unbedingt erzwungen werden müssen, werden gar nicht erst im Diskurs zugelassen.

BL: Was vermisst du im öffentlichen Krieg-Frieden-Diskurs?

Sch.: Am 26. Januar 2017 warnte Ex-Präsident Gorbatschow in einem Gastbeitrag für das Magazin Time: „Immer mehr Truppen und Panzer werden in Europa in Stellung gebracht.“ Als ob er den jetzt gerade massiv vorangetriebenen Ausbau der zentralen US-amerikanischen Basis für Europa im pfälzischen Ramstein und das deutsche Bataillon in Litauen vor Augen gehabt hätte. Die Nato und die russische Armee, so warnte er, rückten immer näher aufeinander zu, sie stünden sich inzwischen in Schlagdistanz gegenüber.

„In den Staatshaushalten, die kaum noch ihre sozialen Aufgaben bewältigen, wachsen die Militärausgaben“, befand Gorbatschow. Für moderne Waffen, manche mit der Schlagkraft früherer Massenvernichtungswaffen, sitze hingegen das Geld locker. „Es sieht aus, als ob sich die Welt auf einen Krieg vorbereitet.“

Heute erscheint diese Ansage wie eine frühe Prophetie, die jetzige Lage wirkt allerdings um ein Vielfaches angespannter, besonders wenn man mit hinzuzieht, dass das exorbitante Aufblähen des deutschen Rüstungsetats, das den Haushalt und mit ihm den sozialen Frieden im Land innerhalb nur sehr weniger Jahre mit übergroßer Wahrscheinlichkeit in Stücke reißen wird, jetzt schon durch eine wohlfeile, selbstgefällige, breitflächig betriebene oder ahnungslos übernommene Polemik gegen Bürgergeldempfänger, gegen Faule oder gegen „Kriegsmüde“ bei weiterer Ausklammerung der „Superreichen“ orchestriert wird.

BL: Gibt es bestimmte Zielgruppen, an die du dich besonders wendest, und wo du noch Hoffnung siehst?

Sch.: Zielgruppen werden nicht reichen. Wir brauchen umfassende Programme und tiefgreifende Basis-Veränderungen, wenn wir noch eine Chance haben wollen. So etwa, wie Adelheid Biesecker, eine der großen Vordenkerinnen feministischen Wirtschaftens, immer wieder betont hat, einen Dreiklang aus Care-Revolution, Reproduktionsverschiebungen und eine darauf aufbauende friedensfähige Ökonomie. Der Weg dahin ist weit und steinig. Ohne dass wir ihn sehr real und sehr umfassend und umsichtig mit kommunikativer Klugheit begehen, werden unsere Friedensbotschaften verklingen. Sie werden in den Ohren der sozial-emotional taub gemachten Mehrheiten als idealistisch oder naiv erscheinende Friedensappelle wahrgenommen. Deswegen gehört es zum notwendigen Überlebensprogramm, Seelenkräfte aufbauende Resonanz-Räume und Resonanz-Zeiten zu erschaffen, horizontal, vertikal und diagonal (Hartmut Risa), und zwar vielfältig, freundschaftlich, Verbundenheit stiftend.

Was wir wirklich brauchen, ist mehr als zielgruppengerechte Ansprache, wir benötigen vielmehr gut informierte, historisch versierte und abrüstungstechnisch auf der Höhe der Zeit befindliche Journalist/innen, die neue Diskursräume allererst eröffnen und dauerhafte Friedenslogiken plausibel begründen können – und zwar für die nachwachsende Generation so passend, dass sie in den dortigen Rezeptionsmustern von Influencer/innen verarbeitet werden können. Ganz wichtig auch: reale Friedensperspektiven, gekoppelt mit Aussöhnung und wirtschaftlichen Entfeindungs-Angeboten.

BL: Wenn du von „Friedenspotenzialen“ sprichst, steht im Hintergrund die Idee der „Kriegspotenziale“. Wer treibt diese voran und warum? Gibt es gar eine Zielgruppe, wo „Hopfen und Malz verloren“ sind?

Sch.: Nun, es gibt die TV-Experten und Welterklärer/innen, die nun immer wieder aufs Neue herangezogen werden, egal ob die vollständig in Lobbyismus verstrickte FDP-Expertin Strack-Zimmermann, der Bundeswehr-Hochschul-Wissenschaftler Carlo Masala, die Generalität oder die von interessierter Seite von langer Hand aufgebauten Osteuropa-Studien-Experten an den Universitäten. Sie haben nichts anderes zu tun, als den absolut (nicht relativ!) verhängnisvollen Pfad der weitergeführten gegenseitigen Eskalation aus Panik, historischer und sachlicher Unkenntnis oder welchen Motiven auch immer ins Extrem zu führen und die öffentliche Meinung dadurch entscheidend zu beeinflussen. Auch die Auswahl der zugelassenen Gesprächspartner in den wichtigen Talkshows lässt gar keinen anderen Schluss mehr zu, als dass man Sprecherpositionen in der Öffentlichkeit (fast) nur noch an handverlesene Bellizisten vergibt. Besonders fatal: An ökonomische Analysen internationaler Beziehungen traut man sich gar nicht mehr heran. Die durchaus vorhandenen, wirklich kontroversen Sachmeinungen sind schon lange vorab als nicht publizierbar ausgeschieden und fugendicht für indiskutabel erklärt, wenn nötig öffentlich ehrabschneidend ausgegrenzt worden.

Was in unserer jetzigen historisch zu werden drohenden Situation wirklich zu denken gibt: All dies geschieht nicht orchestriert oder aufoktroyiert, sondern smart und freiwillig, aufgrund eingeengter Gesichtsfelder der entscheidenden Gremien, Quotendruck, nicht mehr vorhandener klarer Horizonte bei Berater/innen und handelnden Personen in Parteipolitik und Medienlandschaft und ja, auch einem ganz allgemein verloren gegangenen historisch-politischen Bewusstsein und den entsprechenden Wissensschätzen. Man muss auch das einmal nüchtern aussprechen: Ja, wir haben auch ein Journalisten- und ein Netzwerkproblem. Und zu allem Überfluss auch noch ein Uneinigkeitsproblem in der Friedensbewegung, das wir erst im Zuge der Demonstrationen vom 3.10.2025 jetzt wieder zu überwinden uns anschicken.

BL: Du sprichst von einer Verengung des Denkens, ja geradezu einer „Verblendung“. Kannst du das näher ausführen?

Sch.: Was als Schlüsselbegriff der Frankfurter Schule einmal „Verblendung“ hieß, lässt sich nun wirklich exemplarisch mit Händen greifen. Die Scharfmacher auf beiden Seiten des neuen Kalten Krieges und der sie verschlimmernden „cultural wars“ wetzen wie gewohnt ihre Messer, Demagogen wie Trump, Bolsonaro, Erdogan, früher Duterte und heute Bukele greifen mit immer rabiateren und unappetitlicheren Mitteln in ein ideologisches Vakuum, und zunehmend ist nicht nur den Putins, Orbans und Ficos dieser Welt jedes noch so demokratieverachtende Mittel recht, bedienen sie sich immer abenteuerlicherer und niederträchtigerer Vorgehensweisen. Die Zivilgesellschaften werden zu „shrinking spaces“. Die sie bislang aufhaltenden weitblickenden Beobachter und Berater, gut ausgebildete Konfliktbearbeiter, das Fachpersonal für die OSZE- und UN-Verhandlungsarenen – alle diese Personengruppen wachsen in den jüngeren Generationen nicht mehr nach, auch die politischen Entscheidungsträger verlieren sichtbar an Kontur und vor allem an intellektuellem Format. Folglich wittern die einfacher gestrickten Rüstungsbauer und ihre Verkäufer ihre Chance, bringen sich in Stellung und verzwanzigfachen binnen der Jahre des Russland-Ukraine-Krieges ihre Aktienwerte (Rheinmetall). Auch die Berufsgruppen der Politikberater/innen, Journalist/innen und Influencer/innen nutzen ihre Spielräume nicht, weil sie sich geistig nicht breit und ausgewogen genug ernährt haben. Den Gesamtzusammenhang davon kann man mit Fug und Recht „Verblendung“ nennen.

BL: Bellizisten unterstellen Friedensfreunden regelmäßig Naivität bzw. mangelnden Realismus. Welche realistischen Friedensperspektiven haben eine Chance, zu umsetzbaren Friedenspotenzialen zu werden?

Sch.: Der Kern wird immer sein, das Leid des jeweils anderen anzuerkennen, seine Lesart der Geschichte miteinzubeziehen; ökonomisch und ohne Gesichtsverlust muss es für beide einen Weg nach vorne geben. Ohne das geht es nicht. Man muss die Beweislogik umkehren. Nicht die Friedensbewegten haben eine Nachweispflicht, nicht naiv zu sein, sondern die systematisch und jahrzehntelang Herrschaftsverliebten und Terrorbefürworter, die Aufrüster und Kriegspropheten. Wie viel Leid haben sie jetzt schon verursacht, welche Perspektiven sollen nach dem Zeitalter der angekündigten Kriege, Geißelnahmen und Vernichtungsfeldzüge noch möglich sein? Vielleicht geht es jetzt wirklich um die schrittweise Abschaffung der Institution des Krieges. Und zwar auf breiter Linie: von gewaltfreier Kommunikation als verpflichtendem Schulfach, einer Erinnerungskultur, die das Eingedenken fremden Leids obenan stellt, verbindlichen Streitschlichterprogrammen schon in früher Jugend, in Deutschland aufbauend auf den ökumenischen Erfahrungen von „Schritte gegen Tritte“, Bündnissen wie „Nein zur Wehrplicht“ bis hin zur rechtlichen Abschaffung der Institution des Krieges. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, die Unesco, fördert bereits seit einiger Zeit Programme und Projekte zu umfassenderen Kulturen des Friedens. Das wäre jetzt dran. Denn das ist auch kulturgeschichtlich in der großen Entwicklungsrichtung.

Die interreligiös geweitete ökumenische Bewegung koordinierte Aufrufe von Leonardo Boff und anderen und bildete Erdcharta-Botschafter/innen aus. Einige Jahrzehnte später erblickten die „Peace for future“-Aktivist/innen das Licht der Welt, wiederum junge Menschen, die von einer ökumenisch-christlichen Initiative, nämlich Ralf Beckers „Sicherheit neu denken“, ausgebildet worden waren. Wir brauchen jetzt das Zusammenschnüren all dieser Aufbrüche zu einem Gesamtprogramm. So wie Kairos Europa immer eine neue Zivilisation gefordert und gefördert hat, die ökonomisch, ökologisch und kulturell-spirituell aufbauend unterwegs ist. Die „old player“ – GEW, DFGVK, Stadtschüler/innenräte, pax christi – sind mit den „new playern“ der neuen kulturellen Bewegungen, der „Together for future“-Familie, den „scientist und christian rebellions“ zu vernetzen. Nur so kann ein Umdenken breit und tief Raum greifen und mehrheitsfähig werden.

Es braucht jetzt Weitblick, Vorausblick, Scharfblick, Einblick und feinfühliges Mehrebenendenken. Und dazu die Nutzung neuer interkulturell validierter Kulturtechniken wie „art of hosting“, „interbeing“, „emergent dialogues“ sowie weitgreifender global bereits im „pocket project“ Traumaheilungsbewegungen.

BL: Demgegenüber steht die notwendige Weitung im Geist, nicht wahr?

Sch.: Auch auf einer individuellen Ebene muss gearbeitet werden. Hier gilt: Alles, was wir in Bewegung bringen, kann sich transformieren. Was wir festhalten, bleibt fest und macht fest. Im Denken, im Fühlen. In den denkbaren, fühlbaren Perspektiven. Erlauben wir dem Stress, den die Kriegssituationen und der Verlust an Anstand in uns auslösen, durch uns hindurchzufließen. Es darf uns bewegen. Die Aufrechten schüttelt er eh bereits von innen durch. Kannst du das erlauben? Lass diesen Stress zu als ein Schütteln von innen. Nutze ihn. Geh ihm nicht aus dem Weg, bleib dran! Und schüttle dich mal so in diesen Stress rein, bis es anfängt, dir Spaß zu machen. Öffne dich körperlich für das Erleben von Stress, von Angst, von Sorgen. Fall nicht aus dir selbst raus. Die Welt darf dich sehen. Du verlierst keine Energie. Und du bleibst dieses strömende, pulsierende Körper-Tier. Alles an dir ist wichtig, lebendig. Bleib da, bleib präsent. Solange du etwas spürst, ist das eine gute Nachricht. Was wir wirklich zu fürchten haben, ist die Hölle des Nicht-Spürens. Weil wir nicht mehr spüren, dass wir nicht spüren. Ilan Stephanie spurt hier die Wege für neue kulturelle Substanzbildung.

Wenn wir das alles nicht tun und uns verkriechen, uns in Ideologien oder Fundamentalismus oder Selbsthass einbuddeln, kostet uns dies Kraft, Lebensfreude und mit ihr „soziale Fantasie“, wie Oskar Negt nie müde wurde zu betonen. Auf diese Weise einen „gamechanger“ einzubauen, damit wir interkulturell beziehungsfähig und beweglich werden, das wird möglicherweise unerlässlich werden in diesen Vor-Kollaps-Situationen, die, sich verstärkend, auf vielerlei Ebenen abgleiten. Geist und Wahrheit kommen selten wie von Zauberhand. Der Mensch muss sich darauf vorbereiten, damit er sie empfangen und kultivieren kann. Körperarbeit und Traumaheilung verbinden wirklich. Das bedeutet, er muss zu einer Einstellung finden in der Art: Die Herausforderungen meines Lebens machen mich energetischer, geben so Kraft, statt sie zu rauben.

BL: Welches Friedenspotenzial billigst du jungen Leuten zu? In Sachen Ökologie haben sie in den letzten Jahren die Politik ja schon mal ordentlich aufgemischt.

Sch.: Das Friedenspotenzial junger Leute müssen die jungen Leute selbst in sich freilegen. „Peace for future“ ist von der mittleren Generation aus „Sicherheit neu denken“ ausgebildet worden, steht aber jetzt zunehmend vor eigenen Projekten und arbeitet auch methodisch auf ganz eigenen Füßen. So könnte die Weitergabe von Know-how, Haltungen und Kenntnissen funktionieren. Inklusive des Loslassens und Freilassens der Jüngeren, wenn sie so weit sind. Aber sie müssen unbedingt den Kontakt und Austausch zwischen den Generationen halten.

Und ja, die Fridays haben unendlich viel bewirkt, vordergründig und hintergründig. Aus ihnen ist die „Together for future“-Familie hervorgegangen, mit allein über 20.000 Scientists for Future. Einen Moment lang schienen wir in der CO2-Frage als Gesamtgesellschaft einigermaßen gleichauf mit der drastischen Notwendigkeit schnellen und systematischen Umsteuerns zu kommen. Das alles ist Hoffnung erweckend, dass es gehen kann, mit globalem Horizont und Ausläufern weltweit. Unfassbare Massenmobilisierungen für die richtige Sache sind möglich. Es bleibt ja wahr: Auch der Frieden braucht junge Protagonist/innen, jugendgemäße Mobilisierungen. Sein Themenfeld ist freilich weniger sexy – und, was die Shell-Studien verraten, auch weniger greifbar. Doch das kann sich ändern, wenn noch klarer wird, was auf dem Spiel steht – und wenn die Pionierleistungen der letzten Wochen zügig wahr- und aufgenommen, verstärkt und multipliziert werden.

BL: Wie schätzt du die Initiative „Criminalize War“ des ehemaligen malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir bin Mohamad ein? Den Gedanken, dass Mord grundsätzlich eine abscheuliche Handlung darstellt, haben alle großen Religionen gemeinsam – auch wenn gerne mal, nicht nur im Christentum, Ausnahmen zugelassen werden. Könnten nicht Christen sich auf dieser Basis für den Frieden engagieren – ganz unabhängig von Konfession oder obrigkeitlichen Vorgaben?

Sch.: Alles, was den geistigen Raum öffnet und materiell-spirituelle Doppelstrategien hervorgehen lässt, muss, so gut es geht, genutzt werden. Daran wird kein Weg vorbeigehen. Wer immer solche Ansätze erkennt, möge sie ausbuchstabieren und mithelfen, sie groß zu machen.

BL: Bei allem, was du sagst, schwingt – gefühlt – Hoffnung mit. Richtig? Aber vielleicht braucht es ja noch mehr als „Hoffnung“?

Sch.: Menschen sind nicht nennenswert glücklich und ausbalanciert, wenn sie genügend von allem haben und sich mit Unwesentlichem abschießen. Menschliches Sich-lebendig-Fühlen, frei und stark, individuell und kollektiv auf ein paar Lösungen kommen, hängt von ganz anderen Dingen ab: ein spürendes, pulsierendes Nervensystem, das sich entlang seiner Sinne und seines Körpers orientieren darf. Dann entfaltet sich das Gefühlsleben gesund, ohne Drama, ohne Kollaps … Wellen von Durchflutet-Werden, das Kraft gibt. Im wirklichen Sinne intelligent sein, geht über das hinaus, was nur still sitzt und im Kopf klug wird. Wirkliches menschliches Potenzial schaltet sich nur frei, wenn Menschen körperlich sind, ihre Grenzen kennen. Unkörperlichkeit drückt auf alle Lebensbereiche die Bremse. „Wenn wir wieder wahrnehmen“, hat uns Heike Pourian ins Stammbuch geschrieben …

Unser Potenzial zu öffnen, hängt nicht nur von Selbstbildern, Glaubenssätzen, Überzeugungen aus Kindheit oder Traumata ab. Die Ebene, die das Ganze zementiert oder eben verändern kann, ist und bleibt der Körper. Früh schon erkannte der Soziologe Vester, wie die sozialen Schichten im gesellschaftlichen Strukturwandel auf Welt und Weltveränderung eingestellt sind, nämlich zu 60 Prozent apathisch und passiv-aggressiv. Auch Hartmut Rosa erkannte 20 Jahre später die Bedeutsamkeit ablehnender Muster von Weltbegegnung. Wenn wir da nicht herauskommen, kommen wir nicht auf Friedensperspektiven – und erreichen sie erst recht nicht gesellschaftlich. Mittlerweile wissen wir: In Aufrichtung, offener Atmung und Freiheit der Gelenke (als seien wir kostbar, lebendig, liebenswert!), wird mit viermal größerer Wucht vom Körpergehirn zum Kopfgehirn gefunkt als umgekehrt: Wir sind ekstatisch, lebensvoll etc. Es geht also darum, Bewegungsmuster, Körpermuster umzustülpen, damit sie etwas anderes glauben als an die eigene Wertlosigkeit. Kollaps, das heißt, die Arme sind schlapp und leer und meine Beine spüre ich gar nicht mehr so richtig. Der Kollaps der Körper geht dem Kollaps des Geistes und der Kriegsangst voraus.

Geh in die älteste Sprache der Welt: das Vibrieren. Wenn uns das gelingt, dann werden wir das auch glauben. Und fast wie von allein Friedenspotenziale heben. Der neue Weg in die Verkörperung ist nicht gebahnt, oft vernachlässigt. „Die Menschen können es der Wahrheit nicht verzeihen, dass sie so einfach ist“, wusste noch Meister Johann Wolfgang Goethe. Jede Zelle unseres Körpers ist intelligent. Auch wenn das Vibrieren zunächst Angstsignale in unserem bisherigen Wahrnehmungssystem auslöst. Die Welle im Nervensystem wird sich aufbauen und wieder kleiner werden – wie eine Welle sich eben aufbaut. Die meisten Menschen verbringen ihr ganzes Leben mehr oder weniger im Kollaps: „Mein Leben ist mir zu viel. Ich bin erschöpft. Ich kann nicht mehr.“ Den Kollaps zu spüren und aufzulösen, ist aber eine Goldgrube, weil in diesem Zustand Energien gespeichert und Gefühle zurückgehalten sind. Das Spüren ist die Basis für ein gesundes Spüren. Ausatmen, Parasympaticus: Jetzt kann sich etwas integrieren. Also: Her mit den Triggern!

BL: Von Bonhoeffer und Heribert Prantls neuem Buch „Den Frieden gewinnen“ nimmst du den wichtigen Satz „Frieden sei ein Wagnis“. Ist es erforderlich, dem Wagnis des Friedens das Wagnis des Krieges gegenüberzustellen?

Sch.: Ich bleibe überzeugt davon: Dass die Fundamente der Welt anders aufgestellt werden, ist nötig und möglich. In Zeiten voller Unsicherheit, Selbstrückzug und Energieverlust brauchen wir mehr denn je Klarheit und Orientierung. Das aber entsteht nicht allein im Kopf. Orientierung wächst wieder, wenn wir uns verbinden, aber womit? Wo sind wir abgeschnitten von uns selbst, wo nur noch eine leere Hülle, eine trügerische Art von Stille und Isolation? Also womit? Mit uns selbst, mit unserem inneren Kompass, mit dem Größeren, das uns trägt. Es geht um den Moment, in dem dein Nervensystem neu lernt. Bleib dabei! Die Intensität verbrennt das Alte und bringt dich neu auf die Welt! Überall bricht das Niedergehaltene auf! Flügelschläge in die richtige Richtung. Die Themen lösen sich nicht, wenn wir wohltemperiert isoliert bleiben. Ohne kulturellen Tiefenwandel keine Friedenspotenziale.

Also spür einen Moment hinein in die Kostbarkeit deines Herzens. Etwas in deinen Zellen ist immer intakt geblieben. Dein Leben ist von großem Wert. Dich selber abzulehnen, ist pure Zeitverschwendung. Damit hören wir jetzt gemeinsam auf. Und unterstützen uns dabei. Mit Seelsorge und Körpersorge zur wechselseitig geteilten Wirklichkeitswahrnehmung. Das ermöglicht Friedenstüchtigkeit. Über die Füße geben wir diesen Rhythmus des Friedens in die Welt, tragend mit uns selbst und mit denen, die so komplett anders geworden sind als wir; das Menschsein ist uns allen gemeinsam. Der Raum nach vorne ist groß und leuchtend, und er ist offen. Aber er wird nicht gegeneinander zu gewinnen sein, mit brachial gespaltenen Öffentlichkeiten in Ost und West schon gar nicht, die nichts aber auch gar nichts mehr miteinander zu tun haben und auf krasse Kriegstüchtigkeit getrimmt werden auf beiden Seiten des neuen eisernen Vorhangs – und im Ausagieren von Vernichtungsfantasien im Nahen Osten auch nicht.

Besinnen wir uns auf unsere ganze, wiedergewonnene Würde, den Tortenboden der wechselseitigen echten Wahrnehmung, die Demut vor dem eigenen und dem fremden Herzen, die Selbst- und Fremdliebe, die entparadoxierende Feindesliebe, die Frechheit, uns selbst zu trauen: dem, was wir tief in uns fühlen, erfahren haben und spürbar halten müssen.

Das Gespräch führte Bobby Langer von der Internetplattform Ökoligenta.de

Von der Existenzangst zur Selbstversorgung – eine Einladung

Selbstversorgung – davon träumen viele, schrecken dann letzten Endes doch meistens davor zurück. Evelin Rosenfeld hat sich sehr konkret damit auseinandergesetzt. Der Name des ausgedehnten Landes, auf dem sie ihren Weg der Kreislaufwirtschaft praktiziert bezieht sich auf Aditi, die vedische Schöpfungsgöttin. Um bei so einem Projekt vorwärtszukommen und nicht einzuknicken, braucht es „Wild Natural Spirit“ (so heißt die Kräutermanufaktur, mit der Evelin das Projekt finanziert)***. „Spirit“ hat die Pionierin, dennoch meint sie, dass einerseits die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Mitteleuropa echte Autarkie verhindern, andererseits, dass die Idee von Autarkie dem Gedanken der Verbundenheit widerspricht.

Ökoligenta: Vielleicht schilderst du erst einmal, wie weit du mit deinem Projekt gekommen bist.

Nun, das Wichtigste ist wohl, dass ich es geschafft habe, 55.000 Quadratmeter Brach- und Ackerland in einen riesigen Permakulturgarten zu verwandeln, in dem nicht nur seltene Arten aus Fauna und Flora in Fülle leben, sondern der auch wertvolle Lebensmittel für viel mehr Menschen hervorbringt, als derzeit von dem Projekt wissen. Damit ist es gelungen, eine Vollerwerbs-Landwirtschaft untrennbar mit Naturschutz zu verbinden. Auch zeige ich ein Wirtschaften auf, das eben nicht ausbeutet und Lateralschäden vergesellschaftet, sondern im Gegenteil: ein Wirtschaften, das maßgeblich und nachhaltig zum Gemeinwohl beiträgt, während es gleichzeitig einen Lebensunterhalt eigenständig erwirtschaftet.
Zudem konnte ich das Projekt (einigermaßen) harmonisch in das herrschende Behördensystem integrieren. Mit insgesamt 11 Aufsichtsbehörden ist das eine echte Nervensache und Geduldsfrage. Auch die Beteiligten in den Behörden mussten an einigen Stellen das auf landwirtschaftliche Großbetriebe ausgelegte Regelwerk irgendwie in Einklang bringen mit dem, was ich hier mache. Wirklich erkennen, welche Chancen in diesem Projekt für die drängenden Fragen für uns alle liegen, tun aber wenige.

Ökoligenta: Momentan schaffst du das alles mit 1 Woman-Power, eigentlich unglaublich. Aus welchen Quellen sprudelt deine Energie?

Ich bin mit 33 Jahren, zwei akademischen Abschlüssen und einer bereits beachtlichen Karriere in der Wirtschaft „ausgestiegen“, weil ich die Rücksichtslosigkeit und Kurzsichtigkeit, die in Konzernen und auf Verwaltungsebene herrschen, nicht ertragen konnte. Dieser Ausstieg brachte mich in eine Lebenskrise, in der ich mich fragte, wie ich mein Leben, meine Gaben so einbringen kann, dass nicht nur noch mehr Schaden entsteht, sondern dass vor allem das Gefüge aus Angst und Gier durchbrochen werden kann; dass Wege sichtbar werden, wie wir in Frieden und in Fülle mit unserer Mitwelt leben können. Dazu braucht es ein tiefes Hinterfragen der Grundannahmen unserer Gesellschaft: von Familiengründung bis abhängiger Erwerbsarbeit, von Ressourcenkreisläufen bis hin zu spirituellen Zusammenhängen. All dem habe ich mich gestellt und Schritt für Schritt Antworten und Resonanz gefunden.
Mein unerschütterlicher Glaube an die Liebe in jedem Menschen und an eine göttliche Führung sind der Quell meiner Kraft – zudem meine besondere Beziehung zu diesem außergewöhnlich kraftvollen Ort hier.

Ökoligenta: In den Städten mieten sich Menschen bei SoLaWis am Stadtrand ein. Könnte dieses Modell auch für Aditi funktionieen ?

Nein, eher nicht. Die SoLaWis – für die es mittlerweile sogar eigene landwirtschaftliche und steuerrechtliche Regeln gibt, funktionieren normalerweise so, dass ein Landwirt die Flächen mit Maschinen vorbereitet und kleine Parzellen an Städter vermietet, die dann ihren Salat oder Rosenkohl oder was sie eben wollen, am Wochenende anbauen. Aditi in Parzellen aufzuteilen widerspricht meinem Anliegen, sie als Ganzheit zu fördern. Zudem nutze ich ja keine Maschinen und arbeite in Permakultur. Wenn, dann würde sich eine Gruppe von Menschen um die ganze Aditi kümmern, mit ihrem Wald, ihrem Beeren- und Saatgutgarten, mit den Kräutergärten, Obstbäumen und dem großen Gemüsegarten. Die Intention von Aditi geht über das „ich mach mein eigenes Gemüse“ hinaus.

Ökoligenta: Gibt es diese Gruppe schon? Wie können Menschen sich in das Projekt einbringen?

In 2022 waren wir ein starkes Team von sechs Menschen, die sich regelmäßig und aus verschiedenen Konstellationen auf Aditi eingebracht haben. Das Ergebnis war phänomenal: Für die überbordende Gemüseernte brauchten wir sogar einen Erdkeller über den Winter, das in 2022 geerntete Saatgut hat auch in diesem Jahr, 2025, gereicht, um ohne Zukäufe die Gärten zu bestücken. Das waren alles Leute hier aus der Gegend, die einfach Freude daran hatten, auf Aditi zu sein, zusammen zu arbeiten und die Abende gemeinsam am Feuer zu verbringen.
Einige waren bei mir „zwischengelandet“ wegen der Corona-Restriktionen und sind nun zurückgekehrt in ihre Ursprungsberufe. Aber so könnte es gehen.
Zudem habe ich immer mal wieder Lehrlinge für eine begrenzte Zeit, die sich mit der Anbau- und Lebensweise vertraut machen wollen.
Doch mittelfristig wünsche ich mir schon zwei bis vier Menschen, die hier oder in der Nähe wohnen und sich dauerhaft und hauptberuflich in das Projekt einbringen.
Dazu braucht es nicht nur etwas Kapital, sondern vor allem die Bereitschaft, eine körperlich doch recht anspruchsvolle Arbeit zu machen für ein sehr überschaubares Einkommen. Doch der „Lohn“ besteht ja letztlich darin, vollkommen selbstbestimmt inmitten überbordender Natur zu sein, Lebensmittel von höchster Qualität für sich und andere zu gewinnen und seine Lebensenergie in etwas fließen zu lassen, das Lebendigkeit schafft.

Die Zeit ist gut, denn mehr und mehr Menschen merken auf: Statt ein Online-Coaching, um eine Depression, eine Lebenskrise, einen Burn-Out zu „besprechen“, beginnen sie, neu Kontakt mit den wirklich heilenden Kräften der Natur aufzunehmen, lauschen den Bäumen, beobachten die Insekten. Von hier aus ist es nur noch ein kleiner Schritt, die Hacke in die Hand zu nehmen und nährende oder heilsame Pflanzen zu pflanzen, zu pflegen … und sich dabei ganz von allein mit kostbarer Lebensenergie aufzuladen.
Ich lade jedes Jahr zur Blütenernte ein. Das ist eine kleine Chance zu erleben, wovon ich hier spreche.

Ökoligenta: Was ist deiner Erfahrung nach das Haupthindernis für die Umsetzung einer echten Selbstversorgung?

Zuerst: Aufgrund der zahlreichen Systemzwänge – von Pflicht-Versicherungen bis Strom, Wasser, Müllentsorgung, von denen wir uns in Deutschland nicht abmelden können, ist es derzeit gar nicht möglich, wirklich autark zu leben und zu wirtschaften. Wir sind nicht nur gezwungen, System-Leistungen zu kaufen (und damit Geld beschaffen zu müssen) – Autarkie widerspricht auch der Einsicht, dass alles mit allem verbunden ist. Dieser Gedanke – der Gedanke von dynamischen Kreisläufen durch alle Ebenen des Erdenlebens hindurch – ist die Basis der Permakultur. Und er ist auch Tatsache in allen natürlichen Vorgängen.

Von daher bescheide ich mich auf den Anspruch, meinen Lebensunterhalt mit etwas zu verdienen, das meiner Liebe zur Erde Ausdruck verleiht und den aus meiner Sicht schädlichen Systemwirkungen nicht weiter zuträgt. Dass dabei durch eine einzelne Person 55.000 Quadratmeter Land renaturiert wurden, dass eine Fülle an Heilkräutern, Saatgut und Lebensmitteln bereitgestellt wurde für viele, viele andere Menschen, das macht mich glücklich und stolz.
Ich bin weit entfernt davon, mich „selbstzuversorgen“ – allerdings brauche ich keine moderne Medizin, habe Zugriff auf unbelastetes Gemüse, Obst und Kräuter, lebe in meinem eigenen natürlichen Rhythmus und brauche vergleichsweise wenig Geld – da ich nichts zu kompensieren habe. Ich bin satt und gesund aus dem, was mein täglich Werk ist.

Wenn ich nun auch einige andere Menschen begeistern kann von dieser Arbeit und vielleicht begleite zu ihren eigenen Projekten oder sie integriere in dieses Projekt hier bei mir – und da gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Aufgaben und Ausblicke – dann wirke ich MIT dem bestehenden System, dessen Teil ich ja auch bin.

Ökoligenta: Die Konsumwelt, in der wir aufwachsen und unsere Persönlichkeit ausbilden, ist vielfältig und spricht uns auf den verschiedensten Ebenen an. In den Worten von Günther Anders wird der Mensch schlaraffisiert und zu einem passiven Wesen modelliert. Dein Projekt erwartet ja eher eine Emanzipation von dieser Grundhaltung.

Ja, das ist mein Herzensanliegen an die Menschheit: „Dienst“, „Arbeit“, „Verantwortung“ sind bei vielen Menschen sehr negativ belegt. Weil sie immer in Abhängigkeiten denken, weil sie Arbeit als etwas sehen, was sie ZWANGsläufig tun müssen, weil sie Dienst als Unterwerfung kennen und weil sie „Verantwortung“ mit „Strafe/Konsequenzen“ verbinden.
Damit sind sie zu passiven Sklaven des Ausbeutungssystems geworden und verschanzen sich hinter Ansprüchen, Bequemlichkeit und Konsum.
Es ist so viel lebendiger und befriedigender – und möglich ! –, aus eigener Kraft ein eigenes Feld zu schaffen, in dem wir unsere Lebensenergie freiwillig in etwas geben, das uns am Herzen liegt. Und wem liegt die Natur nicht am Herzen? Welcher Mensch atmet nicht auf, wenn er unter Bäumen steht, welcher Mensch beginnt nicht  zu singen, wenn er frische Beeren erntet und gleich in den Mund steckt? Viele kommen gar nicht bis zu dem Erlebnis, ein im eigenen Schweiß bebautes Feld zu betrachten und dabei Stolz und Freude zu empfinden. Und so können sie auch nicht die Früchte ihrer eigenen Arbeit, ihrer freien Entscheidung ernten.

Um diesen Schritt in die Freiheit und in ein sinnstiftendes Leben zu tun, steht noch vor der harten körperlichen Arbeit vor der wirtschaftlichen Ungewissheit ein Schritt im Inneren an: Die Angst, zu wenig abzubekommen, die sich in Gier und Egoismus ausdrückt, muss überwunden werden zugunsten der Einsicht, dass Fülle aus Großzügigkeit und Begeisterung entstehen. Wer (sich) gibt, bekommt alles, was es braucht, um ein friedvolles und lebendiges Leben zu führen.

Doch wie viele Menschen leben das schon ?

Ich bin offen für eine Gruppe von Menschen, die sich gemeinschaftlich um Aditi kümmert und an ihr erfreut. Das wäre eine Erweiterung für alle Beteiligten. Mehr Hände – mehr Ernte – mehr Austausch – mehr Fülle.
Aber brauchen tun wir’s nicht …

Ökoligenta: Du hast angedeutet, mit den Potenzialen von Aditi könnte es in Richtung Binnenwirtschaft weitergehen. Kannst du uns dazu Näheres erzählen?

Es gibt einen Weg, den ich sehe, auf dem eine Gruppe von Menschen, die auf Aditi lebt, sich sehr, sehr weit lösen kann aus den Systemzwängen. Hier gibt es Antworten auf die klassischen Fragen von Gemeinschaftsleben, Arbeitsteilung, die Rolle von Kapital und die führende Kraft einer täglich praktizierten Spiritualität.
Ich schöpfe hier aus 25 Jahren Organisationsberatung und Coaching (siehe insbesondere meine beiden Bücher „Wertebasiertes Management“ und „Was Dir wirklich wichtig ist“) – vor allem aber aus der Beobachtung der Vorgänge in der Natur, der Erfahrungen mit dynamischen Gleichgewichten in der Ökologie.
Wenn die passenden Menschen hier angekommen sind, können wir darüber sprechen.

Für jetzt lade ich jeden, der das liest, herzlich ein, mal für eine Blütenernte oder eines der anderen Seminare nach Aditi zu kommen und sinnlich zu erfahren, wovon ich hier spreche. Eigentlich können wir dann erst sehen, ob eine Resonanz da ist, die das Sein berührt und zum Tun führt.

*** Evelin Rosenfelds Projekt liegt im nordbayerischen Landkreis Coburg.

Von Bobby Langer

„Buenos dias, madre. que tal? Wie geht’s, Mutter Erde? Du siehst ein wenig kränklich aus.“

„Es geht so, die meisten meiner Kinder haben mich im Stich gelassen – wer kümmert sich schon um seine alte Mutter – aber wenigstens ein paar von ihnen sorgen sich noch um mich. Immerhin.“

„Am 22. April ist dein Feiertag, so wie jedes Jahr seit 1970. Hast du einen Wunsch?“

„Ja, den habe ich tatsächlich. Damals kam nur ein kleines Häuflein zu meinem Feiertag. Alle dachten: ‚Nichts kann der Alten etwas anhaben.‘ Auch ich hielt mich Jahrmilliarden lang für unverletzlich, aber ich habe euch unterschätzt. Ihr Menschen seid wie Ameisen, die mir bis ins Gehirn, bis in meine Adern und Lungenbläschen vordringen und mir Energie und Atem nehmen. Doch immer mehr von euch beginnen zu verstehen: Werde ich krank, ist es auch um euch geschehen. Ohne mich seid ihr nicht mehr. Heute sind es schon Hunderttausende in 175 Ländern, die mich feiern. Das tut gut und macht mir Hoffnung; deshalb mein Wunsch: Verwandelt die Hunderttausend in Hundertmillionen!“

„Bescheiden bist du nicht gerade, oder?“

„Stimmt, dieser menschliche Begriff ist mir als Planetin fremd. Ich habe schon immer groß gedacht.“

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Gaia, so heißt Mutter Erde – nur wenige Namen haben sich international so durchgesetzt. Seit die Mikrobiologin Lynn Margulis und der Chemiker, Biophysiker und Mediziner James Lovelock Mitte der 1970er-Jahre die Gaia-Hypothese entwickelten, ging der Name Gaia viral. Und dabei gab es noch gar kein Internet. Sogar das Teleskop der Europäischen Weltraumorganisation wurde nach ihr benannt.

Das world-wide Gaia-Web

Natürlich gab es den Namen Gaia lange vor unserer Zeit. Schon in der altgriechischen Mythologie hieß die personifizierte Erde Gaia [Γαῖα]. Aus ihr stammte alles Leben, und alles Leben sank zurück in ihren Schoß. Gaia stand in direkter Verbindung mit der Göttin Kybele, die im westlichen Teil der heutigen Türkei [Kleinasien] verehrt wurde als Herrin der Tiere, als Berg- und Naturgöttin und Erdenmutter. Kybele erhielt in manchen Traditionen auch den Namen „magna mater“, Große Mutter; im Hinduismus hieß sie Parvati, Tochter der Himalaya-Berge; in Lateinamerika trug sie den Ehrennamen Pacha Mama und wurde zum Grundprinzip der aktuellen Verfassung von Ecuador. Nur vor diesem Hintergrund ist die immense Verehrung der „Mutter Gottes“ im Christentum erklärlich.

Doch mit Pacha Mama schließt sich der Kreis zum Heute. Die in indigenen Mysterien Amerikas verbreitete Erdmutter-Verehrung konnte durch das Christentum nie vollkommen unterdrückt und ausgemerzt werden und feiert seit Jahren unter dem spanischen Ruf „Buen Vivir“ – gut leben! – eine globale Wiederkehr. Pacha Mama ist die Rebe, die ihr Wasser aus großen Tiefen holt, sie ist der durchs Pflaster wachsende Löwenzahn. Die widerständigen mexikanischen Zapatistas fordern Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Unabhängigkeit, Land, Arbeit, Gesundheit, Bildung und Frieden – und berufen sich auf Pacha Mama. Pacha Mama ist der Ursprung ihrer Identität und Kern eines Bewusstseins, dass alles, was Leben hat, untrennbar miteinander verbunden ist: Tiere, Pflanzen, Insekten, aber auch Berge und Flüsse, Felsen und Himmel. Es ist gut vorstellbar, dass Pacha Mama zum Inbegriff einer Bewegung wird, die gegen alles aufbegehrt, was Gaia Gewalt antut. Die Energie für einen solchen Aufstand für das Leben ist längst – global in uns allen – vorhanden wie die Lava unter einem schlummernden Vulkan.

Gaia – wer oder was ist das?

Doch was ist dran an der Gaia-Hypothese? Durchsetzungsfähig war sie, weil sich in ihr intuitives, archaisches Wissen mit modernem Wissenschaftsverständnis verknüpfte – in der Frage nämlich nach dem Urgrund des Lebens. Leben äußert sich in Form von Lebewesen, die sich in selbstorganisierenden biologischen Rückkopplungsprozessen erhalten, so der wissenschaftliche Blickwinkel. Auch der Planet Erde, Gaia, so Lovelock, lasse sich derart beschreiben. Ganz Naturwissenschaftler, untermauerte er seine Hypothese mit phänomenalen Argumenten. Deren bekanntestes ist der seit ewigen Zeiten gleichbleibende Salzgehalt der Meere, der sich logisch nur erklären lasse, wenn es etwas – nämlich das Wesen Gaia – gebe, das ihn aufrechterhalte: „Obwohl vom Land weiterhin beträchtliche Mengen an Mineralien gelöst und ins Meer verfrachtet werden, ist der Salzgehalt seit Jahrmillionen nicht mehr gestiegen. Nimmt man an, dass die Mineralfracht in früheren Zeiten ähnlich hoch war wie heute, müsste inzwischen so viel Salz in den Meeren sein, dass höhere Lebensformen nicht mehr existieren könnten. Tatsächlich gibt es Prozesse, die Salz auch wieder aus dem Ozean entfernen.“ (Wikipedia)

Obwohl Lovelock selbst sich einer Romantisierung der Gaia-Hypothese widersetzte, hatte er doch viel Verständnis für deren Anhängerinnen:

„Wenn ich von einem lebendigen Planeten spreche, soll das keinen animistischen Beiklang haben; ich denke nicht an eine empfindungsfähige Erde oder an Steine, die sich nach eigenem Willen und eigener Zielsetzung bewegen. Ich denke mir alles, was die Erde tun mag, etwa die Klimasteuerung, als automatisch, nicht als Willensakt; vor allem denke ich mir nichts davon als außerhalb der strengen Grenzen der Naturwissenschaften ablaufend. Ich achte die Haltung derer, die Trost in der Kirche finden und ihre Gebete sprechen, zugleich aber einräumen, dass die Logik allein keine überzeugenden Gründe für den Glauben an Gott liefert. In gleicher Weise achte ich die Haltung jener, die Trost in der Natur finden und ihre Gebete vielleicht zu Gaia sprechen möchten.“

There’s something that calls for you

Obschon sich die Gaia-Hypothese auf naturwissenschaftliche Aspekte berief, hatte sie doch stark spirituelle Auswirkungen, etwa hinein in die Hippie- und New-Age-Bewegung. Doch das ist lange her und hat sich gewissermaßen „überlebt“.  „It’s all over now, baby blue. | Leave your stepping stones behind | There’s something that calls for you“, sang Bob Dylan, der seine mystische Sicht der Welt stets sorgfältig hinter seiner schnarrenden Stimme versteckte.

Der vielleicht wichtigste Aspekt des zunehmenden Gaia-Booms ist seine nicht nur völkerverbindende, sondern menschheitsverbindende Kraft: Wenn wir spüren, dass wir alle Bewohner und Geschöpfe von Gaia sind, dann sind wir ein Volk von Feuerland bis Alaska, von Spitzbergen bis Andalusien, von Cabo da Roca bis Tschuktschen; dann verstehen wir, dass eine Hierarchie innerhalb des Lebens eine absurde Annahme ist; dass wir alle gleichwürdig sind. Gaia wirkt in unseren Kindern, sie ist die große Hebamme aller Menschen und Lebewesen aller Länder.

Aber Gaia macht uns nicht alle gleich; im Gegenteil. Was wäre eine Alpenwiese ohne ihre 5000 Pilzarten, 2500 Flechtenarten, 4500 Gefäßpflanzen und 800 verschiedenen Laubmoose? Sie wäre eine Monokultur, eine menschliche Wahnidee und nicht das Wunderwerk einer durch Jahrmillionen sich steigernden Vielfalt. Gaia, das verstehen immer mehr von uns, ist das Gegenteil industrieller Standardisierungen, Gaia ist Leben pur, das sich in unerreichbarer Individualität ausdrückt, in uns, in dir und in mir.

Gaia lädt uns ein

Und vor allem: Gaia gibt es wirklich. Sie ist keine „Idee“, es sei denn, wir selbst wären Ideen und nicht, von ihr und aus ihr gemacht, aus Fleisch und Blut. Gaia ist der Apfel, in den wir beißen, und der seinen süßen Saft auf unsere Zunge sprüht; Gaia ist die Frühlingswiese, in die wir uns legen und die in uns aufblüht, sobald die Sonne uns strahlend berührt. Gaia ist aber auch der Rost, der am alten, vergessenen Traktor frisst – drüben am Ackerrand. Gaia ist Kraft und Versprechen und Zukunft.

Gaia ist das Ende des gefährlichen Glaubens, hier sei der Mensch und dort die Natur. Gaia ist wir und wir sind Gaia, aber eben nicht exklusiv, sondern im Sinne einer Einladung, einer Ineinsnahme: Der Tag der Erde ist eine Festtagseinladung, bei der uns die Erde zum Feiern ruft, zum Feiern der Geschwister aus Tiefsee und Himmel, zum Feiern unserer Geschwister in und über der Erde, zum Feiern unserer Schwestern und Brüder in Nord und Süd, Ost und West. Denn wir sind ein Volk, Geschwister und Kinder der Erde. Gaia ist Frieden, jeden Tag.

Entnommen aus „(Wandel-) Reiseführer in eine zukunftsfreundliche Lebensweise“ (mit diesem Link copyrightfrei verfügbar)

Evelin Rosenfeld beweist, dass auch eine optimal naturnahe Wirtschaftsweise funktionieren kann

Es gehört zu den beliebten Argumenten der konventionellen Landwirtschaft, man könne nur mit dem Einsatz von Großmaschinen und massiver Schädigung von Mitwelt und Bodenleben wirtschaftlich überleben. Evelin Rosenfeld  beweist das Gegenteil. Im Interview ist Ökoligenta ihrem Ansatz nachgegangen.

Ökoligenta: Du betonst auf deiner Homepage die Kreislaufwirtschaft, und zwar nicht nur irgendeine, sondern eine konsequente. Wenn wir die „Kreislaufwirtschaft“ mal als den einen Pol möglichen Wirtschaftens ansehen, wie würdest du denn den anderen Pol beschreiben?

Evelin Rosenfeld: Der andere Pol ist, mit möglichst wenig Eigenleistung möglichst billig irgendwelche Rohstoffe und Vorleistungen zusammenzukaufen und teuer weiterzuverkaufen. Die Bedingungen der Gewinnung, die nicht eingerechneten Verbräuche auf dem Weg zum „Händler“ und die Entsorgung des verbrauchten Produkts spielen dann ebenso wenig eine Rolle wie der immaterielle Aspekt des „Produkts“. Das Produkt ist dann seelenlos.

Ö: Um jetzt mal konkret von deiner Branche zu sprechen: Wie funktioniert die konventionelle Pflanzen- und Kräuterproduktion üblicherweise?

E.R.: So viel Land wie möglich pachten um so viel Nutztiere wie möglich unter Leben verachtenden Bedingungen möglichst schnell zu vermehren und die Exkremente auf den Flächen auszubringen (man braucht je Vieheinheit eine bestimmte Fläche). Auf diesen Flächen fahren dann Maschinen von mehreren zig Tonnen und reißen mehrmals zwischen Herbst und Frühjahr den Boden auf.

Das Bodenleben stirbt, der Boden verdichtet und verarmt. Dann wird giftig gebeiztes, oft genmanipuliertes Saatgut ausgebracht, das unter Einsatz von mehreren „Gängen“ Mineraldünger (Wasser und Bodenleben werden geschädigt), den Exkrementen aus dem Stall (s.o.) und Pflanzenschutz (einheimische Pflanzenarten, Insekten, Eidechsen etc. werden mitvernichtet) hochgezogen wird. Wieder mehrfach schwere Maschinen auf dem Boden – und Abgase und Lärm.

Wenn der Bestand erntereif ist, kommt eine noch größere, noch schwerere Maschine, rasiert die „Ware“ ab, die vom Schneidwerk mit Hochdruck in den Tank geschleudert wird. Das so misshandelte Pflanzgut wird zum Hof geschafft und mit Fließbändern, Rüttelsieben und Trockengebläsen erneut so massiv verletzt, dass unweigerlich Oxidation und damit Vergiftung und Zerfall der Pflanzen einsetzt.

Was dann noch übrig und trocken ist, wird maschinell kleingehackt, in Säcke geblasen und auf zum Teil langen Wegen – Abgase – zum Händler geschafft, teils mehrere Handelsetappen, bis zuletzt das mausetote Material wieder maschinell in Verkaufspackungen untergebracht wird und erneut auf den Transport zu Einzelhändlern geht.

Ö: Gibt’s da denn keinerlei Unterschiede zwischen konventionellen und Biobetrieben?

E.R.: Der Unterschied besteht lediglich darin, dass Biobetriebe bestimmte Dünge- und Spritzmittel nicht verwenden dürfen, dafür nur Biosaatgut verwenden dürfen und sich einmal jährlich kontrollieren lassen müssen. Wenn man einmal davon absieht, dass Demeter-Betriebe immerhin das Futter für ihre Tiere selbst anbauen müssen, ist der Unterschied marginal.

Ö: Kreislaufwirtschaft und Cradle to Cradle – sind das verschiedene Ansätze?

E.R.: Kreislaufwirtschaft ist eine Überkategorie. Cradle to cradle fokussiert speziell auf Recycling, soweit ich weiß.

Ö: Gibt’s bei dir gar keine nicht wiederverwertbaren Abfälle?

E.R.: Doch: Die Glasflaschen, die Kartons und die Flyer. Die Flaschen zurückzunehmen, zu reinigen und wiederzuverwenden würde mehr Ressourcen verbrauchen, als sie dem großen Recycling vor Ort bei meinen Kunden zuzuführen. Da meine Kunden ja auch sehr bewusst sind und handeln, finden sie ganz sicher eine Wiederverwendung.
Meine Kunden sind übrigens ein paar eigene Zeilen wert. Denn wer mich findet und Gefallen an den Produkten hat, bleibt und bestellt immer wieder. Es ist wirklich so, dass ein paar tausend Namen mir vertraut sind, wenn eine neue Bestellung kommt. Oft mit ein paar lieben, wertschätzenden Zeilen. Manchmal bekomme ich sogar Post von meinen Kunden: schöne Karten, Bücher – einfach: ganz viel Liebe und Verbundenheit, die da schwingt.

Ö: Die Rohstoffe für deine Produkte entnimmst du dem Boden? Wie kommen die entnommenen Nährstoffe wieder in den Boden zurück? Düngst du, und wenn ja, wie?

E.R.: Es muss viel gejätet werden. Hieraus entsteht Kompost, den ich wieder auf die Flächen bringe. Bei Kulturen, die es vertragen, mulche ich zudem. Dem Boden werden durch Photosynthese und Witterung eine Reihe von Elementen aus der Luft und aus dem Sonnenlicht zugeführt. Zudem führt die unbeschadete Fauna (Kleintiere und Insekten) sowie das Mykorhizza [Red.: das in ungeschädigten Böden vorhandene Pilzgewebe] dem Boden alles zu, was vor Ort gebraucht wird. Zusätzlicher Dünger ist da nicht nötig.

Ö: Verschwendung findet ja üblicherweise im Bereich des Energieeinsatzes und im Ressourcenverbrauch statt. Mit welchen Methoden minimierst du diese beiden Faktoren?

E.R.: Ich mähe drei Hektar von Hand, trockne das Pflanzgut in selbst konstruierten Solardarren (komplett frei von Elektrizität) und destilliere auf offenem Feuer.

Ö: Du brauchst ja auch Verpackungen für deine Produkte, wenn du sie verschicken willst. Die sind vermutlich vom Kreislauf ausgenommen? Oder nicht?

E.R.: Ich hole einen Teil der Versandkartons, die ich brauche, vom Einzelhandel aus Rodach: Da fällt so viel an – das kann ich gut wiederverwenden. Allerdings kaufe ich auch Kartons in Recylingqualität zu.

Ö: Du hast dich ja auf Kräuteranbau spezialisiert. Ich habe den Eindruck, dass sich diese Art von Produktion besonders gut für Kreislaufwirtschaft eignet. Ist denn auch eine Landwirtschaft, die Grundnahrungsmittel wie Getreide, Kartoffeln herstellt, als Kreislaufwirtschaft vorstellbar?

E.R.: Ich habe auch einen 5.000 qm großen Gemüsegarten. Das Gemüse erfreut Menschen und Restaurants im unmittelbaren Umfeld. Also: Ja
Zu beachten ist, dass nachhaltiger Landbau > 60% mit mehrjährigen Lebensmittelpflanzen arbeitet. Also heißt das auch für die Nutznießer der Gärten: Weg von einjährigem und oft auch ökosystemfremdem Gemüse – und zurück zu leckeren Dauerkohlen, Spargel, zahlreichen Beeren und vieljährigen Knollen und Wurzelgemüsen.

Ö: Kann man denn ein auch nur halbwegs modernes Leben führen, wenn man arbeitet und denkt wie du?

E.R.: Klar !

Ö: Warum ist dir das alles so wichtig?

E.R.: Weil ich die Erde liebe. Und weil ich dazu beitragen möchte, dass die Menschen endlich Hass, Gier und Verblendung loslassen, um das Leben im Garten Eden zu feiern, statt immer neues Leid zu erzeugen.

Evelin Rosenfeld betreibt die Homepage Wild Natural Spirit mit so naturnah wie möglich naturreinen Pflanzenpräparaten, die sie in Permakultur auf 55.000 qm Land maschinenfrei anbaut. Darüber hinaus bietet sie Seminare zu Permakultur & Heilkräutern an.
Evelin Rosenfeld studierte Biochemie und Betriebswirtschaft, und verabschiedete sich als Konzernstrategin mit 32 Jahren von einem linearen, mitweltfeindlichen Wirtschaften.
Heute sucht sie nach einem/r Geschäftspartner/in, der/die sich den Spagat zwischen ökonomischen Sachzwängen und naturnahem Wirtschaften zutraut.

Die vielleicht zentralste Herausforderung für jeden von uns, der hofft, Bürger des Planeten A zu werden, besteht darin, für die Zukunft bereit zu sein. Wie können wir unsere innere Stärke so weit entwickeln, dass wir uns auf die entstehende regenerative Zukunft konzentrieren können?

Dazu gehört auch, dass wir lernen, wie wir konkurrierende Wahrheiten in der Öffentlichkeit verhandeln und wie wir unser Wohlbefinden angesichts einer sich verschlechternden Umwelt fördern können.

Andererseits gibt es Zuversicht, wenn man mit anderen zusammen ist, die die grünen Triebe einer besseren Zukunft sehen können, wo vorher keine war. Neue Formen von Intelligenz und Handlungsfähigkeit zu gewinnen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, belebt jeden Raum. Unsere Erfahrung, auf diesem Planeten zu leben, wird in Echtzeit verändert.

Emotionale Bedürfnisse und Ressourcen

Nach den Human Givens-Prinzipien ist der Mensch so konzipiert, dass er neun wesentliche emotionale Bedürfnisse hat, die ihm helfen, zu überleben, indem er sozial wird. Dies sind die Bedürfnisse nach Status, Zugehörigkeit, Autonomie, Verbundenheit, Privatsphäre, Sinn und Zweck, Leistung und Intimität.

Wir sind auch so konzipiert, dass wir diese Bedürfnisse selbst befriedigen können, indem wir unsere gegebenen Ressourcen nutzen: die Fähigkeit, uns zu erinnern, uns etwas vorzustellen, in Beziehung zu treten, uns einzufühlen und uns selbst zu beobachten. Wenn unsere Gemeinschaften und Arbeitsbereiche so gestaltet sind, dass sie uns helfen, unsere Bedürfnisse im Gleichgewicht zu befriedigen, schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass jeder von uns ansprechbar wird.

Integrales Wachstum

Jeder von uns durchläuft einen Entwicklungsbogen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter (heute geht man davon aus, dass wir mit 24 Jahren voll entwickelt sind). In gewissem, aber nicht ausschließlichem Zusammenhang damit stehen Fortschritte in der psychosozialen Handlungsfähigkeit – wir bewegen uns wie auf einer Leiter durch verschiedene Reaktionen auf unsere Umwelt und entwickeln langsam neue Handlungsmöglichkeiten.

Als Kinder reagieren wir emotional und stellen unsere eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund. Als junge Erwachsene sind wir oft durch Sicherheit und eine wachsende Fähigkeit zur Strukturierung unseres Lebens motiviert. Später können wir in unseren Beziehungen zu anderen strategischer vorgehen. Um ins volle Erwachsenenalter zu gelangen, werden wir irgendwann auch ein Erwachen für die Rechte aller Menschen erleben, das unsere eigenen Handlungsweisen verändern wird.

Nach der integralen Lehre bedeutet Reife, wenn die Bedingungen es zulassen, dass wir uns dieser verschiedenen Handlungsweisen in uns bewusst werden und lernen, sie zu integrieren. Gleichzeitig können wir die Gesellschaft als eine Gesellschaft sehen, die aus der gleichen Vielfalt von Verhaltensweisen besteht, und neue Arbeitsweisen entwickeln, um dieser Vielfalt gerecht zu werden.

Praxis

Immer mehr Menschen üben sich darin, ihre Aufmerksamkeit zu schulen, die Fähigkeit zu entwickeln, einander zuzuhören und Visionen zu entwickeln. Einige dieser Praktiken werden individuell, andere kollektiv durchgeführt. Die Achtsamkeitspraxis hat in den letzten 20 Jahren auf allen Ebenen der Gesellschaft – von der Schule über die Wirtschaft bis zur Regierung – exponentiell zugenommen.

Es gibt jedoch keine Garantie dafür, dass mehr Achtsamkeit in einer Kultur, die selbst unreflektiert ist – die ihre eigenen grundlegenden Prinzipien nie in Frage stellt und denselben Weg weitergeht -, den Unterschied ausmachen wird, den wir in dieser Zeit der Dringlichkeit brauchen.

Planet A bietet einen Kontext für die Praxis der persönlichen Entwicklung – er hilft jedem, seine Reaktionsfähigkeit zu entwickeln, um gemeinsam mit anderen, die dasselbe tun, handeln zu können.

Aktionspunkte

  • Studieren Sie die Wissenschaft der emotionalen Bedürfnisse und Ressourcen (das Human Givens Modell ist eines davon, Damasio und Panksepp sind andere)
  • Studieren Sie die integrale Theorie und schließen Sie sich bei Emerge Praktizierenden aller Art an.
  • Finden Sie eine Praxis , die Ihnen hilft, in diesem Zeitalter des Chaos und der konkurrierenden Theorien über die Zukunft Ihre eigenen Gedanken zu besitzen und sich zu zentrieren.