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Eine kleine Einführung in die Magie des Lebens

Rezension von Bobby Langer

„Der spirituelle Weg ist nicht bequem. Und auch nicht abgehoben. Er ist hier, mitten in der Welt. Er muss erkämpft werden in den tiefen Auseinandersetzungen mit den eigenen Schatten und Irrungen.“ Evelin Rosenfeld

Das ist ein schönes Buch. Das ist ein gutes Buch. Das ist kein Buch für jederfrau oder jedermann. Es ist kein Buch für Menschen, für die sich das Geheimnis des Lebens in der Frage nach dem Traumpartner erschöpft oder in der Frage, ob sie diesmal im Lotto gewinnen werden. Eher ist es ein Buch für Menschen, die ahnen, dass ihr Innenraum von der Dimension des Universums ist. Es ist ein Buch für neugierige, aufbruchbereite, sehnsuchtsfähige Menschen.

Die Göttin aller Göttinnen und Götter

Und weil wir gerade bei den großen Dimensionen sind: Stellen Sie sich einen Gott vor oder, weit besser, eine Göttin. Denn Aditi ist nicht irgendeine Göttin, sondern eine Weltengebärerin, aus der sämtliche Götterhimmel und Götter entstanden sind. Diese unfassbare Mutter-, Erd- und Himmelsgöttin der hinduistischen Mythologie hat darüber hinaus den unendlichen Raum und das Bewusstsein geschaffen.

An einem Tag im August vor zehn Jahren ruft Aditi Evelin Rosenfeld aus Berlin zu sich, keineswegs auf spektakuläre Art und Weise, sondern mit sehr profanen Mitteln, nämlich mit Hilfe der E-Mail einer Immobilienmaklerin. Entgegen ihrer Gewohnheit löscht Evelin die fremde Mail in ihrem Mail-Account nicht sofort, sondern liest sie. Angeboten wird ihr ein alleinstehendes Haus auf einer Hügelkuppe, „umgeben von einem halbmondförmigen Wald. Rundherum nur grüne Weite“, mit 33.000 Quadratmetern Grund im Coburger Land. Aus einer „Laune“ heraus beschließt sie, sich das Haus anzusehen, fährt nach Süden und hört sich schließlich sagen: „Ich kaufe.“ Woher sie das Geld nehmen soll, weiß sie noch nicht. Aber sie lässt alles los: den lukrativen Job, die Berliner Bekannten und Freunde, die Freiheit der Weltreisenden. Sie wird Aditis „Ruf“ annehmen.

Auf dem Weg zu einer Welt der liebevollen Fürsorge und Hege

Bei der Besichtigung hat sie das Wort „Aditi“ zum ersten Mal in sich vernommen. Und es lässt sie nicht mehr los. Sie googelt nach seiner Bedeutung und findet die Göttin. Seither heißt ihr Land für sie „Der Berg Aditi“, in seiner Mitte der Geistbaum der Aditi: „Ein mächtiges Wesen, ein Baumwesen stand vor mir, das spürbar und fast sichtbar Energie aus der Erde ebenso wie aus dem Himmel zu ziehen und auszutauschen schien.“

Bis zu diesem Punkt könnte dies eine oberflächliche esoterische Geschichte sein. Aber wer sie liest, spürt sofort, hier spricht jemand aus tiefster Seele. Evelin Rosenfeld will nichts „verkaufen“. Der „Markt der Persönlichkeitsentwicklung“ ist für sie nichts anderes als der Verkauf von Autoradios oder Knebelverträgen. Vielmehr verknüpft sie die Schilderung ihres äußeren Wegs mit dem inneren Weg der Wandlung von einer „Systemträgerin“ hin zu einer Frau, die den Sprung ins Unbekannte wagt, um mit dem Einsatz ihres ganzen Lebens diesen wunderbaren, aber etwas heruntergekommenen Berg in ein Heiligtum zu verwandeln: „Ich wusste nicht … wie man ein so großes Land bewirtschaftet – ich wusste nicht einmal, wie man ein Haus nur mit Holz heizt. Ich wusste nicht, wovon ich leben sollte … Doch mein Herz hatte ja gesagt und mein Wille hatte den Fuß über die Schwelle gesetzt.“ So liest sich Evelins Geschichte wie eine einzige Metapher für das, was für die westliche Zivilisation insgesamt ansteht: die Umwandlung einer lieblosen Welt hin zu einer Welt der liebevollen Fürsorge und Hege.

Das „System“ schlägt zurück

Mit einem unvorstellbaren Kraftaufwand, getragen von Mächten, die größer sind als sie, widmet sich Evelin der neuen Aufgabe, arbeitet bis zur Erschöpfung und findet dank ihrer Begeisterung auch zahlreiche Helferinnen und Unterstützer. Das funktioniert ein paar Jahre ganz gut; so gut, dass der Erfolg der Arbeit den Ruf der Göttin Aditi nicht verschwinden, aber doch verblassen lässt, bis eines Tages die „kalte Machtausübung“ des „Systems“ mit ahrimanischer Gewalt zuschlägt: „Vor mir standen elf Personen in schwarzen Uniformen, mit Schusswesten und mit Schusswaffen. Eine Frau … las einen Durchsuchungsbefehl vor … Sie stampften über meine weißen Wollteppiche, rissen die Schränke auf, forderten mich auf, Schachteln, Taschen, Vorratsgefäße zu öffnen … Letztlich beschlagnahmten sie das Ergebnis wochenlanger Arbeit und nahmen betriebliche Aufzeichnungen mit … Ich war so verängstigt, dass ich mich wochenlang fürchtete, wenn es an der Tür klingelte … Ich war einer Brutalität ausgesetzt, aus der es kein Entrinnen gab.“

Statt sich an das noch Vorhandene zu klammern und sich heillos in das ihr angetane Unrecht zu verbeißen, gelingt es Evelin im Lauf der Monate, noch ein Stück mehr von sich loszulassen und sich ganz den Kräften Aditis anzuvertrauen: „Meine Ganzheit war wiederhergestellt: Meine Rolle in der Welt war erneuert und gefestigt und meine Beziehung zu Gott pulsierte wieder.“ Sie hat jetzt gelernt, „die Maschine“ richtig einzuschätzen: „Fest vorgegebene Rollenmodelle und die Verherrlichung stumpfen Konsums lenken ab von der Verarmung an Lebendigkeit. Stupide, auf Wiederholungen reduzierte Arbeit wird mit der Sicherheit fester Löhne und vereinheitlichter Sozialstandards belohnt … Unsere Seele überlebt in diesem Umfeld nur“, wenn uns klar ist, „dass die Seele der Maschine keine Energie zuführen darf. Die Maschine nährt sich von den Geistesgiften: Hass, Gier und Verblendung“ …, „weniger drastisch: Ablehnung, Verlangen, Unwissenheit“.

Perlen am Wegesrand

Der Leser, die Leserin folgt Evelins Weg, der sie bis zur Frage nach dem tieferen Sinn des Todes führt, und bringt sie dabei in Kontakt mit Erkenntnissen der abrahamitischen und der moslemischen sowie der buddhistischen, hinduistischen und taoistischen Mystik, aber auch mit schamanischen Ansätzen im Umgang mit den Herausforderungen des Lebens, „Wahrheiten, die sich in verschiedensten Kulturräumen zu verschiedensten Zeiten herauskristallisiert haben … ich lege Spuren, ich deute auf Türen in den Traditionen, die hilfreich sein können für den individuellen Weg“. So finden die Leser am Wegrand – in den rund 300 Seiten des angenehm lesbaren Buches – eine Menge Perlen zur eigenen Verwendung. „Diese zehn Jahre auf dem heiligen Berg ‚Aditi‘“, schreibt sie, „enthalten viele wichtige Lektionen, die ein Mensch durchleben wird, wenn er auf der Suche nach Gott ist … Dieser Weg … beschreibt, wie ein Traum in die Manifestation mündet und … gibt Aufschluss über den Zusammenhang von Intention und Erfolg, Hingabe und Fülle, Dienst und Selbstbestimmtheit. “

Einen roten Perlenfaden bilden Evelins wunderschöne, oft poetische, manchmal geradezu hymnische Passagen, mit denen sie die sie umkränzende Natur von Aditi schildert, Passagen die der Leserin die Augen öffnen und sie inspirieren, die Mitwelt um sich herum mit einem neuen Staunen wahrzunehmen als das, was sie ist: ein Wunder am Rande des Untergangs, für das sich einzusetzen jede Mühe und  Arbeit lohnt: „Durch die Hingabe … weben wir uns in die Gegenwart hinein, wir verbinden uns mit allen Sinnen mit dem, was gerade ist. Das ist die eigentliche Ebene, auf die es ankommt.“

Das Buch Aditi, ein stattliches Hardcover mit 340 Seiten, kostet 39 Euro und ist direkt bei der Autorin zu bestellen.

 

 

Über die Grundlagen unsres Widerstands

Die Begriffe Wolkenkuckucksheim und Widerstand beginnen nicht nur beide mit einem W, sie haben auch mehr miteinander zu tun, als man zunächst glauben möchte.

Wir alle kennen, wenn auch selten, diese besondere Wahrnehmung der Welt. Befinden wir uns darin, dann ist das für andere nicht wahrnehmbar. Wir wirken wie sonst auch, allenfalls weniger distanziert, eher allem verwandter und näher. Es ist eine kindlich-freundliche Wahrnehmung, ein Mit-der-Welt-Sein. Dann fühlen wir uns in der Welt zu Hause und geborgen, so als zwitscherten die Vögel und blühten die Blumen und rauschten die Bäume für uns; so, als seien wir gemeint. Dann begegnen wir dem Blick der Wolken, die zu uns herabschauen und nicht fremd und sinnlos dort oben herumziehen, dann laden sie uns ein zu ihrem Wolkenrücken, auf dass wir wie Nils Holgerson in eine Ferne ziehen, die erreichbar in uns wohnt. Das fühlt sich an, als hätte sich eine Tür aufgetan, von der wir nicht einmal wussten, dass es sie gibt, eine Himmelstür, eine Erdentür.

Auch wenn wir so einen Zustand kennen – ist das keine Spintisiererei? Die Fakten, die sind doch nicht so! Können nicht schon wenige Stichworte wie Donald Trump, Benjamin Netanjahu oder Friedrich Merz dieses Wolkenschloss zum Einsturz bringen? Bräuchten wir nicht vielmehr Widerstand gegen einen Staat, der zu seiner Verfassungsgrundlage zunehmend auf Distanz geht, bräuchten wir nicht lieber einen Generalstreik, eine Besetzung der Rüstungsfabriken, Aufstände, Straßenkämpfe, eine Revolution, Anarchie? Selbst wenn du jetzt eine dieser Fragen im Stillen mit Ja beantwortet haben solltest – hast du dich schon einmal gefragt, warum nichts davon nicht einmal ansatzweise geschieht? Woher diese Cocacola-trunkene, Handy-beduselte Kraftlosigkeit kommt?

Mit dem E-Bike gegen Panzer?

Darauf gibt es eine Menge Antworten, beispielsweise: weil die meisten von uns hoffen, dass „sich das alles schon wieder einrenkt“ (was es m. E. nicht tun wird); weil wir von dem System immer noch ordentlich profitieren (was auf die meisten Menschen, die zwischen 1939 und 1945 nicht an die Fronten mussten, ebenfalls zutraf) – weil wir also mehr zu verlieren als zu gewinnen haben; weil wir zwar wissen, was stattfindet, aber uns jeder Widerstand zwecklos erscheint; weil wir nicht einmal bemerken, was in Deutschland, Europa und der westlichen Welt vorgeht; weil wir so vom System vereinnahmt sind, dass wir nicht einmal das System bemerken – siehe das berühmte Beispiel vom Fisch, der nichts vom Wasser weiß? Oder weil wir ganz einfach feige sind?
Ich fürchte, keiner dieser Gründe stimmt für sich. Auch die größten Mitschwimmer haben eine Ahnung, dass das Wasser, das sie trägt, Gift enthält. Vermutlich sind die meisten von uns Mischtypen. Aber dann gibt es noch einen, bisher nicht genannten Grund, weshalb wir uns nicht laut empören. Und der hat jede Menge mit Realismus zu tun. Wer zur Gewalt greift, der scheint mir wie jemand, der mit Tränen in den Augen mit seinem E-Bike gegen Panzer anrennt. Schon die Machtmittel, welche die Bundesrepublik gegen Aufständische einsetzen könnte und würde, sind furchterregend; die der kognitiven Kriegsführung der NATO sind noch weit wirkungsvoller, weil sie direkt unser Denken angreifen (übrigens ein weiterer „weil“-Grund); von den Möglichkeiten eines Peter Thiel einmal ganz abgesehen.

Unsichtbar werden

Realismus hat aber nichts damit zu tun, die Flinte ins Korn zu werfen. Er lässt uns nach anderen Wegen suchen. Die beste Möglichkeit, einen Panzer zu entschärfen, besteht darin, ihm den Feind zu nehmen; wenn der Richtschütze niemanden mehr hat, auf den er schießen kann, wird er arbeitslos. Das mag vielleicht nicht die beste Metapher sein, aber doch eine, die es nachvollziehbar macht, wenn ich die Position vertrete: Wir müssen dieses System überflüssig machen. Dagegen zu kämpfen, ist nicht nur zwecklos, sondern auch sinnlos. Warum, das wäre ein anderes Thema. Erst wenn wir, ohne allen Kampf, aber mit aller Kraft und mit allen uns gegebenen Mitteln ein Parallelsystem errichten, das nicht mehr statisch, sondern fluide ist; das nicht mehr auf Wachstum, sondern auf Verbindung setzt; das nicht mehr auf Raffen, sondern auf Teilen setzt; das uns nicht als Herrscher der Welt, sondern als Mitbewohner des „Biotops Erde“ versteht – erst dann haben wir eine echte Chance. Denn ein solches Parallelsystem ist mit jeder einzelnen seiner Variablen vom alten, tödlichen System so weit entfernt, dass es wie Alberichs Tarnkappe wirkt. Wir werden so gut wie unsichtbar bzw. werden – selbst, wenn sie uns vom Kopf gerissen wird – nicht ernst genommen.

„Mitwelt“ als Denkgrundlage

Aber, wirst du dich jetzt vielleicht oder hoffentlich fragen: Wie war das noch mal mit dieser eingangs erwähnten „besonderen Wahrnehmung der Welt“, mit diesem Wolkenkuckucksheim? Was hat das alles mit Widerstand zu tun? Mehr als du denkst. Denn das ist kein Traumzustand, sondern eine ganz andere, erweiterte, intensivere Form von Wachheit, in der wir rechnen und schreiben, arbeiten und programmieren können, nur stärker und unbegrenzter als sonst, weil wir mehr, ja ganz bei uns sind. Es ist ein Zustand, in dem wir nicht mehr kämpfen müssen, sondern in dem sich die Dinge fügen. Und ein Zustand, in dem wir wirklich lieben und ganz sein können für das große Fernziel. Denn ohne die Vision einer nicht nur besseren, sondern tatsächlich guten Welt, in der der Begriff der „Mitwelt“ nicht Fremdwort, sondern Denkgrundlage ist, geht uns seelisch schnell die Luft aus. Aber selbst Mitmenschen, denen Bruder Maulwurf, Cousin Sperling oder Großvater Wal fremdes Gedankengut ist, können ja vielleicht mit Schillers „Alle Menschen werden Brüder“ etwas anfangen. Solange wir nicht diesen großen Traum zu träumen wagen, bleibt alles andere Illusion.

Bild: pixabay.de

Wahlfreiheit wirkt auf unsere Lebenswelten

Peter vom Zürichsee

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Wir sehen «Menschlichkeit» gerne als erstrebenswertes «Gut-miteinander-sein-und-
umgehen». Dazu gehört z.B., sich empathisch, ehrlich, respektvoll, hilfsbereit, achtend,
würdigend und verantwortungsvoll zu verhalten. Menschlich sind auch unsere
Schattenseiten. «Ich bin halt auch nur ein Mensch» wird gerne als Rechtfertigung für
allerlei Gewaltanwendungen benutzt. «Irren ist menschlich»… Es ist Zeit, offen und
grundlegend zu überdenken, was «Menschlichkeit» in unseren Lebenswelten bedeutet.
Mir bewusst zu sein: Welche Art von Menschlichkeit möchte ich selbst leben?

Überall lauert auch Unmenschliches

Unterschwellige, kaum als Gewalt bemerkte Formen sind möglich – und weit verbreitet.
Das folgende Beispiel mag dich überraschen – was könnte da dran sein?
Gewaltfreie Kommunikation (GFK, nach Marshall B. Rosenberg) ist hoch im Kurs. Sobald
der Anspruch im Raum steht, dass «wir alle GFK anwenden müssen und alles wird gut –
wir wissen, wie das geht (du hast es halt noch nicht verstanden oder hast noch
Übungsbedarf)», empfinde ich das als übergriffig – dann wird mir schwindlig. An mir ist
etwas nicht gut. Mein Gegenüber will, dass ich im GFK-Stil kommuniziere.
Um hier möglicherweise aufkommende Missverständnisse zu klären: Ich finde GFK eine
gute Sache – manchmal echt hilfreich. Als Rezept in allen zwischenmenschlichen
Situationen, verbunden mit der Erwartung, es stets und ständig gekonnt anzuwenden, wird
es missverstanden und zum Dogma, zur Kommunikations-Religion. Das entfremdet, statt
zu verbinden. Das Erfüllen der Erwartungen und Vorstellungen anderer, auch meiner
Eigenen, fühlt sich für mich als «übergestülpte Kommunikationsregel» an. Als Form eines
Versuchs, sich einem Konzept unterwerfen zu müssen, (und alles werde gut). Eine Form
von Gewalt, die wir meistens übersehen.

* * * * *

Pure Gewalt und Zerstörung bewirkt in den aktuellen Kriegen unendlich viel Leid,
Schmerz, Tod und gigantische Mitweltverschmutzungen. Kriegerische Angriffe und
Übergriffe werden oft als unmenschlich bezeichnet. Wir versuchen mit diesem «un»-
Wortzusatz, unerwünschte menschliche Handlungen von uns selbst fernzuhalten und zu
verdrängen. «Dein Verhalten ist unmöglich!» «Das kannst du unmöglich machen!».
Es gibt nicht nur unangebrachte und unsinnige Verhaltensweisen, Streitereien und Kriege,
sondern auch heimische Pflanzen, die wir «unbedingt» weghaben wollen in unseren
Gärten: unbeliebte Unkräuter. Gegen die wir Krieg führen, auch mit Chemiewaffen.
Im wirtschaftlichen Wettbewerb gibt es von unlauterem Marktgebaren und
unwirtschaftlichen Märkten bis zu ungeliebten Mitbewerbern und Konkurrenten ebenfalls
Formen des Kämpfens und Bekämpfens. Unmengen von industriellen Erzeugnissen
überschwemmen unseren Planeten, hinterlassen sehr viel mehr giftige als ungiftige
Verschmutzungen.

Politisch hören wir öfters «Unwörter» wie: «Diese Ideologie muss bekämpft werden!» «Wir
brauchen unideologische Lösungen!». Solches verkünden interessanterweise meist die
Exponenten jener Parteien, die selbst nur so strotzen vor ideologischen Überzeugungen
und Selbstüberhöhungen. Politische Machtgelüste führen zu verbaler Gewalt und
Essay «Ein A bis Z der Menschlichkeit?» © by Peter Wyler, CH-8707 Uetikon, 1. April 2026. Seite 2 von 15
Populismus, zum Kampf gegen andere Parteien und Andersdenkende. Während es mir
leichtfällt, Fehlverhalten und Überzeugungen anderer aufs Korn zu nehmen und
manchmal auch anzugreifen, übersehe ich bei mir selbst, dass ich dies und das felsenfest
glaube und als absolut notwendig betrachte – und damit die Deutungshoheit für mich in
Anspruch nehme. Dass ich zu wissen glaube, was richtig und falsch ist. Dass ich mich
richtig verhalte. Dass ich weiss, worauf es ankommt. Dass ich über andere urteile und sie
bewerte. Andere verurteile und insgeheim ablehne.

Auch ich bin eingeladen, die Auswirkungen der Art(en) meiner frei wählbaren
Menschlichkeit auf «meine» und andere Lebenswelten tiefer zu ergründen und zu
überdenken.

Facetten der Menschlichkeit von A bis Z
in zwei entgegengesetzte Richtungen

Unsere Lebenswelten sind voller Widersprüche. Keinesfalls geht es darum, diese als
richtig oder falsch zu klassieren. Es macht Sinn, uns bewusst mit folgenden Fragen in
Ruhe zu vertiefen:

  • Welche menschlichen Eigenschaften sowie Denk- und Verhaltensweisen entfalten welche Wirkungen?
  • Welche Art von Menschlichkeit will ich leben und möchte ich durch mich gedeihen lassen?
  • Welche Arten der Menschlichkeit wollen wir gemeinsam leben?

An den Wirkungen erkennen wir, ob es zunehmend in Richtung von lebensdienlicher
Mitgestaltung, zu einem einander näherbringenden, gesundenden WIR geht. Oder mehr in
Richtung von lebensfeindlichen, trennenden, ausbeuterischen, unterdrückenden,
verwirrenden bis zerstörerischen Verhaltensweisen.

So zeigen sich die «Pole» der Menschlichkeit, die wesentlich für deren Auswirkungen in
unseren Lebenswelten sind:

Lebensförderndes / lebensdienliches / heilsam wirkendes / uns nährend verbindendes
Menschsein & Tun. Der aufwärts zeigende grüne Pfeil symbolisiert das Aufbauende,
gesundend und erstarkend Gedeihende.

Lebensfeindliches / toxisch wirkendes / krankmachendes / uns trennendes
Menschsein & Tun. Der abwärts zeigende graue Pfeil symbolisiert das Abbauende,
gesellschaftlich wie persönlich Schwächende und Lebensgefährdende.

 

Mein Herz schlägt für
unsere lebensdienliche, nährende,
heilende Menschlichkeit.

In diesem anregenden «A-Z der menschlichen Facetten» sind beim aufwärts zeigenden
grünen Pfeil einige «lebensdienliche» Perspektiven und neben dem abwärts gerichteten
grauen Pfeil einige «lebensfeindliche» Aspekte in Beispielen beschrieben.
Dies ist eine persönliche und zugleich universelle Auswahl wesentlicher Menschlichkeits-
Aspekte.
Du kennst sicher viele weitere davon – aus deinen eigenen Erfahrungen, Beobachtungen
und Einschätzungen. Wobei es sinnvoll ist, zu bemerken, dass Einschätzungen oft auch
Bewertungen oder Hypothesen sind.

In Ergänzung des Textes, das in der Digitalzeitung DAS BLATT, Ausgabe April 2026
erschienen ist, findest du hier Zugang zu weiteren gewichtigen Aspekten der
Menschlichkeit.

A

aufeinander zugehen • sich selbst und einander annehmen • artgerecht mit allen
Lebewesen, auch uns und unseren Kindern, umgehen • Andersartigkeit annehmen und
integrieren • achtsam den Wundern des Lebens begegnen • Ängste annehmen,
anerkennen und ihnen zuhören > frei werden für das Hier und Jetzt • Autonomie > mein
Leben gestalten und selbst wählen können • aufeinander achten > auch auf das
Autonomiebedürfnis der anderen …

ablehnend sein • einander abweisen • angreifen • anschuldigen • abwerten •
aussenvorlassen • Andersartigkeit ablehnen • Andersdenkende aussortieren •
Ängstlichkeit > in vielem und von vielen sich bedroht fühlen • Ausgrenzung • auslachen •
Ausbeuten unseres Planeten und seiner Lebewesen • verbale und psychische / soziale
Aggressionen, auch passiv-aggressives Verhalten …

B

Bereitsein für das, was es hier und jetzt braucht • behutsam im Umgang mit allem
Leben und unserem Planeten sein • Bewusstheit für eigenes Fühlen und Tun • Brücken
bauen und Verbindungen zueinander pflegen • sich begeistern für sinnreiches Wirken •
beflügelnd einander inspirieren und unterstützen • bedürfnisbewusst sein • berührend
einander begegnen • in wahrhaftigen Begegnungsräumen einander auf Augenhöhe
erleben • analog gelebte, verbindende, nährende Begegnungen• Begabungen und
Berufung leben > innerste Herzenswünsche sinnhaft einbringen, Essay zum Thema
«Gaben» (2) …

Brutalität anderen und sich selbst gegenüber • Bedürftigkeit >sich von anderen abhängig
machen • über andere bestimmen • von oben herab belehren und besserwissen •
Besitz aneignen zulasten anderer • sich selbst und andere bewerten und vergleichen •
etwas Besonderes sein wollen • Bedürfnisse übergehen • bemitleiden •
Bedingungen stellen • betrügen > das Vertrauen fundamental missbrauchen • beschämen
> die Identität anderer angreifen (Essay zum Thema «Scham» (3) …

C

Couragiertes, mutiges, aktives, lebensdienliches Tun im Alltag • Collaboration >
wirklich zusammenarbeiten und einander unterstützen • Charakterstärke zeigen …

Chancen ignorieren > verpassen und verstreichen lassen • Chaos verbreiten > chaotisch
sein • Coolness > meine Gefühle, Missstände und Unsicherheiten überspielen •
Charakterlosigkeit oder -schwäche • Chauvinismus > zur Schau gestelltes,
herabsetzendes Überlegenheits-Getue gegenüber anderen • cholerisch sein >
unkontrollierte Wutausbrüche über anderen «ausgiessen» • Co-Abhängigkeit > emotionale
Verstrickung, die destruktive und ungesunde Dynamiken etabliert …

D

Dialogbereitschaft und -fähigkeit • Dankbarkeit > bewusst wertschätzen • Deeskalation >
Spannungen beruhigen statt anheizen • dienen im Sinne des Ganzen, ohne sich selbst zu
verlieren • Demut > anstatt sich stolz über andere zu stellen • Dazugehörigkeit schenken >
andere sind willkommen …

demütigen • drohen • doppelmoralisches Verhalten • Du-Botschaften > beratschlagen,
erwarten, übergriffiges Gutmeinen • Distanz halten > Beziehungsentzug •
Dominanzverhalten • digitale, trennende, künstliche Welt bevorzugen • denunzieren >
andere gezielt anschwärzen …

E

Empathie > Einfühlungsvermögen • einladen und ermutigen zur Transformation • effektive
Entwicklung > sich aus bestehenden Verwicklungen lösen und so frei werden •
Eingeständnis meiner Unzulänglichkeiten und Unterlassungen • Einsicht > reflektierendes
Selbstwahrnehmen und -Verständnis • emotional zugänglich sein • Ehrlichkeit •
Eigenverantwortlich sein • Ehrfurcht vor dem Leben spüren > es staunend und dankbar
annehmen • ermöglichen, was es hier und jetzt zum Gemeinwohl braucht •
Erdverbundenheit spüren …

ICH-zentrierter Egoismus > um eigene Vorteile bedacht • emotionale Abschottung und
Kälte (und das gar als emotionale Kompetenz und «professionellen Umgang mit
Emotionen» preisen) • emotionale Erpressung • Empathielosigkeit • Entwertung > andere
entwürdigen, entblössen und kleinmachen • Eifersucht > Misstrauen und zwanghaftes
Kontrollieren …

F

Freiheit meiner Spielräume nutzen und entfalten, ohne andere in ihrer Freiheit
einzuschränken oder sie zu gefährden • Fülle > das Geschenk des Lebens voller
Möglichkeiten sehen, anerkennen und annehmen • Fühlen, Feingefühl > wir sind fühlende
Wesen • friedlich sein • freundlich mit mir und anderen sein • fördern > Wesentliches
ermöglichen helfen • flexibel sein > sich achtsam Veränderungen stellen • Freude aus dem
Herzen leben • Fairness > respektvoll und gerecht handeln …

Fake > Falschinformationen verwirren und fördern die Ignoranz • Feindseligkeit •
Falschheit > so-tun-als-ob-Täuschung • Frustrations-Abladung auf andere • Fatalismus >
«Es bringt eh nichts, also können wir es gleich bleiben lassen!» • Fremdbestimmung >
andere nach meiner Pfeife tanzen und meine Vorstellungen erfüllen lassen und damit ihre
Autonomie aberkennen …

G

Gemeinwohl-dienlich handeln und wirken • Gewahrsein • «gwundrig sein*» > offen für
Wunder (*Schweizerdeutsch für neugierig sein) • nährende Gemeinschaft fördern > zu
Zusammenhalt und Verbundenheit beitragen • zum Gelingen der nötigen Veränderungen
beitragen • Ganzheitlichkeit > zum Wohl von Körper, Geist, Seele und dem WIR • Gnade
spüren …

Gleichgültigkeit > Interesselosigkeit sich selbst und anderen / anderem gegenüber •
Geringschätzung > Qualitäten und das Wesen übersehen und übergehen • gaslighting
gezieltes Irritieren und Verunsichern der Wahrnehmung • grollen > Festhalten an starker
Unzufriedenheit oder Ärger gegenüber einer Person, einer Gruppe oder einer Situation •
Grenzüberschreitungen > Grenzen bei sich selbst und anderen missachten •
Gruppendruck und -manipulation …

H

herzverbunden, aus dem Herzen heraus lebend • Hingabe > sich liebevoll und achtsam
zuwenden: meinen Herzenswünschen, dem was ich tue, ebenso anderen Menschen
und unserem Planeten • in mich hineinlauschen > entdecken, was durch mich gelebt
werden möchte • Herzenswärme > sich selbst und anderen mit echter innerer Wärme und
Zuneigung begegnen • Hilfsbereitschaft > beitragen, ohne zu zögern • Humanität >
menschliches Verständnis pflegen • heilsam wirken > für innere und äussere Trans-
formation • meine Haltung erweitern, siehe gleichnamiges Buch von Martin Permantier (4)

Hass > abgrundtiefe Ablehnung • Herablassung > andere von oben herab behandeln •
Heuchelei > unechtes, doppelbödiges Einlullen • Hilflosigkeit inszenieren > manipulatives
Sich-Als-Opfer-Darstellen • Hinterhältigkeit > verdeckte und perfide Angriffe und
Verhaltensweisen • an meiner Haltung um jeden Preis festhalten …

I

Integrität, integrierend wirken > im Einklang mit mir und unserem Planeten Ich-
Botschaften > ohne Vorwurf oder Bewertung offenlegen, wie ich mich fühle, was es mit mir
macht, was für mich wesentlich ist Ich-Verbundenheit > mit meinem Innersten verbunden
sein Innigkeit > tiefe innere Verbundenheit spüren und teilen Inspirationen schenken >
inspirierenden Austausch pflegen echtes Interesse zeigen > mich aufrichtig für andere
öffnen achtsame Impulse geben > Entwicklung liebevoll anregen Ideen teilen > kreativ
und verbindend wirken inneres Gleichgewicht fördern > sich selbst treu sein …

 

Ignorieren / Ausblenden > Nicht-Wahrnehmen von sich selbst und anderen; sich der
Begegnung entziehen Instrumentalisierung > Mitmenschen, Lebewesen und den

Planeten als Mittel benutzen und ausbeuten Intoleranz > Ablehnung und Abwertung von

Unterschiedlichkeiten Ironie > wird oft missverstanden und kippt schnell unbemerkt in

verletzenden Sarkasmus und Zynismus Ich-kenne-dich-Irrtum > wie soll das möglich
sein, wenn ich nicht mal mich selbst wirklich kenne? …

J

Ja zum Leben im Hier und Jetzt sein «Du bist ein Juwel» > Mitmenschen als kostbar,
einzigartig, hilfreich oder liebenswert würdigen Jugendlichkeit bewahren > offen,
gwundrig (neugierig) und lebensfroh bleiben jederzeit zugänglich sein > für tiefes
Zuhören, Anteilnehmen und Unterstützen präsent sowie verlässlich sein, ohne sich
aufzudrängen justieren > einstellen/ einregulieren, sich neu ausrichten, uns
untereinander fein abstimmen Jubel geniessen > Freude gemeinsam erleben und feiern –
dies keinesfalls auf Kosten anderer jedes Leben achten > es als Teil des Ganzen
annehmen …
Jähzorn > explodierende Wutausbrüche öfters jammern > Mitmenschen als
«Mistkübel» für Probleme missbrauchen und sie damit emotional stark belasten

jemanden Kleinhalten und Kleinmachen > angewendete psychische Gewalt oder

Manipulation, welche das Selbstwertgefühl des Opfers untergräbt …

K

Konflikt(bereitschaft und -fähigkeit) als Lebenskunst; Essay zum Thema Konflikt (5) •
Kontakte pflegen > offen, freundlich und interessiert auf andere zugehen klar werden

und sein (Essay zum Thema Klarheit (6) • kybernetisches Verständnis > Systeme wie

unseren Planeten, Organisationen, Gesellschaften, Maschinen, oder auch uns selbst, als

vernetzte, rückgekoppelte Prozesse betrachten, um dynamische, gesunde, sich selbst

regulierenden Systeme zu fördern Kreativität > neue Perspektiven und Möglichkeiten

öffnend, Unterschiede und Vielfalt als Ressource nutzend und die kollektive Intelligenz

stärkend • Kulturgut nachhaltig erschaffen > dauerhafte Anregung, Verbindung und

Orientierung zum Wesentlichen und Kostbaren erhalten Kompass des Herzens > inneren

Werten und Intentionen achtsam folgen mit meinem Inneren Kind verbunden sein >
bewusst Selbst-Mitgefühl und Lebendigkeit pflegen, staunend und offen sein • 
Kontemplation – achtsam, still und innehaltend das Leben und Geschenk des Lebens
reflektieren …
Konfliktverdrängung Kampf und Streitereien – Kriege > massive Zerstörungen, Leiden,
Tod und Verluste, mit oft negativen Veränderungen von Machtstrukturen, kriegerisch-
technologisch beschleunigter Aufrüstung sowie langfristigen ökologischen,
psychologischen, sozialen und kulturellen Folgen Kränkung > durch Beschämung oder
«links-liegen-lassen» Kontrolldrang > andere kontrollieren und steuern wollen
Konkurrenzdenken (oft toxisch), anstatt Kooperation emotionale Kälte > Bindungen
frieren ein …

L

Liebe, liebevolles Begegnen in mir und dir Landwirtschaft nachhaltig und giftfrei
Lösungsbewusstsein > sich von Problemen lösen Lösungsbereitschaft Lernbereitschaft
liebevolle Selbstführung Lebendigkeit > schenkt im Zwischenmenschlichen mehr
Potenzial für Tiefe, Verbundenheit, Frische und Entfaltung Lebensfreude und Lebenslust
> achtsam entdecken, geniessen und teilen lichtvoll leben > Zuversicht, Inspiration und
Lebenswärme ausstrahlen lachen > Freude und Leichtigkeit versprühen loslassen >
Anhaftendes, Groll und Unstimmigkeiten gehen lassen …

 

Lobbying > aus Eigeninteresse, zulasten anderer Land-Misswirtschaft > vergiftende und
damit lebensverachtende Landwirtschaft mit Kunstdüngern, Herbiziden, Halmverkürzern
und Pestiziden sowie mit bodenverdichtenden Agro-Maschinen (Traktoren usw).

lebensgefährdende Produktionsmethoden mit Chemie, Maschinen, Kunststoffen sowie
Einsatz fossiler Energieträger Lügen > mich selbst und andere belügen und täuschen

lächerlich machen > demütigen und entwürdigen lästern > abwerten und Abwesende
schlechtmachen natürliche Loyalität brechen > Zugehörigkeit verleugnen und Vertrauen
zerstören Leid schaffen > Machtmissbrauch, Gewalt jeglicher Art und Bindungsabbruch,
Projektionen und Beschuldigungen …

M

Mensch sein, als kreativer Gestalter Miteinander > gemeinsam Kreieren und Wirken in
Möglichkeiten denken mitfühlen Mitverantwortlichkeit leben Mut, zu meinem Innersten
zu stehen > das Leben annehmen, verletzlich und authentisch sein meine Menschlichkeit
aufbauend entfalten und leben Meditation > innere Ruhe, Zentrierung und Verbundenheit
finden Meisterschaft im Jetzt > ganz im Hier und Jetzt leben und wirken, Essay dazu (7) •
Magie des Moments > das Wunder und die Schönheit des Augenblicks spüren …
Mensch als Maschine > funktionale Leistungserfüller für die industrialisierte Welt und
deren Leistungsglauben; Bildung ist auf Leistung ausgerichtet, auf das Funktionieren für
das System Mangelbewusstsein > sich im Mangel fühlen in Massen produzieren
Monokulturen anlegen > Krankheitsanfälligkeiten mit negativen Folgemassnahmen
«behandeln» manipulieren > andere damit verdeckt beeinflussen, oft durch
Angstmacherei und Druckausübung Missgunst > anderen nichts gönnen und sie
beneiden Mobbing > systematisches ausgrenzen und schlechtmachen
Machtmissbrauch > ausnutzen der eigenen Position zulasten der darunter Leidenden
chronisches Misstrauen > Beziehungen vergiften und so den Boden entziehen …

N

nützlich sein, sich im Sinne von «lebensdienlich» nützlich machen; gutes und sinnreiches
Tun, das anderen und der Gemeinschaft hilft und Freude bringt Natürlichkeit Nachsicht
> anderen Fehler oder Schwächen vergeben • nahbar sein > emotional und achtsam
zugänglich sein …
Ein «Narzisstischer Eisberg» sein > das einander wirklich begegnen verunmöglichen,
wegen schleichender Selbstbezogenheit mit eingefrorenen Gefühlen im
zwischenmenschlichen Umgang nörgeln > an allem Herummäkeln • neidisch sein >
Missgunst gegenüber anderen durch Vergleichen und sich im Nachteil betrachten
nachtragend sein > an alten Konflikten festhalten oder kleben bleiben / «anhaften»
Neinsager > jegliche Entwicklung und andere Meinungen abwehren prägende Narrative
> angeblich sinnstiftende Erzählmuster, die als Geschichten unser Fühlen, Denken und
Handeln oft unbewusst beeinflussen sowie emotional aufladen, und unser Verhalten damit
manipulativ steuern können …

O

offen sein für sich und das WIR • Organisationstalent > konstruktiv-harmonische Vorhaben
ermöglichen, in denen alle achtsam integriert sind • Ökonomie der Menschlichkeit >
«Gemeinwohl-Ökonomie», das Wirtschaften für das Wohl aller, auch für unseren Planeten
• Orientierung geben > gemeinsame Klärung zum gemeinsamen Unterwegssein
Ordnung schaffen > Klarheit, Überblick und Strukturen für sich selbst und das
gemeinsame Leben pflegen • Oasen bewusst pflegen > persönliche und gemeinsame
Räume der Ruhe, Geborgenheit und des Angenommenseins pflegen …
In Ohnmachtsgefühlen blockiert sein > in unbewusster Hilf- und Sinnlosigkeit
steckenbleiben • Oberflächlichkeit > fehlende tiefe Verbindung • Opferrolle «spielen» >
Selbstbemitleidung, und anderen die Schuld geben und sie manipulieren
Obrigkeitsglauben > weitgehendes Fehlen von Reflexion und gesundem Hinterfragen, was
eine scheinbare Ordnung schafft sowie kritisches Denken und echtes Mitgestalten massiv
schwächt …

P

Passion und freie Potenzialentfaltung • Präsenz > präsent sein – psychische und
physische Gesundheit • Prägungen und Konditionierungen aus der Kindheit aufdecken
und loslassen > frei sein für das Hier und Jetzt • Perspektiven- und Paradigmenwechsel >
offen sein für andere Blickwinkel und Lösungsmöglichkeiten, als die bislang verbreiteten
Narrative und Überzeugungen suggerieren • Praktizierbarkeit fördern > gemeinsam
lebbare Möglichkeiten ausprobieren und praktisch anwenden • Poesie des Lebens >
Schönheit, Wunder und Feinfühligkeit im Alltag • proaktiv sein > vorausblickend selbst-
und gemeinwohlverantwortlich gute Lösungen finden, stets einen Schritt auf persönliche
und gesellschaftliche Herausforderungen zugehen …
Problembewusstsein > in Problemen verwickelt sein und bleiben • passiv-aggressives
Verhalten > von verdeckter Feindseligkeit bis zu verdecktem Narzissmus • Projektionen >
eigene Unzulänglichkeiten, Gefühle, Überzeugungen und Fehler anderen «überstülpen»
provozieren > unterschwelliges bis gezieltes Schüren des Konflikts, bis zur Eskalation
chronischer Pessimismus > destruktive bis toxisch-negative Grundhaltung …

Q

Quelle der Ruhe und des Friedens sein • Querdenken im konstruktiven Sinn > acht- und
einfühlsam neue Lösungswege finden • querverbinden > Netzwerke und Brücken bauen
zwischen dem Planeten und allem Leben, inkl. Menschen, Ideen und Kulturen
Qualitätsbewusstsein > nachhaltiges Leben achtsam fördern • Quintessenz leben >
Wesentliches achtsam erkennen, sich dessen bewusstwerden und danach handeln …
Querulant sein > hartnäckiges, unangemessenes und übersteigertes, reflexartiges bis
zwanghaftes Anklagen, Kritisieren und Infragestellen krankhaftes Querdenken >
zermürbendes Angreifen und Infragestellen von Mehrheitsmeinungen, etablierten
Sichtweisen und «Vorgesetzten», oft als «reflexartiges» Widersprechen und Anklagen …

R

Reflexionskultur > einander offen und respektvoll Feedback geben, ohne zu bewerten
Resilienz fördern > stärkt die psychischen, emotionalen, sozialen und körperlichen
Fähigkeiten, mit Stress, Krisen und Belastungen gesund umzugehen Respektvoll sein >
andere mit ihrer Andersartigkeit achten, mit ihren Grenzen • Rücksicht nehmen > achtsam
und sensibel mit sich und anderen umgehen • Regeneration > sich selbst, anderen und
dem Planeten mit seinen Ressourcen Erholung erlauben und ermöglichen «richtig»
handeln > im Sinne meines eigenen Tuns, das mit meinen innersten Herzenswünschen
übereinstimmt (kongruent sein) mit Ressourcen ausbeutungsfrei umgehen und sie teilen
> Zeit, Wissen oder materielle Mittel bewusst sorgfältig und nachhaltig einsetzen …
Revolution > Revolte: bestehende Machtstrukturen werden herausfordert, ihre Macht
heftig angegriffen, was oft blutig verläuft, weil Privilegien und Kontrolle kompromisslos
verteidigt werden. Auch bei nicht-blutigen Aufständen geht meist «sehr viel Geschirr
kaputt» • Rechthaberei > fehlender Raum für andere Sichtweisen und Erfahrungen, oft
verknüpft mit dem Anspruch auf Deutungshoheit, was richtig und falsch ist • Rache > der
Drang, empfundenes Unrecht zu vergelten, oft begleitet von Groll und hinterhältigem
Verhalten • Rücksichtslosigkeit > schonungsloses Durchsetzen der Eigeninteressen, mit
Ignorieren der Bedürfnisse anderer • Radikalisierung > zunehmend extremer werdendes,
oft intolerantes und aggressives Verhalten gegenüber Andersdenkenden …

S

Sinn und Sinnlichkeit > Sinn öffnet den Blick für die Richtung meines Lebens, wobei mich
meine Sinnlichkeit jeden Moment voller Lebendigkeit spüren lässt Sinnhaftigkeit > unsere
Taten mit innerer Tiefe und mit allem Wesentlichen verweben Spielfreunde und
spielerische Leichtigkeit > belebt den Geist, stärkt Bindungen, fördert Kreativität und
Lebendigkeit Sicherheit systemisches Verständnis > wirkt als zwischenmenschlich
fruchtbarer Boden synergetisches Bewusstsein > Verständnis von Win-Win für alle
Selbstliebe > mich selbst wertschätzen und selbstfürsorglich sein solidarisch sein >
anderen beistehen und gemeinsame Verantwortung übernehmen Stärke > mit innerer
Kraft die sich zeigenden Herausforderungen anpacken und meistern Selbstreflexion >
das eigene Fühlen, Sein, Denken und Handeln bewusst betrachten und spiegeln
Seelenverbindung > inneren Frieden pflegen und ausstrahlen Spiritualität > sich den
Sinn- und Lebensfragen öffnen sowie Verbundensein mit anderen, der Natur oder dem
Universum pflegen schenken > mit Liebe, Achtsamkeit, Präsenz und Hingabe für sich
und andere ein Präsent sein Selbstvertrauen > die eigenen Intentionen, Begabungen und
Fähigkeiten annehmen, würdigen und Leben zwischenmenschliche Sicherheit > schenkt
Vertrauen und Nähe, lässt Offenheit und Gelassenheit wachsen, schafft Raum für
tieferwerdende Verbundenheit, gesunde Entwicklung und Entfaltung …
Schmollen > sich-gekränkt-Fühlen und andere wie Luft behandeln Sarkasmus > wirkt
spitz, spöttisch, entwertend und verletzend, belastet Beziehungen, erzeugt
Missverständnisse und verschleiert Kritik sowie Abschätzigkeit • Schuldzuweisungen >
abschieben der (Mit)Verantwortung siehe auch Beschämung, Kränkung • schweigen >
als Folge von innerer Unsicherheit vertuschen, absichtlich bestrafen, andere im
Ungewissen lassen oder absichtlich verwirren; was sich häufig als Projektion, Vorwurf,
Angriff oder Rückzug zeigt • Selbstgerechtigkeit zelebrieren > moralische Überlegenheit
zeigen • sticheln > kleine, fiese, wiederholte, verbale Angriffe …

T

tolerant sein > sich selbst und anderen annehmend begegnen Traumata bewusst
aufdecken, durchfühlen und loslassen > frei für das Hier und Jetzt sein natürliche Treue
> beständig und verlässlich in Begegnungen und Werten sein • Teilhabe > einander
einbeziehen, zuhören, respektieren und aktiv beteiligen; im Austausch, beim Finden von
Lösungswegen und im gemeinsamen Wirken • Trost spenden / trösten > einfühlsames
Anteilnehmen an Gefühlen und schweren Situationen anderer • Transparenz >
unaufgefordert offen und ehrlich sagen (und dokumentieren/darstellen), was ist • Talente
aufleben lassen > Neigungen und Gaben erkennen und zu Fähigkeiten / kraftvollen
Ressourcen entfalten; Essay zum Thema «Gaben» (2) • Tatkraft > nicht Worte, sondern
Taten Einladung zur ganzheitlichen Transformation > Verwandlung zu gesundem
Selbstbewusstsein, Mitgefühl, nachhaltig regenerierendem Handeln und wohltuender
Verbundenheit mit anderen und der Welt …
Täuschung > bewusste Irreführung absichtliche Taktlosigkeit > fehlendes Feingefühl,
wobei es oft darum geht, Aufmerksamkeit zu erzwingen, Macht zu demonstrieren oder
andere zu provozieren, und damit zu verletzen und zu brüskieren • Tyrannei > dominantes
Unterdrücken • Tratschen > meist wertendes, ungeprüftes Weitererzählen von
Informationen oder Gerüchten und Halbwahrheiten über andere • Trivalisieren >
Kleinreden, Situationen und Probleme oder Gefühle herunterspielen (eigene und die
anderer) • Theatralisieren > übertriebenes Dramatisieren, um damit zu manipulieren oder
Aufmerksamkeit zu erheischen …

U

Urvertrauen > tiefes Vertrauen ins Leben, zu sich selbst und zu anderen spüren
unbeschwert sein und leben > leicht, spielerisch, gelassen und weitend umweltschonend
arbeiten und leben • umsichtig sein > achtsam, erforschend, integrierend und ganzheitlich
• unvoreingenommen sein > Vorurteile weglassen und offen auf andere zugehen
umsorgen > liebevoll begleiten und betreuen, soweit dies gewünscht ist • Universal-
Bewusstsein > achtsames Erleben tiefer Verbundenheit mit allem • Umarmung schenken >
achtsam-zärtliche Nähe, Wärme und Annahme schenken …
Übergriffig sein > die körperlichen, verbalen oder emotionalen Grenzen anderer
missachten oder überschreiten • unehrlich sein > verzerren, verschweigen oder
verfälschen der Wahrheit / Realität, sich selbst und anderen gegenüber • unterdrücken >
andere und sich selbst in der Freiheit, Entfaltung oder Selbstbestimmung einschränken,
durch Druckmachen, Kontrolle, Ausbeutung, ungeduldig sein usw. …

V

Vernetzt Denken und Fühlen, Frederic Vester (8) > Zusammenhänge ganzheitlich
ergründen und erkennen, Wechselwirkungen verstehen lernen, dadurch lebensdienlich
sowie nachhaltig handeln • Vielfalt > natürlicher Reichtum, schafft Stabilität
Verbundenheit > die nährend und wohltuend wirkt; Essay «Welche Verbundenheit …?» (9)
• vergeben > alten Schmerz und Groll befreien, anderen vergeben und Heilung
ermöglichen • Verständnis aufbauen > ! Verständnis heisst NICHT Einverständnis !,
anderen (und sich selbst) offen begegnen, zuhören, die Situationen und Gefühle
nachvollziehen können • Versöhnung > sich mit sich selbst und anderen Menschen
aussprechen, Vergangenes annehmen sowie inneren und zwischenmenschlichen Frieden
finden • Vision > Orientierung, Sinnhaftigkeit und einen gemeinsamen Weg für sich selbst
und gemeinsam finden und leben • Vitalität stärken > Energie spüren, Lebensfreude
entfalten und die eigene Lebenskraft voller Schwung leben • Verträglichkeit fördern >
harmonischer und integrierender miteinander umgehen …
Verwickelt und gefangen in Systemen sowie meinen Überzeugungen und Prägungen >
bewirkt eingeschränkte Wahrnehmung, konditioniertes Verhalten, reduzierte
Selbstbestimmung, emotionale Belastungen und beeinträchtigte Beziehungen
Verdrängung (oft unbewusst) > weggedrückte Gefühle und Herausforderungen erzeugen
Druck Verschlossenheit gegenüber meinem und deinem Inneren > erzeugt emotionale
Distanz, erschwert Selbst- und Fremderkenntnis und blockiert offene, authentische
Beziehungen und Begegnungen Verleugnung meiner Unzulänglichkeiten und
Unterlassungen > verzerrte Selbstwahrnehmung andere psychisch verletzen > Schmerz
zufügen, was Vertrauen und Verbundenheit zerstört …

W

Wesentlich sein > als fühlende Lebewesen das Wesentliche ergründen und leben
Wahrheit und Authentizität leben Wiederverbindung, Interbeing nach Charles Eisenstein
(10) > erkennen, dass alles Leben verbunden ist; daraus mit Mitgefühl, Achtsamkeit und
Verantwortungsbewusstsein gemeinsam im Sinne des Ganzen handeln Wunder achten
und lieben > Die Schönheit und Magie des Lebens im Alltag wahrnehmen und würdigen
Wohlbefinden fördern > das körperliche, emotionale und seelische Gleichgewicht bewusst
pflegen …
Wichtig > übergewichten und dabei oft das Wesentliche übersehen Wirtschaftsdiener und
-sklave Homo sapiens (ssp. oekonomikus) > der Mensch hat der Wirtschaft zu dienen und
zerstört damit Leben und die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten (Hauptsache, die
Wirtschaft wächst, egal wieviel das alles zerstört!), anstatt dass die Wirtschaft primär den
Menschen und dem Planeten dient! Wissensmissbrauch > zerstört Vertrauen, belastet
die Glaubwürdigkeit in Beziehungen und löst einen Teufelskreis von Misstrauen und
Abwehr aus • Warten, und weiter hoffen? Essay (11) • Wortbruch > Störungen des
Vertrauens und der Verlässlichkeit toxisches Wettbebewerbsdenken und nacheifern >
gegeneinander um jeden Preis, anstatt miteinander • Wut > destruktive Gefühlsausbrüche
bewirken Spannungen, blockieren klares Denken sowie konstruktives Handeln und
beschädigen Beziehungen …

X

Xenophilie > die positive Grundhaltung oder Anziehung gegenüber dem Fremden,
Andersartigen oder Unbekannten (also das Gegenteil von Xenophobie) • Xenodochie >
Fürsorge für Gäste, Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft …
Xenophobie > Angst und Feindseligkeit gegenüber dem Fremden und Unbekannten,
Andersartigen …

Y

Yin und Yang > dynamisches Wechselspiel und harmonische Ergänzung von
Gegensätzen, die aufeinander angewiesen sind Die Ypsilon-Perspektive des
menschlichen Daseins ist eine wertvolle Metapher für das Stehen an einer Weggabelung,
an der sich Wahlmöglichkeiten verzweigen und der eigene Weg durch inneres
Bewusstsein ausgerichtet wird • Yoga > praktische Arbeit mit Körper, Atem und Geist –
verbunden mit dem eigenen Wesen und dem universellen Bewusstsein; zur Förderung
von Balance und Wohlbefinden …
Yin-und-Yang-Störung > bewirkt körperliche, emotionale und mentale Unausgewogenheit,
blockiert den Energiefluss und stört innere Harmonie sowie die Verbundenheit mit sich
selbst und anderen …

Z

Zuhören > einander einfach und wirklich tief zuhören wie Momo Zuneigung und
Zuwendung > fördert Sympathie und herzliches Interesse, schafft Vertrauen und Nähe,
stärkt Wohlbefinden und begünstigt achtsames, liebevolles Miteinander • Zugehörigkeit >
schenkt Sicherheit, stärkt Selbstwert und Vertrauen und fördert stabile, engagierte
Beziehungen sowie wertvolle Begegnungen • Zuversicht > stärkt innerliche Ruhe und
Selbstvertrauen, fördert Motivation und entwicklungsfähige Beziehungen einander
Zutrauen > stärkt einander durch die ermutigende Wirkung, fördert Selbstvertrauen und
verleiht Flügel bei Herausforderungen magischer Zauber des Augenblicks > lässt Augen
aufleuchten, weckt Staunen, Freude und Leichtigkeit des Seins …
zweifeln > ständiges Infragestellen, das verunsichert und Entscheidungen sowie das
Handeln hemmt • Zwänge / Zwängerei > erzeugen inneren Druck, hemmen Freiheit sowie
Flexibilität und belasten das Zusammenwirken • Zynismus > untergräbt Vertrauen, erzeugt
Distanz und sät Zweifel an Menschen und deren Absichten • Zurückweisung > verletzt
Gefühle und lässt Nähe sowie Vertrauen zwischen Menschen nicht zu, bzw. lässt sie
abbrechen • Zerstörungsdrang > untergräbt Vertrauen, blockiert das Zusammenwirken und
lässt Konflikte gewalttätig eskalieren …

Epilog

Beim Lesen und Nachklingen-Lassen sind dir wohl viele weitere wesentliche
Menschheitsaspekte und deren Auswirkungen in Erinnerung gekommen.

Eine gekürzte Version dieses Essays ist verfügbar in der Digitalzeitung DAS BLATT (1).

Und das Gedicht «Der Spruch» von Ernst Stalder (1883-1914) ruft uns in Erinnerung:

Mensch, werde wesentlich!

Herzliche Grüsse zu dir, mit Vorfreude auf dein Feedback
Peter vom Zürichsee (12,
peter.wyler@gmx.ch
Vielen Dank für das Lektorat an Bobby Langer vom Deutschen Lektorenbüro in Würzburg!

Links und Quellen

(1) Gekürzte Fassung dieses Essays in derDigitalzeitung DAS BLATT: «A – Z der
Menschlichkeit? – Wahlfreiheit wirkt auf unsere Lebenswelten»

(2)
Peter vom Zürichsee, Welche Gaben hast du – und gibst du sie der Welt? Essay,
Dezember 2024,
Direktlink >
(3)
Peter vom Zürichsee, Wie beeinflusst uns Scham? Vom Verdrängen zum achtsamen
Leben, Essay, Juli 2025,
Direktlink >
(4)
Martin Permantiers Buch Haltung erweitern – ICH, WIR, ALLE gestalten Transformation,
Verlag Versus, 1. Auflage 2023, ISBN 978-3-03909-327-4.

(5)
Peter vom Zürichsee, Konflikt als Lebenskunst. Warum fällt uns das so schwer? Wie
kann es gelingen? Essay, März 2026,
Direktlink >
(6)
Peter vom Zürichsee, Gibt es wirklich Klarheit? Wie wir sie finden und was wir draus
machen. Essay, November 2025,
Direktlink >
(7)
Peter vom Zürichsee, Welche Zukunft? Und was jetzt? Essay, Februar 2025,Direktlink >
(8)
Frederic Vesters Bücher, Die Kunst, vernetzt zu denken – Ideen und Werkzeuge für einen
neuen Umgang mit Komplexität, Verlag Pantheon 1999, 3. Auflage 2019 , ISBN 978-3-570-
55429-6.

Empfehlenswerte, längst vergriffene Titel: Leitmotiv vernetztes Denken – Für einen
besseren Umgang mit der Welt, Heyne Taschenbuch, 1988;

Der Wert eines Vogels, Ein Fensterbilderbuch, Kösel 1983, 4. Auflage 1987;
Weitere, eventuell über Internetsuche auffindbare Bücher von Frederic Vester:
Januskopf Landwirtschaft, Der Boden, der uns nährt, Ein Fensterbuch, Kösel ca. 1986;

Ein Baum ist mehr als ein Baum, Ein fensterbuch, Kösel 1985, 2. Auflage 1986.

(9)
Peter vom Zürichsee, Welche Verbundenheit brauchen wir? Zuhause sein auf dieser
Erde, im Wir. Essay, September 2025,
Direktlink >
(10)
Charles Eisensteins Buch Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich, mit dem
Kernthema «Wiederverbindung, Interbeing», Deutsche Ausgabe ISBN 978-3-943416-76-3.

(11)
Peter vom Zürichsee, Warten – und weiter hoffen? Essay, Dezember 2025, Direktlink >
(12)
Peter vom Zürichsee» ist der Autorname von Peter Wyler, pensionierter Gärtnermeister,
Verfasser des obigen Essays und des entstehenden Buches «Was brauchen unsere Erde, du
und ich zum guten Gedeihen? – Sieben Schritte auf dem Weg zur Lösung unserer
(Menschheits-) Probleme.» Mehr dazu auf
https://era-nova.org.

Warum fällt uns das so schwer? Wie kann es gelingen?

Von Peter vom Zürichsee

Konflikt ist Suche nach Nähe und Verbundenheit. Das hörte ich vor über 30 Jahren von einem Konfliktforscher, der mit Israelis und Palästinensern zusammen Friedensgespräche führte (vermutlich Herbert C. Kelman). Bin ich gerade in einen heftigen Streit verwickelt, bemerke ich «die Suche nach Nähe» bei mir selbst oder meinem Gegenüber kaum. Der kreativ-konstruktive Umgang mit «Konflikten als Lebenskunst» eröffnet uns vielfältige Entdeckungs-, Reflexions- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Peter Wylers vollständigen Artikel findest du HIER.

1. Januar 2076. Vor einem halben Jahrhundert glaubte kaum jemand auf diesem Planeten, dass eine tiefgreifende Transformation der Menschheit möglich sei und gelingen könnte. Was für uns heute, zum Jahresauftakt 2076, völlig «normal» ist, war damals grundlegend anders. Jetzt schauen wir staunend zurück auf die Reise vom inneren und äusseren Wandel – und gehen dankbar den «gemeinsamen Weg des Menschseins» weiter.

Den vollständigen Artikel von Peter Wyler findet du HIER.

[Foto: djovan/pixabay]

Wenn die alte Welt in neuem Gewand zurückkehrt

Von Sanna Radelius, Schweden

Ein guter Freund meinte neulich zu mir: „Nein, ich sehe keinen Grund, mich zu rechtfertigen. Die IDGs [Inner Development Goals, die Red.] sind falsch, und ich mag sie nicht.“ Er ist älter, erfahrener und hat nicht mehr das Bedürfnis, seine Meinung zu erklären. Ich hingegen schon. Um mir selbst klar zu werden. Um die Frauen zu ehren, die vor mir für eine gerechtere Welt gekämpft haben. Und um allen zu antworten, die sich nach meiner letzten Kritik gemeldet und dieselbe Frage gestellt haben:

Warum bist du gegen die Inner Development Goals?

Hier ist also meine Antwort.

Der Fisch und das Wasser

Manchmal beschreibe ich die IDGs so: Man bringt Fischen bei, besser in einem Aquarium zu schwimmen, in dem das Wasser braun wird und immer weniger Sauerstoff enthält.

Die Fische lernen neue Schwimmtechniken. Sie werden widerstandsfähiger, kooperativer und reflektierter. All das ist nicht schlecht. Aber wenn das Wasser selbst verschmutzt ist, hilft besseres Schwimmen nur für eine Weile. Irgendwann stellt sich nicht mehr die Frage, wie sich die Fische verhalten, sondern was mit dem Wasser passiert.

Helfen wir den Fischen, das Gift zu überleben, anstatt zu fragen, warum das Wasser überhaupt giftig ist?

Wenn wir über innere Entwicklung reden, ohne uns ernsthaft mit den Systemen auseinanderzusetzen, die uns prägen, laufen wir Gefahr, genau das zu tun. Gleichzeitig lassen wir vieles unberührt: die wirtschaftlichen Strukturen, die endloses Wachstum verlangen; die historischen Machtverhältnisse, die entscheiden, wessen Wissen zählt; die Ausbeutungsmentalität, die in den Institutionen des Globalen Nordens verankert ist; die patriarchalischen Normen, die Dominanz als Führung legitimiert haben.

Diese Kräfte sind nicht von der inneren Entwicklung zu trennen. Sie prägen, wie innere Entwicklung überhaupt aussieht. Sie bestimmen, wer darüber sprechen darf. Sie entscheiden, wessen Fähigkeiten als „entwickelt” gelten.

Dennoch behandelt das IDG-Framework diese Normen als Hintergrundbedingungen und nicht als Hauptgegenstand der Veränderung. Es hilft den Menschen, sich an ein krankes System anzupassen, anstatt zu fragen, ob nicht das System selbst grundlegend verändert werden muss.

Regeneration beginnt dort, wo Komfort endet

Ich habe Jahre in regenerativen und systemischen Kontexten verbracht. Eines ist mir klar: Regenerative Arbeit beginnt nicht mit einer Liste von Fähigkeiten. Sie beginnt bei den Ursachen. Sie fragt, warum ein System Schaden anrichtet, wer von seiner Stabilität profitiert und wer den Preis dafür zahlt, wenn es sich nicht verändert. Sie besteht darauf, Macht nicht als Anschuldigung zu verstehen, sondern als Struktur, als Landkarte dessen, wie Macht organisiert ist.

In der regenerativen Theorie und Praxis wird Regeneration als ein grundlegend anderes Paradigma verstanden, das in lebenden Systemen verwurzelt ist, die ihre eigene Vitalität und die der anderen wiederherstellen und vertiefen. Es geht nicht um stärkere Nachhaltigkeit, sondern um eine Abkehr von einer extraktiven, wachstumsorientierten Logik hin zu relationalen, ortsbezogenen Formen der Organisation von Leben und Wirtschaft.

Die IDGs beschreiben sich oft als Unterstützer eines Wandels hin zu regenerativeren Kulturen und Systemen. Aus meiner Sicht gehört ihre Kernlogik immer noch zu einem früheren Paradigma.

Sie greifen einige dieser regenerativen Fragen in der Theorie auf, kehren dann aber auf den sichereren Boden der individuellen und kollektiven Fähigkeiten innerhalb der bestehenden Ordnung zurück. Regeneration macht das Gegenteil. Sie bleibt bei der Komplexität. Sie lehnt universelle Rezepte ab. Sie vertraut darauf, dass unterschiedliche Orte, unterschiedliche Geschichten und unterschiedliche Kosmologien unterschiedliche Formen des Werdens erfordern.

Deshalb stehen Regeneration und die IDGs in einem Spannungsverhältnis. Die eine schafft Raum für Pluralität und strukturellen Wandel, die andere schreibt vor. Das ist keine Regeneration. Es ist Ausbeutung mit einem besseren Markenauftritt.

Die Struktur, die sich vor aller Augen verbirgt

Zu sagen, dass man mit Macht arbeitet, ist nicht dasselbe wie Macht zu transformieren. Verschiedene Stimmen an einen Tisch zu bringen, ist nicht dasselbe wie zu verändern, wer den Tisch gebaut hat oder über dessen Zweck entscheidet. Kritik einzuladen ist nicht dasselbe wie dieser Kritik zu erlauben, die Architektur neu zu gestalten.

Das ist wichtig, weil die IDGs nicht mehr nur ein kleines nordisches Experiment sind. Sie positionieren sich jetzt und werden immer öfter in Umgebungen eingesetzt, die mit Universitäten, Unternehmen, NGOs und öffentlichen Einrichtungen in vielen Ländern verbunden sind, vor allem in Teilen des Globalen Nordens. Ihr klares Ziel ist es, Einfluss darauf zu nehmen, wie Führungskräfte über Veränderung reden, wie Organisationen über menschliche Entwicklung denken, welche inneren Eigenschaften als legitim angesehen werden und wie „gute Führung” aussieht.

Wenn das Rahmenwerk fehlerhaft ist, wird auch sein Einfluss fehlerhaft sein. Aber es könnte noch schlimmer kommen. Ein fehlerhaftes Rahmenwerk, das global skaliert wird, kann aktiv schädlich werden. Nicht unbedingt durch das, was es lehrt, sondern durch das, was es unberührt lässt. Es gibt den Menschen das Gefühl, an den Ursachen zu arbeiten, während sie in Wirklichkeit immer geschickter darin werden, genau die Systeme aufrechtzuerhalten und zu legitimieren, die transformiert und nicht erhalten werden sollten.

Und für Frauen, für Menschen aus dem Globalen Süden, für indigene Völker, für alle, die von einer anderen Ontologie geprägt sind, bergen die IDGs eine besondere Gefahr. Sie vermitteln den Anschein von Inklusion, während sie gleichzeitig genau die Strukturen aufrechterhalten, die uns schon immer marginalisiert haben. Sie laden uns an den Tisch ein und erwarten dann, dass wir uns innerhalb des von ihnen vorgegebenen Rahmens äußern.

Was passiert, wenn das System in Frage gestellt wird

Ich habe diese Fragen direkt, öffentlich und über Jahre hinweg aufgeworfen. Über Macht. Über dekoloniale Methoden. Darüber, wie sie mit den zugrunde liegenden Strukturen arbeiten, die genau die Probleme immer wieder neu schaffen, die sie angeblich ändern wollen. Die Antworten waren aufschlussreich.

Zuerst Schweigen oder Ausflüchte. Mein Denken wurde als postmodern abgestempelt. Meine Fragen wurden eher als Frage des Tons denn als Frage des Inhalts behandelt. Später kam die Zusicherung, sie würden mit sozialen Strukturen arbeiten, wie es jeder tue, der es mit Systemveränderungen ernst meine. Aber wenn ich frage, welche Strukturen sie identifiziert haben oder was sich dadurch im Rahmen geändert hat, gibt es keine konkreten Beispiele.

Und wenn Kritik anerkannt wird, wird sie als relational umgedeutet: Meine Sprache sei aggressiv, ich hätte privat schreiben sollen, öffentliche Kritik könne Menschen entmutigen.

Das System bleibt unschuldig. Der Kritiker wird zum Störfaktor.

Die patriarchalische Logik hinter der Sprache der Fürsorge

Dieses Muster ist mir als Frau schmerzlich vertraut. Wenn strukturelle Kritik als eine Frage des Tons dargestellt wird, als Aufforderung, sanfter, beziehungsorientierter und weniger direkt zu sein, spiegelt dies eine lange Geschichte wider, in der die Klarheit von Frauen in ähnlicher Weise behandelt wurde. Diese Abmilderungen klingen oberflächlich betrachtet nach Fürsorge. Im Grunde dienen sie jedoch der Kontrolle. Sie lenken die Aufmerksamkeit von der Macht auf die Höflichkeit, vom Inhalt auf den Stil.

Jeder, der im Patriarchat gelebt hat, erkennt dieses Muster. Frauen werden gefeiert, solange wir unterstützend, dankbar, emotional einfühlsam und bereit sind, genau die Strukturen zu stabilisieren, die uns schaden. In dem Moment, in dem wir anfangen, strukturelle Probleme klar zu benennen, ohne jeden Satz abzufedern, werden wir „zu viel”. Zu scharf. Zu emotional. Zu spaltend. Eine Störung, die es zu bewältigen gilt, statt ein Signal, dass etwas nicht stimmt.

Und es gibt noch eine weitere Ebene. Nicht alle Frauen wollen dieses Muster sehen. Denn wir kennen die Geschichte. Weiße Männer nehmen das, was Frauen seit Generationen praktizieren und verkörpern – relationale Intelligenz, emotionale Kompetenz, die Arbeit der Fürsorge – und wenn sie es verpacken, erforschen und in einen Rahmen verwandeln, der durch Forschung und institutionelle Legitimität gestützt wird, wird es plötzlich wertvoll. Plötzlich ist es Führungsstärke. Plötzlich zählt es. Und für viele Frauen kann es einfacher sein, das zu feiern, als sich damit auseinanderzusetzen, was es offenbart. Dass genau die Eigenschaften, für die wir bestraft, herabgewürdigt oder denen wir ohne Anerkennung gerecht werden mussten, erst dann anerkannt werden, wenn Männer sie benennen, verpacken und als Innovation präsentieren. Das ist auch der Grund, warum die IDGs so leicht zu mögen sind: Sie wirken fortschrittlich, obwohl sie größtenteils nur das neu verpacken, was diese Kultur bereits kennt.

Diese Wahrheit zu erkennen, ist schmerzhaft. Und doch hat es auch seinen Preis, sie nicht zu sehen.

Das ist die Falle. Sei sanft. Sei inklusiv. Bring niemanden in Verlegenheit. Und während du all das bist, bleiben die Strukturen genau so, wie sie sind.

Des Kaisers neue Kleider. Nur aus sehr progressivem Stoff.

Wenn koloniales Denken in neuen Formen wieder auftaucht

Das gleiche Muster zeigt sich über Rassen, Geografien und Geschichte hinweg. Die IDGs präsentieren sich als global, mit Hubs, Partnern und Referenten aus der ganzen Welt. Aber schau dir genauer an, woher das Rahmenwerk kommt, wer die Marke hält, wer reist, sich trifft und auf den Hauptbühnen spricht, wessen Pässe und Hautfarben die Räume dominieren, in denen strategische Entscheidungen getroffen werden, wessen Sprache die Bedingungen festlegt. Der Schwerpunkt bleibt der globale Norden.

So sieht Neokolonialismus heute oft aus: keine Eroberungen und Flaggen, sondern Rahmenwerke und Partnerschaften. Keine offene Herrschaft, sondern die stille Forderung, dass sich alle an die liberal-angloamerikanischen und nordeuropäischen Normen anpassen: eine Weltanschauung, die das Problem und die Lösung definiert, während andere als Farbe und Geschichte eingeladen werden, solange sie die bereits festgelegten Bedingungen nicht stören.

Eine Weltanschauung, die behauptet, universell zu sein

Dahinter steckt eine Weltanschauung. Die IDGs basieren auf einem angloamerikanischen und nordeuropäischen liberalen Menschenbild, das den Menschen als individuelle Einheit mit einem inneren Leben sieht, das beschrieben und verbessert werden kann und grundlegend von der Natur getrennt ist. Viele andere Traditionen gehen von etwas anderem aus, von einer relationalen Welt, in der Land, Vorfahren und mehr als menschliche Wesen das Selbst ausmachen, und in der Wissen eher durch lange Beziehungen als durch globale Fragebögen entsteht.

Wenn ein Rahmenwerk verschiedene Perspektiven zulässt, ohne diese zugrunde liegende Weltanschauung zu hinterfragen, praktiziert es keine Pluralität. Es verlangt von anderen Welten, sich in seine Ontologie zu zwängen, und nennt das Inklusion.

Können sich die IDGs ändern?

Manchmal werde ich gefragt, ob die IDGs zu dem werden könnten, was sie zu sein vorgeben. Meine ehrliche Antwort ist einfach: Nein.

Das Problem sind nicht blinde Flecken oder Diversitätskorrekturen. Es ist die Kernlogik.

Die Idee, dass man eine universelle Reihe innerer Fähigkeiten für die Menschheit definieren und sie als Hebel für Systemveränderungen in der Welt verbreiten kann, ist selbst Teil des Paradigmas, das wir hinter uns lassen müssen. Das heißt nicht, dass die IDGs sinnlos sind. Sie übersetzen etwas Weiches und lange Ignoriertes – Innenleben, emotionale Kompetenz und Fähigkeit zu Beziehungen – in eine Form, die Institutionen erkennen und mit der sie arbeiten können. In einem bestimmten historischen Moment und in kulturellen Kontexten wie Schweden hat diese Brücke ihren Wert.

Und auch heute noch können die IDGs als beliebtes psychologisches Instrument für Arbeitsplätze und Organisationen in Teilen des Globalen Nordens, insbesondere in Schweden, wo persönliche Entwicklung manchmal Sprache und Struktur braucht, wirklich nützlich sein. Aber eine Brücke ist nur als Durchgang gedacht, nicht als Modell für die gesamte Landschaft. Das Problem beginnt, wenn ein Rahmen, der für ein bestimmtes kulturelles Segment sinnvoll sein mag, so präsentiert wird, als wäre er ein universeller Weg zu Nachhaltigkeit und menschlicher Entfaltung für alle.

Aus meiner heutigen Sicht sind die IDGs weniger ein Weg in die Zukunft als vielmehr ein klarer Ausdruck des Paradigmas, aus dem wir herauswachsen müssen: der Glaube, dass der richtige Rahmen in den richtigen Händen die Menschheit verbessern kann; die Annahme, dass eine Weltanschauung sicher für uns alle sprechen kann; die Gewohnheit, lebendige, situative Weisheit in übertragbare Modelle und Produkte zu verwandeln.

Könnten die Menschen rund um die IDGs sich dafür entscheiden, etwas anderes zu tun? Ja. Sie könnten beschließen, die Grenzen des Projekts zu benennen, seine Ausweitung zu stoppen und Traditionen und Bewegungen zu unterstützen, die von anderen Weltanschauungen ausgehen, anstatt zu versuchen, diese in ihre eigene zu integrieren. Sie könnten die IDGs zu einem historischen Beispiel dafür werden lassen, wie wir früher über innere Entwicklung gedacht haben, anstatt daran als Antwort festzuhalten.

Ob sie das tun werden, ist eine ganz andere Frage. Alles, was ich in ihren Antworten auf Kritik gesehen habe, deutet darauf hin, dass das Projekt weiterhin seine Kernlogik verteidigen, seine Sprache anpassen, Geschichten und Perspektiven hinzufügen und weitermachen wird. In diesem Sinne ist die wertvollste Rolle, die die IDGs spielen können, genau diese: eine sichtbare, gut vermarktete Veranschaulichung der zugrunde liegenden Logik, die wir erkennen lernen und sanft, aber entschlossen überwinden müssen.

Helft euch gegenseitig, das Wasser zu sehen

Denn die eigentliche Arbeit der Regeneration beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, den Fisch zu perfektionieren, und es wagen, ehrlich auf das Wasser zu schauen.

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Originalartikel: https://sannaradelius.medium.com/why-i-cant-be-silent-about-the-inner-development-goals-6321e262928f

Alle Fotos von https://pixabay.com

Übersetzung mit Einverständnis der Autorin: Bobby Langer

von Charles Eisenstein

Um die Virtuosität der künstlichen Intelligenz zu verwirklichen, müssen wir ihre Virtualität anerkennen. Wir dürfen das Virtuelle nicht mit dem Wirklichen verwechseln. Wir dürfen keinen künstlichen Ersatz für Intimität, Kameradschaft, Präsenz und Verständnis hinnehmen. Wir dürfen uns nicht selbst einreden, dass wir diese Dinge durch eine Maschine gefunden haben.

Der vollständige Text auf charleseisensteindeutsch

[Bild von Stefan Keller auf Pixabay]

Der nächste Schritt der Menschheit – wohin die Reise gehen kann

Annegret Torspecken ist eine Abenteurerin. Kann man von einem Menschen etwas Positiveres sagen? (Das Gegenteil wäre der Mensch als Bürokrat.) Zweifellos besitzt sie ein anarchistisches Gen. Und weil das so ist, glaubt sie nicht an das große, kollektive Erwachen. Nein, nein, aus dem Sumpf muss sich schon jeder an der eigenen Nase ziehen. Ihr Lebenslauf beweist, dass das möglich ist, auch wenn man mal wieder zurückplumpst.

Warum rede ich von dieser Frau, die auf Mallorca ihre Heimat gefunden hat? Weil sie die Schrift „Das holographische Weltbild – was dir deine Aura zeigt und wie Selbstheilung beginnen kann“ verfasst hat. Geeignet ist sie für alle Menschen, die ahnen, dass das derzeitige naturwissenschaftliche Weltbild nicht genügt, um den großen nächsten Schritt zu tun; dass es eine wichtige unsichtbare Welt gibt, die die Naturvölker Australiens Seele nennen und Annegret meist als Aura umschreibt. Zusätzlich sagt sie, und diese Differenzierung stammt auch von den Aborigines, gibt es den göttlichen Kern direkt im Herzen eines jeden. Geeignet vor allem für Menschen, die eine kreative innere Unruhe verspüren und sich nicht mit dem scheinbar einfachen, vorgezeichneten Konsumweg zufriedengeben wollen. Menschen, die immer schon fühlten: „Da gibt es mehr in mir …!“

Letztlich handelt es sich bei ihrem Büchlein um die Aufforderung zu einer Lebens-Reisebegleitung. Annegret schreibt: „Es ist kein Lehrbuch, kein Ratgeber, keine Anleitung für ein besseres Leben. Es ist eher eine Landkarte. Eine Einladung, mit mir gemeinsam die Perspektive zu wechseln – vom mechanischen Weltbild hin zu einem holographischen. Von linearem Denken zum zyklischen Verstehen. Von äußerer Orientierung zu innerer Klärung und Rückverbindung.“

In gewisser Weise wundert es mich, dass ich Annegrets Buch (ja, letztlich ist es eins geworden) anpreisen mag. Denn ich stehe sehr vielen Spiri- und Eso-Angeboten (vorsichtig formuliert) ausgesprochen skeptisch gegenüber. Größtenteils scheint es sich dabei um eine Art Meta-Jahrmarkt der Eitelkeiten zu handeln, subtiles Egofutter eben, wo sich viele Angebote bis in die Formulierungen hinein gleichen – und eben Angebote sind, edel und kostbar verpackte „Produkte“, kaufbar und käuflich.

All dies trifft auf dieses Buch nicht zu. Wer es erwirbt (annegret-torspecken), betritt eine neue Welt in die eigene unsichtbare Natur. Wer dazu innerlich noch nicht bereit ist, kann sich’s auch in einer frühen Version erst einmal herunterladen, kostenlos. Annegret kupfert nicht ab; was sie schreibt, ist authentisch, ist Lebensergebnis. Das spürt man von Zeile zu Zeile, und das machte es mir möglich, ihr bis zur letzten Seite zu folgen, nicht immer zustimmend, aber oft auch das. Und ab und zu auch staunend: Ja, da hat jemand nachgedacht. Nach 25 Jahren intensiven Studiums in diversen Bereichen des Eso/Spiri-Jahrmarktes, etlichen Heilungsmethoden, von psychologischen über hochfrequenten bis zu unsichtbaren Meistern und zurück. Das hat offenbar ihre Sinne für die Klippen und Scheinriesen am Weg geschärft. Und zu 100 Prozent kann ich ihrer Annahme zustimmen: „Ich schreibe, weil ich glaube, dass wir an einem Punkt stehen, an dem alte Antworten nicht mehr ausreichen.“ Einstein lässt grüßen.

Und auch das kann ich unterschreiben: „Die Menschheit wundert sich, warum so ein Chaos auf der Erde herrscht, dabei zeigt es deutlich auf, dass der Mensch die Macht über sich selbst abgegeben und völlig vergessen hat, sein eigenes Gefährt durch seine Dimensionen zu führen. Grundsätzlich ist die Seele/Aura des Menschen programmierbar. Alles, was von außen in den Menschen eindringt oder dazu eingeladen wird, bringt den Menschen von seinem eigenen Weg ab.“

Annegrets Gedanken zu folgen, bedeutet: ein Gefühl dafür zu bekommen, was alles bereits auf der Aura von anderen abgelegt wurde. Was unterstützt mich, was ist „Schnee von gestern“, was kann ich selbst schon mal loslassen. Glaubenssätze erkennen, die mir nicht mehr dienlich sind.

Natürlich, man betritt hier die wenig ausgetretenen Pfade, lässt sich auf innere Abenteuer ein. Aber bedeutet nicht genau das „leben“?

Annegret Torspecken, Das holographische Weltbild – was dir deine Aura zeigt und wie Selbstheilung beginnen kann, 78 Seiten, 17,84 € bei Etsy. Ihre Homepage: annegret-torspecken

„Sehen Sie“, sagte er zu seinem grauhaarigen Gesprächspartner, „ich kann ja verstehen, dass Sie als Alt-Achtundsechziger zum Putin-Versteher verkümmert sind, aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen, Krieg ist nun mal Krieg. Oder sind Sie auch da anderer Meinung?“

Ich erschrak schon beim Zuhören und zappte auf einen anderen Kanal. So viel Normopathie innerhalb eines Satzes war schwer zu ertragen. Von Stammtischen war mir das ja bekannt … ***

Normopathie scheint nicht nur auf Politiker überzugreifen, sondern zunehmend auch auf Journalisten und Intellektuelle. Eine spannende, wenngleich hier nur am Rande zu erwähnende mentale Grundlage für eine solch pathologische „Empfänglichkeit“ der Deutschen schufen die Nürnberger Gesetze, in denen das menschlich Abnorme (mit Begriffen wie „Rassenschande“, „artverwandtes Blut“, „Arier“, „Deutschblütigkeit“ etc.) zur gesellschaftlichen Norm erhoben und der Bevölkerung eingepeitscht wurde – was bis ins Jahr 2000 hinein mit dem Rechtsprinzip des Jus Sanquinis (des Blutrechts) in der BRD und der DDR fortgeführt wurde (mit Relikten bis heute). Auf die Übernahme von nationalsozialistischem Justizpersonal ins Rechtssystem der BRD sei nur kurz hingewiesen (Polizei, Justiz, Gefängnisaufsicht …); in der DDR gab es diesbezüglich 1952/1953 immerhin eine „Säuberung“ im Justizsystem.

Das Rückgrat der Globalisierung

Nun aber endlich zum Thema. Lassen Sie uns mit der „Norm“ beginnen. Zumindest eine Norm kennen wir alle: die DIN A4, das vermutlich erfolgreichste Exportprodukt Deutschlands seit 1922 und inzwischen als ISO 216 international genormt. Warum aber muss ein platt gewalztes Stück Papier aus der Kalanderwalze einer Normgröße unterworfen werden? Die Antwort fällt leicht: damit all die relevanten und weniger relevanten Papierprodukte entstehen können. Zu den relevanten gehörten zum Beispiel die Bibel, der Koran oder das Tripitaka, noch wichtiger sind das Bürgerliche Gesetzbuch, das Strafgesetzbuch, am wichtigsten aber ist die Industrienorm ISO 9001, das druckfähige Rückgrat der Globalisierung. Weniger relevant sind all die Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbücher dieser Welt, mit denen wir uns am Baggersee auf die Decke legen.

Der Doppelcharakter der Normen

Normen sind also mentale Ordnungselemente, die häufig dem Denken, Analysieren und Beurteilen vorausgehen. Sie sind die Glaubenssätze jeder Zivilisation, ganz gleich, ob wir von einer indigenen, einer asiatischen oder einer westlichen Zivilisation sprechen. Wer denkt schon beim Ausklappen eines Zollstocks daran, dass auf ihm der Zentimeter über den Zoll triumphierte, die metrische Norm über die nicht metrische, die heute offiziell nur noch in den USA, Liberia und Myanmar Vorschrift ist? Und welcher Mohammedaner überlegt lange, bevor er bei der Begrüßung die rechte Hand ausstreckt, seit Mohammed kundtat, dass der Teufel einen mit der linken Hand begrüßt?

Zusammengefasst: Ohne Normen ist ein geregeltes – und damit gewaltfreies – Zusammenleben nicht vorstellbar. Normen sind sinnvoll, aber nicht gut. Denn „gut“ ist ein Wertbegriff, der in der Regel abgrenzend oder gegenüber Fremdnormen auf einer vergleichbaren Ebene sogar abwertend klingt bzw. gemeint ist (es sei denn, es heißt: „gut für …“). Normen sind also beides: sinnvoll und bedenklich. Dieser Doppelcharakter der Norm wirkt sich besonders auf psychologischer Ebene aus.

Normen sieben die Spreu vom Weizen

Lassen Sie mich diese These illustrieren. Wer schon mal im Gebirge Wandern war, der kennt die Vorwarnung „Nur bei Trittsicherheit“. Begibt man sich auf einen solchen Steig, dann gelangt man gelegentlich an stark ausgesetzte Stellen, bei denen es einem schwindelig werden kann. Für diese Wegabschnitte kann man sich an der Gefahr oft an dicken Stricken, die mit starken Eisen im Fels gesichert sind, vorüberhangeln – sehr beruhigend. Meist verfliegen dann Anflüge von Höhenangst und man ist dankbar für eine solche Wegführung. Nun, Normen haben eine diesen Stricken vergleichbare Funktion. Sie ersparen uns langes Überlegen bzw. Befürchtungen, sich möglicherweise falsch zu verhalten. Wer nicht stiehlt, folgt einer Norm, wer es dennoch tut, verstößt gegen diese Norm und wird, so hoffen wir, bestraft. Normen verschaffen also nicht nur Sicherheit, sie trennen auch die Spreu vom Weizen. Selbstverständlich sind wir der Weizen (meistens jedenfalls und öffentlich immer). Normen sind die Sicherungsstricke durch unsere komplexe Wirklichkeit. Je einfacher eine Intelligenz gestrickt und/oder je schmaler ihr Horizont ist – Intelligenz und Horizontweite sind keineswegs kongruent –, desto bedeutsamer sind diese Stricke. Würde man die Mentalitäten von Menschen auf eine Ebene projizieren, so gäbe es Ebenen mit einer übersichtlichen Anzahl von Leitstricken und solche mit einem schieren Labyrinth davon.

Eine ganz normale Gewohnheit

Normen sind Spurrillen, auf denen unser Denken, Handeln und Reagieren, Sprechen und Kommunizieren mühelos und zuverlässig stattfindet. Das muss allein schon deshalb so sein, weil die uns allgegenwärtig umgebende Technik ohne Normen (ISO 9001 !) undenkbar wäre. Man stelle sich einmal vor, Hyundai folgte bei der Bremsenproduktion oder den Sicherheitsgurten anderen Normen als VW. Oder wir würden uns nicht an die Norm, im Straßenverkehr rechts zu fahren, halten. Haben Sie schon einmal versucht, mit dem Rauchen aufzuhören (oder einer anderen Pseudosucht) oder Ihre Ernährung auf „vegan“ umzustellen? Gewohnheiten sind zwar keine Normen im eigentlichen Sinn, aber auf psychischer Ebene funktionieren sie genauso. Eine Gewohnheit zu ändern, ist verdammt schwer und umso schwerer, wenn sie den Normen oder Gewohnheiten einer sozialen Gruppe zuwiderläuft, also z. B. seine Zigarettenabstinenz in einer Gruppe von Rauchern aufrechtzuerhalten.

Angenehmer Zwang

Die meisten Menschen – ich schätze mal, mindestens 80 Prozent – bemerken die Spurrille, auf der sich ihr mentales oder emotionales Fahrzeug bewegt, gar nicht. Und wenn doch, so sind sie meistens froh um die Zuverlässigkeit, mit der sie das Gefährt via Autopilot durchs Leben manövriert. Der verbleibende Rest muss mit dem gefühlten Verhaltenszwang umgehen, der durch die Norm ausgelöst wird. Die häufigste Reaktion ist das Verwerfen einer Norm, indem man sich einer anderen Norm unterwirft, etwa wenn Jugendliche gegen die Konventionen ihrer Eltern protestieren und in die Normen einer Clubkultur oder einer Gamer-Community abtauchen; oder wenn Christen aus Protest Mohammedaner werden und, und, und … Eine weitere, häufige Reaktion auf Normenzwang besteht in einer dem Stockholm-Syndrom ähnlichen Fühlweise: Wenn ich mich gegen einen Zwang nicht wehren kann, dann entgehe ich der (ansonsten) permanenten emotionalen Spannung, indem ich zu dem, was mich zwingt (dem Entführer, dem Vater, der Mutter, den Lehrern, Vorgesetzten und Zollbeamten, dem Gesetz, der Norm) ein emotional positives Verhältnis aufbaue. Ich „frame“ den Zwang als gut und sinnvoll für mich und für alle anderen. Das ist zwar noch keine Normopathie, aber doch ein entscheidender Grundstein dafür, der sich auf sexueller Ebene zum Beispiel im Masochismus äußert: Erst in der Unterwerfung werde ich lustfähig.

Die ganz normale Normopathie

Der „ganz normale“ Normopath gibt seine innere Distanz zur Norm vollständig auf und überantwortet sich ihr: Sicherheit pur. Die Norm wird ihm nicht nur zum Gewissensersatz, sondern auch zum allein selig machenden Bewertungsmaßstab seiner Umgebung (z. B. sind dann alle Andersdenkenden „Querdenker“). Die Individualität des Normopathen schnurrt auf die flache Dimension einer Norm zusammen. Daran musste ich denken, als ich kürzlich das Interview mit einer Bürgermeisterkandidatin der CSU verfolgte, die gefragt wurde, ob sie sich einen Lebenspartner vorstellen könne, der in einer anderen Partei Mitglied sei. Ihre impulsive und geradezu heftige Reaktion: „Nein, das wäre unmöglich.“ Quod erat demonstrandum, die Fessel sitzt. Die arme Frau.

Normen sind sozusagen das Wasser, in dem der Fisch schwimmt und über das er gar nicht erst nachdenkt. Für den „Fisch Mensch“ ist der Kapitalismus ein solches „Wasser“, ein mehrdimensionales Normengewebe, das ihn unsichtbar in seiner Wachzeit umgibt und beinahe jede (!) seiner Handlungen reguliert, steuert oder überhaupt erst auslöst. Nun gehört es zur Pathologie der Normopathen, dass er seine Normen für wahr und wirklich nimmt, für selbstverständlich, oft sogar für „natürlich“. Das Norm-Thema „Heterosexualität“ war eine solche Norm, die der Durchschnitts-Hetero jahrhundertelang für „natürlich“ hielt. Die Nachricht, dass auch im Tierreich Homosexualität keine Seltenheit ist, musste ihn bestürzen. Oder: Wenn die Person A einen Krieg für unmoralisch hält und deshalb bereitwillig in den Krieg zieht, um ihrer Norm konform in den kriegerischen Konflikt einzugreifen, muss sie zwangsläufig mit ihrer eigenen Norm ein Problem haben und ist deshalb zu Scheinlösungen und Heuchelei gezwungen.

Warum „zwangsläufig“? Weil sich die Wirklichkeit von A, auch wenn es sich bei ihm um ein sehr einfach gestricktes Gemüt handeln sollte, mit ihren unübersehbar vielen Variablen nur sehr eingeschränkt normieren lässt. Die Wirklichkeit ist nicht normierbar (schon die relativ einfache Ökologie eines Naturtümpels lässt sich in keinem Labor der Welt 1:1 nachbauen); jeder Normversuch muss also von der Vielfalt der Wirklichkeit und ihren täglich wechselnden Dimensionen – interessengesteuert – abweichen, was A dann aber leugnen muss. So muss A in unserem Beispiel zwangsläufig all die vergessenen (oder wohlweislich übersehenen) Kriege, momentan etwa die im Sudan oder in Mosambik, Myanmar oder West-Papua wütenden Kriege, ebenso ausblenden wie das normunabhängige Leiden jeder Kriegspartei, jedes einzelnen vom Krieg betroffenen Menschen sowie den Lustgewinn der Kriegsprofiteure. Ganz ähnlich, nur in einem global größeren Maßstab, verhält es sich mit den jährlich Millionen von Hungertoten, die wir geflissentlich übersehen, damit wir auf die Normen unseres Wohlstands pochen können. Aber das ist eben ganz – normal.

Zur Selbstüberprüfung

Den grassierenden Zustand der Normopathie habe übrigens nicht ich erfunden. Er gehört zu den psychiatrischen Analysewerkzeugen und ist festgelegt in den ICD-10, der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, einer medizinischen Klassifikationsliste der Weltgesundheitsorganisation. Normopathie wird, wie viele andere pathologische Geisteszustände, von den Befallenen in der Regel nicht wahrgenommen, sondern tendiert vielmehr dazu, auch die Menschen des persönlichen Umfeldes vereinnahmend zu affizieren. Daher hier die offizielle Definition:

Unter Normopathie wird eine Persönlichkeitsstörung des Menschen verstanden, die sich in einer zwanghaften Form von Anpassung an vermeintlich vorherrschende und normgerechte Verhaltensweisen und Regelwerke innerhalb von sozialen Beziehungen und Lebensräumen ausdrückt. Ein treibendes Moment hierbei ist das unter Aufgabe der eigenen Individualität übersteigerte Streben nach Konformität, das letztlich zu unterschiedlichen Beschwerdebildern und Symptomatiken führt und sich zu einem pathologischen Geschehen ausweiten kann; das heißt, gesellschaftliche Fehlentwicklungen werden als solche nicht mehr hinterfragt oder gar erkannt. Die unbedingte Überanpassung an sozio-kulturelle Normen wird damit zur Krankheit. Da im Prinzip der Wunsch nach Normalität nicht als krankhaft, sondern eher als eine gesunde Einstellung gilt, wird die Pathologie des Geschehens mit ihrer häufig somatoformen Symptomatik oft nicht als solche wahrgenommen. (Wikipedia)

*** Bei den Worten „Alt-Achtundsechziger“, „Putin-Versteher“ und „Krieg“ handelt es sich um Begriffe, die sehr stark normabhängig, meist feindselig und kommunikationsstörend verwendet werden.

Von der Existenzangst zur Selbstversorgung – eine Einladung

Selbstversorgung – davon träumen viele, schrecken dann letzten Endes doch meistens davor zurück. Evelin Rosenfeld hat sich sehr konkret damit auseinandergesetzt. Der Name des ausgedehnten Landes, auf dem sie ihren Weg der Kreislaufwirtschaft praktiziert bezieht sich auf Aditi, die vedische Schöpfungsgöttin. Um bei so einem Projekt vorwärtszukommen und nicht einzuknicken, braucht es „Wild Natural Spirit“ (so heißt die Kräutermanufaktur, mit der Evelin das Projekt finanziert)***. „Spirit“ hat die Pionierin, dennoch meint sie, dass einerseits die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Mitteleuropa echte Autarkie verhindern, andererseits, dass die Idee von Autarkie dem Gedanken der Verbundenheit widerspricht.

Ökoligenta: Vielleicht schilderst du erst einmal, wie weit du mit deinem Projekt gekommen bist.

Nun, das Wichtigste ist wohl, dass ich es geschafft habe, 55.000 Quadratmeter Brach- und Ackerland in einen riesigen Permakulturgarten zu verwandeln, in dem nicht nur seltene Arten aus Fauna und Flora in Fülle leben, sondern der auch wertvolle Lebensmittel für viel mehr Menschen hervorbringt, als derzeit von dem Projekt wissen. Damit ist es gelungen, eine Vollerwerbs-Landwirtschaft untrennbar mit Naturschutz zu verbinden. Auch zeige ich ein Wirtschaften auf, das eben nicht ausbeutet und Lateralschäden vergesellschaftet, sondern im Gegenteil: ein Wirtschaften, das maßgeblich und nachhaltig zum Gemeinwohl beiträgt, während es gleichzeitig einen Lebensunterhalt eigenständig erwirtschaftet.
Zudem konnte ich das Projekt (einigermaßen) harmonisch in das herrschende Behördensystem integrieren. Mit insgesamt 11 Aufsichtsbehörden ist das eine echte Nervensache und Geduldsfrage. Auch die Beteiligten in den Behörden mussten an einigen Stellen das auf landwirtschaftliche Großbetriebe ausgelegte Regelwerk irgendwie in Einklang bringen mit dem, was ich hier mache. Wirklich erkennen, welche Chancen in diesem Projekt für die drängenden Fragen für uns alle liegen, tun aber wenige.

Ökoligenta: Momentan schaffst du das alles mit 1 Woman-Power, eigentlich unglaublich. Aus welchen Quellen sprudelt deine Energie?

Ich bin mit 33 Jahren, zwei akademischen Abschlüssen und einer bereits beachtlichen Karriere in der Wirtschaft „ausgestiegen“, weil ich die Rücksichtslosigkeit und Kurzsichtigkeit, die in Konzernen und auf Verwaltungsebene herrschen, nicht ertragen konnte. Dieser Ausstieg brachte mich in eine Lebenskrise, in der ich mich fragte, wie ich mein Leben, meine Gaben so einbringen kann, dass nicht nur noch mehr Schaden entsteht, sondern dass vor allem das Gefüge aus Angst und Gier durchbrochen werden kann; dass Wege sichtbar werden, wie wir in Frieden und in Fülle mit unserer Mitwelt leben können. Dazu braucht es ein tiefes Hinterfragen der Grundannahmen unserer Gesellschaft: von Familiengründung bis abhängiger Erwerbsarbeit, von Ressourcenkreisläufen bis hin zu spirituellen Zusammenhängen. All dem habe ich mich gestellt und Schritt für Schritt Antworten und Resonanz gefunden.
Mein unerschütterlicher Glaube an die Liebe in jedem Menschen und an eine göttliche Führung sind der Quell meiner Kraft – zudem meine besondere Beziehung zu diesem außergewöhnlich kraftvollen Ort hier.

Ökoligenta: In den Städten mieten sich Menschen bei SoLaWis am Stadtrand ein. Könnte dieses Modell auch für Aditi funktionieen ?

Nein, eher nicht. Die SoLaWis – für die es mittlerweile sogar eigene landwirtschaftliche und steuerrechtliche Regeln gibt, funktionieren normalerweise so, dass ein Landwirt die Flächen mit Maschinen vorbereitet und kleine Parzellen an Städter vermietet, die dann ihren Salat oder Rosenkohl oder was sie eben wollen, am Wochenende anbauen. Aditi in Parzellen aufzuteilen widerspricht meinem Anliegen, sie als Ganzheit zu fördern. Zudem nutze ich ja keine Maschinen und arbeite in Permakultur. Wenn, dann würde sich eine Gruppe von Menschen um die ganze Aditi kümmern, mit ihrem Wald, ihrem Beeren- und Saatgutgarten, mit den Kräutergärten, Obstbäumen und dem großen Gemüsegarten. Die Intention von Aditi geht über das „ich mach mein eigenes Gemüse“ hinaus.

Ökoligenta: Gibt es diese Gruppe schon? Wie können Menschen sich in das Projekt einbringen?

In 2022 waren wir ein starkes Team von sechs Menschen, die sich regelmäßig und aus verschiedenen Konstellationen auf Aditi eingebracht haben. Das Ergebnis war phänomenal: Für die überbordende Gemüseernte brauchten wir sogar einen Erdkeller über den Winter, das in 2022 geerntete Saatgut hat auch in diesem Jahr, 2025, gereicht, um ohne Zukäufe die Gärten zu bestücken. Das waren alles Leute hier aus der Gegend, die einfach Freude daran hatten, auf Aditi zu sein, zusammen zu arbeiten und die Abende gemeinsam am Feuer zu verbringen.
Einige waren bei mir „zwischengelandet“ wegen der Corona-Restriktionen und sind nun zurückgekehrt in ihre Ursprungsberufe. Aber so könnte es gehen.
Zudem habe ich immer mal wieder Lehrlinge für eine begrenzte Zeit, die sich mit der Anbau- und Lebensweise vertraut machen wollen.
Doch mittelfristig wünsche ich mir schon zwei bis vier Menschen, die hier oder in der Nähe wohnen und sich dauerhaft und hauptberuflich in das Projekt einbringen.
Dazu braucht es nicht nur etwas Kapital, sondern vor allem die Bereitschaft, eine körperlich doch recht anspruchsvolle Arbeit zu machen für ein sehr überschaubares Einkommen. Doch der „Lohn“ besteht ja letztlich darin, vollkommen selbstbestimmt inmitten überbordender Natur zu sein, Lebensmittel von höchster Qualität für sich und andere zu gewinnen und seine Lebensenergie in etwas fließen zu lassen, das Lebendigkeit schafft.

Die Zeit ist gut, denn mehr und mehr Menschen merken auf: Statt ein Online-Coaching, um eine Depression, eine Lebenskrise, einen Burn-Out zu „besprechen“, beginnen sie, neu Kontakt mit den wirklich heilenden Kräften der Natur aufzunehmen, lauschen den Bäumen, beobachten die Insekten. Von hier aus ist es nur noch ein kleiner Schritt, die Hacke in die Hand zu nehmen und nährende oder heilsame Pflanzen zu pflanzen, zu pflegen … und sich dabei ganz von allein mit kostbarer Lebensenergie aufzuladen.
Ich lade jedes Jahr zur Blütenernte ein. Das ist eine kleine Chance zu erleben, wovon ich hier spreche.

Ökoligenta: Was ist deiner Erfahrung nach das Haupthindernis für die Umsetzung einer echten Selbstversorgung?

Zuerst: Aufgrund der zahlreichen Systemzwänge – von Pflicht-Versicherungen bis Strom, Wasser, Müllentsorgung, von denen wir uns in Deutschland nicht abmelden können, ist es derzeit gar nicht möglich, wirklich autark zu leben und zu wirtschaften. Wir sind nicht nur gezwungen, System-Leistungen zu kaufen (und damit Geld beschaffen zu müssen) – Autarkie widerspricht auch der Einsicht, dass alles mit allem verbunden ist. Dieser Gedanke – der Gedanke von dynamischen Kreisläufen durch alle Ebenen des Erdenlebens hindurch – ist die Basis der Permakultur. Und er ist auch Tatsache in allen natürlichen Vorgängen.

Von daher bescheide ich mich auf den Anspruch, meinen Lebensunterhalt mit etwas zu verdienen, das meiner Liebe zur Erde Ausdruck verleiht und den aus meiner Sicht schädlichen Systemwirkungen nicht weiter zuträgt. Dass dabei durch eine einzelne Person 55.000 Quadratmeter Land renaturiert wurden, dass eine Fülle an Heilkräutern, Saatgut und Lebensmitteln bereitgestellt wurde für viele, viele andere Menschen, das macht mich glücklich und stolz.
Ich bin weit entfernt davon, mich „selbstzuversorgen“ – allerdings brauche ich keine moderne Medizin, habe Zugriff auf unbelastetes Gemüse, Obst und Kräuter, lebe in meinem eigenen natürlichen Rhythmus und brauche vergleichsweise wenig Geld – da ich nichts zu kompensieren habe. Ich bin satt und gesund aus dem, was mein täglich Werk ist.

Wenn ich nun auch einige andere Menschen begeistern kann von dieser Arbeit und vielleicht begleite zu ihren eigenen Projekten oder sie integriere in dieses Projekt hier bei mir – und da gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Aufgaben und Ausblicke – dann wirke ich MIT dem bestehenden System, dessen Teil ich ja auch bin.

Ökoligenta: Die Konsumwelt, in der wir aufwachsen und unsere Persönlichkeit ausbilden, ist vielfältig und spricht uns auf den verschiedensten Ebenen an. In den Worten von Günther Anders wird der Mensch schlaraffisiert und zu einem passiven Wesen modelliert. Dein Projekt erwartet ja eher eine Emanzipation von dieser Grundhaltung.

Ja, das ist mein Herzensanliegen an die Menschheit: „Dienst“, „Arbeit“, „Verantwortung“ sind bei vielen Menschen sehr negativ belegt. Weil sie immer in Abhängigkeiten denken, weil sie Arbeit als etwas sehen, was sie ZWANGsläufig tun müssen, weil sie Dienst als Unterwerfung kennen und weil sie „Verantwortung“ mit „Strafe/Konsequenzen“ verbinden.
Damit sind sie zu passiven Sklaven des Ausbeutungssystems geworden und verschanzen sich hinter Ansprüchen, Bequemlichkeit und Konsum.
Es ist so viel lebendiger und befriedigender – und möglich ! –, aus eigener Kraft ein eigenes Feld zu schaffen, in dem wir unsere Lebensenergie freiwillig in etwas geben, das uns am Herzen liegt. Und wem liegt die Natur nicht am Herzen? Welcher Mensch atmet nicht auf, wenn er unter Bäumen steht, welcher Mensch beginnt nicht  zu singen, wenn er frische Beeren erntet und gleich in den Mund steckt? Viele kommen gar nicht bis zu dem Erlebnis, ein im eigenen Schweiß bebautes Feld zu betrachten und dabei Stolz und Freude zu empfinden. Und so können sie auch nicht die Früchte ihrer eigenen Arbeit, ihrer freien Entscheidung ernten.

Um diesen Schritt in die Freiheit und in ein sinnstiftendes Leben zu tun, steht noch vor der harten körperlichen Arbeit vor der wirtschaftlichen Ungewissheit ein Schritt im Inneren an: Die Angst, zu wenig abzubekommen, die sich in Gier und Egoismus ausdrückt, muss überwunden werden zugunsten der Einsicht, dass Fülle aus Großzügigkeit und Begeisterung entstehen. Wer (sich) gibt, bekommt alles, was es braucht, um ein friedvolles und lebendiges Leben zu führen.

Doch wie viele Menschen leben das schon ?

Ich bin offen für eine Gruppe von Menschen, die sich gemeinschaftlich um Aditi kümmert und an ihr erfreut. Das wäre eine Erweiterung für alle Beteiligten. Mehr Hände – mehr Ernte – mehr Austausch – mehr Fülle.
Aber brauchen tun wir’s nicht …

Ökoligenta: Du hast angedeutet, mit den Potenzialen von Aditi könnte es in Richtung Binnenwirtschaft weitergehen. Kannst du uns dazu Näheres erzählen?

Es gibt einen Weg, den ich sehe, auf dem eine Gruppe von Menschen, die auf Aditi lebt, sich sehr, sehr weit lösen kann aus den Systemzwängen. Hier gibt es Antworten auf die klassischen Fragen von Gemeinschaftsleben, Arbeitsteilung, die Rolle von Kapital und die führende Kraft einer täglich praktizierten Spiritualität.
Ich schöpfe hier aus 25 Jahren Organisationsberatung und Coaching (siehe insbesondere meine beiden Bücher „Wertebasiertes Management“ und „Was Dir wirklich wichtig ist“) – vor allem aber aus der Beobachtung der Vorgänge in der Natur, der Erfahrungen mit dynamischen Gleichgewichten in der Ökologie.
Wenn die passenden Menschen hier angekommen sind, können wir darüber sprechen.

Für jetzt lade ich jeden, der das liest, herzlich ein, mal für eine Blütenernte oder eines der anderen Seminare nach Aditi zu kommen und sinnlich zu erfahren, wovon ich hier spreche. Eigentlich können wir dann erst sehen, ob eine Resonanz da ist, die das Sein berührt und zum Tun führt.

*** Evelin Rosenfelds Projekt liegt im nordbayerischen Landkreis Coburg.