von Maria Schöller

Vor einigen Wochen durfte ich mit einer Gruppe eine Übung machen. In der Zwischenzeit hat die Erinnerung daran immer wieder mein Herz weich und warm werden lassen – und so möchte ich nun auch Dich daran teilhaben lassen.

Die Übung

Bei der Übung (die noch keinen Namen hat) geht es darum, sich in Zweiergruppen in Begriffspaare hineinzuversetzen und diese in einer Haltung oder Geste zum Ausdruck zu bringen. Die Begriffspaare sind dabei Ausdruck polar gegenüberstehender Lebenshaltungen: Getrenntheit vs. Verbundenheit.

Im Wortlaut zum Beispiel:
— Aggressivität vs. Achtsamer Dialog —
— Achtloses Konsumieren und Wegwerfen vs. Sorgfältiges Angreifen, Betrachten und Wiederverwerten —

Mein Erleben

Zuerst bin ich an der Reihe, “Achtsamer Dialog” zu verkörpern; mich richtig reinzuspüren und zu beobachten: Welche Haltung möchte mein Körper einnehmen? Welcher Ausdruck stellt sich in meinem Gesicht ein? Ich versuche, bei mir zu bleiben, während mir mein Gegenüber mit aggressiv verzerrtem Gesicht auf die Pelle rückt. Ich muss lachen, finde wieder zu mir zurück, muss nochmal lachen – dann komme ich an. Der Blick weich, eine Hand auf dem Herzen, die andere einladend geöffnet.

Danach dreht sich der Wind. Ich versuche, in “Aggressivität” hineinzufinden. Versuche, mich an dazu passende Situationen zu erinnern, um das Gefühl aufleben zu lassen. Mein Körper spannt sich an, die Hände zu Fäusten geballt. Der Ausdruck von Aggressivität ist mir ziemlich fern; ich spüre Wut im Bauch, da ist auch ein Anflug von Hass. Ich schaue zu meinem Gegenüber – das mich mit einem warmen, herzlichen Blick anschaut, die Arme geöffnet. Meine kläglichen Bemühungen lösen sich in Luft auf, die Spannung in meinem Körper ist mit einem Schlag verschwunden. So geht das nicht!! Ich versuche nochmal, in einen Ausdruck von Aggressivität zu finden – vergeblich. Sobald ich mit dem “achtsamen Dialog” in Kontakt gehe, kann ich weder Aggressivität noch Wut halten.

>> Wenn es zu einer Begegnung kommt, kann Aggressivität dem achtsamen Dialog nicht standhalten. <<

Nach der Paarübung finden wir im Kreis zusammen. Reihum stellen die Gruppen jeweils eine ihrer Konstellationen dar. Der Ausdruck von Verbundenheit ist durchwegs ruhig, leise, behutsam. Das Getrennte jedoch nimmt sich Raum, holt aus, fängt mit seinen achtlosen Bewegungen die Blicke ein. Beide sind sie gleichzeitig da, jedoch wird das Behutsame, Verbundene im Schatten des reißerischen Getrennten unsichtbar.

>> Wenn ich nicht bewusst hinschaue, verschwindet das Schöne und Verbundene im Schatten des Lauten, Getrennten. <<

Mein offenes Fazit

Die Fülle der Erfahrungsmöglichkeiten, die das Leben bereitstellt, ist so viel größer als das, was wir in einem einzelnen Leben erleben können. Da ist ganz viel Schönes… und auch Schmerzhaftes. Wie möchte ich damit sein?

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