von Peter Zettel 

Was ich tue, folgt stets einer Kette von Ursachen, Reaktionen und Wirkungen. In meinen Reaktionen bin ich jedoch nicht wirklich frei, sondern ich folge immer meiner inneren, geistigen Haltung. Dabei macht es keinen Unterschied, ob ich Zeit habe, darüber nachzudenken, was ich tue oder eben nicht. Der „freie Wille“ liegt ausschließlich in meiner Haltung, die wiederum basiert auf meinen selten bewussten Überzeugungen und Ansichten; letztlich also auf meinem Weltbild, denn das ist das Gegenstück zu meinem Selbstbild.

Mein „freier Wille“ beginnt damit, mir meines Weltbildes wie meines Selbstbildes bewusst zu werden und zu sein, wobei das Selbstbild wesentlich schwieriger zu greifen ist als das Weltbild. Dieses Bild bildet wiederum mein Verständnis, von dem aus ich handle. Mein Verständnis ist also die Form, die „meine“ Inhalte definiert. „Ich“ gestalte Inhalte und damit mich selbst allein durch mein Verständnis, das ich mir immer wieder bewusst machen muss.

Es geht dabei allein um Bewusstheit und nicht mehr. Denn als ein Aspekt des Kosmos, der ich ja bin, muss ich den Kosmos in mir selbst erkennen, ohne jeglichen gedanklichen Zusatz. Ich weiß, wie alles Existierende, um die Gesetzmäßigkeiten des Kosmos, doch ich bin mir dessen nicht unbedingt bewusst, vor allem nicht in dem, was ich bewusst tue. Es geht also um Bewusstwerdung des Kosmos wie meiner selbst durch Untersuchung und konsequentes Ergründen.

Alles, was ich tue, ist „richtig“, denn ich kann es ja tun. Doch das bedeutet nicht, dass es auch konstruktiv wäre. Konstruktiv und destruktiv sind in diesem Kontext die stimmigeren Begriffe als richtig und falsch. Doch weil mir, wie wohl den meisten Menschen, nicht ohne weiteres selbstverständlich ist, was für das Ganze und nicht nur für mich selbst konstruktiv und weiterführend ist, brauche ich eine Haltung, die exakt das beinhaltet und ausdrückt, so wie etwa das Budō der Kampfkünste oder die Prinzipien des Teeweges.

Doch weil es, wie Adorno ganz richtig sagt, kein richtiges Leben im falschen geben kann, ist dies für mich die Aufforderung, stets das scheinbar Unmögliche zu erreichen zu suchen, um tatsächlich das mir Mögliche realisieren zu können.

Die Welt ist aus ganz einfachen Fraktalen zusammengesetzt. In der gesamten Natur lassen sich sehr einfache Prinzipien erkennen, aus denen sich dann komplexe Strukturen bilden. Und so ist es auch bei psychischen Strukturen. Sie sind in ihrer Ausformung extrem vielfältig und komplex, setzen sich aber aus einfachen Prinzipien zusammen.

In und mit den Prinzipien, die ich, bewusst und nicht bewusst, als mein Verständnis der kosmischen Gesetzmäßigkeiten setze, kann ich für mich selbst mein Bild von der Welt und mir selbst sicht- und erkennbar machen. Dabei gibt es keine Trennung zwischen Innen und Außen, die sind definitiv eins. Doch um dies auch leben zu können, muss ich einen weiteren Schritt gehen, ich muss all diese Prinzipien so verinnerlichen, dass ich im Alltag keinen einzigen Gedanken mehr daran verschwenden muss.

Dann gestalten diese an den Gesetzmäßigkeiten ausgerichteten Prinzipien mein Leben.

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