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von Theresia Maria Wuttke

Wir brauchen die Transformation unserer Gesellschaft vom Ich zum Du zum Wir, denn in der Wir-Qualität verbinden sich die Potenziale des Einzelnen mit den Potenzialen von vielen zum Wohle des Ganzen. Weiterlesen

von Theresia Maria Wuttke

Die Entstehung des Geldes ist fast in Vergessenheit geraten; nur ein paar Artefakte haben die Jahrtausende überdauert. Die ursprüngliche Handhabung war, eine Währung als Tauschmittel (anstatt der tatsächlichen natürlichen Güter) anzuerkennen.

In diesen frühen, sehr gerecht angelegten Geldsystemen war  eine Zinsentwicklung, wie wir sie heute kennen, nicht vorgesehen und sogar gar nicht möglich. Über die Jahrtausende hat sich das Geld zu einem, in den Ursprüngen nicht gewollten, Zins- und Zinseszinssystem gewandelt. Die Folgen sind hinreichend bekannt.

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Rezension von Andreas Chajm Langholf

Abschied vom Größenwahn. Wie wir zu einem menschlichen Maß finden. Von Ute Scheub, Christian Küttner.
22 Euro, ISBN 978-3-96238-205-6, oekom Verlag

„Drei Molkereien reichen aus, um ganz Deutschland mit Milchprodukten zu versorgen.“ Mit dieser Aussage schockierte mich ein sehr freundlicher Vertreter einer großen Molkereikette in einem Gespräch im Rahmen der Recherchen für diese Rezension. Da stellte sich mir die Frage: Woher kommt der Gegensatz zwischen der persönlichen Einstellung und dem Handeln in Großstrukturen?

„Abschied vom Größenwahn. Wie wir zu einem menschlichen Maß finden.“ Schon der etwas sperrig wirkende Titel des fast 300 Seiten dicken, im September 2020 im oekom-Verlag erschienenen Buches wirft Fragen auf, ja mag provozieren.

Ziel des Buches ist es dabei nicht in erster Linie, konkrete Anleitungspunkte für nachhaltiges Handeln zu geben, sondern vielmehr einen reflektierten Überblick. Dabei finden in dem spannend zu lesenden Buch selbst Leute, die sich mit der Materie bereits auskennen – nicht zuletzt dank der aktuellen, exemplarischen positiven Beispiele – noch einiges Interessante, Neue, Überraschende.

Das einleitende Kapitel „Größenwahn oder menschliches Maß“ umfasst das erste Drittel des Buches. Sehr umfangreich wird dort versucht, die vielfältigen Krisen und Probleme unserer Zeit wie Epidemien, Klimakrise und Artensterben in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.

Die Autoren, zwei Aktivisten zivilgesellschaftlicher Initiativen und IT-Berater für Organisationen wie den Bundestag, beklagen und beschreiben die größenwahnsinnige Art der gegenwärtigen Globalisierung und die Auswüchse des gegenwärtigen Modells. Dabei werden immer wieder Bezüge zur aktuellen, bedrückenden Corona-Pandemie hergestellt und diese als als Symptom einer Systemkrise beschrieben: Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, wie verletzlich wir uns mit unserem Zivilisationsmodell gemacht haben, etwa in der Massentierhaltung sowohl mit ihrem Umgang mit den Tieren wie auch den dort Beschäftigten, als auch mit der leichten weltweiten Ausbreitung über die globalen Flug- und Handelsrouten.

Dem werden kleinteilige, selbstorganisierte und lokal angepasste Strukturen entgegengestellt:
Selbstbewusst schreiben die Autoren: „Wir alle sind aufgerufen, liebevolle Sterbebegleitung des alten Systems zu leisten, und dieses Buch will dazu seinen kleinen Beitrag leisten.“

Auf die Schilderung des Verlustes des menschlichen Maßes aufbauend widmen sich fünf Kapitel verschiedenen zentralen Bereichen: Ernährung, Lebensorten, Wirtschaft, Gesundheitssystem und Demokratie. Hier wird nach grundsätzlichen Betrachtungen eine Vielzahl von Initiativen vorgestellt. Das abschließende Kapitel „Abschied vom Größenwahn“ unternimmt den nicht einfachen Versuch eines Resümees.

Auf den ersten Blick fällt die gelungene Gestaltung des Buches in vielerlei Hinsicht auf: So wird jedes Kapitel des Hauptteiles umrahmt von einer einheitlichen Gestaltung. Treffende Zitate zu Beginn und Zukunftsvisionen zum Ende umrahmen die einzelnen Kapitel. Sie liefern eine grundlegende Analyse des jeweiligen Problemfeldes, etwa der „Ernährung“, abgesichert durch eine Vielzahl von Zitaten bekannter und renommierter Autoren. Der emanzipatorische Ansatz der Visionen ist teils inspirierend, schlägt dabei für meinen Geschmack jedoch zuweilen ins gegenteilige Extrem um.

Die meiner Ansicht nach teils zu holzschnittartig bemühten und ideologisch gefärbten Visionen, sowie einigen kleineren logischen Ungereimtheiten, wie etwa der Forderung nach Selbstverwaltung, -organisation und Freiheit einerseits und der nach Großstrukturen wie einem europäischen Stromnetz, Vorgaben und Regeln andererseits sind diese Schwächen jedoch vor dem Hintergrund der Qualitäten des Buches zu vernachlässigen.

Dieses Buch liefert viel Theorie; dabei werden ganz grundsätzliche Fragen etwa nach dem Genug, also Genügsamkeit nicht klar genug gestellt. Stattdessen wird das bestehende System mit ausführlich anekdotenhaft geschilderten Auswüchsen kritisiert. Dem werden eine Vielzahl schon jetzt bestehender Initiativen sowie Visionen für eine nachhaltigere Zukunft entgegengestellt.

Für den nötigen und kommenden großen Wandel mag das vielleicht nicht ausreichend sein, es ist aber nötig und hilfreich. Das macht das Buch zu einem guten Rundumschlag. Es macht Mut und Lust auf die Veränderung. Nicht zuletzt lädt es mit den vielen Zitaten und Kontakten zur weiteren und tiefergehenden Beschäftigung ein.

Übrigens: Die aktuelle Anzahl der Molkereien in Deutschland: unter 100. 1990 waren es noch fünfmal so viele). Wie und wohin wollen wir uns entwickeln?

Wir befinden uns an einer historischen Passage-Stelle. Oder sollte ich sagen: an einem systemischen Netzwerkknoten. Nicht der böse Wille der Menschen bedroht den Planeten mit allen seinen Wesen, sondern widersinnige, gefährliche Strukturen. Allen, zumindest äußerlich, voran die Wirtschaftsstrukturen. Diese müssen – wenn nicht jetzt, wann dann – umstrukturiert werden. Letztlich wissen das sehr viele. Abermillionen Menschen wünschen sich das, wollen das, fragen sich aber: WIE. Könnte da das Netzwerk NOW einen passenderen Namen haben? NOW steht für Netzwerk Oekonomischer Wandel.

Wir können nur alle aufrufen, dieses Netzwerk nach Kräften zu unterstützen, damit diese historisch vermutlich einmalige Chance nicht verlorengeht, bevor die alten Strukturen, noch erbarmungsloser als zuvor, wieder zupacken. Weiterlesen

Manchmal verhilft das Alter zu Ansichten, die man in jüngeren Jahren gar nicht gewinnen könnte, zum Beispiel beim Pinkeln. Und von da zum Leben im Allgemeinen.

Pippi kommt aus dem Penis. So weit, so klar. Das trifft auch auf Sperma zu. Wenn sich der Penis auf die Suche nach einer Frau macht, kommt häufig dabei Liebe hinten raus. Oder käufliche Liebe, je nachdem. Aber nur das, was gratis ist, ist wirklich etwas wert, genauer: das, was einem das Leben schenkt. Vielleicht werden deshalb ja Luft und Liebe oft in einem Atemzug genannt. Wobei ich mir bei der Luft schon nicht mehr sicher bin. Eines Tages werden wir auch dafür bezahlen müssen. Weiterlesen

business-and-spirit® · Integrale Unternehmens- und Personalentwicklung

Von Theresia Maria Wuttke

Co-Creation lautet das Gebot der Stunde, dem wir uns in der integralen Unternehmens- und Personalentwicklung verschrieben haben: Vom Ich zum Du zum Wir.
Das hat einen einfachen Grund. Noch nie war es so wesentlich, miteinander mit Empathie, Achtsamkeit und Mitgefühl unterwegs zu sein.

Veränderungen in Lichtgeschwindigkeit

Gerade erleben wir landauf, landab und global: „In dieser weltumspannenden Krise ist nichts mehr so wie es war.“ Unternehmen suchen derzeit nach neuen Ansätzen und Methoden, um Lösungen zu entwickeln, die schon im nächsten Augenblick hinfällig sein können. Dabei scheinen sich Kundenbedürfnisse in „Lichtgeschwindigkeit“ zu ändern. Diese Krise wirkt in Menschen und Unternehmen auf allen Ebenen: in Körper, Geist und Seele. Die bisher erfahrene Sicherheit über tragfähige Strategien erweist sich als trügerisch.

Wo ist der Kompass, der mir sagt, was ist mein Fundament, wo geht es lang? Zumal sich täglich die ohnehin variablen Bedingungen ständig verändern: Ob in den Marktbedingungen, den Wertschöpfungsketten, den umliegenden Krisenherden, den Klimaeinflüssen, schwankenden Währungskursen, in unseren Beziehungsgeflechten oder durch neue Technologien.  All das verändert unser menschliches Miteinander und die Wirtschaft derart schnell, dass traditionelle Ansätze nicht mehr greifen.

Co-Kreation ersetzt Konkurrenz

Die Dynamik der Märkte, umfassende Globalisierungsprozesse und die Auswirkungen der Krise fordern von Unternehmen eine vollumfängliche Neuorientierung. Da steht die Haltung uns selbst und anderen gegenüber auf dem Prüfstand. Win-Win rückt in den Vordergrund, nur diesmal in viel größeren Dimensionen.

Statt Konkurrenz lautet die Einladung Co-Kreation. Neues Denken und Handeln auf der Grundlage von Kern-Werten, die verbindlich umgesetzt werden, sind gefragt. Die Kompassnadel zeigt in Richtung Neuorientierung und Neuausrichtung zum Wohle aller. Nichts ist mehr so wie es war. Hierin liegt die Chance der Transformation zu etwas Größerem.

Von der persönlichen Größe zur Führungsgröße zur Unternehmensgröße.

Dabei ist die wahre Größe gemeint, die in jedem Menschen anwesende Größe. Alles ist miteinander verbunden, das ließ uns Max Planck schon im Jahr 1944 wissen, als er in Florenz vom gemeinsamen Quantenfeld, dem alles was ist, sprach, das alles miteinander verbindet.

Wie der Mensch ist ein Unternehmen eine Ganzheit.

Vor diesem Hintergrund verstehen wir ein Unternehmen als ein lebendiges, offenes System, das zwischen den verschiedenen Prozessen interagiert. Es bedarf einer klaren Unternehmensarchitektur, die neben dem betriebswirtschaftlichen Ansatz das Verstehen menschlicher Entwicklung ebenso im Blick hat. Deshalb nutzen wir die integrierende Kraft des Systemansatzes im Spannungsfeld von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

„Das Große ist nicht, dies oder das zu sein, sondern man SELBST zu sein“ Soren Kierkegaard

Das gilt für Mensch und Unternehmen gleichermaßen.

Vom Wesens-Kern zum Unternehmens-Kern. In jedem von uns sind die vier Grundbedürfnisse „Leben, Entfaltung, Zugehörigkeit und das Bedürfnis nach Sinn“ als treibende Kräfte angelegt, die von und durch uns selbst erfahren und erfüllt werden wollen. Was so einfach klingt ist GRUND-legend. Es gilt, dem Ruf zu folgen (Be-rufung), was in uns „hineingelegt worden ist“ und in uns „tönt“. Wir alle sind Samen, die sich zu dem entwickeln können, was unser in uns „hineingelegtes“ Potenzial ist. Etwas anderes ist nicht möglich. Denn die evolutive Kraft des Lebens will sich entfalten, will sich ausdrücken und in Form bringen. Hierzu dienen der Entwicklungsbaum und der Unternehmensbaum als Metapher, die wir als Graphik hinterlegt haben.

Doch diese Kraft braucht eine klare, natürliche Struktur, sprich eine Unternehmensarchitektur, um auf festem Boden zu stehen. Es gilt, die weichen Faktoren – den „Spirit“ – mit der Struktur (der Form / harte Faktoren) zu verbinden. Führung und Management sind zwei Seiten einer Medaille: Das Individuelle des Einzelnen verbunden mit dem Gesamten des Unternehmens. Alles findet in dieser Ordnung seinen Platz. Vom Wesens-Kern zum Unternehmens-Kern, so lauten die ersten Schritte, wenn ein Unternehmen sich öffnet, dem Spirit Raum zu geben. Hier geht es nicht nur um neue „Methoden“, sondern um die Haltung, das Schöpfungsprinzip und seine Art zu erschaffen, wahrzunehmen und in der Natur zu entdecken, was organisches Wachstum bedeutet.

Der Dreiklang „vom Kern zur Pflanze zur Frucht“, um wieder neu zu beginnen, findet sich auch in der integralen Unternehmensentwicklung wieder.

Das schaut dann so aus:

Der Kern des Unternehmens ist seine klar umrissene Unternehmensphilosophie und Mission, die es zu bewahren gilt. Sie wird von menschlichen Grundwerten getragen und geht weit über den materiellen Gewinn hinaus.

Wir gestalten den sozial-ökologischen Wandel als Mit-Schöpfer des Prinzips allen Lebens und schaffen Raum für die Entfaltung des integralen Bewusstseins in Unternehmen mit all seinen mitwirkenden Menschen. Wir gehen von der Ganzheit des Menschen aus: Der Einheit von Körper, Geist und Seele. Ganzheit muss nicht werden, Ganzheit ist.

In diesem Prozess liegt das tragende Fundament des Unternehmens in seinen Kern-Werten, die Basis auf dem es steht und in denen es unverrückbar verankert ist. Die Kern-Werte jedes Einzelnen sorgen im Unternehmen dafür, dass ein lebendiger Geist (Spirit) dieses Unternehmen nährt und für eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Mensch und Unternehmen sorgt.

Es entsteht eine enorme innere Kraft, wenn sich die Unternehmensenergie klar nach dem Spirit ausrichtet und in allen Mitarbeitern/innen ein Bewusstsein dafür entsteht, wie sich ihr Leben entwickelt: Von innen nach außen und von außen nach innen. Vom Kleinen zum Großen.

„Den Kern bewahren, die Weiterentwicklung fördern.“

Wenn wir uns entscheiden, der Ordnung, die allem Leben innewohnt, also dem Schöpfungsprinzip, zu folgen, zeigt sich uns die Architektur unserer SELBST und die eines integralen Unternehmens.

Vom Ich zum Du, vom Du zum Wir: Gemeinsam mit anderen Unternehmern und deren Mitarbeitern kreieren wir neue Formen der Zusammenarbeit: ein Business von Co-Creation und Selfempowerment. Der Schlüssel liegt in der Hin-Gabe an das Große, das Unnennbare, getragen von gegenseitiger Wertschätzung, Vertrauen, Unterstützung und Liebe.

Es ist eine Einladung an uns, sich als Teil des Ganzen zu verstehen und durch die gelenkte Absicht, Wort und Handlung bewusst Mitschöpfer einer Zivilisation der Liebe zu sein.

Die Maßnahmen gegen Pandemie verschärfen die Hungersituation weltweit

Von Andreas Chajm Langholf

Zu Beginn: Bitte halten Sie kurz inne und ergänzen Sie: „Jedes fünfte Kind auf der Welt … “
Die Antwort, die in diese Rezension eingestreut ist, wird Sie überraschen und – hoffentlich – auch schockieren, so wie mich, als ich sie im vorliegenden Buch las.

„Wege aus der Ernährungskrise“ ist Teil der jährlich erscheinenden Reihe „Almanach Entwicklungspolitik“. Diese wird von der Entwicklungsorganisation CARITAS mit jährlich wechselnden Schwerpunktsetzungen wie Afrika (2020), Migration (2019), Klima und Armut herausgegeben.

Die Corona-Pandemie verschärft mit den dagegen ergriffenen Maßnahmen die Hungersituation im Übrigen drastisch, sodass die UNO bereits im April letzten Jahres vor „Hungersnöten biblischen Ausmaßes“ warnte. Leider ist diese Warnung im medialen Gewitter weitgehend untergegangen  – und das vor dem Hintergrund, dass über 820 Millionen Menschen hungern und zwei Milliarden unterernährt sind, – Tendenz bereits seit 2015 übrigens wieder steigend.

Zu Gliederung und Inhalten im Einzelnen

Nach dem Vorwort und der Schilderung entwicklungspolitischer Trends finden sich 15 gut recherchierte, mit Quellen, Anmerkungen und Begriffsdefinitionen belegte Artikel von ausgewiesenen Experten auf ihren Gebieten, übersichtlich gegliedert in drei Teile, sowie der Versuch einer Synthese aus Sicht der CARITAS Schweiz.

Teil I gibt einen Überblick über die verschiedenen Aspekte des Problemfeldes Hunger, angefangen mit einer Übersicht zur gegenwärtigen Ernährungssituation sowie den Faktoren, die Hunger und Mangelernährung begünstigen; überdies zu strukturellen Problemen sowohl im agrarindustriellen wie politischen System. Dazu gibt es auch eine interessante historische Einordnung zu Mustern, Erklärungen und politischen Antworten der letzten 150 Jahre.

Dieser Beitrag leitet über zum Teil II mit lokalen und globalen Ansätzen der Hungerbekämpfung. Hier wird bereits ein weiter Bogen gespannt von Marktzugang über Wertschöpfungsketten bis hin zu Agrarökologie und Klimawandel.

Teil III thematisiert dann die großen Herausforderungen der Zukunft und Lösungsansätze wie Ausweitung des Ökolandbaus, mehr Landrechte für Frauen sowie benachteiligte Gruppen und präsentiert das Thema „Zugang zur Nahrung“.

Zwei Aspekte ziehen sich inhaltlich durch das Buch:

  • Bei Beendigung der Verschwendung und gerechter Verteilung gäbe es genug Nahrung für alle!
  • Wenn Worte Nahrung wären, dann gäbe es keinen Hunger!

Persönliche Bewertung

Tragischerweise fehlt den Verantwortlichen–und das sind nicht nur Politiker und Wirtschaftsbosse, sondern auch wir KonsumentInnen – aktuell trotz großer Verlautbarungen und nachhaltiger Entwicklungsziele der UNO oft noch der politische Wille, am großen Hungern in einer Welt des Überflusses etwas zu ändern. Dabei wird heute gerne von Politiker betont, es zähle jedes Leben.

Das Buch ist ein sehr gutes Überblickswerk zur ganzheitlichen Behandlung dieses komplexen Problemfeldes, dem nicht mit einfachen Ansätzen monokausal beizukommen ist. Ausgiebigen Quellen und Links laden zur weitergehenden Beschäftigung mit diesem Thema ein.
Ach ja, übrigens: Nur jedes 5. Kind im Alter zwischen 6 und 23 Monaten erhält laut FAO eine Ernährung, die den minimalen (!) Anforderungen für eine gesunde Ernährung entspricht.

 Manuela Specker, Wege aus der Ernährungskrise, 258 S., Caritas-Verlag 2020, ISBN 978-3-85592-173-7

Der Autor:

Andreas Chajm Langholf ist Diplom-Agraringenieur und seit vielen Jahren im Umweltschutz tätig.

Er verfasste freiberuflich Studien, u.a. für BUND und Artikel, u.a. in IGEL, Unabhängige Bauernstimme, Lebendige Erde, Sennaciulo, Kontakto u.a. und veröffentlicht auf Deutsch, Englisch und Esperanto. Darin beschäftigt er sich neben Ernährung auch mit den Themen Systemkritik, Konsum und nachhaltiger Lebensweise.

Daneben gibt er im kleinen Stil Seminare zu Selbstversorgung, lehrte zu Ernährung an Schulen und Universitäten und betreut Bauernhoffreizeiten für Kinder.

[Foto von Lothar Dieterich auf Pixabay ]

Dies ist eine Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

Teil 1 findest du HIER

Teil 2 findest du HIER

Teil 3 findest du HIER

Teil 4 findest du HIER

Teil 5 findest du HIER

Teil 6 findest du HIER

Siebenter Teil: Druckanfragen für die Idee des Obdachlosengeldes

von Kilian Manger

Im letzten Artikel habe ich von meiner Idee eines solidarischen Regionalwährungsexperiments erzählt. Ich stand vor der Aufgabe, Spielgeldscheine drucken zu lassen, die ein einfaches Sicherheitsmerkmal besitzen, sodass sie sich nicht völlig einfach mit einem Farbkopierer vervielfältigen lassen.

In irgendeinem Gespräch mit Fachleuten, die Erfahrungen mit Regionalwährungen haben, hatte ich wohl den Begriff “Sicherheitsdruckerei” aufgeschnappt. Ach ja, dabei muss es sich wohl um Druckereien handeln, die fälschungssichere Geldscheine herstellen. Ich bediente eine Internetsuchmaschine mit diesem Stichwort und bekam sofort die Internetauftritte einiger Sicherheitsdruckereien geliefert. Als ich am Telefon von meiner Idee des solidarischen Regionalwährungsexperiments erzählte und den Begriff „Spielgeld“ aussprach, kam mir prompt eine entsetzte Antwort entgegen: „Höre ich da Falschgeld? Wenn Sie vorhaben, irgendwelche Scheine zu drucken, die in ihrem Aussehen den Banknoten einer existierenden Währung auch nur ähneln, werden wir Ihnen dabei sicherlich nicht weiterhelfen. Wenn Sie Geld fälschen, dann steht die Kriminalpolizei schneller vor Ihrer Haustüre als Sie denken.“ Kurz darauf war unsere Telefonverbindung unterbrochen. Ich denke, mein Gesprächspartner hatte das Telefonat bewusst unangekündigt abgebrochen.

Da hatte mich der Mitarbeiter der Sicherheitsdruckerei falsch verstanden. Bei meinem Projekt geht es nicht darum, das gesetzliche Zahlungsmittel zu kopieren, sondern darum, eine andersartige Alternative vorzustellen, auf die Lebenssituation finanziell benachteiligter Menschen aufmerksam zu machen sowie Fehler in der Architektur des Weltfinanzsystems in die öffentliche Diskussion zu tragen. Abgesehen von den Missverständnissen war ich bei dieser Sicherheitsdruckerei sowieso an der falschen Adresse. Sie vermarkten nur Sicherheitspapier im vierzig-Tonnen-Maßstab. Mit einer solchen Sicherheitsdruckerei arbeiten also nur Unternehmen zusammen, die LKW-Ladungen voller Papier brauchen. Wieder etwas gelernt. Ich bekam im Telefonat noch den Tipp, mich bei einer normalen kleineren Druckerei zu melden. Das half mir weiter.

Durch kurze Internetrecherche wurde mir klar, dass die üblich bekannten Druckereien, die man normalerweise für den Druck von Hochzeits-Einladungskarten oder Visitenkarten beauftragen würde, passende Ansprechpartner für mich darstellen. Hier lassen sich Scheine mit silbrigen Glitzereffekten drucken, die dadurch zumindest vor der Vervielfältigung durch einen Farbkopierer geschützt sind.

Bei meinem ersten Druckauftrag erfuhr ich, dass meine Druckdaten zur Verarbeitung in der Druckerei nicht wirklich geeignet sind. Die Druckerei war so kulant, mir die Druckdaten kostenlos anzupassen, teilte mir aber mit, ich solle bei weiteren Aufträgen nur Bilddateien im CMYK-Farbraum einschicken. Auch was mit diesem Fachbegriff gemeint ist, wurde mir sehr freundlich erklärt. Mit etwas Unterstützung einer Mitarbeiterin des Rechenzentrums unserer Universität und eines Studenten aus der Informatik-Fachschaft fand ich daraufhin auch das Open-Source-Zeichenprogramm „Krita“. Dieses läuft sogar auf meinem Laptop mit Linux-Betriebssystem einwandfrei, unterstützt die Anfertigung von Grafiken im CMYK-Farbraum und kann die für den Heißfoliendruck benötigten speziellen Farbpixel mit einem Farbauftrag von 400 % Farbwert in Bilddateien einbauen.

Mir ist es also mittlerweile gelungen, ein paar erste, leicht kopiergeschützte Scheine anfertigen zu lassen, die sich theoretisch für meine Idee eines sehr klein skalierten solidarischen Regionalwährungsexperiments eignen. Sicherlich ist die zwischenmenschliche Arbeit bei der Umsetzung meiner Projektidee wichtiger und schwieriger als die nun gelöste technische Herausforderung des Scheinedruckens. Meine ersten Anfragen bei den Inhabern kleiner Geschäfte in Würzburg wurden zumindest mit Rückfragen und Interesse belohnt. Auch die Erlaubnis, ein Werbeplakat für meine Idee aufzuhängen, wurde mir gegeben. Die Schreinerei der Bentheim Werkstatt des Blindeninstituts Würzburg fertigte mir sogar kleine Holzständer an, die ich nutzen kann, um öffentlich auf die Idee des solidarischen Regionalwährungsexperiments hinzuweisen. Meiner bisherigen Erfahrung nach reagieren sozial angehauchte Menschen und Mitarbeiter in gemeinnützigen Einrichtungen sehr positiv und interessiert auf meine Idee.

Eine tatsächliche Umsetzung des Projekts wird es allerdings nur geben können, wenn sich zumindest ein paar Geschäfte und Einwohner der Stadt bereit erklären, den Versuch zu starten, eine erste Anzahl von vielleicht zwei oder drei Scheinen als Zahlungsmittel zu verwenden. Eine wie im vorigen Artikel erwähnte Einrichtung der niederschwelligen Obdachlosenhilfe, die sich durch die Herausgabe der Scheine an bedürftige Menschen ins Projekt einbringen könnte, habe ich bisher noch nicht angefragt. Auch die Internetseite des Obdachlosengeldes steht noch nicht.

Nächstes Ziel: Menschen, Läden, Gruppen, Initiativen und Einrichtungen finden, die mitmachen. Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Ich bin gespannt, wie die Leute auf mein Bildungs-, Aufklärungs- und Mitmachprojekt reagieren.

 

Zeichenprogramm mit Unterstützung des CMYK-Farbraums: https://wiki.ubuntuusers.de/Krita/
Blindeninstitut Würzburg: https://www.blindeninstitut.de/de/wuerzburg/bentheim-werkstatt-gmbh/eingliederung-ins-arbeitsleben/
Regionalwährung bei Dresden: https://stories-of-change.org/filme/elbtaler/

Wenn wir von Altem, Gewohntem loslassen, ist diese Wandlung oft mit Schmerzen und Abschied verbunden. Es stirbt etwas im Außen, damit etwas Neues geboren werden kann.

Hier brauchen wir als Menschen unser Vertrauen, unsere Hingabe, unser vollumfängliches Loslassen, damit aus der Asche das Neue geboren werden kann.

Lest hier den vollständigen Artikel.

Dies ist eine Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

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Sechster Teil: Ein Blick in die Zukunft. Wie die nächsten Schritte in meinem Projekt aussehen könnten.

von Kilian Manger

Mein Plan, andere Menschen auf die Thematik Geldsystem aufmerksam zu machen, ist voll und ganz aufgegangen. Seit ich meine eigenen Ideen ins Internet gestellt habe, hatte ich immer einen Anlass, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und mein Thema anzusprechen: Ich erzähle von meinem selbstinitiierten Bildungsprojekt und berichte von meinen bisherigen Erfahrungen. Meistens werden die Menschen dann von ganz alleine neugierig und stellen weitere Fragen.

Vor ein paar Monaten kam mir die Idee, dass ich aus meinem Bildungsprojekt ein „Mitmachprojekt“ erwachsen lassen könnte. Wenn ich eine Art Spiel starte, bei dem Geschäfte, Initiativen, Vereine, Gruppen und Einwohner der Stadt Würzburg mitmachen können, wird das vielleicht dazu beitragen, noch schneller bei einer noch größeren Anzahl möglicher Interessenten Begeisterung zu wecken. Ein spielerischer Einstieg könnte für viele Menschen ein leichter Weg sein, sich mit den Fehlern in der Architektur unseres bestehenden Geldsystems vertraut zu machen.

Für dieses Vorhaben habe ich bisher einen groben Plan entworfen. Das Spiel selbst würde ich als eine Art „solidarisches Regionalwährungsexperiment“ beschreiben, das im Kern von der Großzügigkeit der Mitwirkenden und der Idee des Schenkens getragen wird. Ich denke, viele Menschen freuen sich, wenn man sie dazu einlädt, bei einem Spiel des Schenkens mitzumachen. Vielleicht fühlen sie sich geschmeichelt, wenn man mit einer solchen Einladung offenbart, dass man an ihre Herzlichkeit und Großzügigkeit glaubt.

Wenn mein Plan aufgeht, würde ich bei diesem Regionalwährungsexperiment dafür sorgen, dass eine geringe Anzahl selbst erzeugter Spielgeldscheine, für die mir die Bezeichnung „Obdachlosengeld Würzburg“ eingefallen ist, in den Umlauf kommen. Meiner Einschätzung nach würde eine kleine Anzahl von eins bis zehn Scheinen vollkommen ausreichen, um das Spiel durchzuführen. Im Sinne einer Spielregel würde man unter allen freiwilligen Teilnehmer*innen vereinbaren, jedem solchen Schein anfänglich einen Wert von 2 € zuzuerkennen.

In den Umlauf kommen würden diese Scheine durch eine örtliche Einrichtung der niederschwelligen Wohnungslosenhilfe. Das heißt konkret, finanziell benachteiligte Menschen, die unter Obdachlosigkeit leiden, würden diese neu erzeugten Scheine geschenkt bekommen und hätten die Erlaubnis, damit in teilnehmenden Läden einzukaufen. Die Scheine könnten dort in den teilnehmenden Läden dann zum gleichen Preis an hilfsbereite Kunden weiterverkauft werden, damit die Ladeninhaber nicht auf den Kosten der Geschenke sitzen bleiben. Ein Käufer eines solchen Scheines könnte in einem der beteiligten Geschäfte wieder mit dem Schein einkaufen. Auf diese Weise würde man den Schein von Person zu Person weitergeben und die ursprünglichen Kosten für das Geschenk an den bedürftigen Menschen immer wieder an den jeweils nächsten Beteiligten übertragen. Auf dem Schein sollte eine Tabelle aufgedruckt sein, die vorgibt, dass dieser Komplementärgeld-Schein an gewissen Stichtagen einen Teil seines Werts verliert. Während der Wert des Scheins zu Beginn auf 2 € eingestuft ist, würde er im Laufe der Zeit immer mehr an Kaufkraft verlieren, bis er schließlich nach zwei Jahren seine Wirkung als Zahlungsmittel komplett verloren hätte. Das Spiel mit dem Obdachlosengeld hätte also ein von Beginn an festgelegtes zeitliches Ende. Bis dahin sind die Scheine dann durch mehrere Hände gewandert, konnten ihre Wirkung als Zahlungsmittel entfalten und die Kosten für das kleine Geschenk an einen finanziell benachteiligten Menschen hätten sich auf mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgeteilt.

Beim Obdachlosengeld handelt es sich demnach um Schwundgeld. Diese Idee vom schrumpfenden Geld, die mich aus unterschiedlichen Gründen sehr begeistert, stammt nicht von mir. Ich werfe hier einfach die Stichworte „Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung“ und „Gleichgewichtsgeld“ in den Raum und lege dir ans Herz, einmal im Internet danach zu suchen, wenn du mehr darüber erfahren willst.

Falls sich tatsächlich Menschen für die Teilnahme an einem solchen Spiel gewinnen lassen, würde man dadurch einerseits auf die Lebenssituation obdachloser Menschen und andererseits auf alternative Geldsysteme aufmerksam werden. Das Spiel würde dazu anregen, intensiver über den Mechanismus der Geldschöpfung nachzudenken, denn bei jedem Geldsystem – auch im bestehenden Weltfinanzsystem – gibt es Menschen, die finanziell davon profitieren, wenn neues Geld erzeugt und in den Umlauf gebracht wird. Auch die Möglichkeit des schrumpfenden Geldes und dessen Vorzüge gegenüber dem zinsbehafteten Geld sind sicherlich vielen Menschen bisher unbekannt.

Um mit diesem Spiel beginnen zu können, ist eine technische Herausforderung zu meistern: Es braucht Scheine, die zumindest so fälschungssicher sind, dass sie sich nicht kostengünstig beim nächstgelegenen Copyshop vervielfältigen lassen. Eine solche Möglichkeit der Geldfälschung würde verständlicherweise das Risiko entstehen lassen, dass jemand auf genau diese Weise das Projekt sabotiert, weshalb sich in einem solchen Fall aller Voraussicht nach erst gar keine Mitspieler finden lassen würden.

Von Anfang an war ich sehr zuversichtlich, dass ich eine Möglichkeit finden würde, solche Spielgeldscheine mit Kopierschutz drucken zu lassen, auch wenn ich nicht wusste, welche Firma das wohl für mich machen könnte. Regionalwährungen gibt es an vielen Orten und den daran beteiligten Initiativen ist es schließlich auch gelungen, einigermaßen fälschungssichere Scheine zu erzeugen. Außerdem war mir bewusst, dass es für verschiedenste Veranstaltungen Eintrittskarten sowie für den öffentlichen Nahverkehr Tickets mit silbrigen Glitzerstreifen gibt, die sich der einfachen Vervielfältigung durch Farbdrucker entziehen.

Im nächsten Artikel schreibe ich über meine Versuche, dieses technische Problem der Erzeugung kopiergeschützter Scheine zu lösen.

REGIOS eG: https://www.regios.eu/regiogeld
Regionalentwicklung: http://www.regionalentwicklung.de/regionales-wirtschaften/regionalgeld
Chiemgauer Regiogeld: www.chiemgauer.info