Ach ja. Einsteins Aussage, man könne ein Problem nicht mit derselben Denkweise lösen, die dieses Problem erzeugt hat, kann ich bald nicht mehr hören. Und doch versagt diese Einsicht mehr oder weniger flächendeckend, wenn es um’s Thema Klimaschutz geht. Die westliche Industriegesellschaft – also das Problem – hat nämlich genau das getan: Seit 2004 hat sie 3.500 Milliarden Dollar in erneuerbare Energie investiert und doch so gut wie nichts damit gewonnen: Wind- und Sonnenenergie tragen nach wie vor weniger als zwei Prozent zur Deckung des weltweiten Primärenergiebedarfs bei.

„Die Ursache“, schreibt der Informatiker Klaus Simon, „liegt im ständig wachsenden Energiebedarf. Das Bedarfswachstum übertrifft den jetzigen wie den künftig erhofften Zugewinn grüner Energie.“ Dazu legt Simon in seinem Buch „Warum Klimaschutz bisher verpufft und wie er gelingt“ präzise Daten vor. Er macht klar: Die erforderliche Emissionsreduktion ist technisch möglich, doch dazu braucht es nicht nur grüne Technik, sondern zugleich eine Absenkung des Energiebedarfs.

Und eben dazu müssen wir Hand an die Wurzeln legen, an die Denkweise. In seinem an neueste Forschungsergebnisse anknüpfenden, ebenso klaren wie übersichtlichen Buch (es erscheint im November 2020), das auch für Laien verständlich ist, skizziert er „die Umrisse einer veränderten Denkweise sowie eines Gesellschaftssystems, das dem Klimawandel wirklich etwas entgegensetzen kann“. Und Simon bleibt inspirierender Optimist, wenn er formuliert: „Dieser Ausblick ist zweifellos utopisch, aber mehr als bloße Hoffnung. Und jede neue Entwicklung war bis zum Vorabend ihres Aufkommens nichts als eben Utopie. Ohne Utopie haben wir keine Orientierung, die über das Bestehende hinauszuführen vermag.“

Klaus Simon, Warum Klimaschutz bisher verpufft und wie er gelingt, ca. 200 Seiten, 106 Illustrationen, Büchner-Verlag, ISBN 978-3-96317-217-5, 20 Euro

Klaus Simon ist Mitglied der Akademie Solidarische Ökonomie – eine 2008 gegründete Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Stiftung Ökumene, die der angeblichen Alternativlosigkeit heutigen Wirtschaftens etwas entgegensetzen möchte: die Vision einer solidarischen, gemeinwohlorientierten und lebensdienlichen Gesellschaft.

Vorschau: www.buechner-verlag.de/buch/warum-klimaschutz-bisher-verpufft-und-wie-er-gelingt

3 Kommentare
  1. raimar sagte:

    Ich finde den Ausspruch von Albert Einstein großartig, und ich versuche seit fast 40 Jahren, ihn anderen Menschen nahe zu bringen. Die “neue” Denkweise ist ganzheitlich, also nicht fragmentiert wie unsere herrschenden Wissenschaften. Das können wir zum Beispiel im Gesundheitswesen beobachten. Das HIV/AIDS-Problem wurde bisher heut – das sind 40 Jahre – nicht gelöst und was danach kann noch weniger. Und nun haben wir SARS-CoV-2 und das Chaos fängt an zu explodieren, weil es nicht verstanden wird und deshalb auch nicht ganzheitlich gelöst werden kann.

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    • Rudolf Langer sagte:

      Seh ich ganz genauso. Ganz wesentlich für die alte Denkweise ist der Haben-Modus: “Das gehört mir. Das darfst Du nicht benutzen oder gar nehmen.” Apropos haben Modus: Alle meine Texte sind copyrightfrei. Genau deswegen!

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      • raimar sagte:

        Wenn jemand einen Text von mir übernimmt oder weiterreicht, dann möchte ich, dass er mit meinem Namen versehen ist. Das kostet nichs, außer einen kleinen Zeitaufwand. Die Namensangabe erleichtert die Kontaktaufnahme. Ich schreibe mich gerne mit anderen Autoren.

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