Dies ist die Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

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Es kann losgehen. Eine philosophische und praktisch-konkrete Auseinandersetzung im Dialog mit anderen Menschen.

von Kilian Manger

In den drei vorangegangenen Artikeln habe ich die Grundgedanken und die Motivation hinter meinem Bildungs- und Vernetzungsprojekt beschrieben. Weiter geht es nun mit einer Beschreibung, wie ich ganz konkret in den letzten beiden Jahren damit begonnen habe, in der Art eines Netzwerkers oder Multiplikators andere Menschen auf geldsystemkritisches und geldreformerisches Gedankengut aufmerksam zu machen. Wie ist also mein bisheriger Weg in die „Geld-Szene“ verlaufen?

Eine eigene Internetseite anzulegen, um dort Texte bereitzustellen, ist heute sehr leicht und kostenlos möglich. Außerdem hatte ich damit bereits Erfahrung. Dieser erste technische Schritt beim Veröffentlichen meiner Ideen gelang mir ohne Mühe. Über mein vergangenes Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit wusste ich bereits von der Impressumspflicht, die es beim Anlegen einer Website zu berücksichtigen gilt. Auch einen Disclaimer konnte ich meinem Internetauftritt hinzufügen. Übrig blieb da noch die Frage nach einer eventuellen Lizenz für meine veröffentlichte Ideensammlung. Von Creative Commons hatte ich bereits gehört. Ich wählte die „CC0-Lizenz“: Jeder darf meinen Text kopieren, verändern und ergänzen, wie er will. Genau das passt für mich. Ich will mit meinem Text ja anderen Menschen dabei helfen, mehr über das Thema Geld zu sprechen und zu schreiben. Da erlaube ich ihnen natürlich, dass sie alle meine Überlegungen uneingeschränkt verwenden dürfen. Meinetwegen auch kommerziell.

Meine Erfahrungen im Gespräch mit anderen Menschen über mein Projekt lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Leute reagieren emotional auf das Thema Geld. Jeder hat was dazu zu sagen. Ein schönes Erlebnis für mich waren die Reaktionen anderer Kinobesucher auf einen von mir eingebrachten Redebeitrag an einer von attac Würzburg organisierten Diskussionsrunde nach einer Vorführung des Films „System Error“. Ich hatte den Diskussionsteilnehmern erzählt, dass ich an einer Ideensammlung schreibe und an ihren Rückmeldungen interessiert bin. Am gleichen Abend bekam ich von mehr als fünf Menschen ihre E-Mail-Adresse. Eine der Frauen, die ich auf diese Weise kennengelernt habe, las daraufhin meine komplette damals 24-seitige Ausarbeitung, lud mich auf einen Tee ein, zeigte mir die Gemüsegärtnerei, in der sie arbeitet und gab mir sehr wertvolle Verbesserungsvorschläge für meinen Text mit auf den Weg.

Ich denke, der Ernst des Themas ist den meisten Menschen spontan bewusst. Auch wer sich noch nicht großartig mit der Thematik auseinandergesetzt hat, trägt dieses intuitive Gefühl in sich, dass irgendetwas mit dem Geld in unserer Welt nicht stimmt. Oftmals stehen auch prägende Lebenserfahrungen, festgefahrene Überzeugungen und/oder starre Weltbilder in direktem Zusammenhang mit Geld. Die Gespräche über unser Geldsystem waren oftmals ein echter Informationsaustausch. Ich durfte nicht nur erzählen. Ich konnte auch viel lernen.

So erfuhr ich über den Freiraum Würzburg, ein nichtkommerzielles Begegnungszentrum in unserer Innenstadt, von der regionalen Zeitbank, einem Tauschring, dessen Funktionsweise sich nicht wirklich stark von dem unterscheidet, was ich zuvor als eigene Erfindung betrachtet und als „vertrauensbasiertes Geldsystem“ bezeichnet hatte. Auch der Begriff der Schenkökonomie wurde an mich herangetragen und entfachte große Begeisterung in mir.

An einem Vortrag über die Postwachstumsökonomie und das Würzburger Zukunftshaus lernte ich einen jungen Softwareentwickler kennen, der in der deutschsprachigen Geld-Szene gut vernetzt ist und vom Thema Geldsystem vermutlich mehr Ahnung hat als jede andere Person, die mir bisher über den Weg gelaufen ist. Er nahm sich viel Zeit für mich, traf sich mehr als einmal zum Spazierengehen mit mir und machte mich auf Überlegungen aufmerksam, die ich bisher noch nicht angerührt oder zu Ende gedacht hatte.

Auf einer Druckkostenlesung einer von Studenten neu gegründeten kollektiven Literaturzeitschrift bekam ich sogar mehrfach die Möglichkeit, einige meiner Gedanken einem breiten Publikum vorzustellen. Ich scheute mich auch nicht, komplett fremde Menschen auf mein Projekt anzusprechen. Einmal wendete ich mich per E-Mail an einen Professor und Buchautor, dessen Meinungen mir gut gefallen. Von ihm bekam ich die Antwort, dass an unserer Würzburger Universität ein „Forschungsprojekt zur Demokratisierung von Geld und Kredit“ begonnen hat. Dort konnte ich dann an einem Seminar teilnehmen, bei dem ich auf weitere interessante und hilfsbereite Menschen stieß. Ich glaube, unter den Menschen, die sich einmal intensiv mit unserem Geldsystem befassen, gibt es viele, bei denen daraus eine große Begeisterung für tatkräftiges Engagement erwächst. Die Weltverbesserungsmentalität und die höchst konstruktiven Gedanken aus der Geldreformbewegung schwappen sehr leicht auf neue Menschen über.

Zum Abschluss unseres Seminars wurde an diesem Lehrstuhl unserer Universität eine Podiumsdiskussion zur „Finanzierung der Zukunft“ organisiert, an der zwei relativ bekannte Professoren zum Streitgespräch eingeladen waren. Für mich war das eine gute Gelegenheit, andere Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen. Ich fragte in ein paar Geschäften nach, ob ich dort ein Werbeplakat aufhängen dürfte und war erstaunt über die vielen freundlichen und aufgeschlossenen Reaktionen. Schlussendlich lief ich ein paar Tage lang durch die Stadt, weil mir in meiner Begeisterung immer wieder noch ein Laden mehr eingefallen war, bei dem ich noch nachfragen könnte. Insgesamt waren es wohl über 40 Plakate, die ich so an unterschiedlichen Orten aufhängen konnte.

Tatsächlich scheint das Thema „Geldsystem“ meinem Empfinden nach ganz nah am Puls der Zeit zu liegen. Mit wem auch immer ich in den letzten beiden Jahren darüber gesprochen habe, Interesse und Verständnis begegneten mir fast überall. Bei all der Begeisterung und all der Aufgeschlossenheit meiner GesprächspartnerInnen waren doch manche der so entstandenen Diskussionen für mich emotional nicht leicht zu verdauen. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Link zu meinem Projekt: https://sites.google.com/site/projektzeitschein
attac: https://www.attac-netzwerk.de/index.php?id=77263
Freiraum Würzburg: https://freiraumwuerzburg.wordpress.com/freiraum-wuerzburg/
Beispiel einer Zeitbank: http://www.spes.de/index.php?id=191
Schenkökonomie: http://www.schenkökonomie.org/buch/
Postwachstumsökonomie: http://www.postwachstumsoekonomie.de/netzwerk
Zukunftshaus: http://www.zukunftshaus-wuerzburg.de/
eine Komplementärwährung im Entstehen: http://credere.eu/
Kollektive Literaturzeitschrift Würzburg: https://literatur-wuerzburg.de/texte/
Forschungsprojekt: https://www.fordemocracy.de/projekte/projekt-03/

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