Wir sind Systemwandler – Teil 1

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von Isabel Batista

(zu Teil 2)

Unsere Welt ist ein lebendiges System aus Zyklen, Rhythmen und Prozessen. Es unterliegt bestimmten Naturgesetzen. Doch mit unserer Art des Lebens und Wirtschaftens verstoßen wir jeden Tag aufs Neue gegen diese Naturgesetze. Das hat schwerwiegende Veränderungen auf dem Planeten Erde verursacht. Um den Prozess der Zerstörung zu stoppen, müssen wir zu Systemwandlern werden. Wir müssen die von uns geschaffenen Systeme wieder in Einklang mit den Naturgesetzen bringen. Eines dieser Systeme ist die Landwirtschaft.

Wie es bisher läuft

Auf kilometerweiten Getreidefeldern verrichten schwere Maschinen ihre Arbeit. In den Monokulturen ist kein Summen oder Zwitschern mehr zu hören. Die Insekten in der Luft und tief unten in der Erde sind verschwunden. Anpflanzungen soweit das Auge reicht, nicht für den menschlichen Verzehr gedacht, sondern Futter für unser Schlachtvieh. So sieht es in der industriellen Landwirtschaft momentan überwiegend aus.

Es geht auch anders

Dass es auch anders und besser geht, beschreibt Isabel Batista in ihrem inspirierenden Jugendroman „Die Systemwandler“:

„Ich sehe eine kleine Obstbaumallee, durch die man hindurchlaufen und Äpfel, Birnen und Pflaumen pflücken kann“, begann Lara zu fantasieren. „Der Waldgarten ist in Terrassen angeordnet und wie ein Hufeisen geformt, so dass das Sonnenlicht eingefangen wird. Es ist hier richtig muckelig warm. Deshalb wächst hier sicher prima empfindliches Gemüse wie Paprika, Tomaten, Salate, Kohlköpfe und Kräuter. Sie stünden hier schön geschützt vor dem Wind, am Fuße der Bäume.“ Sie begann selig zu lächeln, als würde sie durch die Baumreihen tanzen und dabei den Duft des Sommers riechen können. „Da schlängeln sich gewundene Pfade zwischen den Beeten entlang. Auf einigen aufgeschichteten Wällen wachsen bienenfreundliche Blumen und Kräuter. Dazwischen immer wieder Beerensträucher und Himbeerranken. Ich sehe dort drüben gleich fünf Bienenstöcke, in denen die fleißigen Bienen ein- und ausfliegen, um die Pflanzen zu bestäuben und Honig zu produzieren.“ Sie wies in die entsprechende Richtung.      
Gespannt hörte Jens seiner Nichte zu, wie sie den Waldgarten beschrieb, während sein Blick auf die eintönige Landschaft gerichtet war, die sich im Moment noch hier befand. Vor seinem eigenen geistigen Auge hingegen begannen die Bäume, Sträucher, Kräuter und Gemüsepflanzen aus dem Boden zu wachsen, so lebendig beschrieb Lara ihre Innenwelt.
„Auf der untersten Stufe der Terrassenformation befindet sich ein großer Teich“, erzählte sie weiter. „Bei Regen fließt das Wasser aus den höheren Etagen herunter und in den Teich hinein. Man kann prima darin schwimmen, aber es gibt auch essbare Wasserpflanzen und Fische. Ein paar Enten fühlen sich hier auch richtig wohl. Sie schwimmen auf dem See und laufen zwischen den Bäumen herum, fressen die Schnecken ab. Die würden sonst an den Bäumen hochkriechen und die Ernte auffressen.“
Ihr Blick kehrte aus ihrer Fantasie zurück in die Realität, erfasste den kargen Boden vor sich, gleich darauf den begeisterten Ausdruck in Jens’ Gesicht. Sie musste lächeln.

„Wirklich schön“, kommentierte er verträumt.          
Er wies auf den Standort der vorgestellten Obstbäume. „Sieh mal da!“, sagte er. „Ein paar Schafe mähen mit ihren Zähnen die Wiese zwischen den Pflaumenbäumen.“
Lara lachte herzhaft. „Aus der schicken Wolle können wir uns Pullover für den Winter stricken“, stieg sie mit ein.

 

Gast-Autorin Isabel Batista ist Schriftsetzerin, Software-Entwicklerin und Autorin. Anfang 2022 machte sie sich selbstständig, um sich ganz dem Wandel zu widmen. Mit ihrem Debütroman „Die Systemwandler“ schreibt sie über die große Klimakrise und wie wir sie gemeinsam bewältigen können. Sie macht darin Hoffnung auf eine Zukunft, in der nicht der Profit, sondern das Leben Vorrang hat. In ihrem Buch führt sie sowohl Möglichkeiten für Veränderungen im privaten Einkaufsverhalten und der persönlichen Ernährungsweise auf als auch weitergehende Methoden, um den Wandel auch in unser System der Nahrungsmittelversorgung zu bringen. Angefangen beim Einsatz von Permakultur im eigenen Garten bis hin zu großen Waldgärten, den produktivsten Landnutzungssystemen der Welt.

Mehr über Isabel Batista und ihren Roman erfährst Du auf www.systemwandler.de. Dort kannst Du Dich auch für den Systemwandler-Newsletter anmelden.

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