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Dass ein großer Wandel ansteht, liegt auf der Hand. Nur: Was tun wir, jede/r Einzelne von uns dafür, fragt Semra Mete

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, heißt es in Anlehnung an Heraklit von Ephesus, der das schon vor rund 2.500 Jahren wusste. Ich denke, vielen Menschen ist heutzutage bewusst, dass wir uns inmitten eines großen gesellschaftlichen, ökologischen, ökonomischen Wandels befinden. Doch in welche Richtung wandelt sich das große Ganze und welche Faktoren sind dabei bestimmend? In Anbetracht der Tatsache, dass jeder Einzelne von uns ein Teil des Gesamtgebildes ist und folglich durch Sein Tun auf das Gesamtgeschehen einwirkt, kommt es bei dem steten weltweiten Wandel zweifelsohne auf jeden von uns an. Jeder von uns ist wie der kleinste Wassertropfen des wellenschlagenden Ozeans, jeder von uns ist wie ein Pixel eines Bildes, welches sich in demselben Maße wandelt, wie jedes einzelne Pixel seine Form, Farbe, Größe, Position … verändert. Wir waren und sind stets die Ursache der Veränderungen des großen Ganzen. Wenn wir es schaffen, die Veränderung in uns, also die Ursache, Ursachen, zum Guten zu wandeln, führen wir zwangsläufig den konstruktiven Wandel auch im Außen herbei.

Die weltweite Virus-Krise und der Wandel in jedem von uns

Doch welche Wandlung durchvollzieht sich IN JEDEM VON UNS inmitten der aktuellen,  globalen Krise – ich nenne es mal die Virus-Krise? Welche Gedanken, Emotionen, Handlungen lösen die äußerlichen Geschehnisse im unmittelbaren und mittelbaren Umfeld in uns aus? Welchen Gefühlen geben wir unbewusst Raum? Worum drehen sich unsere tagtäglichen Gedanken? Ist es die Angst vor der ansteckenden Krankheit bzw. vor dem Tod? Ist es die Angst vor totaler Überwachung, Fremdbestimmung oder ist es das Gefühl des Ausgeliefertseins und der Perspektivlosigkeit? Wut, Zorn, Aggressivität … sind weitere niederreißende, gemütsbelastende innere Zustände, die ich nicht nur bei meinen Mitmenschen beobachte, sondern auch selbst erfahre. Es kommt immer wieder vor, dass mich die eine oder andere Information oder Äußerung stark antriggert und ich mich dann in den unerwünschten, niederschwingenden Emotionen wiederfinde. Wie soll aus solchen überwiegend destruktiv gesetzten Ursachen das Konstruktive im Kollektiven keimen?!

Die Beobachtungsebene – Bewusstwerdung über den inneren Wandel

Die Herausforderung liegt sicherlich darin, sich über die ausgelösten Gedanken und Emotionen im Inneren, sprich über den unbewussten Prozess der eigenen Reaktionen, bewusst zu werden. Nur mit zunehmender Bewusstwerdung unserer inneren Zustände kann es uns gelingen, heilsame Antworten auf die äußeren Geschehnisse zu geben. Nach jeder frustrierten Reaktion wird mir immer wieder klar, dass meine Antwort definitiv nicht von der förderlichen Art war, weder auf mein eigenes Wesen bezogen noch auf das Kollektive. Als wäre das nicht genug, steigert sich manchmal das hemmende Gefühl noch weiter, wenn ich anfange, meine eigene Reaktion zu kritisieren, weil sie meine in der Tiefe bejahten Werte nicht wiederspiegeln.

Ein Weg, aus der Abwärtsspirale der Emotionen rauszukommen, ist erstmal, mir darüber bewusst zu werden, dass der momentane Gemütsstand, was es auch immer ist, die Ursache für äußere Umstände von morgen sein wird. Das, was ich eigentlich nicht weiter verursachen oder sogar verstärken will (Ärger, Wut, Angst…), gedenke ich deshalb loszulassen, auch wenn es inmitten des Emotionssumpfes nicht immer sofort gelingt. Ich vergegenwärtige mir in solchen Momenten, dass es nicht die äußeren Umstände sind, sondern die Bedeutungen, die wir ihnen beimessen, die entsprechenden Emotionen in uns zum Ausbruch bringen; Emotionen, die unsere Perspektive schmälern und unsere Wahrnehmung von größeren Zusammenhängen stark einschränken. Erst die Erkenntnis, in welche ungewünschten Gedanken- und Gefühlswelt ich mich selbst hineinmanövriert habe, führt zur Auflösung meiner unbewussten Identifikation mit den äußeren Umständen. Es ist so wie ein Beobachtungsposten, von dem ich von einer höheren Warte auf mich selbst schaue und erkenne, wie stark ich in den eigenen Urteilen, Meinungen, Bewertungen gefangen bin und vergessen habe, dass ich selbst für meine innere Realität verantwortlich bin.

Wenn wir also die weltlichen Geschehnisse objektiv betrachten, ohne sie in „gut“ oder „schlecht“ einzuordnen, können wir uns aus der Enge unserer Bewertungen befreien und die Weite in uns fühlen. Die Weite, in der wir erkennen, dass wir auch einen konstruktiveren Umgang mit den äußeren Einflüssen wählen können.

Krisen – Chancen zur Bewusstseinsentwicklung

Als eine Frau, die Erfahrung mit einer Lebenskrise in Form einer schweren Krankheit gemacht hat, bin ich fest davon überzeugt, dass auch diese geballte Krise uns große Gelegenheiten zur Bewusstseinsentwicklung bietet, für jeden Einzelnen wie auch kollektiv. Mehr denn je erkenne ich, wie wichtig es jetzt ist, verstärkter nach innen zu gehen. Ich erkenne, dass es jetzt an der Zeit ist, die tief verinnerlichten Werte in der Tat auch zu LEBEN und zu verfestigen. Mehr als sonst erhalte ich die Gelegenheit, mich selbst bei meinen Gedankengängen und unbewussten Handlungen zu beobachten, was mich zu manchem Erkenntnisgewinn über meine unbewusste, innere Welt führt.

Noch tiefergehend als sonst weiß ich, dass es bei dem, was da draußen auch immer passiert, um uns selbst geht. Wir haben den Fokus auf uns selbst zu richten, weil wir bei dem gewünschten Wandel letztlich nur bei uns selbst ansetzen können. Die bedeutende Frage ist nicht, wohin uns die gegenwärtigen Veränderungen bringen, sondern sich darüber bewusst zu werden, wie sie auf uns einwirken, was sie mit uns machen und wie wir damit umgehen. Wir müssen die Samen der gewünschten Veränderungen zunächst in uns säen, damit sie in unserer physischen Realität gedeihen, auswachsen können. Die Samen der gewünschten Veränderungen keimen zuerst in uns. Der äußere Wandel hängt also davon ab, welche Samen wir in uns tagtäglich säen: mit unseren Gedanken, Emotionen, mit der Art und Weise wie wir kommunizieren, handeln … darüber haben wir stets die Wahl. Das ist unsere Freiheit, das ist unsere Macht, das ist unsere Verantwortung gegenüber uns selbst und gegenüber unserer Mitwelt.

Was hört sich harmloser an als das Wörtchen „Natur“? Das ist doch das, worin wir spazieren gehen, wonach wir uns sehnen, nachdem wir acht Stunden in den Bildschirm gestarrt oder unsere Lebenszeit anderweitig verkauft haben. Natur ist aber auch das, wo Kinder wieder zu sich kommen und Liebespaare eine eigenartige Innigkeit empfinden, die sie in den eigenen vier Wänden nicht so richtig anfliegt.

Um „Natur“ soll es hier also gehen. Bei anderen Begriffen ahnen wir sofort, dass eine nähere Beschäftigung mit ihnen heikel wird: „Mann“ zum Beispiel oder, noch gefährlicher, „Frau“. Noch ehe man sich gedanklich diesen Begriffen genähert hat, bricht schon die Gender-Debatte los. Also nichts wie weg und raus in die Natur.

Raus in die Natur – geht das?

Aha. Da haben wir – leider – gleich das Problem: „raus in die Natur“. Automatisch schwingt hier der Gedanke mit, wir selbst seien keine Natur; die sei eben „um uns“. Manche LeserInnen wird es bei dieser Vorstellung frösteln, die meisten aber noch nicht. An letztere wende ich mich eher denn an erstere.

Was bedeutet es, wenn ich mich nicht als Natur empfinde? Zur Verdeutlichung wähle ich ein anderes Beispiel: Wenn ich mich als Mann empfinde, dann bin ich keine Frau. Und wenn ich mich als Dackel empfinde, dann steht der Einweisung in die Psychiatrie nur mehr wenig im Weg. Also: Wenn ich mich nicht als Natur empfinde, dann bin ich auch keine. Aber was, bitteschön, bin ich dann? Die Antwort liegt nahe: Ich bin ein „Mensch“. Du, liebe Leserin, bist, wie ich, ein Mensch. Beide sind wir weder Lastkraftwagen noch Wellensittich. Wir sind Menschen. Aber keine Natur. Nach der sehnen wir uns, in der machen wir Picknick oder Liebe oder stellen unser Auto auf den Wanderparkplatz.

Bäume sind nicht von unserem Blut

Vielleicht findest du meine Fragestellung ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Du könntest entgegnen, Ausdrücke wie „raus in die Natur“ sage man eben so, sie seien aber nicht so gemeint. Nur stimmt das leider nicht. Richtig ist, dass wir solche Ausdrücke meist gedankenlos hersagen, sie „rutschen uns quasi raus“. Schon bewusster, vielleicht sogar stolz, sagen wir, dass wir die Natur schützen wollen oder müssen. Auch in diesem Fall ist die Natur „draußen“, jenseits von uns. Und wir wollen sie keineswegs in einem Gefühl existenzieller Notwendigkeit schützen, wie wir uns selbst vor Angriffen schützen würden, sondern wir möchten sie bewahren. Im einfachsten Falle tut uns ein Baum leid, der gefällt, oder eine Hecke, die abgeholzt werden soll. Als Regenwaldschützerinnen engagieren wir uns, weil wir verstanden haben, dass Regenwälder eine wichtige Funktion im Klimageschehen spielen. In beiden Fällen fühlen wir uns in der Regel in unseren Wurzeln nicht bedroht. Unsere Kinder würden wir mit weitaus größerer Vehemenz verteidigen als Bäume. Schließlich sind sie Blut von unserem Blut (was auch immer das bedeuten mag – aber das wäre ein anderes Thema), die Bäume sind nicht von unserem Blut, auch nicht die Versuchstiere oder die Hühner in ihren Käfigen. Wir können mit unvermindertem Vergnügen eine Bratwurst essen und gleichzeitig an das Schwein denken, das dafür sein Leben lassen musste. Und warum fällt uns das so leicht? Weil wir uns dem Schwein nicht nahe fühlen. Es gehört zu der Natur „da draußen“.

Ausbeutung – unser gutes Recht?

Aber war das nicht schon immer so? Nein, war es nicht. Ethnologen berichten von indigenen Völkern, die ihre Schuld, die sie bei Jagdzügen durch vielfaches Töten auf sich nahmen, durch Rituale neutralisieren wollten. Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Sondern um die Tatsache, dass „Natur“ für uns „draußen“ sein muss, damit wir sie als Ressource betrachten können. So wie ein Berg vielleicht Silber enthält und es darauf ankommt, die Schürfrechte zu bekommen, damit man die Ressource Silber gewinnen kann, so sind uns Wälder Holzressourcen, die Äcker Weizen- oder Kartoffelressourcen, die Flüsse und Meere Fischressourcen und Haustiere Fleischressourcen. Die Natur kann und darf ausgebeutet werden. Dazu ist sie da, finden wir (meist). Die Ausbeutung, der Massenmord an Leben braucht uns nicht zu tangieren, wir gehören ja nicht dazu. Und selbst als Erholungsraum ist uns die Natur noch eine Ressource.

Doch indem wir uns nicht als Teil der Natur betrachten, die Natur nach außen verlagern, stellen wir ein uraltes, natürliches Machtverhältnis auf den Kopf. Solange wir nämlich Teil der Natur waren, waren wir ihr preisgegeben. Wir mussten uns nach ihren Rhythmen richten, mussten uns ihrem Willen und ihren Launen fügen. Sie war die Macht, die wir mit Gebeten und Ritualen gnädig zu stimmen versuchten – bis wir lernten, sie uns gefügig zu machen. Wir lenkten Flüsse um, verschoben Berge und verwandelten Büffel in Ochsen. All dies in der Meinung, wir seien kein Teil der Natur und seien deshalb dem Unheil, das wir in ihr anrichten, nicht ausgesetzt. Nein, Natur ist kein harmloser Begriff. Egal, ob wir ihn auf ausbeuterische oder romantische Art verwenden, nur selten entkommen wir dem essentiellen Irrtum, wir könnten über „die Natur“ nach Gutdünken verfügen, sie beherrschen; ein Irrtum, der uns in absehbarer Zeit vermutlich Jahrtausende kultureller Entwicklung kosten wird. Denn, so alt und banal der Vergleich ist, er stimmt: Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Der Bumerang der Entfremdung, den wir geworfen haben, kehrt mit Macht zurück.

We take resources from the commons (the earth, water, soil, air, life, plant and animal people), we build things with and from them and then sell them, making money with the money we make from selling what is not ours in the first place, destroy our and other lifeforms’ habitats while doing so in a ruleset of a deeply flawed capitalist system that directs the flow of privilege and status and individual property always to the ones that have more than enough, literally destroying life on the planet trans-forming it into virtual non-matter “money” on virtual non-matter “bank accounts”. Kaa Faensen (fraendi.org/2020/07/05/a-capacity-for-desirable-futures)

Foto: Alexas_Fotos auf Pixabay

von Maria Schöller

Vor einigen Wochen durfte ich mit einer Gruppe eine Übung machen. In der Zwischenzeit hat die Erinnerung daran immer wieder mein Herz weich und warm werden lassen – und so möchte ich nun auch Dich daran teilhaben lassen.

Die Übung

Bei der Übung (die noch keinen Namen hat) geht es darum, sich in Zweiergruppen in Begriffspaare hineinzuversetzen und diese in einer Haltung oder Geste zum Ausdruck zu bringen. Die Begriffspaare sind dabei Ausdruck polar gegenüberstehender Lebenshaltungen: Getrenntheit vs. Verbundenheit.

Im Wortlaut zum Beispiel: Weiterlesen

Das ist doch mal eine Überschrift. Und könnte sich als Slogan für die gesamte Wandelbewegung eignen!
Dem ist nichts hinzuzufügen. Man braucht sich den Beitrag nur noch anschauen, um sich inspirieren zu lassen. Weiterlesen

Von Maria Schöller

„Corona“ spaltet die Gesellschaft. Es bilden sich „Corona-Lager“, die ihre jeweiligen Positionen mit Zähnen und Klauen verteidigen. Diese Spaltung macht mir Angst.

Vor wenigen Tagen habe ich zum Austausch darüber eingeladen, in einem Format, welches das Zuhören, das Hinspüren und das Aushalten unterschiedlicher Meinungen und unserer Reaktionen darauf in den Mittelpunkt stellt.

Unter den anwesenden Menschen waren unterschiedliche Standpunkte vertreten – oftmals mehrere innerhalb einer Person. So entschieden wir uns dafür, die Standpunkte zu benennen und ihnen unabhängig voneinander unsere Stimme zu leihen. Was ist mir aus dieser Position heraus wichtig?

Da standen nun also unterschiedliche Einstellungen nebeneinander – so ziemlich gleichwertig! Ich habe sie im Nachhinein ergänzt und teilweise umbenannt, in:

  • Gesundheit und Verantwortung (Alle müssen Verantwortung für die Eindämmung des – für manche Menschen und unser Gesundheitssystem ernsthaft bedrohlichen – Virus übernehmen.)
  • Bevormundet (Ich bin aufgebracht über den Eingriff der Regierungen und Behörden in mein persönliches Leben!)
  • Verarscht (Was geht – im Hintergrund – wirklich vor sich?)
  • Lebendig leben! (Nur der Tod ist sicher. Ich will so richtig leben!)
  • Mitschwimmend (Ich mache für mich das Beste daraus; möchte möglichst unbeeinträchtigt leben, ohne Probleme zu bekommen.)

Wie kann es sein, dass sich all diese Positionen irgendwie richtig und irgendwie unvollständig anfühlen? Bedrohliche Angst hier, ein zusammenkrampfendes Herz da. Ein mulmiges Gefühl dort drüben. Was ist denn nun „richtig“??

Diese Situation kenne ich aus meinem Leben: dass mehrere Standpunkte, die sich scheinbar widersprechen, gleichzeitig wahr sind. Dass es in mehreren Bereichen meines Lebens gleichzeitig knirscht und ich nicht verstehe, warum. Und immer wieder zeigt sich: Wenn dies der Fall ist, liegt die Lösung des Problems auf einer anderen Ebene. Die Sichtweise eines sehr geschätzten Menschen taucht in mir auf:

Das Virus ist eine Art des Lebens, sich selbst zu regulieren und zu entfalten.

Ich spüre in mich hinein und merke ein feines “Einrasten”. Mein System sagt “JA!” Ja, auf dieser Ebene passen all die Positionen zusammen: Das Virus und die globalen Reaktionen konfrontieren uns mit dem, was uns wichtig ist; halten uns einen Spiegel vor, in dem unterschiedliche Menschen – entsprechend ihren Werten – unterschiedliche Dinge sehen.

Ja, mir ist wichtig, rücksichtsvoll miteinander umzugehen; auch auf die Schwächeren und Anfälligeren in unserer Gesellschaft/auf unserem Planeten zu achten und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Ja, ich möchte mich möglichst autonom entfalten. Ich möchte, dass mir zugetraut wird, dass ich selbstverantwortlich gute Einschätzungen und Entscheidungen treffen kann.

Ja, ich möchte, dass wir dort hinschauen, wo’s weh tut. In vielen Lebensbereichen wurden wir über lange Zeit manipuliert, belogen und betrogen. Vieles, was uns als wahr und richtig eingetrichtert wurde, ist so nicht haltbar. Ich denke da auch an endloses Wirtschaftswachstum, an scheinbar unbegrenzte Ressourcen, an die Ausbeutung anderer Menschen/Lebewesen/Ökosysteme zugunsten weniger – weil es „leider geil“ ist, das neueste, billigste Zeug zu kaufen. Es gärt und fault schon lange. Nun fangen immer mehr Menschen an, dies zu riechen und zu spüren. Wir können die Prozesse von Angst, Schmerz, Trauer und Wut durchschreiten und dann mit klarem Blick neue Wege suchen und gehen.

Ja, ich möchte mich auf das Wesentliche besinnen. Was bedeutet Menschsein für mich? Was ist unser Wesenskern? Was ist mir wirklich wichtig im Leben?

So können all diese Positionen (und wahrscheinlich noch weitere) nebeneinanderstehen; sind einander ergänzende Aspekte, die mir alle wichtig sind.

Die bisherige „Integration“ meiner Gedanken und Gefühle – möglichst unbehelligt mitzuschwimmen – stellt sich in diesem Licht als lauwarmer Durchschnitt heraus. Wie könnte eine wahrhafte Integration all dieser Facetten aussehen? Ich weiß es noch nicht. Ich spüre, dass sie alle gemeinsam auf einen Tisch gehören. Dass wir immer Wichtiges übersehen, wenn wir einen oder alle anderen Aspekte ausblenden. Ich möchte uns alle einladen, in jeden dieser Aspekte so richtig einzutauchen. Was sehen wir in welchem Spiegel – und was können wir daraus lernen?

Ich spüre Erleichterung. Genieße die momentane Klarheit. Spüre staunende Bewunderung für die Spielweise des Lebens, uns mit einem Schlag global so vielfältige Spiegel vorzuhalten; uns Impulse zur Besinnung und (Neu-)Orientierung zu geben.

„Wer gibt, dem wird gegeben werden.“ Ein scheinbar einfacher Spruch, eine Forderung wie gleichermaßen Weisheit aus dem neuen Testament. Kennt man. Abgehakt. Passend für arme Leute und Hungerleider, die nichts haben und drauf angewiesen sind, dass sie dem Schicksal eine Gabe abluchsen, bei der sie mehr bekommen als sie gegeben haben. Oder?

Kein Spruch jedenfalls für die moderne Gesellschaft. Stammt ja auch von einem vor 2000 Jahren hingerichteten Sprücheklopfer. Wer weiß, vielleicht ja sogar zu Recht! „Wer gibt, dem wird gegeben werden“ – als ob man das schon mal erlebt hätte! Sagen wir mal, du spendest für Misereor. Und was kriegst du zurück? Im besten Fall ein vollautomatisiertes Dankeschön. Und wenn du einem, der nichts hat, was schenkst, ein Stück Pizza, ein Kilo Äpfel oder ein Butterbrot, dann musst du vielleicht noch mit nem fiesen Spruch rechnen, mitten in der Fußgängerzone.

So weit die banale Einordnung des Spruchs, den wir alle kennen. Und den wir alle nicht wirklich ernst nehmen. Und so weit auch ein Missverständnis. Denn „Wer gibt, dem wird gegeben werden“ adressiert niemanden. Da ist nicht von einem, der braucht, die Rede, sondern von dem Akt des Gebens ohne Absicht. Von einer inneren Haltung vielleicht sogar. Da ist kein Bettler genannt, kein Hungernder, keine Kreatur in Not. „Wer gibt“ – reduzierter könnte man es nicht ausdrücken. Einer, der gibt, vollzieht einen Akt, dessen Gegenteil das Nehmen ist. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit geht es dabei gar nicht um materielle Werte, um Dinge, um kostbaren Besitz. Vielmehr ist der Gebende einer, der sich aktiv der Welt zuwendet, der eine Fülle zur Verfügung hat, einen inneren Reichtum, der ihm das Geben leicht macht. Der Gebende ist kein Bedürftiger. Man muss nichts haben, um jemandem – oder der Welt – ein Lächeln zu schenken oder eine helfende Hand. Oder eine Umarmung, Mitgefühl oder Trost. „Wer gibt, dem wird gegeben werden“ ist ein durch und durch antikapitalistischer Spruch. Ist ja auch alt genug dafür und entstand in einem ersten kapitalistischen Großreiche der Weltgeschichte.

Und nun kommt die große Frage: Was bist du für einer? Bist ein Gebender oder ein Nehmender? Wie begegnest du der Welt und deinen Mitmenschen? Den Tieren, der Mutter Erde? Und um es auf den Punkt zu bringen: Bist du ein Liebender? Lebst du in der Magie der Gabe? Das Schöne dabei: Falls nicht – Du kannst das in jeder Sekunde deines Lebens ändern.

Von Semra Mete

„Teilen ist heilen“ – intuitiv stimme ich der Bedeutung dieses Spruchs zu, doch mein kritischer Verstand möchte genauer wissen, wie das zu verstehen ist. Wann entstand bei mir in der Vergangenheit das Bedürfnis, etwas mit meinen Mitmenschen teilen zu wollen? Es war zumindest immer dann der Fall, wenn ich mit positiven Gefühlen so stark aufgeladen war, so dass es aus mir raus musste. Sei es eine neue Erkenntnis, sei es eine sehr bewegende Geschichte oder eine Nachricht. Auf jeden Fall etwas, was ich schön finde, was mich innerlich in Bewegung setzt, es weiterzugeben.

Metaphorisch kann ich es so beschreiben, dass „etwas“ in mir Wellen schlägt, sich in mir ausdehnt, ähnlich wie Wasserwellen durch mich hindurchgehen und so andere Menschen erreichen können. Also, basierend auf meiner eigenen Erfahrung komme ich zu der Erkenntnis, dass eine auf Liebe, Freude, Schönheit ausgerichtete, von Natur aus hochschwingende Information sich in uns, durch uns so sehr ausdehnt, dass wir das tiefe, starke Bedürfnis spüren, diese „Botschaft“ mit unseren Mitmenschen zu teilen … so im Sinne des Spruchs „Hundert Kerzen lassen sich an einer entzünden. Das Gute nimmt zu, wenn man es teilt.“ Noch klarer kann der Heilungseffekt des Teilens, finde ich, nicht in Worte gefasst werden. Daraus folgt für mich die Erkenntnis, dass Teilen das Wachsen miteinander ist. Der, der das Gute teilt, trägt zum Wachstum anderer bei und wächst dabei selber.

Angst blockiert unser natürliches Bedürfnis nach Teilen

Was ist aber mit Menschen, die das Gute nicht teilen (wollen) bzw. bewusst oder unbewusst Negativität verbreiten? Was für Störfaktoren muss es in solchen Menschen geben, die den natürlichen „Ausdehnungsprozess“ des Guten behindern? Nach langem Überlegen komme ich zu der Ansicht, dass das Schöne, die Liebe, das Freudige in uns sich nicht ausbreiten können, solange wir mit zu Boden drückenden Gefühlen wie Angst, Neid, Zweifel, Scham, Neid oder Gier behaftet sind. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich sehr lange meine Wahrheiten, mein Weltbild, die ich intuitiv eigentlich gerne mit meinen Mitmenschen teilen wollte, aus Angst vor Kritik oder Bloßstellung lieber für mich behalten hatte.

Je mehr wir uns aber unseren Blockaden bewusst werden, uns unseren tief sitzenden Ängsten öffnen und uns mit ihnen bewusst auseinandersetzen, desto mehr Blockaden lösen sich auf und desto freier kann das hochschwingende Gute in uns fließen und Zugang zu unserem Umfeld finden!

Teilen meiner Krankheitsgeschichte

Letztlich war auch die verinnerlichte Botschaft des Spruchs „TEILEN IST HEILEN“ der Beweggrund für mich, meine Krankheitsgeschichte (Neurodermitis/Schuppenflechte) in Form eines kleinen Buches zu verfassen, und meine gewonnenen Erkenntnisse aus meinen Erfahrungen in dieser Zeit mit meinen Mitmenschen zu teilen. Denn ich selbst wurde durch die Heilungsgeschichten anderer Menschen stark inspiriert und gestärkt, meinen Weg zu gehen, auf dem ich die volle Gesundung erfahren habe.
Wie schön es sich doch anfühlt, wenn ich mich auf das mentale Bild fokussiere, wo immer mehr inspirierende Geschichten geteilt werden, die das Licht im Herzen von Hunderten, ja zig Tausenden von Menschen anzünden und so immer höheres Erleuchten auf dieser Erde bewirken. → Semras Buch

In einer bitteren Stunde habe ich folgende Änderung des Grundgesetzes vorgeschlagen:

“Der Satz ‘Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt’ möge umgeschrieben werden in ‘Die Würde des in Deutschland legal gemeldeten, weißhäutigen, gesunden, heterosexuellen, nicht vorbestraften, stabilen, wohlsituierten und arbeitstüchtigen Menschen unter 60 Jahren ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen behält sich die staatlichen Gewalt bis auf weiteres vor.’ ”

Umso mehr habe ich mich gefreut, kürzlich von Heiko Lietz folgenden Text erhalten zu haben:

Zum Tag des Grundgesetzes, am 23. Mai 2020 Friedensdom

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

wieder haben wir uns zusammengefunden, um an diesem Tag darüber nachzudenken, was es mit der Würde des Menschen auf sich hat. Es zieht sich ja wie ein roter Faden durch die Geschichte der Menschheit, dass es die Herrschenden mit der Würde des Menschen nie so genau  genommen haben, wenn es um die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen ging. Das war in der Sklavenhaltergesellschaft ähnlich wie im Feudalismus. das setzte sich fort im Kapitalismus und das ist auch im Sozialismus nicht viel anders gewesen. Deswegen stellt sich auch für uns heute die Frage, was wir dazu beitragen können, diese unzureichenden Verhältnisse zum Besseren zu wenden.

Es ist deswegen gut und wichtig, dass wir uns aus Anlass dieses Tages wieder einmal darauf besinnen, was unsere Gesellschaft eigentlich im Innersten zusammenhält. Entstanden ist dieses Grundgesetz aus den bitteren Erfahrungen der schlimmsten, menschenverachtenden Jahre deutscher Geschichte, der Nazidiktatur. In diesen Jahren wurde die Würde der Menschen nicht nur angetastet. Sie wurde verletzt, mit Füßen getreten, stranguliert, wurde für vogelfrei erklärt.  Juden, Sinti und Roma und viel andere wurden vergast, Systemgegner jeder politischen und religiösen Richtung wurden inhaftiert, gefoltert und hingerichtet. Als die Nazis dieses menschenverachtende Regime durch einen mörderischen Krieg über die ganze Welt ausbreiteten, verhinderten dies die Alliierten unter ungeheurem Blutvergießen. 1945 stand die Welt vor einem Scherbenhaufen. Um diesem ungeheuren Ausbruch von Brutalität und Menschenverachtung einen Riegel vorzuschieben, gründeten sie die Vereinten Nationen. Zum obersten Leitmotiv wurde in ihrer Charta die Würde des Menschen. Damit diese aber nicht zu abstrakt bleibt, entfalteten sie diese in überschaubaren Kriterien und verabschiedeten 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Als sich die Bundesrepublik Deutschland 1949 gründete, machte sie diese grundlegenden Einsichten zur Basis des Grundgesetzes.

Folgender Satz wurde zum nicht verhandelbaren Fundament, zum ewigen Bestandteil für das friedliche Zusammenleben aller Menschen in Deutschland:

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Es sind jetzt schon 71 Jahre her, seit dieser Artikel zur alleinigen Richtschnur deutscher Politik gemacht wurde. Leider wurden aber nicht alle Menschenrechte als einklagbare Grundrechte in diesem Grundgesetz verankert. Die sozialen wirtschaftlichen und kulturellen Menschenrechte blieben draußen vor, z.B. das Recht auf Arbeit, auf soziale Sicherheit oder das Recht auf Bildung.

Als sich unser Land Mecklenburg-Vorpommern 1994 eine eigene Verfassung gab, stand ebenfalls die Würde des Menschen im Mittelpunkt.

Dort heißt es im Artikel 5: Das Land Mecklenburg-Vorpommern ist um des Menschen willen da; es hat die Würde aller in diesem Land lebenden oder sich hier aufhaltenden Menschen zu achten und zu schützen.

Alle, d. h. nicht nur die deutschen Staatsbürger, sondern genauso auch die Flüchtlinge, Asylantragsteller, Durchreisende und alle, die sich, aus welchen Gründen auch immer, hier bei uns aufhalten. Das ALLLE Menschen damit eingeschlossen sind, ist mir als einer, der diese Verfassung als Mitglied der Kommission mitgeschrieben hat, besonders wichtig gewesen.

Es war aber schon ein Fortschritt gegenüber dem Grundgesetz, dass die sozialen wirtschaftlichen und kulturellen Menschenrechte wenigstens als Staatzielbestimmungen aufgenommen wurden. Aber einklagbar wurden sie deswegen auch nicht.

So besteht die heutige Aufgabe auch weiterhin, sich entschieden für ihre Einklagbarkeit einzusetzen.

Das gilt umso mehr, weil sich in unserem Land schon wieder mehr und mehr Menschen gibt, die diese unveräußerlichen Rechte kappen wollen. Sie verbreiten die Parolen “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus” auf Straßen und Plätzen, in ihren Zeitungen und in sozialen Medien. Sie stecken Flüchtlingsheime an und schrecken inzwischen auch nicht mehr vor Mord und Totschlag zurück. Sie haben sich inzwischen auch in einer Partei eingenistet, um für eine Alternative zu kämpfen, in der die Würde JEDES Menschen nicht mehr gilt. Sie knüpfen dabei in ihrem Reden und Tun immer erkennbarer an Gedanken der Nazis an.  Der Schoß ist schon wieder sehr fruchtbar geworden, aus dem dies aller kriecht. Es ist deswegen höchste Zeit, dass wir uns noch vernehmbarer für diesen Artikel im Grundgesetz und unserer Verfassung einsetzen.

Aber mit der Corona-Epidemie steht dieser Kampf um die Grundrechte wieder ganz neu im Mittelpunkt. Immer wieder haben sich in den letzten Wochen Menschen auf Kundgebungen zusammengetan, um dafür zu kämpfen, dass das Grundgesetz mit seinen Grundrechten nicht auf der Strecke bleibt. Sie fühlen sich ihrer persönlichen Freiheitsrechte beraubt und meinen allen Ernstes, dass wir uns bereits in einer Gesundheitsdiktatur befinden. Auf diesen Kundgebungen haben sich inzwischen aber auch Menschen eingefunden, die das gesamte gesellschaftspolitische System aushebeln wollen. Dazu gehören Neonazis genauso wie Verschwörungstheoretiker.

Ist das wirklich so? Werden die Grundrechte wirklich außer Kraft gesetzt, wenn es darum geht, das Leben vieler Menschen vor dem Tod durch das Virus zu bewahren? Ist es nicht die Pflicht eines Staates, in dieser sehr schwierigen Situation eine Güterabwägung zu treffen? Das ist bei uns in Deutschland auch bei vielen Mängeln im Vergleich zu anderen Staaten wirklich recht gut gelungen. Wer das zu leugnen versucht, handelt unverantwortlich und verdreht die Tatsachen.

Aber wie müssten wir mit denen umgehen, die sich davon nicht überzeugen lassen wollen?

Gut wäre es, wenn wir alle miteinander in ein ehrliches Gespräch kommen könnten, wo wir unsere Meinungen und Ansichten miteinander austauschen, um in diesen Gesprächen gute Antworten auf die enormen Einschränkungen des gesamten gesellschaftlichen Lebens zu finden. Das ist sicher eine außerordentliche Herausforderung, denn keiner von uns ist im Besitz der Wahrheit und weiß schon im Vornherein, was richtig und was falsch ist, was der Würde des Menschen dienlicher ist oder was sie erneut gefährdet. Deswegen ist es umso wichtiger, gerade heute offen miteinander zu reden und gemeinsam gute Lösungen zu finden, damit die Würde des Menschen auch in dieser schwierigen Situation nicht angetastet wird.

 

 

Drei Beispiele von AkteurInnen der Wandelbewegung, die – vermutlich – nichts von einander wissen:

  • Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung dürfte kaum Kontakt haben zu
  • SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil oder zu
  • den Transformativen Theaterworkshops

Alle drei sind natürlich auf ökoligenta vertreten, aber das kann nur ein Anfang sein. Viel besser wäre, sie würden miteinander kommunizieren, sich vielleicht sogar “irgendwie” zusammentun. Damit das immer besser geschehen kann (und sie alle sichtbarer werden), wurde kürzlich das “Wandelbündnis – Gesamtverband für den sozial-ökologischen Wandel” gegründet. Ein klassischer Verband ist das aber nicht. Warum nicht? Weil das Wandelbündnis kein eigenes Thema hat (wie Wirtschaft, Kultur, IT etc.). Alles, worum es geht, ist die sozial-ökologische gesellschaftliche Transformation voranzubringen – auf allen Ebenen, mit allen Themen. Das gelingt am besten, wenn jede/r einzelne AkteurIn mit seinem Thema gestärkt wird.

Die Logik freilich scheint schwer verständlich. Schon geht es los mit Besitzstandswahrung, Ängsten um Terrainverlust etc. Dabei ist und bleibt es so: Je mehr wir uns umeinander kümmern und einander vernetzen, helfen und verstärken, umso stärker wird jede/r Einzelne.

Aber vielleicht tickst Du ja gar nicht so, liebe Leserin, lieber Leser. Vielleicht überlegst Du ja längst, einen Mitgliedsantrag zu stellen? Das würde mich freuen.

Wenn du, liebe Leserin, lieber Leser, mir erzählst, du magst keine Pizza – und mit „keine“ meine ich wirklich „keine“ –, dann gehörst du zu den Ausnahmemenschen dieser Republik. Die türkische Lahmacun beziehe ich hier ausdrücklich ein, die französische Croque, die georgische Chatschapuri, die libanesische Manakish und die japanische Okonomiyaki. Nur: Wie kommst du zur Pizza? Daran scheiden sich die Geister. Und das hat eine Menge mit gesellschaftlichem Wandel zu tun.

Wären wir hier die Brigitte oder ein anderes Mainstream-Medium, dann würden wir fragen: Welcher Pizza-Typ sind Sie? Wir hier sagen aber „du“ und gehen die Sache etwas anders an.

Was wir Pizzafreunde weltweit gemeinsam haben: Wir bestellen sie uns gelegentlich in einem Restaurant und lassen uns bedienen. Doch wie, wenn wir zu Hause bleiben?

Welcher Pizzatyp bist du?

Am einfachsten ist es, zum Handy zu greifen, den Lieferservice unserer Wahl anzurufen und 20 Minuten später die heiße Pizza auf dem Teller zu haben. Hoffentlich trennen wir dann den Müll (der volumenmäßig in etwa der Pizza gleichkommt) in Pappe und Alu. Na gut. Wer’s mag. Vom Energieaufwand für die Verpackung und den Antransport mal ganz abgesehen. Aber das ist ja nicht unser Problem, oder?

 

 

 

Schon ein bisschen mehr Arbeit macht die Fertigpizza aus dem Gefrierfach: aufstehen, aufs Blech geben, Ofen einschalten, richtigen Garpunkt beachten, rausnehmen, auf Teller legen – essen. Uahh, viel Arbeit. Außerdem muss man sie vorher eingekauft und eingefroren haben. Momentane Gelüste haben da keine Chance. Uahh, Einschränkung.

 

 

 

Beinahe schon mit Kochen hat der Pizza-Teigling zu tun. Auch der kommt aus dem Gefrierfach, aber man muss ihn noch selbst belegen. Der Belag muss vorhanden sein und natürlich auch der passende Käse, idealerweise – für Nichtveganer – der Büffelmozzarella oder ein Blauschimmelkäse. Sehr viel mehr Arbeit; doch dafür hat man seine Lieblingsauflage drauf, was ja auch nicht zu verachten ist.

 

 

 

Jetzt lassen wir mal ein paar Zwischenschritte aus und kommen zur Vollendung: Du mahlst dein Dinkelmehl aus frischem Vollkorn, benutzt frische Hefe für den Teig sowie Tomaten, Kräuter und Zucchini aus deinem Garten für die Auflage und Ziegenkäse von der regionalen Käserei. Alles in Bioqualität, versteht sich. Deine Einkäufe hast du so geplant, dass du nicht extra fahren musst, und die Essenreste landen im Kompost.

 

 

Der entscheidende Zwischenschritt

Vermutlich muss ich jetzt nicht mehr erläutern, was Pizzaessen mit gesellschaftlichem Wandel zu tun hat. Nur dies: Zwischen der Liefervariante und der Bio-Genussvariante liegt ein Bewusstseinsprozess. Die Produktion von Lebensmitteln ist ein großes, internationales Geschäft, bei dem der am meisten verdient, der mit dem billigsten Rohstoff- und Lohneinsatz, aber der verlockendsten Verpackung, am teuersten verkaufen kann. Das muss ich nicht mitmachen und gleich noch die Pestizide von Bayer, Monsanto & Co mitbezahlen. Aber davon mal ganz abgesehen: Das, was ich in meinen Körper „reinwerfe“, kommt auch hinten wieder raus. Nicht nur am Po. Gesund oder ungesund, bio oder konventionell hergestellt: Das schlägt sich auf meiner Haut und in meinen Organen nieder. Und ganz nebenbei auch in meinem Kopf.

Tipp für alle, die tiefer einsteigen wollen: die Ernährungs-Docs