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Wahlfreiheit wirkt auf unsere Lebenswelten

Peter vom Zürichsee

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Wir sehen «Menschlichkeit» gerne als erstrebenswertes «Gut-miteinander-sein-und-
umgehen». Dazu gehört z.B., sich empathisch, ehrlich, respektvoll, hilfsbereit, achtend,
würdigend und verantwortungsvoll zu verhalten. Menschlich sind auch unsere
Schattenseiten. «Ich bin halt auch nur ein Mensch» wird gerne als Rechtfertigung für
allerlei Gewaltanwendungen benutzt. «Irren ist menschlich»… Es ist Zeit, offen und
grundlegend zu überdenken, was «Menschlichkeit» in unseren Lebenswelten bedeutet.
Mir bewusst zu sein: Welche Art von Menschlichkeit möchte ich selbst leben?

Überall lauert auch Unmenschliches

Unterschwellige, kaum als Gewalt bemerkte Formen sind möglich – und weit verbreitet.
Das folgende Beispiel mag dich überraschen – was könnte da dran sein?
Gewaltfreie Kommunikation (GFK, nach Marshall B. Rosenberg) ist hoch im Kurs. Sobald
der Anspruch im Raum steht, dass «wir alle GFK anwenden müssen und alles wird gut –
wir wissen, wie das geht (du hast es halt noch nicht verstanden oder hast noch
Übungsbedarf)», empfinde ich das als übergriffig – dann wird mir schwindlig. An mir ist
etwas nicht gut. Mein Gegenüber will, dass ich im GFK-Stil kommuniziere.
Um hier möglicherweise aufkommende Missverständnisse zu klären: Ich finde GFK eine
gute Sache – manchmal echt hilfreich. Als Rezept in allen zwischenmenschlichen
Situationen, verbunden mit der Erwartung, es stets und ständig gekonnt anzuwenden, wird
es missverstanden und zum Dogma, zur Kommunikations-Religion. Das entfremdet, statt
zu verbinden. Das Erfüllen der Erwartungen und Vorstellungen anderer, auch meiner
Eigenen, fühlt sich für mich als «übergestülpte Kommunikationsregel» an. Als Form eines
Versuchs, sich einem Konzept unterwerfen zu müssen, (und alles werde gut). Eine Form
von Gewalt, die wir meistens übersehen.

* * * * *

Pure Gewalt und Zerstörung bewirkt in den aktuellen Kriegen unendlich viel Leid,
Schmerz, Tod und gigantische Mitweltverschmutzungen. Kriegerische Angriffe und
Übergriffe werden oft als unmenschlich bezeichnet. Wir versuchen mit diesem «un»-
Wortzusatz, unerwünschte menschliche Handlungen von uns selbst fernzuhalten und zu
verdrängen. «Dein Verhalten ist unmöglich!» «Das kannst du unmöglich machen!».
Es gibt nicht nur unangebrachte und unsinnige Verhaltensweisen, Streitereien und Kriege,
sondern auch heimische Pflanzen, die wir «unbedingt» weghaben wollen in unseren
Gärten: unbeliebte Unkräuter. Gegen die wir Krieg führen, auch mit Chemiewaffen.
Im wirtschaftlichen Wettbewerb gibt es von unlauterem Marktgebaren und
unwirtschaftlichen Märkten bis zu ungeliebten Mitbewerbern und Konkurrenten ebenfalls
Formen des Kämpfens und Bekämpfens. Unmengen von industriellen Erzeugnissen
überschwemmen unseren Planeten, hinterlassen sehr viel mehr giftige als ungiftige
Verschmutzungen.

Politisch hören wir öfters «Unwörter» wie: «Diese Ideologie muss bekämpft werden!» «Wir
brauchen unideologische Lösungen!». Solches verkünden interessanterweise meist die
Exponenten jener Parteien, die selbst nur so strotzen vor ideologischen Überzeugungen
und Selbstüberhöhungen. Politische Machtgelüste führen zu verbaler Gewalt und
Essay «Ein A bis Z der Menschlichkeit?» © by Peter Wyler, CH-8707 Uetikon, 1. April 2026. Seite 2 von 15
Populismus, zum Kampf gegen andere Parteien und Andersdenkende. Während es mir
leichtfällt, Fehlverhalten und Überzeugungen anderer aufs Korn zu nehmen und
manchmal auch anzugreifen, übersehe ich bei mir selbst, dass ich dies und das felsenfest
glaube und als absolut notwendig betrachte – und damit die Deutungshoheit für mich in
Anspruch nehme. Dass ich zu wissen glaube, was richtig und falsch ist. Dass ich mich
richtig verhalte. Dass ich weiss, worauf es ankommt. Dass ich über andere urteile und sie
bewerte. Andere verurteile und insgeheim ablehne.

Auch ich bin eingeladen, die Auswirkungen der Art(en) meiner frei wählbaren
Menschlichkeit auf «meine» und andere Lebenswelten tiefer zu ergründen und zu
überdenken.

Facetten der Menschlichkeit von A bis Z
in zwei entgegengesetzte Richtungen

Unsere Lebenswelten sind voller Widersprüche. Keinesfalls geht es darum, diese als
richtig oder falsch zu klassieren. Es macht Sinn, uns bewusst mit folgenden Fragen in
Ruhe zu vertiefen:

  • Welche menschlichen Eigenschaften sowie Denk- und Verhaltensweisen entfalten welche Wirkungen?
  • Welche Art von Menschlichkeit will ich leben und möchte ich durch mich gedeihen lassen?
  • Welche Arten der Menschlichkeit wollen wir gemeinsam leben?

An den Wirkungen erkennen wir, ob es zunehmend in Richtung von lebensdienlicher
Mitgestaltung, zu einem einander näherbringenden, gesundenden WIR geht. Oder mehr in
Richtung von lebensfeindlichen, trennenden, ausbeuterischen, unterdrückenden,
verwirrenden bis zerstörerischen Verhaltensweisen.

So zeigen sich die «Pole» der Menschlichkeit, die wesentlich für deren Auswirkungen in
unseren Lebenswelten sind:

Lebensförderndes / lebensdienliches / heilsam wirkendes / uns nährend verbindendes
Menschsein & Tun. Der aufwärts zeigende grüne Pfeil symbolisiert das Aufbauende,
gesundend und erstarkend Gedeihende.

Lebensfeindliches / toxisch wirkendes / krankmachendes / uns trennendes
Menschsein & Tun. Der abwärts zeigende graue Pfeil symbolisiert das Abbauende,
gesellschaftlich wie persönlich Schwächende und Lebensgefährdende.

 

Mein Herz schlägt für
unsere lebensdienliche, nährende,
heilende Menschlichkeit.

In diesem anregenden «A-Z der menschlichen Facetten» sind beim aufwärts zeigenden
grünen Pfeil einige «lebensdienliche» Perspektiven und neben dem abwärts gerichteten
grauen Pfeil einige «lebensfeindliche» Aspekte in Beispielen beschrieben.
Dies ist eine persönliche und zugleich universelle Auswahl wesentlicher Menschlichkeits-
Aspekte.
Du kennst sicher viele weitere davon – aus deinen eigenen Erfahrungen, Beobachtungen
und Einschätzungen. Wobei es sinnvoll ist, zu bemerken, dass Einschätzungen oft auch
Bewertungen oder Hypothesen sind.

In Ergänzung des Textes, das in der Digitalzeitung DAS BLATT, Ausgabe April 2026
erschienen ist, findest du hier Zugang zu weiteren gewichtigen Aspekten der
Menschlichkeit.

A

aufeinander zugehen • sich selbst und einander annehmen • artgerecht mit allen
Lebewesen, auch uns und unseren Kindern, umgehen • Andersartigkeit annehmen und
integrieren • achtsam den Wundern des Lebens begegnen • Ängste annehmen,
anerkennen und ihnen zuhören > frei werden für das Hier und Jetzt • Autonomie > mein
Leben gestalten und selbst wählen können • aufeinander achten > auch auf das
Autonomiebedürfnis der anderen …

ablehnend sein • einander abweisen • angreifen • anschuldigen • abwerten •
aussenvorlassen • Andersartigkeit ablehnen • Andersdenkende aussortieren •
Ängstlichkeit > in vielem und von vielen sich bedroht fühlen • Ausgrenzung • auslachen •
Ausbeuten unseres Planeten und seiner Lebewesen • verbale und psychische / soziale
Aggressionen, auch passiv-aggressives Verhalten …

B

Bereitsein für das, was es hier und jetzt braucht • behutsam im Umgang mit allem
Leben und unserem Planeten sein • Bewusstheit für eigenes Fühlen und Tun • Brücken
bauen und Verbindungen zueinander pflegen • sich begeistern für sinnreiches Wirken •
beflügelnd einander inspirieren und unterstützen • bedürfnisbewusst sein • berührend
einander begegnen • in wahrhaftigen Begegnungsräumen einander auf Augenhöhe
erleben • analog gelebte, verbindende, nährende Begegnungen• Begabungen und
Berufung leben > innerste Herzenswünsche sinnhaft einbringen, Essay zum Thema
«Gaben» (2) …

Brutalität anderen und sich selbst gegenüber • Bedürftigkeit >sich von anderen abhängig
machen • über andere bestimmen • von oben herab belehren und besserwissen •
Besitz aneignen zulasten anderer • sich selbst und andere bewerten und vergleichen •
etwas Besonderes sein wollen • Bedürfnisse übergehen • bemitleiden •
Bedingungen stellen • betrügen > das Vertrauen fundamental missbrauchen • beschämen
> die Identität anderer angreifen (Essay zum Thema «Scham» (3) …

C

Couragiertes, mutiges, aktives, lebensdienliches Tun im Alltag • Collaboration >
wirklich zusammenarbeiten und einander unterstützen • Charakterstärke zeigen …

Chancen ignorieren > verpassen und verstreichen lassen • Chaos verbreiten > chaotisch
sein • Coolness > meine Gefühle, Missstände und Unsicherheiten überspielen •
Charakterlosigkeit oder -schwäche • Chauvinismus > zur Schau gestelltes,
herabsetzendes Überlegenheits-Getue gegenüber anderen • cholerisch sein >
unkontrollierte Wutausbrüche über anderen «ausgiessen» • Co-Abhängigkeit > emotionale
Verstrickung, die destruktive und ungesunde Dynamiken etabliert …

D

Dialogbereitschaft und -fähigkeit • Dankbarkeit > bewusst wertschätzen • Deeskalation >
Spannungen beruhigen statt anheizen • dienen im Sinne des Ganzen, ohne sich selbst zu
verlieren • Demut > anstatt sich stolz über andere zu stellen • Dazugehörigkeit schenken >
andere sind willkommen …

demütigen • drohen • doppelmoralisches Verhalten • Du-Botschaften > beratschlagen,
erwarten, übergriffiges Gutmeinen • Distanz halten > Beziehungsentzug •
Dominanzverhalten • digitale, trennende, künstliche Welt bevorzugen • denunzieren >
andere gezielt anschwärzen …

E

Empathie > Einfühlungsvermögen • einladen und ermutigen zur Transformation • effektive
Entwicklung > sich aus bestehenden Verwicklungen lösen und so frei werden •
Eingeständnis meiner Unzulänglichkeiten und Unterlassungen • Einsicht > reflektierendes
Selbstwahrnehmen und -Verständnis • emotional zugänglich sein • Ehrlichkeit •
Eigenverantwortlich sein • Ehrfurcht vor dem Leben spüren > es staunend und dankbar
annehmen • ermöglichen, was es hier und jetzt zum Gemeinwohl braucht •
Erdverbundenheit spüren …

ICH-zentrierter Egoismus > um eigene Vorteile bedacht • emotionale Abschottung und
Kälte (und das gar als emotionale Kompetenz und «professionellen Umgang mit
Emotionen» preisen) • emotionale Erpressung • Empathielosigkeit • Entwertung > andere
entwürdigen, entblössen und kleinmachen • Eifersucht > Misstrauen und zwanghaftes
Kontrollieren …

F

Freiheit meiner Spielräume nutzen und entfalten, ohne andere in ihrer Freiheit
einzuschränken oder sie zu gefährden • Fülle > das Geschenk des Lebens voller
Möglichkeiten sehen, anerkennen und annehmen • Fühlen, Feingefühl > wir sind fühlende
Wesen • friedlich sein • freundlich mit mir und anderen sein • fördern > Wesentliches
ermöglichen helfen • flexibel sein > sich achtsam Veränderungen stellen • Freude aus dem
Herzen leben • Fairness > respektvoll und gerecht handeln …

Fake > Falschinformationen verwirren und fördern die Ignoranz • Feindseligkeit •
Falschheit > so-tun-als-ob-Täuschung • Frustrations-Abladung auf andere • Fatalismus >
«Es bringt eh nichts, also können wir es gleich bleiben lassen!» • Fremdbestimmung >
andere nach meiner Pfeife tanzen und meine Vorstellungen erfüllen lassen und damit ihre
Autonomie aberkennen …

G

Gemeinwohl-dienlich handeln und wirken • Gewahrsein • «gwundrig sein*» > offen für
Wunder (*Schweizerdeutsch für neugierig sein) • nährende Gemeinschaft fördern > zu
Zusammenhalt und Verbundenheit beitragen • zum Gelingen der nötigen Veränderungen
beitragen • Ganzheitlichkeit > zum Wohl von Körper, Geist, Seele und dem WIR • Gnade
spüren …

Gleichgültigkeit > Interesselosigkeit sich selbst und anderen / anderem gegenüber •
Geringschätzung > Qualitäten und das Wesen übersehen und übergehen • gaslighting
gezieltes Irritieren und Verunsichern der Wahrnehmung • grollen > Festhalten an starker
Unzufriedenheit oder Ärger gegenüber einer Person, einer Gruppe oder einer Situation •
Grenzüberschreitungen > Grenzen bei sich selbst und anderen missachten •
Gruppendruck und -manipulation …

H

herzverbunden, aus dem Herzen heraus lebend • Hingabe > sich liebevoll und achtsam
zuwenden: meinen Herzenswünschen, dem was ich tue, ebenso anderen Menschen
und unserem Planeten • in mich hineinlauschen > entdecken, was durch mich gelebt
werden möchte • Herzenswärme > sich selbst und anderen mit echter innerer Wärme und
Zuneigung begegnen • Hilfsbereitschaft > beitragen, ohne zu zögern • Humanität >
menschliches Verständnis pflegen • heilsam wirken > für innere und äussere Trans-
formation • meine Haltung erweitern, siehe gleichnamiges Buch von Martin Permantier (4)

Hass > abgrundtiefe Ablehnung • Herablassung > andere von oben herab behandeln •
Heuchelei > unechtes, doppelbödiges Einlullen • Hilflosigkeit inszenieren > manipulatives
Sich-Als-Opfer-Darstellen • Hinterhältigkeit > verdeckte und perfide Angriffe und
Verhaltensweisen • an meiner Haltung um jeden Preis festhalten …

I

Integrität, integrierend wirken > im Einklang mit mir und unserem Planeten Ich-
Botschaften > ohne Vorwurf oder Bewertung offenlegen, wie ich mich fühle, was es mit mir
macht, was für mich wesentlich ist Ich-Verbundenheit > mit meinem Innersten verbunden
sein Innigkeit > tiefe innere Verbundenheit spüren und teilen Inspirationen schenken >
inspirierenden Austausch pflegen echtes Interesse zeigen > mich aufrichtig für andere
öffnen achtsame Impulse geben > Entwicklung liebevoll anregen Ideen teilen > kreativ
und verbindend wirken inneres Gleichgewicht fördern > sich selbst treu sein …

 

Ignorieren / Ausblenden > Nicht-Wahrnehmen von sich selbst und anderen; sich der
Begegnung entziehen Instrumentalisierung > Mitmenschen, Lebewesen und den

Planeten als Mittel benutzen und ausbeuten Intoleranz > Ablehnung und Abwertung von

Unterschiedlichkeiten Ironie > wird oft missverstanden und kippt schnell unbemerkt in

verletzenden Sarkasmus und Zynismus Ich-kenne-dich-Irrtum > wie soll das möglich
sein, wenn ich nicht mal mich selbst wirklich kenne? …

J

Ja zum Leben im Hier und Jetzt sein «Du bist ein Juwel» > Mitmenschen als kostbar,
einzigartig, hilfreich oder liebenswert würdigen Jugendlichkeit bewahren > offen,
gwundrig (neugierig) und lebensfroh bleiben jederzeit zugänglich sein > für tiefes
Zuhören, Anteilnehmen und Unterstützen präsent sowie verlässlich sein, ohne sich
aufzudrängen justieren > einstellen/ einregulieren, sich neu ausrichten, uns
untereinander fein abstimmen Jubel geniessen > Freude gemeinsam erleben und feiern –
dies keinesfalls auf Kosten anderer jedes Leben achten > es als Teil des Ganzen
annehmen …
Jähzorn > explodierende Wutausbrüche öfters jammern > Mitmenschen als
«Mistkübel» für Probleme missbrauchen und sie damit emotional stark belasten

jemanden Kleinhalten und Kleinmachen > angewendete psychische Gewalt oder

Manipulation, welche das Selbstwertgefühl des Opfers untergräbt …

K

Konflikt(bereitschaft und -fähigkeit) als Lebenskunst; Essay zum Thema Konflikt (5) •
Kontakte pflegen > offen, freundlich und interessiert auf andere zugehen klar werden

und sein (Essay zum Thema Klarheit (6) • kybernetisches Verständnis > Systeme wie

unseren Planeten, Organisationen, Gesellschaften, Maschinen, oder auch uns selbst, als

vernetzte, rückgekoppelte Prozesse betrachten, um dynamische, gesunde, sich selbst

regulierenden Systeme zu fördern Kreativität > neue Perspektiven und Möglichkeiten

öffnend, Unterschiede und Vielfalt als Ressource nutzend und die kollektive Intelligenz

stärkend • Kulturgut nachhaltig erschaffen > dauerhafte Anregung, Verbindung und

Orientierung zum Wesentlichen und Kostbaren erhalten Kompass des Herzens > inneren

Werten und Intentionen achtsam folgen mit meinem Inneren Kind verbunden sein >
bewusst Selbst-Mitgefühl und Lebendigkeit pflegen, staunend und offen sein • 
Kontemplation – achtsam, still und innehaltend das Leben und Geschenk des Lebens
reflektieren …
Konfliktverdrängung Kampf und Streitereien – Kriege > massive Zerstörungen, Leiden,
Tod und Verluste, mit oft negativen Veränderungen von Machtstrukturen, kriegerisch-
technologisch beschleunigter Aufrüstung sowie langfristigen ökologischen,
psychologischen, sozialen und kulturellen Folgen Kränkung > durch Beschämung oder
«links-liegen-lassen» Kontrolldrang > andere kontrollieren und steuern wollen
Konkurrenzdenken (oft toxisch), anstatt Kooperation emotionale Kälte > Bindungen
frieren ein …

L

Liebe, liebevolles Begegnen in mir und dir Landwirtschaft nachhaltig und giftfrei
Lösungsbewusstsein > sich von Problemen lösen Lösungsbereitschaft Lernbereitschaft
liebevolle Selbstführung Lebendigkeit > schenkt im Zwischenmenschlichen mehr
Potenzial für Tiefe, Verbundenheit, Frische und Entfaltung Lebensfreude und Lebenslust
> achtsam entdecken, geniessen und teilen lichtvoll leben > Zuversicht, Inspiration und
Lebenswärme ausstrahlen lachen > Freude und Leichtigkeit versprühen loslassen >
Anhaftendes, Groll und Unstimmigkeiten gehen lassen …

 

Lobbying > aus Eigeninteresse, zulasten anderer Land-Misswirtschaft > vergiftende und
damit lebensverachtende Landwirtschaft mit Kunstdüngern, Herbiziden, Halmverkürzern
und Pestiziden sowie mit bodenverdichtenden Agro-Maschinen (Traktoren usw).

lebensgefährdende Produktionsmethoden mit Chemie, Maschinen, Kunststoffen sowie
Einsatz fossiler Energieträger Lügen > mich selbst und andere belügen und täuschen

lächerlich machen > demütigen und entwürdigen lästern > abwerten und Abwesende
schlechtmachen natürliche Loyalität brechen > Zugehörigkeit verleugnen und Vertrauen
zerstören Leid schaffen > Machtmissbrauch, Gewalt jeglicher Art und Bindungsabbruch,
Projektionen und Beschuldigungen …

M

Mensch sein, als kreativer Gestalter Miteinander > gemeinsam Kreieren und Wirken in
Möglichkeiten denken mitfühlen Mitverantwortlichkeit leben Mut, zu meinem Innersten
zu stehen > das Leben annehmen, verletzlich und authentisch sein meine Menschlichkeit
aufbauend entfalten und leben Meditation > innere Ruhe, Zentrierung und Verbundenheit
finden Meisterschaft im Jetzt > ganz im Hier und Jetzt leben und wirken, Essay dazu (7) •
Magie des Moments > das Wunder und die Schönheit des Augenblicks spüren …
Mensch als Maschine > funktionale Leistungserfüller für die industrialisierte Welt und
deren Leistungsglauben; Bildung ist auf Leistung ausgerichtet, auf das Funktionieren für
das System Mangelbewusstsein > sich im Mangel fühlen in Massen produzieren
Monokulturen anlegen > Krankheitsanfälligkeiten mit negativen Folgemassnahmen
«behandeln» manipulieren > andere damit verdeckt beeinflussen, oft durch
Angstmacherei und Druckausübung Missgunst > anderen nichts gönnen und sie
beneiden Mobbing > systematisches ausgrenzen und schlechtmachen
Machtmissbrauch > ausnutzen der eigenen Position zulasten der darunter Leidenden
chronisches Misstrauen > Beziehungen vergiften und so den Boden entziehen …

N

nützlich sein, sich im Sinne von «lebensdienlich» nützlich machen; gutes und sinnreiches
Tun, das anderen und der Gemeinschaft hilft und Freude bringt Natürlichkeit Nachsicht
> anderen Fehler oder Schwächen vergeben • nahbar sein > emotional und achtsam
zugänglich sein …
Ein «Narzisstischer Eisberg» sein > das einander wirklich begegnen verunmöglichen,
wegen schleichender Selbstbezogenheit mit eingefrorenen Gefühlen im
zwischenmenschlichen Umgang nörgeln > an allem Herummäkeln • neidisch sein >
Missgunst gegenüber anderen durch Vergleichen und sich im Nachteil betrachten
nachtragend sein > an alten Konflikten festhalten oder kleben bleiben / «anhaften»
Neinsager > jegliche Entwicklung und andere Meinungen abwehren prägende Narrative
> angeblich sinnstiftende Erzählmuster, die als Geschichten unser Fühlen, Denken und
Handeln oft unbewusst beeinflussen sowie emotional aufladen, und unser Verhalten damit
manipulativ steuern können …

O

offen sein für sich und das WIR • Organisationstalent > konstruktiv-harmonische Vorhaben
ermöglichen, in denen alle achtsam integriert sind • Ökonomie der Menschlichkeit >
«Gemeinwohl-Ökonomie», das Wirtschaften für das Wohl aller, auch für unseren Planeten
• Orientierung geben > gemeinsame Klärung zum gemeinsamen Unterwegssein
Ordnung schaffen > Klarheit, Überblick und Strukturen für sich selbst und das
gemeinsame Leben pflegen • Oasen bewusst pflegen > persönliche und gemeinsame
Räume der Ruhe, Geborgenheit und des Angenommenseins pflegen …
In Ohnmachtsgefühlen blockiert sein > in unbewusster Hilf- und Sinnlosigkeit
steckenbleiben • Oberflächlichkeit > fehlende tiefe Verbindung • Opferrolle «spielen» >
Selbstbemitleidung, und anderen die Schuld geben und sie manipulieren
Obrigkeitsglauben > weitgehendes Fehlen von Reflexion und gesundem Hinterfragen, was
eine scheinbare Ordnung schafft sowie kritisches Denken und echtes Mitgestalten massiv
schwächt …

P

Passion und freie Potenzialentfaltung • Präsenz > präsent sein – psychische und
physische Gesundheit • Prägungen und Konditionierungen aus der Kindheit aufdecken
und loslassen > frei sein für das Hier und Jetzt • Perspektiven- und Paradigmenwechsel >
offen sein für andere Blickwinkel und Lösungsmöglichkeiten, als die bislang verbreiteten
Narrative und Überzeugungen suggerieren • Praktizierbarkeit fördern > gemeinsam
lebbare Möglichkeiten ausprobieren und praktisch anwenden • Poesie des Lebens >
Schönheit, Wunder und Feinfühligkeit im Alltag • proaktiv sein > vorausblickend selbst-
und gemeinwohlverantwortlich gute Lösungen finden, stets einen Schritt auf persönliche
und gesellschaftliche Herausforderungen zugehen …
Problembewusstsein > in Problemen verwickelt sein und bleiben • passiv-aggressives
Verhalten > von verdeckter Feindseligkeit bis zu verdecktem Narzissmus • Projektionen >
eigene Unzulänglichkeiten, Gefühle, Überzeugungen und Fehler anderen «überstülpen»
provozieren > unterschwelliges bis gezieltes Schüren des Konflikts, bis zur Eskalation
chronischer Pessimismus > destruktive bis toxisch-negative Grundhaltung …

Q

Quelle der Ruhe und des Friedens sein • Querdenken im konstruktiven Sinn > acht- und
einfühlsam neue Lösungswege finden • querverbinden > Netzwerke und Brücken bauen
zwischen dem Planeten und allem Leben, inkl. Menschen, Ideen und Kulturen
Qualitätsbewusstsein > nachhaltiges Leben achtsam fördern • Quintessenz leben >
Wesentliches achtsam erkennen, sich dessen bewusstwerden und danach handeln …
Querulant sein > hartnäckiges, unangemessenes und übersteigertes, reflexartiges bis
zwanghaftes Anklagen, Kritisieren und Infragestellen krankhaftes Querdenken >
zermürbendes Angreifen und Infragestellen von Mehrheitsmeinungen, etablierten
Sichtweisen und «Vorgesetzten», oft als «reflexartiges» Widersprechen und Anklagen …

R

Reflexionskultur > einander offen und respektvoll Feedback geben, ohne zu bewerten
Resilienz fördern > stärkt die psychischen, emotionalen, sozialen und körperlichen
Fähigkeiten, mit Stress, Krisen und Belastungen gesund umzugehen Respektvoll sein >
andere mit ihrer Andersartigkeit achten, mit ihren Grenzen • Rücksicht nehmen > achtsam
und sensibel mit sich und anderen umgehen • Regeneration > sich selbst, anderen und
dem Planeten mit seinen Ressourcen Erholung erlauben und ermöglichen «richtig»
handeln > im Sinne meines eigenen Tuns, das mit meinen innersten Herzenswünschen
übereinstimmt (kongruent sein) mit Ressourcen ausbeutungsfrei umgehen und sie teilen
> Zeit, Wissen oder materielle Mittel bewusst sorgfältig und nachhaltig einsetzen …
Revolution > Revolte: bestehende Machtstrukturen werden herausfordert, ihre Macht
heftig angegriffen, was oft blutig verläuft, weil Privilegien und Kontrolle kompromisslos
verteidigt werden. Auch bei nicht-blutigen Aufständen geht meist «sehr viel Geschirr
kaputt» • Rechthaberei > fehlender Raum für andere Sichtweisen und Erfahrungen, oft
verknüpft mit dem Anspruch auf Deutungshoheit, was richtig und falsch ist • Rache > der
Drang, empfundenes Unrecht zu vergelten, oft begleitet von Groll und hinterhältigem
Verhalten • Rücksichtslosigkeit > schonungsloses Durchsetzen der Eigeninteressen, mit
Ignorieren der Bedürfnisse anderer • Radikalisierung > zunehmend extremer werdendes,
oft intolerantes und aggressives Verhalten gegenüber Andersdenkenden …

S

Sinn und Sinnlichkeit > Sinn öffnet den Blick für die Richtung meines Lebens, wobei mich
meine Sinnlichkeit jeden Moment voller Lebendigkeit spüren lässt Sinnhaftigkeit > unsere
Taten mit innerer Tiefe und mit allem Wesentlichen verweben Spielfreunde und
spielerische Leichtigkeit > belebt den Geist, stärkt Bindungen, fördert Kreativität und
Lebendigkeit Sicherheit systemisches Verständnis > wirkt als zwischenmenschlich
fruchtbarer Boden synergetisches Bewusstsein > Verständnis von Win-Win für alle
Selbstliebe > mich selbst wertschätzen und selbstfürsorglich sein solidarisch sein >
anderen beistehen und gemeinsame Verantwortung übernehmen Stärke > mit innerer
Kraft die sich zeigenden Herausforderungen anpacken und meistern Selbstreflexion >
das eigene Fühlen, Sein, Denken und Handeln bewusst betrachten und spiegeln
Seelenverbindung > inneren Frieden pflegen und ausstrahlen Spiritualität > sich den
Sinn- und Lebensfragen öffnen sowie Verbundensein mit anderen, der Natur oder dem
Universum pflegen schenken > mit Liebe, Achtsamkeit, Präsenz und Hingabe für sich
und andere ein Präsent sein Selbstvertrauen > die eigenen Intentionen, Begabungen und
Fähigkeiten annehmen, würdigen und Leben zwischenmenschliche Sicherheit > schenkt
Vertrauen und Nähe, lässt Offenheit und Gelassenheit wachsen, schafft Raum für
tieferwerdende Verbundenheit, gesunde Entwicklung und Entfaltung …
Schmollen > sich-gekränkt-Fühlen und andere wie Luft behandeln Sarkasmus > wirkt
spitz, spöttisch, entwertend und verletzend, belastet Beziehungen, erzeugt
Missverständnisse und verschleiert Kritik sowie Abschätzigkeit • Schuldzuweisungen >
abschieben der (Mit)Verantwortung siehe auch Beschämung, Kränkung • schweigen >
als Folge von innerer Unsicherheit vertuschen, absichtlich bestrafen, andere im
Ungewissen lassen oder absichtlich verwirren; was sich häufig als Projektion, Vorwurf,
Angriff oder Rückzug zeigt • Selbstgerechtigkeit zelebrieren > moralische Überlegenheit
zeigen • sticheln > kleine, fiese, wiederholte, verbale Angriffe …

T

tolerant sein > sich selbst und anderen annehmend begegnen Traumata bewusst
aufdecken, durchfühlen und loslassen > frei für das Hier und Jetzt sein natürliche Treue
> beständig und verlässlich in Begegnungen und Werten sein • Teilhabe > einander
einbeziehen, zuhören, respektieren und aktiv beteiligen; im Austausch, beim Finden von
Lösungswegen und im gemeinsamen Wirken • Trost spenden / trösten > einfühlsames
Anteilnehmen an Gefühlen und schweren Situationen anderer • Transparenz >
unaufgefordert offen und ehrlich sagen (und dokumentieren/darstellen), was ist • Talente
aufleben lassen > Neigungen und Gaben erkennen und zu Fähigkeiten / kraftvollen
Ressourcen entfalten; Essay zum Thema «Gaben» (2) • Tatkraft > nicht Worte, sondern
Taten Einladung zur ganzheitlichen Transformation > Verwandlung zu gesundem
Selbstbewusstsein, Mitgefühl, nachhaltig regenerierendem Handeln und wohltuender
Verbundenheit mit anderen und der Welt …
Täuschung > bewusste Irreführung absichtliche Taktlosigkeit > fehlendes Feingefühl,
wobei es oft darum geht, Aufmerksamkeit zu erzwingen, Macht zu demonstrieren oder
andere zu provozieren, und damit zu verletzen und zu brüskieren • Tyrannei > dominantes
Unterdrücken • Tratschen > meist wertendes, ungeprüftes Weitererzählen von
Informationen oder Gerüchten und Halbwahrheiten über andere • Trivalisieren >
Kleinreden, Situationen und Probleme oder Gefühle herunterspielen (eigene und die
anderer) • Theatralisieren > übertriebenes Dramatisieren, um damit zu manipulieren oder
Aufmerksamkeit zu erheischen …

U

Urvertrauen > tiefes Vertrauen ins Leben, zu sich selbst und zu anderen spüren
unbeschwert sein und leben > leicht, spielerisch, gelassen und weitend umweltschonend
arbeiten und leben • umsichtig sein > achtsam, erforschend, integrierend und ganzheitlich
• unvoreingenommen sein > Vorurteile weglassen und offen auf andere zugehen
umsorgen > liebevoll begleiten und betreuen, soweit dies gewünscht ist • Universal-
Bewusstsein > achtsames Erleben tiefer Verbundenheit mit allem • Umarmung schenken >
achtsam-zärtliche Nähe, Wärme und Annahme schenken …
Übergriffig sein > die körperlichen, verbalen oder emotionalen Grenzen anderer
missachten oder überschreiten • unehrlich sein > verzerren, verschweigen oder
verfälschen der Wahrheit / Realität, sich selbst und anderen gegenüber • unterdrücken >
andere und sich selbst in der Freiheit, Entfaltung oder Selbstbestimmung einschränken,
durch Druckmachen, Kontrolle, Ausbeutung, ungeduldig sein usw. …

V

Vernetzt Denken und Fühlen, Frederic Vester (8) > Zusammenhänge ganzheitlich
ergründen und erkennen, Wechselwirkungen verstehen lernen, dadurch lebensdienlich
sowie nachhaltig handeln • Vielfalt > natürlicher Reichtum, schafft Stabilität
Verbundenheit > die nährend und wohltuend wirkt; Essay «Welche Verbundenheit …?» (9)
• vergeben > alten Schmerz und Groll befreien, anderen vergeben und Heilung
ermöglichen • Verständnis aufbauen > ! Verständnis heisst NICHT Einverständnis !,
anderen (und sich selbst) offen begegnen, zuhören, die Situationen und Gefühle
nachvollziehen können • Versöhnung > sich mit sich selbst und anderen Menschen
aussprechen, Vergangenes annehmen sowie inneren und zwischenmenschlichen Frieden
finden • Vision > Orientierung, Sinnhaftigkeit und einen gemeinsamen Weg für sich selbst
und gemeinsam finden und leben • Vitalität stärken > Energie spüren, Lebensfreude
entfalten und die eigene Lebenskraft voller Schwung leben • Verträglichkeit fördern >
harmonischer und integrierender miteinander umgehen …
Verwickelt und gefangen in Systemen sowie meinen Überzeugungen und Prägungen >
bewirkt eingeschränkte Wahrnehmung, konditioniertes Verhalten, reduzierte
Selbstbestimmung, emotionale Belastungen und beeinträchtigte Beziehungen
Verdrängung (oft unbewusst) > weggedrückte Gefühle und Herausforderungen erzeugen
Druck Verschlossenheit gegenüber meinem und deinem Inneren > erzeugt emotionale
Distanz, erschwert Selbst- und Fremderkenntnis und blockiert offene, authentische
Beziehungen und Begegnungen Verleugnung meiner Unzulänglichkeiten und
Unterlassungen > verzerrte Selbstwahrnehmung andere psychisch verletzen > Schmerz
zufügen, was Vertrauen und Verbundenheit zerstört …

W

Wesentlich sein > als fühlende Lebewesen das Wesentliche ergründen und leben
Wahrheit und Authentizität leben Wiederverbindung, Interbeing nach Charles Eisenstein
(10) > erkennen, dass alles Leben verbunden ist; daraus mit Mitgefühl, Achtsamkeit und
Verantwortungsbewusstsein gemeinsam im Sinne des Ganzen handeln Wunder achten
und lieben > Die Schönheit und Magie des Lebens im Alltag wahrnehmen und würdigen
Wohlbefinden fördern > das körperliche, emotionale und seelische Gleichgewicht bewusst
pflegen …
Wichtig > übergewichten und dabei oft das Wesentliche übersehen Wirtschaftsdiener und
-sklave Homo sapiens (ssp. oekonomikus) > der Mensch hat der Wirtschaft zu dienen und
zerstört damit Leben und die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten (Hauptsache, die
Wirtschaft wächst, egal wieviel das alles zerstört!), anstatt dass die Wirtschaft primär den
Menschen und dem Planeten dient! Wissensmissbrauch > zerstört Vertrauen, belastet
die Glaubwürdigkeit in Beziehungen und löst einen Teufelskreis von Misstrauen und
Abwehr aus • Warten, und weiter hoffen? Essay (11) • Wortbruch > Störungen des
Vertrauens und der Verlässlichkeit toxisches Wettbebewerbsdenken und nacheifern >
gegeneinander um jeden Preis, anstatt miteinander • Wut > destruktive Gefühlsausbrüche
bewirken Spannungen, blockieren klares Denken sowie konstruktives Handeln und
beschädigen Beziehungen …

X

Xenophilie > die positive Grundhaltung oder Anziehung gegenüber dem Fremden,
Andersartigen oder Unbekannten (also das Gegenteil von Xenophobie) • Xenodochie >
Fürsorge für Gäste, Gastfreundschaft und Aufnahmebereitschaft …
Xenophobie > Angst und Feindseligkeit gegenüber dem Fremden und Unbekannten,
Andersartigen …

Y

Yin und Yang > dynamisches Wechselspiel und harmonische Ergänzung von
Gegensätzen, die aufeinander angewiesen sind Die Ypsilon-Perspektive des
menschlichen Daseins ist eine wertvolle Metapher für das Stehen an einer Weggabelung,
an der sich Wahlmöglichkeiten verzweigen und der eigene Weg durch inneres
Bewusstsein ausgerichtet wird • Yoga > praktische Arbeit mit Körper, Atem und Geist –
verbunden mit dem eigenen Wesen und dem universellen Bewusstsein; zur Förderung
von Balance und Wohlbefinden …
Yin-und-Yang-Störung > bewirkt körperliche, emotionale und mentale Unausgewogenheit,
blockiert den Energiefluss und stört innere Harmonie sowie die Verbundenheit mit sich
selbst und anderen …

Z

Zuhören > einander einfach und wirklich tief zuhören wie Momo Zuneigung und
Zuwendung > fördert Sympathie und herzliches Interesse, schafft Vertrauen und Nähe,
stärkt Wohlbefinden und begünstigt achtsames, liebevolles Miteinander • Zugehörigkeit >
schenkt Sicherheit, stärkt Selbstwert und Vertrauen und fördert stabile, engagierte
Beziehungen sowie wertvolle Begegnungen • Zuversicht > stärkt innerliche Ruhe und
Selbstvertrauen, fördert Motivation und entwicklungsfähige Beziehungen einander
Zutrauen > stärkt einander durch die ermutigende Wirkung, fördert Selbstvertrauen und
verleiht Flügel bei Herausforderungen magischer Zauber des Augenblicks > lässt Augen
aufleuchten, weckt Staunen, Freude und Leichtigkeit des Seins …
zweifeln > ständiges Infragestellen, das verunsichert und Entscheidungen sowie das
Handeln hemmt • Zwänge / Zwängerei > erzeugen inneren Druck, hemmen Freiheit sowie
Flexibilität und belasten das Zusammenwirken • Zynismus > untergräbt Vertrauen, erzeugt
Distanz und sät Zweifel an Menschen und deren Absichten • Zurückweisung > verletzt
Gefühle und lässt Nähe sowie Vertrauen zwischen Menschen nicht zu, bzw. lässt sie
abbrechen • Zerstörungsdrang > untergräbt Vertrauen, blockiert das Zusammenwirken und
lässt Konflikte gewalttätig eskalieren …

Epilog

Beim Lesen und Nachklingen-Lassen sind dir wohl viele weitere wesentliche
Menschheitsaspekte und deren Auswirkungen in Erinnerung gekommen.

Eine gekürzte Version dieses Essays ist verfügbar in der Digitalzeitung DAS BLATT (1).

Und das Gedicht «Der Spruch» von Ernst Stalder (1883-1914) ruft uns in Erinnerung:

Mensch, werde wesentlich!

Herzliche Grüsse zu dir, mit Vorfreude auf dein Feedback
Peter vom Zürichsee (12,
peter.wyler@gmx.ch
Vielen Dank für das Lektorat an Bobby Langer vom Deutschen Lektorenbüro in Würzburg!

Links und Quellen

(1) Gekürzte Fassung dieses Essays in derDigitalzeitung DAS BLATT: «A – Z der
Menschlichkeit? – Wahlfreiheit wirkt auf unsere Lebenswelten»

(2)
Peter vom Zürichsee, Welche Gaben hast du – und gibst du sie der Welt? Essay,
Dezember 2024,
Direktlink >
(3)
Peter vom Zürichsee, Wie beeinflusst uns Scham? Vom Verdrängen zum achtsamen
Leben, Essay, Juli 2025,
Direktlink >
(4)
Martin Permantiers Buch Haltung erweitern – ICH, WIR, ALLE gestalten Transformation,
Verlag Versus, 1. Auflage 2023, ISBN 978-3-03909-327-4.

(5)
Peter vom Zürichsee, Konflikt als Lebenskunst. Warum fällt uns das so schwer? Wie
kann es gelingen? Essay, März 2026,
Direktlink >
(6)
Peter vom Zürichsee, Gibt es wirklich Klarheit? Wie wir sie finden und was wir draus
machen. Essay, November 2025,
Direktlink >
(7)
Peter vom Zürichsee, Welche Zukunft? Und was jetzt? Essay, Februar 2025,Direktlink >
(8)
Frederic Vesters Bücher, Die Kunst, vernetzt zu denken – Ideen und Werkzeuge für einen
neuen Umgang mit Komplexität, Verlag Pantheon 1999, 3. Auflage 2019 , ISBN 978-3-570-
55429-6.

Empfehlenswerte, längst vergriffene Titel: Leitmotiv vernetztes Denken – Für einen
besseren Umgang mit der Welt, Heyne Taschenbuch, 1988;

Der Wert eines Vogels, Ein Fensterbilderbuch, Kösel 1983, 4. Auflage 1987;
Weitere, eventuell über Internetsuche auffindbare Bücher von Frederic Vester:
Januskopf Landwirtschaft, Der Boden, der uns nährt, Ein Fensterbuch, Kösel ca. 1986;

Ein Baum ist mehr als ein Baum, Ein fensterbuch, Kösel 1985, 2. Auflage 1986.

(9)
Peter vom Zürichsee, Welche Verbundenheit brauchen wir? Zuhause sein auf dieser
Erde, im Wir. Essay, September 2025,
Direktlink >
(10)
Charles Eisensteins Buch Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich, mit dem
Kernthema «Wiederverbindung, Interbeing», Deutsche Ausgabe ISBN 978-3-943416-76-3.

(11)
Peter vom Zürichsee, Warten – und weiter hoffen? Essay, Dezember 2025, Direktlink >
(12)
Peter vom Zürichsee» ist der Autorname von Peter Wyler, pensionierter Gärtnermeister,
Verfasser des obigen Essays und des entstehenden Buches «Was brauchen unsere Erde, du
und ich zum guten Gedeihen? – Sieben Schritte auf dem Weg zur Lösung unserer
(Menschheits-) Probleme.» Mehr dazu auf
https://era-nova.org.

Warum fällt uns das so schwer? Wie kann es gelingen?

Von Peter vom Zürichsee

Konflikt ist Suche nach Nähe und Verbundenheit. Das hörte ich vor über 30 Jahren von einem Konfliktforscher, der mit Israelis und Palästinensern zusammen Friedensgespräche führte (vermutlich Herbert C. Kelman). Bin ich gerade in einen heftigen Streit verwickelt, bemerke ich «die Suche nach Nähe» bei mir selbst oder meinem Gegenüber kaum. Der kreativ-konstruktive Umgang mit «Konflikten als Lebenskunst» eröffnet uns vielfältige Entdeckungs-, Reflexions- und Gestaltungsmöglichkeiten.

Peter Wylers vollständigen Artikel findest du HIER.

1. Januar 2076. Vor einem halben Jahrhundert glaubte kaum jemand auf diesem Planeten, dass eine tiefgreifende Transformation der Menschheit möglich sei und gelingen könnte. Was für uns heute, zum Jahresauftakt 2076, völlig «normal» ist, war damals grundlegend anders. Jetzt schauen wir staunend zurück auf die Reise vom inneren und äusseren Wandel – und gehen dankbar den «gemeinsamen Weg des Menschseins» weiter.

Den vollständigen Artikel von Peter Wyler findet du HIER.

[Foto: djovan/pixabay]

In Paris gibt es einen Ort, der Frieden nicht predigt, sondern lebt – und zeigt, wie gesellschaftliches Engagement im Alltag funktioniert.

Oft leben Studierende relativ vereinzelt in ihrer Universitätsstadt, wenn sie es nicht geschafft haben, in Wohngemeinschaften oder Studentenwohnheime hineinzukommen. In Paris gibt es seit 100 Jahren einen Ort des Zusammenlebens für Tausende Studierende, der Elemente alternativer Lebensformen enthält – die Cité internationale universitaire. Ein Projekt, das auch in schwierigen Zeiten Mut machen kann …

⇒ Vollständiger Artikel

Wenn die alte Welt in neuem Gewand zurückkehrt

Von Sanna Radelius, Schweden

Ein guter Freund meinte neulich zu mir: „Nein, ich sehe keinen Grund, mich zu rechtfertigen. Die IDGs [Inner Development Goals, die Red.] sind falsch, und ich mag sie nicht.“ Er ist älter, erfahrener und hat nicht mehr das Bedürfnis, seine Meinung zu erklären. Ich hingegen schon. Um mir selbst klar zu werden. Um die Frauen zu ehren, die vor mir für eine gerechtere Welt gekämpft haben. Und um allen zu antworten, die sich nach meiner letzten Kritik gemeldet und dieselbe Frage gestellt haben:

Warum bist du gegen die Inner Development Goals?

Hier ist also meine Antwort.

Der Fisch und das Wasser

Manchmal beschreibe ich die IDGs so: Man bringt Fischen bei, besser in einem Aquarium zu schwimmen, in dem das Wasser braun wird und immer weniger Sauerstoff enthält.

Die Fische lernen neue Schwimmtechniken. Sie werden widerstandsfähiger, kooperativer und reflektierter. All das ist nicht schlecht. Aber wenn das Wasser selbst verschmutzt ist, hilft besseres Schwimmen nur für eine Weile. Irgendwann stellt sich nicht mehr die Frage, wie sich die Fische verhalten, sondern was mit dem Wasser passiert.

Helfen wir den Fischen, das Gift zu überleben, anstatt zu fragen, warum das Wasser überhaupt giftig ist?

Wenn wir über innere Entwicklung reden, ohne uns ernsthaft mit den Systemen auseinanderzusetzen, die uns prägen, laufen wir Gefahr, genau das zu tun. Gleichzeitig lassen wir vieles unberührt: die wirtschaftlichen Strukturen, die endloses Wachstum verlangen; die historischen Machtverhältnisse, die entscheiden, wessen Wissen zählt; die Ausbeutungsmentalität, die in den Institutionen des Globalen Nordens verankert ist; die patriarchalischen Normen, die Dominanz als Führung legitimiert haben.

Diese Kräfte sind nicht von der inneren Entwicklung zu trennen. Sie prägen, wie innere Entwicklung überhaupt aussieht. Sie bestimmen, wer darüber sprechen darf. Sie entscheiden, wessen Fähigkeiten als „entwickelt” gelten.

Dennoch behandelt das IDG-Framework diese Normen als Hintergrundbedingungen und nicht als Hauptgegenstand der Veränderung. Es hilft den Menschen, sich an ein krankes System anzupassen, anstatt zu fragen, ob nicht das System selbst grundlegend verändert werden muss.

Regeneration beginnt dort, wo Komfort endet

Ich habe Jahre in regenerativen und systemischen Kontexten verbracht. Eines ist mir klar: Regenerative Arbeit beginnt nicht mit einer Liste von Fähigkeiten. Sie beginnt bei den Ursachen. Sie fragt, warum ein System Schaden anrichtet, wer von seiner Stabilität profitiert und wer den Preis dafür zahlt, wenn es sich nicht verändert. Sie besteht darauf, Macht nicht als Anschuldigung zu verstehen, sondern als Struktur, als Landkarte dessen, wie Macht organisiert ist.

In der regenerativen Theorie und Praxis wird Regeneration als ein grundlegend anderes Paradigma verstanden, das in lebenden Systemen verwurzelt ist, die ihre eigene Vitalität und die der anderen wiederherstellen und vertiefen. Es geht nicht um stärkere Nachhaltigkeit, sondern um eine Abkehr von einer extraktiven, wachstumsorientierten Logik hin zu relationalen, ortsbezogenen Formen der Organisation von Leben und Wirtschaft.

Die IDGs beschreiben sich oft als Unterstützer eines Wandels hin zu regenerativeren Kulturen und Systemen. Aus meiner Sicht gehört ihre Kernlogik immer noch zu einem früheren Paradigma.

Sie greifen einige dieser regenerativen Fragen in der Theorie auf, kehren dann aber auf den sichereren Boden der individuellen und kollektiven Fähigkeiten innerhalb der bestehenden Ordnung zurück. Regeneration macht das Gegenteil. Sie bleibt bei der Komplexität. Sie lehnt universelle Rezepte ab. Sie vertraut darauf, dass unterschiedliche Orte, unterschiedliche Geschichten und unterschiedliche Kosmologien unterschiedliche Formen des Werdens erfordern.

Deshalb stehen Regeneration und die IDGs in einem Spannungsverhältnis. Die eine schafft Raum für Pluralität und strukturellen Wandel, die andere schreibt vor. Das ist keine Regeneration. Es ist Ausbeutung mit einem besseren Markenauftritt.

Die Struktur, die sich vor aller Augen verbirgt

Zu sagen, dass man mit Macht arbeitet, ist nicht dasselbe wie Macht zu transformieren. Verschiedene Stimmen an einen Tisch zu bringen, ist nicht dasselbe wie zu verändern, wer den Tisch gebaut hat oder über dessen Zweck entscheidet. Kritik einzuladen ist nicht dasselbe wie dieser Kritik zu erlauben, die Architektur neu zu gestalten.

Das ist wichtig, weil die IDGs nicht mehr nur ein kleines nordisches Experiment sind. Sie positionieren sich jetzt und werden immer öfter in Umgebungen eingesetzt, die mit Universitäten, Unternehmen, NGOs und öffentlichen Einrichtungen in vielen Ländern verbunden sind, vor allem in Teilen des Globalen Nordens. Ihr klares Ziel ist es, Einfluss darauf zu nehmen, wie Führungskräfte über Veränderung reden, wie Organisationen über menschliche Entwicklung denken, welche inneren Eigenschaften als legitim angesehen werden und wie „gute Führung” aussieht.

Wenn das Rahmenwerk fehlerhaft ist, wird auch sein Einfluss fehlerhaft sein. Aber es könnte noch schlimmer kommen. Ein fehlerhaftes Rahmenwerk, das global skaliert wird, kann aktiv schädlich werden. Nicht unbedingt durch das, was es lehrt, sondern durch das, was es unberührt lässt. Es gibt den Menschen das Gefühl, an den Ursachen zu arbeiten, während sie in Wirklichkeit immer geschickter darin werden, genau die Systeme aufrechtzuerhalten und zu legitimieren, die transformiert und nicht erhalten werden sollten.

Und für Frauen, für Menschen aus dem Globalen Süden, für indigene Völker, für alle, die von einer anderen Ontologie geprägt sind, bergen die IDGs eine besondere Gefahr. Sie vermitteln den Anschein von Inklusion, während sie gleichzeitig genau die Strukturen aufrechterhalten, die uns schon immer marginalisiert haben. Sie laden uns an den Tisch ein und erwarten dann, dass wir uns innerhalb des von ihnen vorgegebenen Rahmens äußern.

Was passiert, wenn das System in Frage gestellt wird

Ich habe diese Fragen direkt, öffentlich und über Jahre hinweg aufgeworfen. Über Macht. Über dekoloniale Methoden. Darüber, wie sie mit den zugrunde liegenden Strukturen arbeiten, die genau die Probleme immer wieder neu schaffen, die sie angeblich ändern wollen. Die Antworten waren aufschlussreich.

Zuerst Schweigen oder Ausflüchte. Mein Denken wurde als postmodern abgestempelt. Meine Fragen wurden eher als Frage des Tons denn als Frage des Inhalts behandelt. Später kam die Zusicherung, sie würden mit sozialen Strukturen arbeiten, wie es jeder tue, der es mit Systemveränderungen ernst meine. Aber wenn ich frage, welche Strukturen sie identifiziert haben oder was sich dadurch im Rahmen geändert hat, gibt es keine konkreten Beispiele.

Und wenn Kritik anerkannt wird, wird sie als relational umgedeutet: Meine Sprache sei aggressiv, ich hätte privat schreiben sollen, öffentliche Kritik könne Menschen entmutigen.

Das System bleibt unschuldig. Der Kritiker wird zum Störfaktor.

Die patriarchalische Logik hinter der Sprache der Fürsorge

Dieses Muster ist mir als Frau schmerzlich vertraut. Wenn strukturelle Kritik als eine Frage des Tons dargestellt wird, als Aufforderung, sanfter, beziehungsorientierter und weniger direkt zu sein, spiegelt dies eine lange Geschichte wider, in der die Klarheit von Frauen in ähnlicher Weise behandelt wurde. Diese Abmilderungen klingen oberflächlich betrachtet nach Fürsorge. Im Grunde dienen sie jedoch der Kontrolle. Sie lenken die Aufmerksamkeit von der Macht auf die Höflichkeit, vom Inhalt auf den Stil.

Jeder, der im Patriarchat gelebt hat, erkennt dieses Muster. Frauen werden gefeiert, solange wir unterstützend, dankbar, emotional einfühlsam und bereit sind, genau die Strukturen zu stabilisieren, die uns schaden. In dem Moment, in dem wir anfangen, strukturelle Probleme klar zu benennen, ohne jeden Satz abzufedern, werden wir „zu viel”. Zu scharf. Zu emotional. Zu spaltend. Eine Störung, die es zu bewältigen gilt, statt ein Signal, dass etwas nicht stimmt.

Und es gibt noch eine weitere Ebene. Nicht alle Frauen wollen dieses Muster sehen. Denn wir kennen die Geschichte. Weiße Männer nehmen das, was Frauen seit Generationen praktizieren und verkörpern – relationale Intelligenz, emotionale Kompetenz, die Arbeit der Fürsorge – und wenn sie es verpacken, erforschen und in einen Rahmen verwandeln, der durch Forschung und institutionelle Legitimität gestützt wird, wird es plötzlich wertvoll. Plötzlich ist es Führungsstärke. Plötzlich zählt es. Und für viele Frauen kann es einfacher sein, das zu feiern, als sich damit auseinanderzusetzen, was es offenbart. Dass genau die Eigenschaften, für die wir bestraft, herabgewürdigt oder denen wir ohne Anerkennung gerecht werden mussten, erst dann anerkannt werden, wenn Männer sie benennen, verpacken und als Innovation präsentieren. Das ist auch der Grund, warum die IDGs so leicht zu mögen sind: Sie wirken fortschrittlich, obwohl sie größtenteils nur das neu verpacken, was diese Kultur bereits kennt.

Diese Wahrheit zu erkennen, ist schmerzhaft. Und doch hat es auch seinen Preis, sie nicht zu sehen.

Das ist die Falle. Sei sanft. Sei inklusiv. Bring niemanden in Verlegenheit. Und während du all das bist, bleiben die Strukturen genau so, wie sie sind.

Des Kaisers neue Kleider. Nur aus sehr progressivem Stoff.

Wenn koloniales Denken in neuen Formen wieder auftaucht

Das gleiche Muster zeigt sich über Rassen, Geografien und Geschichte hinweg. Die IDGs präsentieren sich als global, mit Hubs, Partnern und Referenten aus der ganzen Welt. Aber schau dir genauer an, woher das Rahmenwerk kommt, wer die Marke hält, wer reist, sich trifft und auf den Hauptbühnen spricht, wessen Pässe und Hautfarben die Räume dominieren, in denen strategische Entscheidungen getroffen werden, wessen Sprache die Bedingungen festlegt. Der Schwerpunkt bleibt der globale Norden.

So sieht Neokolonialismus heute oft aus: keine Eroberungen und Flaggen, sondern Rahmenwerke und Partnerschaften. Keine offene Herrschaft, sondern die stille Forderung, dass sich alle an die liberal-angloamerikanischen und nordeuropäischen Normen anpassen: eine Weltanschauung, die das Problem und die Lösung definiert, während andere als Farbe und Geschichte eingeladen werden, solange sie die bereits festgelegten Bedingungen nicht stören.

Eine Weltanschauung, die behauptet, universell zu sein

Dahinter steckt eine Weltanschauung. Die IDGs basieren auf einem angloamerikanischen und nordeuropäischen liberalen Menschenbild, das den Menschen als individuelle Einheit mit einem inneren Leben sieht, das beschrieben und verbessert werden kann und grundlegend von der Natur getrennt ist. Viele andere Traditionen gehen von etwas anderem aus, von einer relationalen Welt, in der Land, Vorfahren und mehr als menschliche Wesen das Selbst ausmachen, und in der Wissen eher durch lange Beziehungen als durch globale Fragebögen entsteht.

Wenn ein Rahmenwerk verschiedene Perspektiven zulässt, ohne diese zugrunde liegende Weltanschauung zu hinterfragen, praktiziert es keine Pluralität. Es verlangt von anderen Welten, sich in seine Ontologie zu zwängen, und nennt das Inklusion.

Können sich die IDGs ändern?

Manchmal werde ich gefragt, ob die IDGs zu dem werden könnten, was sie zu sein vorgeben. Meine ehrliche Antwort ist einfach: Nein.

Das Problem sind nicht blinde Flecken oder Diversitätskorrekturen. Es ist die Kernlogik.

Die Idee, dass man eine universelle Reihe innerer Fähigkeiten für die Menschheit definieren und sie als Hebel für Systemveränderungen in der Welt verbreiten kann, ist selbst Teil des Paradigmas, das wir hinter uns lassen müssen. Das heißt nicht, dass die IDGs sinnlos sind. Sie übersetzen etwas Weiches und lange Ignoriertes – Innenleben, emotionale Kompetenz und Fähigkeit zu Beziehungen – in eine Form, die Institutionen erkennen und mit der sie arbeiten können. In einem bestimmten historischen Moment und in kulturellen Kontexten wie Schweden hat diese Brücke ihren Wert.

Und auch heute noch können die IDGs als beliebtes psychologisches Instrument für Arbeitsplätze und Organisationen in Teilen des Globalen Nordens, insbesondere in Schweden, wo persönliche Entwicklung manchmal Sprache und Struktur braucht, wirklich nützlich sein. Aber eine Brücke ist nur als Durchgang gedacht, nicht als Modell für die gesamte Landschaft. Das Problem beginnt, wenn ein Rahmen, der für ein bestimmtes kulturelles Segment sinnvoll sein mag, so präsentiert wird, als wäre er ein universeller Weg zu Nachhaltigkeit und menschlicher Entfaltung für alle.

Aus meiner heutigen Sicht sind die IDGs weniger ein Weg in die Zukunft als vielmehr ein klarer Ausdruck des Paradigmas, aus dem wir herauswachsen müssen: der Glaube, dass der richtige Rahmen in den richtigen Händen die Menschheit verbessern kann; die Annahme, dass eine Weltanschauung sicher für uns alle sprechen kann; die Gewohnheit, lebendige, situative Weisheit in übertragbare Modelle und Produkte zu verwandeln.

Könnten die Menschen rund um die IDGs sich dafür entscheiden, etwas anderes zu tun? Ja. Sie könnten beschließen, die Grenzen des Projekts zu benennen, seine Ausweitung zu stoppen und Traditionen und Bewegungen zu unterstützen, die von anderen Weltanschauungen ausgehen, anstatt zu versuchen, diese in ihre eigene zu integrieren. Sie könnten die IDGs zu einem historischen Beispiel dafür werden lassen, wie wir früher über innere Entwicklung gedacht haben, anstatt daran als Antwort festzuhalten.

Ob sie das tun werden, ist eine ganz andere Frage. Alles, was ich in ihren Antworten auf Kritik gesehen habe, deutet darauf hin, dass das Projekt weiterhin seine Kernlogik verteidigen, seine Sprache anpassen, Geschichten und Perspektiven hinzufügen und weitermachen wird. In diesem Sinne ist die wertvollste Rolle, die die IDGs spielen können, genau diese: eine sichtbare, gut vermarktete Veranschaulichung der zugrunde liegenden Logik, die wir erkennen lernen und sanft, aber entschlossen überwinden müssen.

Helft euch gegenseitig, das Wasser zu sehen

Denn die eigentliche Arbeit der Regeneration beginnt in dem Moment, in dem wir aufhören, den Fisch zu perfektionieren, und es wagen, ehrlich auf das Wasser zu schauen.

—————————-

Originalartikel: https://sannaradelius.medium.com/why-i-cant-be-silent-about-the-inner-development-goals-6321e262928f

Alle Fotos von https://pixabay.com

Übersetzung mit Einverständnis der Autorin: Bobby Langer

von Charles Eisenstein

Um die Virtuosität der künstlichen Intelligenz zu verwirklichen, müssen wir ihre Virtualität anerkennen. Wir dürfen das Virtuelle nicht mit dem Wirklichen verwechseln. Wir dürfen keinen künstlichen Ersatz für Intimität, Kameradschaft, Präsenz und Verständnis hinnehmen. Wir dürfen uns nicht selbst einreden, dass wir diese Dinge durch eine Maschine gefunden haben.

Der vollständige Text auf charleseisensteindeutsch

[Bild von Stefan Keller auf Pixabay]

Essay von Bobby Langer 

Wenn das nicht mal drei Begriffe sind, die uns suggerieren, wir wüssten, was damit gemeint ist. Am wenigstens können wir mit dem «Guten» anfangen. Gut sind Kinder, gut ist der Wellensittich im Käfig, die schnurrende Katze, der Hund, der beim Kraulen alle Viere von sich streckt. Gut sind auch das neue Auto und das neue Handy. Und gut ist natürlich auch der liebe Gott.

Nur glaubt an den so gut wie keiner mehr. Das Gute wirkt banal und ist deshalb, so das allgemeine Vorurteil, nichts Ernstzunehmendes, es sei denn das Böse wird zum Guten umgemünzt. «Gut» ist dann die Kollegin, die im Vergleich zu mir den Kürzeren gezogen hat; «gut» ist die Versicherung, die nicht bemerkt hat, dass mir eine derart hohe Summe gar nicht zusteht; und «gut» ist der besiegte Feind, die zerstörte feindliche Stadt. Wer kennt nicht den Satz: «Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer.»

Das Böse hingegen buhlt ständig um unsere Aufmerksamkeit: der Ukrainekrieg, der Sturm Melissa, das Elend von Gaza, die Gräueltaten in Darfur, Guantanamo, der Teufel. Ob man das alles als «böse» bezeichnen darf oder lieber – beschwichtigend – als schlecht, verwerflich, abscheulich oder einfach nur «ungut», darüber lässt sich trefflich und endlos diskutieren. Ich halte das an dieser Stelle für müssig. Jeder weiss, was ich meine. Aber warum schenken wir all diesen Gräueln so viel Aufmerksamkeit? Warum halten wir’s mehr mit dem Teufel als mit dem lieben Gott?

Bambis Entkommen

Meiner Meinung nach ist die Evolution daran schuld. Lassen Sie mich das anhand eines Rehs erklären. Stellen Sie sich einen sonnigen Herbstmorgen oder -abend vor. Unser Reh, wir nennen es der Einfachheit halber Bambi 2.0, steht auf der Lichtung, geniesst die Sonnenstrahlen auf seinem Fell und äst und kaut gemütlich vor sich hin. Dennoch bleibt es aufmerksam, denn die Welt ist nicht nur lecker.
Plötzlich unterbricht Bambi 2.0 seinen Schmaus und flüchtet in weiten, federleichten Sprüngen nach rechts. Was ist geschehen? Bambi hat links eine gefährliche Bewegung bemerkt. Ein junger Wolf, noch unerfahren, hatte sich etwas zu schnell zum Waldrand geschlichen. Flüchtet unser Reh also bei jeder Bewegung? Nein, durchaus nicht. Bevor der Wolf kam, hatte der Wind ordentlich an den Zweigen gerüttelt. Nicht nur zehn, nein, Hunderte von Blättern waren zu Boden gewirbelt, Hunderte von Bewegungen hatten stattgefunden, und doch blieb Bambi 2.0 entspannt. Warum? Weil es diese Bewegungen seit Monaten als harmlos eingeordnet hatte und daran gewöhnt war. Erst die eine, ungewöhnliche Bewegung am linken Waldrand hat seine Flucht ausgelöst.

Nur kein Stress

Bambi 2.0 sollte dem Wolf dankbar sein. Wäre es nicht vor ihm geflüchtet, wäre es jetzt tot. Die ganze Zeit hatte nämlich ein Wilderer reglos mit gespannter Flinte am Waldrand auf den rechten Augenblick gelauert. Eine Minute später hätte er abgedrückt. Warum hatte Bambi 2.0 ihn nicht entdeckt? Ganz einfach: Der Mann hatte sich nicht bewegt. Womit wir bei der Evolution wären. Die hat die Tiere gelehrt, dass alles, was sich bewegt, gefährlich sein kann. Alles, was sich bewegt, wird deshalb analysiert, kategorisiert, bewertet. Ein stehender Baum ist unbedenklich. Aber wehe, er fällt.

Die Evolution hat das ganz vernünftig eingerichtet: Haben Tiere einmal eine Situation musterhaft als „harmlos“ erkannt – bzw. das von ihren Eltern erlernt –, können sie sich für den Rest ihres Lebens viel Stress ersparen. Sie können einen Grossteil aller Bewegungen negieren und sich dem Guten widmen, dem Genuss und der Lebensfreude. Müssten sie jede Bewegung um sie herum ständig neu bewerten, so würde Stress das ganze, bislang so entspannte, Tierreich erfassen. Die Tiere bräuchten Smartphones, um Termine zu machen. Womit wir beim Menschen wären.

Gefahrvolle Welt

Auch wir wollen fressen, verdauen, uns fortpflanzen und schlafen. Aber wir haben uns eine Welt voller Gefahren eingerichtet, die Gefahr gehört zum Alltag. Bei der Fahrt zum Supermarkt kann ein tödlicher Unfall passieren, in der Fussgängerzone können wir umgerempelt werden und uns am Randstein das Genick brechen, wir können bestohlen, bedroht, ja sogar angegriffen werden. Der Bildschirm kann explodieren, eine vergessene Herdplatte einen vernichtenden Küchenbrand auslösen. Wir können in der Badewanne einschlafen und ertrinken, und unser Kind läuft auf dem Schulweg selbstverständlich Gefahr, von Triebtätern missbraucht zu werden. Also müssen wir, ja wir müssen es zur Schule fahren, zum Kindergarten, zum Sportverein, zum Orgelunterricht.

Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass diese Gefahren zwar existieren, aber vorwiegend in der Theorie, im Kopf. Unser Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen realer und eingebildeter Gefahr; denn beides erreicht uns in Form elektrischer und chemischer Signale; weshalb uns jede Gefahr, die uns als Gedanke aus den Tiefen des Unbewussten, aus Ängsten oder gar Traumata anspringt, wie Bambi 2.0 reagieren lässt: Wir reagieren mit Flucht. Oder wir erstarren. Oder werden aggressiv, um die Einbildung, den Sturm im Wasserglas, abzuwehren.
Stress muss sein. Oder?

Die Evolution hat uns darauf abgerichtet, Gefahren zu bemerken und ernst zu nehmen. Eine Gefahr ist alles, was mir schaden kann an Leib und Leben, an körperlicher und geistig-seelischer Gesundheit. Und die Summe aller Gefahren ist nun mal das Böse. Kein Wunder also, dass wir uns vom Bösen umgeben wähnen, dass wir an Verkehrsunfällen stehen bleiben und glücklich darüber sind, dass es nicht uns erwischt hat.
Sich mit dem Bösen bzw. Schlechten, Verwerflichen, Abscheulichen oder Unguten zu beschäftigen, ist ganz normal. Schliesslich ist unser Verhalten der Evolution geschuldet. Deshalb erscheint es uns nur logisch und sinnvoll, wenn die Polizei immer mehr Rechte erhält, uns zu belauschen, auf dass sie dem Bösen Einhalt gebietet; wenn die Presse ausdauernd vom Schlimmsten berichtet und damit lediglich einer evolutionären Notwendigkeit gehorcht. Und wenn wir Kriege führen, so doch nur, um all das Böse auf der Welt abzuwehren. Daran glauben wir felsenfest und unerbittlich. Dass so ein Leben nicht stressfrei geschehen kann, ist ja wohl einzusehen, weshalb wir Stress als lebensimmanente Selbstverständlichkeit betrachten.

Von Bambi lernen

Ganz anders das uns überlegene Bambi 2.0. Es geniesst sein Leben in vollen Zügen, macht sich keine Gedanken über Schulabschlüsse oder das Leid der Welt, schlägt sich nicht mit dem Finanzamt herum und konzentriert sich auf das Gute, von dem weit mehr vorhanden ist als vom Bösen. Tiere sind realistisch, es bleibt ihnen nichts anderes übrig, weshalb sie auch ohne grosse Mühe zur Schlachtbank getrieben werden können. Bambi 2.0 weiss: Aus der Wiese spriessen weit mehr Kräutlein, als es jemals verzehren kann. Und sollte irgendwann doch einmal der Wolf zum Zug kommen, so reicht Bambi ihm das zarte Hälschen zum Biss, denn bis zu diesem Augenblick hatte es ein wundervolles, ein köstliches Leben. Dann ist das eben so, und nicht einmal der Wolf erscheint Bambi böse. Doch gibt es erstaunlich wenige Wölfe in Bambis Umgebung; und von fehlgelaufener Jagd frustrierte Wölfe halten sich lieber an Mäuse und Hasen als an Bambis. Tatsächlich sagen uns Statistiken, dass nur zwischen ein und fünf Prozent aller Rehe Raubtieren zum Opfer fallen.

Lohnt es sich da nicht, von Bambi zu lernen? Sich also auf das Gute, Wahre und Schöne zu konzentrieren, zumal auch wir nur von wenigen Wölfen umgeben sind – die eingebildeten ausgenommen. Der Spruch: «Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück» trifft auch auf das Böse zu. Je mehr ich davon im Wald vermute, ja mit Sicherheit annehme, desto mehr Trolle, Orks und Untote entstehen dort. Und umgekehrt.

Ich, beispielsweise, habe heute nur Gutes erlebt: Ich habe mit meinem Sohn einen unfallfreien Morgenspaziergang gemacht, habe mich weder bei Frühstück noch beim Mittagessen ernsthaft verschluckt; ich habe einen köstlichen Darjeeling in perfekter Stärke getrunken, ohne mir die Zunge zu verbrennen; ich habe ein Mittagsschläfchen genossen und bin vor dem Wecker aufgewacht. Und auf der Tastatur für diesen Essay habe ich alle Tasten gefunden, ohne mir auch nur einen einzigen Finger zu verstauchen; ich sehe abends einem Glas Wein entgegen, von dem ich jetzt schon weiss, dass er nicht in Essig umgeschlagen sein wird. Genau genommen könnte ich hier wenigstens von zwanzig weiteren guten Dingen dieses Tages berichten, aber ich will ja niemanden länger langweilen als nötig.

Auch die Tatsache, dass mir bei den Überlegungen zu diesem Essay zuerst Bambi eingefallen ist und nicht der böse Wolf, dient meiner Erheiterung. Irgendetwas hat mich da positiv geframt, wie das wohl in Neusprech heisst. Und das kann ja wohl nur das Gute gewesen sein. Oder?

Der nächste Schritt der Menschheit – wohin die Reise gehen kann

Annegret Torspecken ist eine Abenteurerin. Kann man von einem Menschen etwas Positiveres sagen? (Das Gegenteil wäre der Mensch als Bürokrat.) Zweifellos besitzt sie ein anarchistisches Gen. Und weil das so ist, glaubt sie nicht an das große, kollektive Erwachen. Nein, nein, aus dem Sumpf muss sich schon jeder an der eigenen Nase ziehen. Ihr Lebenslauf beweist, dass das möglich ist, auch wenn man mal wieder zurückplumpst.

Warum rede ich von dieser Frau, die auf Mallorca ihre Heimat gefunden hat? Weil sie die Schrift „Das holographische Weltbild – was dir deine Aura zeigt und wie Selbstheilung beginnen kann“ verfasst hat. Geeignet ist sie für alle Menschen, die ahnen, dass das derzeitige naturwissenschaftliche Weltbild nicht genügt, um den großen nächsten Schritt zu tun; dass es eine wichtige unsichtbare Welt gibt, die die Naturvölker Australiens Seele nennen und Annegret meist als Aura umschreibt. Zusätzlich sagt sie, und diese Differenzierung stammt auch von den Aborigines, gibt es den göttlichen Kern direkt im Herzen eines jeden. Geeignet vor allem für Menschen, die eine kreative innere Unruhe verspüren und sich nicht mit dem scheinbar einfachen, vorgezeichneten Konsumweg zufriedengeben wollen. Menschen, die immer schon fühlten: „Da gibt es mehr in mir …!“

Letztlich handelt es sich bei ihrem Büchlein um die Aufforderung zu einer Lebens-Reisebegleitung. Annegret schreibt: „Es ist kein Lehrbuch, kein Ratgeber, keine Anleitung für ein besseres Leben. Es ist eher eine Landkarte. Eine Einladung, mit mir gemeinsam die Perspektive zu wechseln – vom mechanischen Weltbild hin zu einem holographischen. Von linearem Denken zum zyklischen Verstehen. Von äußerer Orientierung zu innerer Klärung und Rückverbindung.“

In gewisser Weise wundert es mich, dass ich Annegrets Buch (ja, letztlich ist es eins geworden) anpreisen mag. Denn ich stehe sehr vielen Spiri- und Eso-Angeboten (vorsichtig formuliert) ausgesprochen skeptisch gegenüber. Größtenteils scheint es sich dabei um eine Art Meta-Jahrmarkt der Eitelkeiten zu handeln, subtiles Egofutter eben, wo sich viele Angebote bis in die Formulierungen hinein gleichen – und eben Angebote sind, edel und kostbar verpackte „Produkte“, kaufbar und käuflich.

All dies trifft auf dieses Buch nicht zu. Wer es erwirbt (annegret-torspecken), betritt eine neue Welt in die eigene unsichtbare Natur. Wer dazu innerlich noch nicht bereit ist, kann sich’s auch in einer frühen Version erst einmal herunterladen, kostenlos. Annegret kupfert nicht ab; was sie schreibt, ist authentisch, ist Lebensergebnis. Das spürt man von Zeile zu Zeile, und das machte es mir möglich, ihr bis zur letzten Seite zu folgen, nicht immer zustimmend, aber oft auch das. Und ab und zu auch staunend: Ja, da hat jemand nachgedacht. Nach 25 Jahren intensiven Studiums in diversen Bereichen des Eso/Spiri-Jahrmarktes, etlichen Heilungsmethoden, von psychologischen über hochfrequenten bis zu unsichtbaren Meistern und zurück. Das hat offenbar ihre Sinne für die Klippen und Scheinriesen am Weg geschärft. Und zu 100 Prozent kann ich ihrer Annahme zustimmen: „Ich schreibe, weil ich glaube, dass wir an einem Punkt stehen, an dem alte Antworten nicht mehr ausreichen.“ Einstein lässt grüßen.

Und auch das kann ich unterschreiben: „Die Menschheit wundert sich, warum so ein Chaos auf der Erde herrscht, dabei zeigt es deutlich auf, dass der Mensch die Macht über sich selbst abgegeben und völlig vergessen hat, sein eigenes Gefährt durch seine Dimensionen zu führen. Grundsätzlich ist die Seele/Aura des Menschen programmierbar. Alles, was von außen in den Menschen eindringt oder dazu eingeladen wird, bringt den Menschen von seinem eigenen Weg ab.“

Annegrets Gedanken zu folgen, bedeutet: ein Gefühl dafür zu bekommen, was alles bereits auf der Aura von anderen abgelegt wurde. Was unterstützt mich, was ist „Schnee von gestern“, was kann ich selbst schon mal loslassen. Glaubenssätze erkennen, die mir nicht mehr dienlich sind.

Natürlich, man betritt hier die wenig ausgetretenen Pfade, lässt sich auf innere Abenteuer ein. Aber bedeutet nicht genau das „leben“?

Annegret Torspecken, Das holographische Weltbild – was dir deine Aura zeigt und wie Selbstheilung beginnen kann, 78 Seiten, 17,84 € bei Etsy. Ihre Homepage: annegret-torspecken

Ein Statement und ein Interview mit Peter Schönhöffer

Sicher: Es gab und gibt stets allerlei Gründe, den jetzt wieder einsetzenden, großen Demonstrationen fernzubleiben, so etwa die Furcht vor Polizeigewalt, den Zweifel an Sinn und Zweck, persönliche Einschränkungen, aber auch Resignation, die zu viele nach wie vor gefangen hält: „Das hat doch alles keinen Zweck. Die da oben – oder die jeweils zum Feind Erkorenen oder wahlweise der Putin oder der Trump oder die EU – machen doch sowieso, was sie wollen.“

Dem engagierten katholischen Theologen Peter Schönhöffer sind alle diese Alltagseinwände nicht fremd, doch stehen ihm andere Einsichten näher. Mit den folgenden, grundlegenden Einsichten im Rücken sieht er Ansätze, um neue bzw. verschüttete Friedenspotenziale zu heben.

Schönhöffer verbindet in seiner Analyse wie in seiner praktischen Tätigkeit Spiritualität mit sozialem Engagement sowie die strikte Zusammengehörigkeit der Themenkreise Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Wichtige Impulse für seine den „gerechten Frieden“ suchende Sozialisation erhielt er in weltumspannenden ökumenischen Gerechtigkeitsbewegungen, insbesondere bei der Stiftung Ökumene, pax christi und Kairos Europa.

Schönhöffer konstatiert „ungeniert manipulierte und vollkommen wahrnehmungsgestörte Öffentlichkeiten sowie eine immer offenkundiger werdende, breit sich entwickelnde Zukunftsvernichtung“. „Vielleicht“, vermutet er, „nimmt die Anzahl und Eindrücklichkeit der Friedensdemonstrationen deswegen so schlagartig zu.“ Doch buchstäblich alles, was jetzt not-wendend werden könnte, geschehe noch immer nahezu unbemerkt von der Einheitslinie des veröffentlichten Meinungskorridors.

Daher dieser kurze Artikel und das darauffolgende Interview.

Ein klarer Blick: Kompromisslos für Frieden – ein Statement von Peter Schönhöffer

Festzuhalten ist: Von den realen Basis-Notwendigkeiten einer internationalen Friedenskoalition zur Beendigung aktueller Kriege kommt in den Top-Themen der Leitmedien noch immer kaum etwas vor. Was zum Frieden ohne Waffengewalt führen könnte, gilt als indiskutabel. Vielmehr richtet sich die Grundwahrnehmung der Situationen in der Ukraine und im Gaza-Streifen auf strukturelle und situative Eskalation oder De-Eskalation bei völkerrechtswidrig und absolut menschenverachtend fortgeschriebener Apartheid (Trump-Plan für Gaza). Für eine echte Debatte um eine grundsätzlich notwendige Neuorientierung und praktische Perspektivenauslotung bleibt immer weniger Raum. Eines ist gewiss: dass wir damit die Wahrscheinlichkeit, die Welt zugrunde zu richten, dramatisch erhöhen. Damit aber muss jetzt und hier Schluss sein.

Angesichts der im Raum stehenden Vernichtungspotenziale gegen Menschen und Mitwelt bei gleichzeitiger Wahrnehmungsverweigerung müssen Friedensrationalitäten formuliert und Friedenspotenziale entschieden gehoben werden.

Immerhin: Nach Mobilisierung von 15.000 bis 20.000 Menschen durch BSW plus Dieter Hallervorden, TV-Moderatoren sowie einschlägigen Musik- und Rapper-Promis gingen am 3. Oktober in Berlin 60.000 bis 100.000 Menschen gegen den jede Menschlichkeit verloren habenden Gaza-Krieg auf die Straße. In Barcelona versammelten sich bei Friedensdemonstrationen mehrere zehntausend Menschen, in ganz Italien waren es über eineinhalb Millionen. Auch Stuttgart war groß dabei. In New York organisierten über 1.000 Rabbiner und jüdische Friedensaktivist/innen eine Demonstration, in der sie eine dauerhafte Waffenruhe in Gaza forderten. Eines wird immer deutlicher: Nicht nur die Anzahl und die in wichtigen Ansätzen und weiten Teilen geteilten Grundsatzüberzeugungen, sondern auch die Nachdrücklichkeit der Demonstrationen und mobilisierbaren „Friedensbewegten“ lässt sich nun kaum mehr stoppen. Wann aber werden sie zu mehr als punktuellen Befriedungen bei ungelösten ökonomisch-ökologischen Zangenkrisen beitragen?

Einige wesentliche Anteile öffentlicher deutscher Kräfte sollten die Gunst der geballten herbstlichen Friedensdemonstrationen schnellstmöglich nutzen und zu ernsthaften Friedensverhandlungen drängen: dass es gilt, auf den anderen zuzugehen und die Positionen des anderen verstehen zu wollen; und dass konsequentes und lösungsorientiertes, kleinteiliges Verhandeln reichere Ausbeute hervorbringen wird als europäische Bewegungslosigkeit oder amerikanische Clownerien. Wann, wenn nicht jetzt auf dem Hintergrund des Rückhaltes der Friedensdemonstrationen im Herbst 2025 kann dies öffentlichkeitswirksam ausgesprochen und allgemein gehört werden?

Und die spezifische Rolle der Friedensbewegung? Den jetzt überall aufgepeitschten Eskalationslogiken ist vehement Einhalt zu gebieten. Die sich in der neuen Friedensbewegung plural und nicht faschistisch versammelnden Strömungen sollten orchestriert, klug, nüchtern, eindeutig und eindrücklich, verlässlich und mitvollziehbar vorgehen. Das bedeutet,

  • dem politisch zum Feind Gewordenen gut überlegte und nach Verlässlichkeit und Wechselseitigkeit rufende ökonomische und diplomatische Angebote zu machen (grüner Wasserstoff plus vertrauensbildende OSZE-Verhandlungen plus Wiedereinsetzung eines mehrheitlich von den USA Schritt für Schritt aufgekündigten UN-Waffenkontrollsystems);
  • den Frieden zu proklamieren und auf den jeweiligen Gegenseiten Kräfte zu finden, die dies auch wollen, und dann in Verhandlungen zu gehen, die die Eskalations- und Grausamkeitsdynamik unterbrechen und unterbinden;
  • die Kriegstrommler und Eskalations-Falken in den eigenen wie in den fremden Reihen abzuwehren und das Wagnis eines umfassenden und vor allem ökonomisch bestandsfähigen Friedens einzuläuten.

Biblisch würde man sagen: Von jetzt und hier an weitermachen, ohne noch einmal zurückzuschauen, vorwärtsgehen ohne inneres Wanken. Es ist kein Zufall, dass einem dazu tiefreichende biblische Wegmarken in den Sinn kommen. Sie werden gebraucht werden. Und ihre Zeit wird kommen. Es gilt, wie das Neue Testament schon wusste, nicht nur „arglos wie die (Friedens-)Tauben“ vorzugehen, sondern zugleich auch „klug wie die Schlangen“.

Jetzt, wo die Not übergroß wird, wächst langsam das stille Heer derjenigen, die zuerst tief in sich, später auch nach außen gewandt, das Potenzial der Feindesliebe erkennen werden. Mit ihr kann der dauerhaft fortbestehende Kriegsgrund von vollkommen gespaltenen Öffentlichkeiten in Ost und West doch noch überwunden werden. Möglicherweise erst aus einer solch tiefen Klarheit werden das Potenzial und die Strategiefähigkeit derjenigen kommen, die zuverlässig wissen: Eine realistische Friedensfähigkeit kann die Lagergrenzen zunächst durchlöchern und dann überschreitbar machen. Eine solche Friedensfähigkeit ist die einzige, noch erreichbare Chance für die Menschheit, ohne dass die Ökosysteme vollends sterben und die Migrationswellen aus unzumutbaren Lebenswirklichkeiten vollends über die privilegierten Zonen hereinbrechen.

 

DAS INTERVIEW: Die Frechheit, uns selbst zu trauen!

Bobby Langer: „Friedenspotenzial“, das ist ein schöner, ein hoffnungsvoller Begriff. Stammt er von dir? Und kannst du ihn ein wenig erläutern?

Peter Schönhöffer: Alles andere als das, aber er fühlt sich richtig an, denn Frieden kann „nur gewagt werden“, wie der unvergessene Dietrich Bonhoeffer 1934 aus Anlass der weltweiten, erdumspannenden Ökumene in Fanö (Norwegen) formuliert hat. Frieden sei das einzige große Wagnis. Man komme zu keinem Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Eine solche entschiedene Klarheit gewinnt man erst, wenn man auf das große Ganze schaut und vom Blick auf die gesamte Erde durchdrungen ist. Potenzialentfaltung ist etwas, was in den letzten Jahren unzweifelhaft als Begriff und als Praxis einige Herzen zu erobern begonnen hat. Friedenspotenziale wieder zu heben in uns selber, im Dialog der Generationen, im Aufweichen der sich gerade unglaublich verfestigenden, tief gespaltenen Öffentlichkeiten in Ost und West, die verstörenderweise kaum mehr Berührungspunkte aufweisen.

Und ich sehe es als unsere historische Aufgabe, das Wissen der Friedensbewegung aus den 1980er Jahren zu reaktivieren, das verloren zu gehen droht; hinzu kommen die Erfahrungen der Katastrophe zweier Weltkriege und der Beendigung des Kalten Krieges. Potenzial zeigt sich erst nach und nach. Es will in Mikro-Dosen in und um uns kommunikativ fein und klar gehoben werden – gemeinschaftlich plausibilisiert und zu entfalten im öffentlichen Raum der immer enger abgesteckten Grenzen politischen Denkens und Fühlens. Danach ruft unsere Zeit, um eine berühmte Formulierung von Ernst Bloch wieder in Erinnerung zu rufen. Denn wenn wir nicht öffentlich um Perspektiven ringen, die uns in neue, wechselseitig geteilte Logiken hineinführen, dann schreien buchstäblich die Steine, um noch einmal ein Bibelwort – dieses Mal aus dem Alten Testament – anklingen zu lassen.

BL: Was hat dich bewogen, dich ausgerechnet mit der Frage der Friedenspotenziale zu beschäftigen? Frieden, so das gängige Narrativ, sei gar nicht möglich ohne Krieg.

Sch.: Letztlich kam bei mir die Frage auf: Wie können wir uns in Ost und West neu verbünden und in den unendlichen Traumasümpfen des Nahen Ostens ein verlässlich einschreitender Sicherheitsgarant gegen den fortlaufenden Terror von beiden Seiten sein; und zwar zwingend auf der Basis von Völkerrecht, Rückbau der illegalen Siedlungen und weitestgehender Auseinanderhaltung lebensfähiger Landkorridore. Dazu aber gilt es, nicht nur Empörungs- oder Einzelaktivismus zu kultivieren, sondern breite Mehrheiten zu organisieren.

Notwendige Voraussetzung dafür ist es, so viel wie möglich Fühllosigkeit, Ressentiment und die Leitplanken unserer Vorurteile in uns selber auf- und abzuräumen. So können wir einander zur Hoffnung werden. Mit Friedensdemonstrationen in kurzen Abfolgen, mit dem Hören auf Friedensforschung und Friedensbewegung sowie durch beständigen Druck auf die politisch Handelnden vermögen wir vielleicht, den beispiellos fugendichten öffentlichen Diskursraum zu öffnen, zu kultivieren und eine Friedenslogik (Hanne Bickenbach) zu halten; so können wir jene „Hoffnung schaffen und verkörpern“, wozu Norbert Copray einmal ein schönes Buch geschrieben hat, die in immer weitere Ferne gerückt erschien.

Fugendicht: Das bedeutete u. a., dass Matthias Platzeck, Harald Welzer und Richard David Precht (mit ihrem Buch über die vierte Gewalt), der Erhard-Eppler-Kreis, aber auch Positionen von Gabriele Krone-Schmalz oder Sarah Wagenknecht allesamt für nicht mehr diskussionswürdig erachtet und moralisch abqualifiziert wurden. Da ist mir schlagartig etwas Grundsätzliches klar geworden. Die Kontrolle des öffentlichen Raumes mit einer reichlich einseitigen, wenig informierten, über die Expertise von Bundeswehrhistorikern (Sönke Neitzel) und Bundeswehrpolitologen (Carlo Masala) gesteuerten Stoßrichtung droht komplett versiegelt zu werden, zumal sie durch von langer Hand voreingerichtete Osteuropa-Forschungs-Expert/innen fortlaufend untermauert wird. Einwände der Friedensbewegten wie Andreas Zumach, Clemens Ronnefeldt, Fernando Enns oder Wolfgang Palaver werden systematisch gar nicht mehr erst öffentlich zugelassen.

Nun braucht es in erster Linie klare und realisierbare Perspektiven. Denn noch immer kann jederzeit wieder aufploppen, was historisch, wenn es hervorkam, fast immer verheerend gewesen ist: Siegeslogiken, Auslöschungsfantasien, selbstverständlich auch von Seiten Russlands oder der Hamas, Eskalationslogiken aus der Position wirtschaftspolitischer Ignoranz und ökologisch-weltgesellschaftlicher „Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität“, gespeist aus unerlöst-selbstherrlichem Nato-Siegestaumel oder fehlender historischer Klugheit und aus vermeintlicher moralischer Gewissheit oder im Gaza-Konflikt auch aufgrund unlösbarer Dilemmata: Die Alternativen, die unbedingt erzwungen werden müssen, werden gar nicht erst im Diskurs zugelassen.

BL: Was vermisst du im öffentlichen Krieg-Frieden-Diskurs?

Sch.: Am 26. Januar 2017 warnte Ex-Präsident Gorbatschow in einem Gastbeitrag für das Magazin Time: „Immer mehr Truppen und Panzer werden in Europa in Stellung gebracht.“ Als ob er den jetzt gerade massiv vorangetriebenen Ausbau der zentralen US-amerikanischen Basis für Europa im pfälzischen Ramstein und das deutsche Bataillon in Litauen vor Augen gehabt hätte. Die Nato und die russische Armee, so warnte er, rückten immer näher aufeinander zu, sie stünden sich inzwischen in Schlagdistanz gegenüber.

„In den Staatshaushalten, die kaum noch ihre sozialen Aufgaben bewältigen, wachsen die Militärausgaben“, befand Gorbatschow. Für moderne Waffen, manche mit der Schlagkraft früherer Massenvernichtungswaffen, sitze hingegen das Geld locker. „Es sieht aus, als ob sich die Welt auf einen Krieg vorbereitet.“

Heute erscheint diese Ansage wie eine frühe Prophetie, die jetzige Lage wirkt allerdings um ein Vielfaches angespannter, besonders wenn man mit hinzuzieht, dass das exorbitante Aufblähen des deutschen Rüstungsetats, das den Haushalt und mit ihm den sozialen Frieden im Land innerhalb nur sehr weniger Jahre mit übergroßer Wahrscheinlichkeit in Stücke reißen wird, jetzt schon durch eine wohlfeile, selbstgefällige, breitflächig betriebene oder ahnungslos übernommene Polemik gegen Bürgergeldempfänger, gegen Faule oder gegen „Kriegsmüde“ bei weiterer Ausklammerung der „Superreichen“ orchestriert wird.

BL: Gibt es bestimmte Zielgruppen, an die du dich besonders wendest, und wo du noch Hoffnung siehst?

Sch.: Zielgruppen werden nicht reichen. Wir brauchen umfassende Programme und tiefgreifende Basis-Veränderungen, wenn wir noch eine Chance haben wollen. So etwa, wie Adelheid Biesecker, eine der großen Vordenkerinnen feministischen Wirtschaftens, immer wieder betont hat, einen Dreiklang aus Care-Revolution, Reproduktionsverschiebungen und eine darauf aufbauende friedensfähige Ökonomie. Der Weg dahin ist weit und steinig. Ohne dass wir ihn sehr real und sehr umfassend und umsichtig mit kommunikativer Klugheit begehen, werden unsere Friedensbotschaften verklingen. Sie werden in den Ohren der sozial-emotional taub gemachten Mehrheiten als idealistisch oder naiv erscheinende Friedensappelle wahrgenommen. Deswegen gehört es zum notwendigen Überlebensprogramm, Seelenkräfte aufbauende Resonanz-Räume und Resonanz-Zeiten zu erschaffen, horizontal, vertikal und diagonal (Hartmut Risa), und zwar vielfältig, freundschaftlich, Verbundenheit stiftend.

Was wir wirklich brauchen, ist mehr als zielgruppengerechte Ansprache, wir benötigen vielmehr gut informierte, historisch versierte und abrüstungstechnisch auf der Höhe der Zeit befindliche Journalist/innen, die neue Diskursräume allererst eröffnen und dauerhafte Friedenslogiken plausibel begründen können – und zwar für die nachwachsende Generation so passend, dass sie in den dortigen Rezeptionsmustern von Influencer/innen verarbeitet werden können. Ganz wichtig auch: reale Friedensperspektiven, gekoppelt mit Aussöhnung und wirtschaftlichen Entfeindungs-Angeboten.

BL: Wenn du von „Friedenspotenzialen“ sprichst, steht im Hintergrund die Idee der „Kriegspotenziale“. Wer treibt diese voran und warum? Gibt es gar eine Zielgruppe, wo „Hopfen und Malz verloren“ sind?

Sch.: Nun, es gibt die TV-Experten und Welterklärer/innen, die nun immer wieder aufs Neue herangezogen werden, egal ob die vollständig in Lobbyismus verstrickte FDP-Expertin Strack-Zimmermann, der Bundeswehr-Hochschul-Wissenschaftler Carlo Masala, die Generalität oder die von interessierter Seite von langer Hand aufgebauten Osteuropa-Studien-Experten an den Universitäten. Sie haben nichts anderes zu tun, als den absolut (nicht relativ!) verhängnisvollen Pfad der weitergeführten gegenseitigen Eskalation aus Panik, historischer und sachlicher Unkenntnis oder welchen Motiven auch immer ins Extrem zu führen und die öffentliche Meinung dadurch entscheidend zu beeinflussen. Auch die Auswahl der zugelassenen Gesprächspartner in den wichtigen Talkshows lässt gar keinen anderen Schluss mehr zu, als dass man Sprecherpositionen in der Öffentlichkeit (fast) nur noch an handverlesene Bellizisten vergibt. Besonders fatal: An ökonomische Analysen internationaler Beziehungen traut man sich gar nicht mehr heran. Die durchaus vorhandenen, wirklich kontroversen Sachmeinungen sind schon lange vorab als nicht publizierbar ausgeschieden und fugendicht für indiskutabel erklärt, wenn nötig öffentlich ehrabschneidend ausgegrenzt worden.

Was in unserer jetzigen historisch zu werden drohenden Situation wirklich zu denken gibt: All dies geschieht nicht orchestriert oder aufoktroyiert, sondern smart und freiwillig, aufgrund eingeengter Gesichtsfelder der entscheidenden Gremien, Quotendruck, nicht mehr vorhandener klarer Horizonte bei Berater/innen und handelnden Personen in Parteipolitik und Medienlandschaft und ja, auch einem ganz allgemein verloren gegangenen historisch-politischen Bewusstsein und den entsprechenden Wissensschätzen. Man muss auch das einmal nüchtern aussprechen: Ja, wir haben auch ein Journalisten- und ein Netzwerkproblem. Und zu allem Überfluss auch noch ein Uneinigkeitsproblem in der Friedensbewegung, das wir erst im Zuge der Demonstrationen vom 3.10.2025 jetzt wieder zu überwinden uns anschicken.

BL: Du sprichst von einer Verengung des Denkens, ja geradezu einer „Verblendung“. Kannst du das näher ausführen?

Sch.: Was als Schlüsselbegriff der Frankfurter Schule einmal „Verblendung“ hieß, lässt sich nun wirklich exemplarisch mit Händen greifen. Die Scharfmacher auf beiden Seiten des neuen Kalten Krieges und der sie verschlimmernden „cultural wars“ wetzen wie gewohnt ihre Messer, Demagogen wie Trump, Bolsonaro, Erdogan, früher Duterte und heute Bukele greifen mit immer rabiateren und unappetitlicheren Mitteln in ein ideologisches Vakuum, und zunehmend ist nicht nur den Putins, Orbans und Ficos dieser Welt jedes noch so demokratieverachtende Mittel recht, bedienen sie sich immer abenteuerlicherer und niederträchtigerer Vorgehensweisen. Die Zivilgesellschaften werden zu „shrinking spaces“. Die sie bislang aufhaltenden weitblickenden Beobachter und Berater, gut ausgebildete Konfliktbearbeiter, das Fachpersonal für die OSZE- und UN-Verhandlungsarenen – alle diese Personengruppen wachsen in den jüngeren Generationen nicht mehr nach, auch die politischen Entscheidungsträger verlieren sichtbar an Kontur und vor allem an intellektuellem Format. Folglich wittern die einfacher gestrickten Rüstungsbauer und ihre Verkäufer ihre Chance, bringen sich in Stellung und verzwanzigfachen binnen der Jahre des Russland-Ukraine-Krieges ihre Aktienwerte (Rheinmetall). Auch die Berufsgruppen der Politikberater/innen, Journalist/innen und Influencer/innen nutzen ihre Spielräume nicht, weil sie sich geistig nicht breit und ausgewogen genug ernährt haben. Den Gesamtzusammenhang davon kann man mit Fug und Recht „Verblendung“ nennen.

BL: Bellizisten unterstellen Friedensfreunden regelmäßig Naivität bzw. mangelnden Realismus. Welche realistischen Friedensperspektiven haben eine Chance, zu umsetzbaren Friedenspotenzialen zu werden?

Sch.: Der Kern wird immer sein, das Leid des jeweils anderen anzuerkennen, seine Lesart der Geschichte miteinzubeziehen; ökonomisch und ohne Gesichtsverlust muss es für beide einen Weg nach vorne geben. Ohne das geht es nicht. Man muss die Beweislogik umkehren. Nicht die Friedensbewegten haben eine Nachweispflicht, nicht naiv zu sein, sondern die systematisch und jahrzehntelang Herrschaftsverliebten und Terrorbefürworter, die Aufrüster und Kriegspropheten. Wie viel Leid haben sie jetzt schon verursacht, welche Perspektiven sollen nach dem Zeitalter der angekündigten Kriege, Geißelnahmen und Vernichtungsfeldzüge noch möglich sein? Vielleicht geht es jetzt wirklich um die schrittweise Abschaffung der Institution des Krieges. Und zwar auf breiter Linie: von gewaltfreier Kommunikation als verpflichtendem Schulfach, einer Erinnerungskultur, die das Eingedenken fremden Leids obenan stellt, verbindlichen Streitschlichterprogrammen schon in früher Jugend, in Deutschland aufbauend auf den ökumenischen Erfahrungen von „Schritte gegen Tritte“, Bündnissen wie „Nein zur Wehrplicht“ bis hin zur rechtlichen Abschaffung der Institution des Krieges. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, die Unesco, fördert bereits seit einiger Zeit Programme und Projekte zu umfassenderen Kulturen des Friedens. Das wäre jetzt dran. Denn das ist auch kulturgeschichtlich in der großen Entwicklungsrichtung.

Die interreligiös geweitete ökumenische Bewegung koordinierte Aufrufe von Leonardo Boff und anderen und bildete Erdcharta-Botschafter/innen aus. Einige Jahrzehnte später erblickten die „Peace for future“-Aktivist/innen das Licht der Welt, wiederum junge Menschen, die von einer ökumenisch-christlichen Initiative, nämlich Ralf Beckers „Sicherheit neu denken“, ausgebildet worden waren. Wir brauchen jetzt das Zusammenschnüren all dieser Aufbrüche zu einem Gesamtprogramm. So wie Kairos Europa immer eine neue Zivilisation gefordert und gefördert hat, die ökonomisch, ökologisch und kulturell-spirituell aufbauend unterwegs ist. Die „old player“ – GEW, DFGVK, Stadtschüler/innenräte, pax christi – sind mit den „new playern“ der neuen kulturellen Bewegungen, der „Together for future“-Familie, den „scientist und christian rebellions“ zu vernetzen. Nur so kann ein Umdenken breit und tief Raum greifen und mehrheitsfähig werden.

Es braucht jetzt Weitblick, Vorausblick, Scharfblick, Einblick und feinfühliges Mehrebenendenken. Und dazu die Nutzung neuer interkulturell validierter Kulturtechniken wie „art of hosting“, „interbeing“, „emergent dialogues“ sowie weitgreifender global bereits im „pocket project“ Traumaheilungsbewegungen.

BL: Demgegenüber steht die notwendige Weitung im Geist, nicht wahr?

Sch.: Auch auf einer individuellen Ebene muss gearbeitet werden. Hier gilt: Alles, was wir in Bewegung bringen, kann sich transformieren. Was wir festhalten, bleibt fest und macht fest. Im Denken, im Fühlen. In den denkbaren, fühlbaren Perspektiven. Erlauben wir dem Stress, den die Kriegssituationen und der Verlust an Anstand in uns auslösen, durch uns hindurchzufließen. Es darf uns bewegen. Die Aufrechten schüttelt er eh bereits von innen durch. Kannst du das erlauben? Lass diesen Stress zu als ein Schütteln von innen. Nutze ihn. Geh ihm nicht aus dem Weg, bleib dran! Und schüttle dich mal so in diesen Stress rein, bis es anfängt, dir Spaß zu machen. Öffne dich körperlich für das Erleben von Stress, von Angst, von Sorgen. Fall nicht aus dir selbst raus. Die Welt darf dich sehen. Du verlierst keine Energie. Und du bleibst dieses strömende, pulsierende Körper-Tier. Alles an dir ist wichtig, lebendig. Bleib da, bleib präsent. Solange du etwas spürst, ist das eine gute Nachricht. Was wir wirklich zu fürchten haben, ist die Hölle des Nicht-Spürens. Weil wir nicht mehr spüren, dass wir nicht spüren. Ilan Stephanie spurt hier die Wege für neue kulturelle Substanzbildung.

Wenn wir das alles nicht tun und uns verkriechen, uns in Ideologien oder Fundamentalismus oder Selbsthass einbuddeln, kostet uns dies Kraft, Lebensfreude und mit ihr „soziale Fantasie“, wie Oskar Negt nie müde wurde zu betonen. Auf diese Weise einen „gamechanger“ einzubauen, damit wir interkulturell beziehungsfähig und beweglich werden, das wird möglicherweise unerlässlich werden in diesen Vor-Kollaps-Situationen, die, sich verstärkend, auf vielerlei Ebenen abgleiten. Geist und Wahrheit kommen selten wie von Zauberhand. Der Mensch muss sich darauf vorbereiten, damit er sie empfangen und kultivieren kann. Körperarbeit und Traumaheilung verbinden wirklich. Das bedeutet, er muss zu einer Einstellung finden in der Art: Die Herausforderungen meines Lebens machen mich energetischer, geben so Kraft, statt sie zu rauben.

BL: Welches Friedenspotenzial billigst du jungen Leuten zu? In Sachen Ökologie haben sie in den letzten Jahren die Politik ja schon mal ordentlich aufgemischt.

Sch.: Das Friedenspotenzial junger Leute müssen die jungen Leute selbst in sich freilegen. „Peace for future“ ist von der mittleren Generation aus „Sicherheit neu denken“ ausgebildet worden, steht aber jetzt zunehmend vor eigenen Projekten und arbeitet auch methodisch auf ganz eigenen Füßen. So könnte die Weitergabe von Know-how, Haltungen und Kenntnissen funktionieren. Inklusive des Loslassens und Freilassens der Jüngeren, wenn sie so weit sind. Aber sie müssen unbedingt den Kontakt und Austausch zwischen den Generationen halten.

Und ja, die Fridays haben unendlich viel bewirkt, vordergründig und hintergründig. Aus ihnen ist die „Together for future“-Familie hervorgegangen, mit allein über 20.000 Scientists for Future. Einen Moment lang schienen wir in der CO2-Frage als Gesamtgesellschaft einigermaßen gleichauf mit der drastischen Notwendigkeit schnellen und systematischen Umsteuerns zu kommen. Das alles ist Hoffnung erweckend, dass es gehen kann, mit globalem Horizont und Ausläufern weltweit. Unfassbare Massenmobilisierungen für die richtige Sache sind möglich. Es bleibt ja wahr: Auch der Frieden braucht junge Protagonist/innen, jugendgemäße Mobilisierungen. Sein Themenfeld ist freilich weniger sexy – und, was die Shell-Studien verraten, auch weniger greifbar. Doch das kann sich ändern, wenn noch klarer wird, was auf dem Spiel steht – und wenn die Pionierleistungen der letzten Wochen zügig wahr- und aufgenommen, verstärkt und multipliziert werden.

BL: Wie schätzt du die Initiative „Criminalize War“ des ehemaligen malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir bin Mohamad ein? Den Gedanken, dass Mord grundsätzlich eine abscheuliche Handlung darstellt, haben alle großen Religionen gemeinsam – auch wenn gerne mal, nicht nur im Christentum, Ausnahmen zugelassen werden. Könnten nicht Christen sich auf dieser Basis für den Frieden engagieren – ganz unabhängig von Konfession oder obrigkeitlichen Vorgaben?

Sch.: Alles, was den geistigen Raum öffnet und materiell-spirituelle Doppelstrategien hervorgehen lässt, muss, so gut es geht, genutzt werden. Daran wird kein Weg vorbeigehen. Wer immer solche Ansätze erkennt, möge sie ausbuchstabieren und mithelfen, sie groß zu machen.

BL: Bei allem, was du sagst, schwingt – gefühlt – Hoffnung mit. Richtig? Aber vielleicht braucht es ja noch mehr als „Hoffnung“?

Sch.: Menschen sind nicht nennenswert glücklich und ausbalanciert, wenn sie genügend von allem haben und sich mit Unwesentlichem abschießen. Menschliches Sich-lebendig-Fühlen, frei und stark, individuell und kollektiv auf ein paar Lösungen kommen, hängt von ganz anderen Dingen ab: ein spürendes, pulsierendes Nervensystem, das sich entlang seiner Sinne und seines Körpers orientieren darf. Dann entfaltet sich das Gefühlsleben gesund, ohne Drama, ohne Kollaps … Wellen von Durchflutet-Werden, das Kraft gibt. Im wirklichen Sinne intelligent sein, geht über das hinaus, was nur still sitzt und im Kopf klug wird. Wirkliches menschliches Potenzial schaltet sich nur frei, wenn Menschen körperlich sind, ihre Grenzen kennen. Unkörperlichkeit drückt auf alle Lebensbereiche die Bremse. „Wenn wir wieder wahrnehmen“, hat uns Heike Pourian ins Stammbuch geschrieben …

Unser Potenzial zu öffnen, hängt nicht nur von Selbstbildern, Glaubenssätzen, Überzeugungen aus Kindheit oder Traumata ab. Die Ebene, die das Ganze zementiert oder eben verändern kann, ist und bleibt der Körper. Früh schon erkannte der Soziologe Vester, wie die sozialen Schichten im gesellschaftlichen Strukturwandel auf Welt und Weltveränderung eingestellt sind, nämlich zu 60 Prozent apathisch und passiv-aggressiv. Auch Hartmut Rosa erkannte 20 Jahre später die Bedeutsamkeit ablehnender Muster von Weltbegegnung. Wenn wir da nicht herauskommen, kommen wir nicht auf Friedensperspektiven – und erreichen sie erst recht nicht gesellschaftlich. Mittlerweile wissen wir: In Aufrichtung, offener Atmung und Freiheit der Gelenke (als seien wir kostbar, lebendig, liebenswert!), wird mit viermal größerer Wucht vom Körpergehirn zum Kopfgehirn gefunkt als umgekehrt: Wir sind ekstatisch, lebensvoll etc. Es geht also darum, Bewegungsmuster, Körpermuster umzustülpen, damit sie etwas anderes glauben als an die eigene Wertlosigkeit. Kollaps, das heißt, die Arme sind schlapp und leer und meine Beine spüre ich gar nicht mehr so richtig. Der Kollaps der Körper geht dem Kollaps des Geistes und der Kriegsangst voraus.

Geh in die älteste Sprache der Welt: das Vibrieren. Wenn uns das gelingt, dann werden wir das auch glauben. Und fast wie von allein Friedenspotenziale heben. Der neue Weg in die Verkörperung ist nicht gebahnt, oft vernachlässigt. „Die Menschen können es der Wahrheit nicht verzeihen, dass sie so einfach ist“, wusste noch Meister Johann Wolfgang Goethe. Jede Zelle unseres Körpers ist intelligent. Auch wenn das Vibrieren zunächst Angstsignale in unserem bisherigen Wahrnehmungssystem auslöst. Die Welle im Nervensystem wird sich aufbauen und wieder kleiner werden – wie eine Welle sich eben aufbaut. Die meisten Menschen verbringen ihr ganzes Leben mehr oder weniger im Kollaps: „Mein Leben ist mir zu viel. Ich bin erschöpft. Ich kann nicht mehr.“ Den Kollaps zu spüren und aufzulösen, ist aber eine Goldgrube, weil in diesem Zustand Energien gespeichert und Gefühle zurückgehalten sind. Das Spüren ist die Basis für ein gesundes Spüren. Ausatmen, Parasympaticus: Jetzt kann sich etwas integrieren. Also: Her mit den Triggern!

BL: Von Bonhoeffer und Heribert Prantls neuem Buch „Den Frieden gewinnen“ nimmst du den wichtigen Satz „Frieden sei ein Wagnis“. Ist es erforderlich, dem Wagnis des Friedens das Wagnis des Krieges gegenüberzustellen?

Sch.: Ich bleibe überzeugt davon: Dass die Fundamente der Welt anders aufgestellt werden, ist nötig und möglich. In Zeiten voller Unsicherheit, Selbstrückzug und Energieverlust brauchen wir mehr denn je Klarheit und Orientierung. Das aber entsteht nicht allein im Kopf. Orientierung wächst wieder, wenn wir uns verbinden, aber womit? Wo sind wir abgeschnitten von uns selbst, wo nur noch eine leere Hülle, eine trügerische Art von Stille und Isolation? Also womit? Mit uns selbst, mit unserem inneren Kompass, mit dem Größeren, das uns trägt. Es geht um den Moment, in dem dein Nervensystem neu lernt. Bleib dabei! Die Intensität verbrennt das Alte und bringt dich neu auf die Welt! Überall bricht das Niedergehaltene auf! Flügelschläge in die richtige Richtung. Die Themen lösen sich nicht, wenn wir wohltemperiert isoliert bleiben. Ohne kulturellen Tiefenwandel keine Friedenspotenziale.

Also spür einen Moment hinein in die Kostbarkeit deines Herzens. Etwas in deinen Zellen ist immer intakt geblieben. Dein Leben ist von großem Wert. Dich selber abzulehnen, ist pure Zeitverschwendung. Damit hören wir jetzt gemeinsam auf. Und unterstützen uns dabei. Mit Seelsorge und Körpersorge zur wechselseitig geteilten Wirklichkeitswahrnehmung. Das ermöglicht Friedenstüchtigkeit. Über die Füße geben wir diesen Rhythmus des Friedens in die Welt, tragend mit uns selbst und mit denen, die so komplett anders geworden sind als wir; das Menschsein ist uns allen gemeinsam. Der Raum nach vorne ist groß und leuchtend, und er ist offen. Aber er wird nicht gegeneinander zu gewinnen sein, mit brachial gespaltenen Öffentlichkeiten in Ost und West schon gar nicht, die nichts aber auch gar nichts mehr miteinander zu tun haben und auf krasse Kriegstüchtigkeit getrimmt werden auf beiden Seiten des neuen eisernen Vorhangs – und im Ausagieren von Vernichtungsfantasien im Nahen Osten auch nicht.

Besinnen wir uns auf unsere ganze, wiedergewonnene Würde, den Tortenboden der wechselseitigen echten Wahrnehmung, die Demut vor dem eigenen und dem fremden Herzen, die Selbst- und Fremdliebe, die entparadoxierende Feindesliebe, die Frechheit, uns selbst zu trauen: dem, was wir tief in uns fühlen, erfahren haben und spürbar halten müssen.

Das Gespräch führte Bobby Langer von der Internetplattform Ökoligenta.de

Eine Polemik von Bobby Langer und Maria Ghoebel

Nennen wir ihn Franz. Franz wirkt – mal mehr, mal weniger hoffend – seit Jahren auf einen „Wandelfonds“ hin. Diverse Anläufe gingen mit schmerzlicher Regelmäßigkeit schief. Franz zählt sich mit gutem Grund zur „Wandelbewegung“ und macht sich mit mindestens ebenso gutem Grund große Sorgen um die Zukunft, nein die Zukünfte: die Zukunft der versehrten Erde, die Zukunft ihrer hilflosesten, vom Menschen abhängigen Geschöpfe, die Zukunft der Menschheit und – naturgemäß – seine eigene Zukunft. Das alles ist auch eine Klassenfrage. Warum? Um die Antwort geht es hier.

Geräumige, grüne „Bubble“

Ich sehe schon die beim Begriff „Klassenfrage“ hochgezogenen Augenbrauen und gerümpften Nasen. „‚Klassengesellschaft‘, das gibt’s doch nicht. Ist ein Begriff aus der Mottenkiste der Kommunisten.“ So in etwa könnte die süffisante Anmerkung eines standardisierten „Grünen“ lauten. Damit meine ich jene bekennenden Grünen, die in der Mittelschicht (gelegentlich auch der Oberschicht) aufgehoben sind, sich in einer Blase (bubble) bewegen, einer „Echokammer[1]“, die so geräumig ist, dass der Eindruck, gar die Überzeugung entsteht, gepflegte Grünanlagen, Öko-Häuser, Handys, Solarzellen und Elektroautos – und natürlich Facebook, TikTok, Google und Amazon – entstünden von alleine, sozusagen arbeiterfrei. Zu dieser Echokammer gehören genauso Biomärkte, Naturkosmetik, Öko-Kleidung und vegane Schuhe; schöne grüne Welt. Natürlich: Rein theoretisch weiß man, dass sich „da draußen“ Menschen für Hungerlöhne abschuften; dass für unseren westlichen Über-Komfort, diesen elitären Wohlstand, Tag für Tag mehr Natur- und Kulturräume samt zahlreicher Tier- und Pflanzenarten vor die Hunde gehen. Rein praktisch denken wir lieber nicht dran und spenden vorsichtshalber für Greenpeace oder den Regenwald.

Die, die ihre Seele nicht verkaufen wollen

Aber da ist etwas noch Dunkleres, das meistens nicht einmal in der Theorie aufscheint: Dass nämlich diese Echokammer so gut abgeschottet ist, dass für eine enkeltaugliche Welt wenig bis nichts vorangeht; dass nach fünfzig Jahren Umweltbewegung und Hunderten von Konferenzen sich die Erde nach wie vor unnötig erwärmt, nach wie vor täglich Arten sterben, nach wie vor Tausende Quadratkilometer Primärwald abgeholzt, Böden versiegelt und Flüsse von Bergbauminen vergiftet werden. Und dass die SUVs fröhliche Urständ feiern. Der Echokammer gelingt es erfolgreich, dass die eigene Beteiligung an diesen exponentiell wachsenden Verbrechen an der Mitwelt im wahrsten Sinne des Wortes „außen vor“ bleiben kann. Als Mittelklasse definiere ich hier mal all jene, die den Euro nicht umdrehen müssen, wenn es um den Wocheneinkauf oder die Urlaubsplanung geht. Man wirft das Geld zwar nicht zum Fenster raus, aber man hat es in ausreichendem Maße auf der hohen Kante.

Aber wie ist es mit all den zugegebenermaßen wenigen wie Franz, die sich an der Schädigung der Mitwelt nicht beteiligen wollen; die nicht „mitmachen“ wollen; denen es nicht gelingt, den täglich angerichteten Schaden unseres Zivilisationsmodells unter den Gewissensteppich zu kehren; die nicht ihre Seele verkaufen wollen oder können? Das sind naturgemäß die, die keinen einträglichen Job haben, die von der Hand in den Mund leben. Das sind die, die sich bücken und eine Schnecke vom Gehweg aufklauben, ehe sie zertreten wird; das sind die, die nur das Nötigste einkaufen und forschen, wo sie es am günstigsten und am wenigsten schädlich herbekommen. Den Bio-Supermarkt können sie sich leider nicht leisten; und um sich auch mal etwas Gesundes gönnen oder am öffentlichen Kulturleben teilnehmen zu können, müssen sie an Strom, Heizung und Warmwasser sparen.

Kein Budget für Eigen-PR

Verstehen Sie jetzt, weshalb das Thema „Klassengesellschaft“ endlich im „Grünbezirk“ ankommen sollte? Und warum ein „Wandelfonds“ so nützlich wäre? Er könnte all den sensiblen Seelen auf die Beine helfen, denen die Mitwelt WIRKLICH und nicht nur theoretisch am Herzen liegt. Erst dann wären echte Oasen der sozial-ökologischen Transformation möglich und nicht nur solche, in denen sich all jene tummeln, die ein paar zehntausend Euro zur Verfügung haben, um sich in ein Ökodorf einzukaufen. Erst dann käme das Wörtchen „sozial“ auch im Grünbezirk an, könnte der alte Arbeiterbegriff der Solidarität eine neue, zukunftsfreundliche Bedeutung annehmen. Man kann nicht solidarisch sein mit Bienchen und Berggorillas, aber blind sein gegenüber den Menschen im eigenen Grünbezirk und sie am ausgestreckten Arm verhungern lassen.

Beispiel Ökoligenta: Diese im deutschsprachigen Bereich einzigartige Plattform, die den sozial-ökologischen Wandel so vollständig wie möglich abbildet, gibt es inzwischen seit 2017. Seit 2019 erscheint monatlich der Wandel-Newsletter. In beides sind Aberhunderte von Arbeitsstunden eingeflossen. Aufrufe und Bitten um eine Spende, diese Arbeit zu unterstützen, sind nahezu ausnahmslos verhallt. Nicht etwa, weil all jene, die davon profitieren, keine zehn Euro übrighätten, sondern deshalb, weil ihr Echoraum sie nicht wahrnehmen lässt, dass es „da draußen“ Menschen gibt, die solche Spenden wirklich „brauchen“. Und – entscheidend – die „da draußen“ haben für die Eigen-PR kein Budget, sondern sind froh, wenn ihnen die Waschmaschine nicht kaputt geht. Umgekehrt halten es die Grünbezirkler für selbstverständlich, sich für ihre (oftmals oberflächlichen) Dienstleistungen im Bereich „Wandel“ stattlich bezahlen zu lassen. Für das Wochenend-Seminar „Beziehungen im Einklang mit der Erde“ legt man rund 300 Euro hin, wer bereit ist, im Freien zu übernachten, darf für 200 Euro dabei sein. Das WE-Seminar „Neue Männer für eine neue Epoche“ kostet 360 Euro zuzüglich Übernachtung und Verpflegung. Für einen Online-Kurs zur „Ermächtigung der Weiblichkeit“ darf man gerne 3000 Euro hinlegen. Ein Mensch wie Franz, der aus seinem „indigenen Bewusstsein“ heraus mit Herzblut für die große sozial-ökologische Transformation die eigene Haut aufs Spiel setzt, muss draußen bleiben. Er passt nicht ins System, seine Anwesenheit würde stören. Sie könnte die wohl einstudierte Performance infrage stellen und die sie begleitende Scheinheiligkeit enttarnen. Mit Nachhaltigkeits-Label, Buddhismus, spiritueller Erleuchtung und Selbstversorgung hingegen lässt sich gut locken. Ein Hype. Man brüstet sich zwar mit Permakultur, übersieht aber, dass zur Permakultur eine grundsätzlich demütige und ehrende Haltung gegenüber Natur und Schöpfung gehört. Das wäre dann doch zu anstrengend und umfassend. Aber „Permakultur“ – das klingt halt gut. Der Green New Deal lässt die Kassen klingeln. Mit Chat-GPT sind schnell die richtigen Sätze zusammengebastelt und fertig ist das grüne, spirituelle Image.  Würden all jene, die diese Transformation täglich mit wohlgewählten Worten und schillerndem Halbwissen herbeireden, einen Euro im Monat in einen Wandelfonds einzahlen, dann wäre die Gründung echter Wandel-Oasen ein Kinderspiel. Sie würden dann auch sehen und erleben können, wie sich die eigene Lebensweise verändern lässt, ohne Krieg gegen die Natur zu führen und ohne an Wohlstand zu verlieren. Es würde ein geradezu kraftvoller Ruck durch die Gesellschaft gehen. Der, auf den so viele seit Jahrzehnten warten.

Auch die Zukunft ist eine Klassenfrage

Rein theoretisch gibt es sogar eine „Wandelbewegung“. Zumindest gab es vor ein paar Jahren Ansätze eines breitflächigen Zusammengehörigkeitsgefühls all derer, die den Großen Wandel der westlichen Industriezivilisation für notwendig hielten. Franz zählte sich dazu – und wurde auch da enttäuscht. Es fanden viele akademische und gescheite Grundsatzdebatten statt, aber echte Fortschritte für die „Wandelbewegung“ da draußen gibt es bis heute nicht. Man diskutiert munter Strukturen und Abläufe, als hätte man noch Jahrzehnte Zeit, das Handeln und Wirken der Menschheit zu transformieren. Die Erde, Mutter Natur muss eben warten mit ihrem Kollaps.  Die für ein paar Jahre aufgedämmerte, emotionale Solidarität ist fadenscheinig geworden. Von echter und wirksamer Kooperation im Alltag findet sich kaum eine Spur. Während Deutschland eine Billion Euro und mehr in eine Brutto-Sozial-Produkt-fähige Pseudosicherheit investiert, wird der ökologisch mögliche und wahrscheinliche Super-GAU erfolgreich ausgeblendet. Der findet allenfalls bei „den Wilden“ statt, irgendwo im Kongo, auf Borneo oder am Amazonas, wo wir ihnen die Lebensräume wegholzen, oder in Bolivien, Chile und Argentinien, wo wir ihnen das Lithium stehlen und zum Dank verseuchte Erde hinterlassen. Zukunft ist offenbar das, was wir uns im (digitalisierten) Kopf zurechtzimmern und nicht das, was real stattfindet. Auch die Zukunft ist eine Klassenfrage, aber diesmal auf globaler Ebene.

Ideen und Anregungen bzgl. eines „Wandelfonds“ bitte an info@oekoligenta.de

[1] Der Begriff des Echokammer-Effektes stammt aus der Kommunikationswissenschaft. Gemeint ist hier eine verengte Weltsicht, in der man sich die gemeinsame Weltsicht nur als die einzig richtige bestätigt.