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Im Moment werden Wirtschaft und Umwelt als getrennte Systeme behandelt. Das ist ein großes Problem, denn so konkurrieren sie miteinander, und am Ende gewinnt immer die Ökonomie. Dies ist ein systemimmanentes Problem unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems, das auf Gewinnstreben und Übernutzung natürlicher Ressourcen fixiert ist. Deshalb können wir die Klimakrise nicht innerhalb des bestehenden Geldsystems lösen.

Die vereinfachte Gleichung „Geld = Konsum = Emissionen“ bringt die allgegenwärtige Klima- bzw. Emissionsungerechtigkeit zwischen Arm und Reich anschaulich zu Tage. Zudem beschreibt sie den Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Vermögen und klimaschädlichen Emissionen – jedenfalls solange unsere Konsumgüter noch nicht klimaneutral produziert werden.

 

Also klimaschädliche Produkte verteuern?

Nein, denn eingespartes Geld durch Einschränkung oder Verzicht bzw. wirkungsvollere Technologien an der einen Stelle wird in der Regel an anderer Stelle wieder ausgegeben – z.B. für einen zusätzlichen Urlaub (Rebound-Effekt). Auch deshalb sind wirksamer Klimaschutz bzw. unsere konsumbedingten Emissionen vom Geldsystem abzukoppeln – beispielsweise durch eine komplementäre Klimawährung!

Unser herkömmliches Geld alleine ist ungeeignet, die Belastung der Ökosysteme durch unseren Konsum transparent abzubilden. Es gibt nämlich viele Produkte, die zwar ökonomisch sehr günstig herzustellen sind und folglich auch billig verkauft werden, deren Herstellung oder Betrieb aber ausgesprochen umweltschädlich sind. Auch verhindert der im Produktpreis enthaltene CO2-Preisaufschlag eine wünschenswerte Transparenz, denn dieser geht nahezu gänzlich im Gesamtpreis unter. Dies erschwert den Verbrauchern die Möglichkeit sich für das klimafreundlichere Produkt zu entscheiden.

Deswegen werden wir weder durch den Zertifikatehandel noch über Verteuerungen die notwendige Emissionsreduktion erreichen. Es braucht ein Modell, das nationalstaatliche Interessen mit globalen Notwendigkeiten vereinbaren kann. Denn die Emissionen drastisch zu reduzieren, um planetare Grenzen einzuhalten, ist nicht optional, sondern zwingend notwendig!

 

„Eine wirkungsvolle und zugleich sozial-gerechte Alternative könnte ein konsequent verursacherbasiertes System auf Konsumentenebene sein.“

 

Die Einführung persönlicher handelbarer CO2-Budgets würde das Kaufverhalten der großen Menge der Verbraucher verändern. So ließe sich der notwendige Veränderungsdruck auf die Wirtschaft aufbauen, ihre Produktionsprozesse aus eigenem Interesse immer nachhaltiger zu gestalten – hin zu deutlich mehr grünen Alternativen für die Konsumenten. Denn die Industrie produziert das was wir mit unseren begrenzten Budgets kaufen (können).

 

Die Klimakrise ist ein globales, multikausales und vielschichtiges Problem. 

Wir können sie nicht mit Einzelregelungen bekämpfen. Wir brauchen einen mess- und regulierbaren Handlungsrahmen, mit dem wir auf ökologische Herausforderungen zügig und angemessen reagieren können. Nur wenn wir unsere Wirtschafts-, Konsum- und Lebensweise nachhaltig gestalten, und ökologische wie auch soziale Gesichtspunkte gleichrangig zu ökonomischen berücksichtigen, werden wir unserer Verantwortung für zukünftige Generationen gerecht.

 

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel …

  • der Treibhausgase im Zusammenhang mit unserem Konsum zugleich lückenlos erfasst, transparent abbildet, und gerecht abrechnet
  • hin zu einem System, bei dem der Einzelne frei über sein Konsumverhalten entscheiden kann, allerdings innerhalb klar gesteckter Grenzen für alle
  • welcher ein punktgenaues und flexibles Erreichen des Klimaziels garantiert
  • hin zu einem Modell, das administrativ relativ unaufwändig ist, und darüber die soziale Ungleichheit reduziert
  • weg von Maßnahmen, die überwiegend auf Verteuerung bzw. Einschränkung und Verzicht setzen, überwiegend einkommensschwächere Haushalte überproportional betreffen, und die inländische emissionsintensive Industrie ins Ausland vertreiben, wo weniger strenge Umweltauflagen gelten
  • weg von kleinteiligen oft unpopulären Maßnahmen, hin zu persönlichen handelbaren Emissionsbudgets

 

Mit einer komplementären Klimawährung und persönlichen Emissionsbudgets zum Klimaziel

Eine sozial-gerechte und vor allem effektivere Alternative zu den gängigen Werkzeugen zur Emissionsreduktion könnte eine Klimawährung sein, die parallel zur Landeswährung existiert. Mit einer solchen digitalen Kohlenstoff-Ressourcenwährung könnten die Bürger ihre konsumbasierten CO2-Emissionen bezahlen. Diese Währung würde mittels persönlicher handelbarer Emissionsbudgets das Steuerungspotential für Klimaschutz in die Hände aller Verbraucher legen, und Unternehmen intrinsisch motivieren umweltfreundlicher zu produzieren. Zusätzlich könnte ein solcher Emissionshandel auf Bürgerebene zur Verringerung der Wohlstandsschere beitragen, da unverbrauchtes Budget gegen Geld verkauft werden kann. Einkommensschwächere Haushalte oder Bürger ärmerer Länder, die meist weniger klimaschädlich konsumieren, erhielten so ein zusätzliches finanzielles Einkommen.

Das Modell würde eine sozio-ökologische Transformation fördern, indem es die Verantwortung und das Steuerungspotential für Klimaschutz auf die Konsumenten überträgt, und gleichzeitig ohne zusätzliche ordnungsrechtliche Verteuerungen auskommt. Darüber hinaus entbindet es die Politik kleinteilige und oft unpopuläre Maßnahmen zu verhängen, umzusetzen und kontrollieren zu müssen.

Mehr dazu unter: www.saveclimate.earth

Vielen Bürgern ist nicht bewusst, welche enormen Treibhausgas-Einsparungen notwendig wären, um die Erderwärmung zumindest auf ein akzeptables Maß zu begrenzen. In Deutschland liegt der durchschnittliche CO2 Pro-Kopf-Verbrauch bei ca. 10 Tonnen im Jahr. Tatsächlich müsste der Verbrauch weniger als 2 Tonnen betragen, d.h. der Energieverbrauch jedes Einzelnen von uns müsste um ca. 80 Prozent sinken.

Was lässt sich also tun?

Politik, Industrie, Gesellschaft – oder die Diffusion von Verantwortung

 

Die Politik kann es nicht richten, die Industrie will es nicht richten, und wir Bürger sehen uns vor einer unlösbaren Aufgabe aufgrund der Größe des Problems.

 

Warum ist dies so?

Von Seiten der Politik betrachtet:

Wer wiedergewählt werden will, ist auf Massenzustimmung der Bevölkerung angewiesen. Verbote und Zwänge finden deshalb keine gesellschaftliche Mehrheit. Außerdem sind Wirtschaft und Politik eng miteinander verflochten. Eine Regierung ist ferner massiv von einer gut funktionierenden Wirtschaft abhängig, die keine zusätzlichen Aufwände für Klimaschutz will. Politik ist in Sachzwängen verhaftet und unterstützt vornehmlich ihre wirkmächtigste Klientel. Wirklich wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Klimawandel bedeuten politischen Selbstmord.

Von Seiten der Industrie betrachtet:

Das primäre Ziel der Industrie ist Wachstum und Profit, nicht Klimaschutz. Ein Umbau der Produktion, hin zu klimafreundlichen Prozessen bedeutet zunächst Investitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit negativ (z.B. gegenüber den USA und China) beeinflussen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor: Inwieweit sind die Konsumenten gewillt, für echte CO2-freie Produkte einen höheren Preis zu akzeptieren.
Die mit Erdöl und Erdgas arbeitende Industrie wird zurzeit doppelt gefördert:

  • Sie muss für die Folgekosten der verursachten Schäden nicht bezahlen
  • Sie erhält umfangreiche Subventionen

Welche Unternehmen würden freiwillig unwirtschaftliche Entscheidungen treffen und dadurch einen Wettbewerbsnachteil riskieren?

Welche Rolle spielen wir Konsumenten?

Betreffen die erforderlichen Klimaschutz-Maßnahmen die persönliche Komfortzone (oder den eigenen Geldbeutel), nimmt die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen dramatisch ab. Zudem ist der Einfluss des Einzelnen sehr begrenzt, und führt daher schnell zur Resignation. Auch der Effekt der Abnutzung spielt eine Rolle. Immer wiederkehrenden Katastrophenmeldungen führen zu einer Gewöhnung, und irgendwann hört man nicht mehr zu. Darüber hinaus schmelzen die Gletscher ja nicht in unseren Vorgärten und die untergehenden Inseln in der Karibik sind weit weg. Doch ist die Umwelt- und Klimakrise die zentrale Bedrohung des künftigen Wohlstands. Vom Wegschauen hat sich aber noch selten ein Problem gelöst. Ebenso wenig hilft Wunschdenken weiter à la: Der Markt wird schon die richtigen Technologien zur Lösung der Erderwärmung entwickeln. Neue Techniken tauchen nicht einfach aus dem Nichts auf, um dann zeitgerecht unsere Probleme zu lösen.

Ein möglicher Gamechanger in der Klimapolitik

Unterschiedlichste Zielkonflikte, ökologisches Bewusstsein und ökonomische Zwänge, Eigennutz und Moral sowie die Unschärfe gesellschaftlicher Verantwortung bilden einen Teufelskreis. Klimaschutz darf daher nicht der Freiwilligkeit des Einzelnen, der Industrie oder den Regierungen von Staaten überlassen werden.

Eine Lösung des Problems ist nur denkbar, wenn marktwirtschaftliche Gesetze im Einklang mit ökologischer Nachhaltigkeit funktionieren. Möglich wird dies durch ein System, das nach dem Verursacherprinzip die kleinste Einheit am Markt berücksichtigt, nämlich den Konsumenten. Denn er hat eine enorme Steuerungswirkung auf die Produktionsprozesse der Industrie. Ein solches System könnte mittels eines ökologischen Grundeinkommens die Macht und das Steuerungspotential für Klimaschutz komplett in die Verantwortung aller Bürger legen – mehr dazu am Ende des Artikels.

Wir leben alle innerhalb desselben Systemdesigns, das den gegenwärtigen Zustand unserer Mitwelt ermöglichte. Deshalb müssen wir als Gesellschaft auch wieder gemeinsam aus der Krise herausfinden, und zwar ohne jemanden dabei abzuhängen. Die Frage nach mehr oder weniger Schuld hilft dabei nicht weiter. Wir müssen die generellen Spielregeln ändern. Dazu braucht es einen Paradigmenwechsel – einen systemischen Ansatz, der all die teils sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten, individuellen Konsumpräferenzen und Interessenkonflikte der Menschen berücksichtigt, und nur so weit regulierend eingreift, wie absolut unerlässlich ist.

Zu schaffen ist ein Modell ökologischer Leitplanken, in dem jeder Bürger mittels persönlicher Emissionsbudgets selbst darüber entscheiden kann, wie er Klimaschutz in sein Leben integriert – und nicht ob. Und überdies ein Maximum an persönlicher Konsumentscheidungsfreiheit ermöglicht, allerdings innerhalb ganz klar gesteckter ökologischer Grenzen für alle. Ein solches Konzept entbindet die Politik von der Notwendigkeit, kleinteilige und oft unpopuläre ordnungsrechtliche Maßnahmen erlassen, umsetzen und kontrollieren zu müssen

Emissionsminderung – „too little and too late“

Mit den gängigen Werkzeugen EU-Emissionshandel und CO2-Steuer werden wir das Klimaziel voraussichtlich verfehlen. Die Wunschvorstellung, über Geldpreissignale die erforderlichen Verhaltensänderungen bei den Konsumenten zu bewirken, ist krachend gescheitert. Das was durch die enormen Preissteigerungen an den Tankstellen und beim Heizen tatsächlich an Emissionen eingespart wurde, bewegt sich leider nur im einstelligen Prozentbereich. Wie sollte es auch über Verteuerungen funktionieren können?! Schließlich stehen uns Verbrauchern nicht annähernd in ausreichendem Maße klimaneutrale Konsum- und Mobilitätsalternativen zur Verfügung.
Darüber hinaus ist der Weg, Klimapolitik über Konsumverteuerung zu gestalten, aus verschiedenen weiteren Gründen nicht zielführend. Zum einen unterliegt man der irrigen Annahme, dass ein höherer Preis automatisch auch in gleichem Maße die Nachfrage reduziert. Die Lenkungswirkung eines höheren Geldpreises ist unzureichend, weil es den Effekt der Preiselastizität gibt. Nach den eisernen Gesetzen des Marktes führt normalerweise ein Ansteigen des Preises zu einer verringerten Nachfrage – jedoch bei weitem nicht in gleichem Maße. Die Bürger zahlen die Aufschläge zwar widerwillig, aber sie zahlen sie – notgedrungen. Deshalb trifft es auch beim Klima nicht zu, dass sich durch Verteuerungsmaßnahmen die (Über)Nutzung der Atmosphäre mit klimaschädlichen Gasen in ausreichendem Umfang verringern, geschweige denn limitieren ließe. Denn ein jeder kann grundsätzlich nach wie vor unbegrenzt emittieren, einzig die Kosten dafür erhöhen sich. Es fehlt eine konkrete Verknappung der Emissionen durch Budgetierung!

Warum man die Klimakrise nicht innerhalb des Geldsystems lösen kann

Unser herkömmliches Geld alleine ist ungeeignet, die Belastung der Ökosysteme durch unseren Konsum transparent abzubilden. Denn es gibt viele Produkte in unserer modernen Konsumgesellschaft, die zwar ökonomisch sehr günstig herzustellen sind, und folglich auch billig verkauft werden, deren Herstellung oder Betrieb aber mit hohen Umweltkosten verbunden sind. Solange unsere Konsumgüter nicht generell klimaneutral produziert werden, veranschaulicht die vereinfachte Gleichung „mehr Geld = mehr Emissionen“ die allgegenwärtige Klima- bzw. Emissionsungerechtigkeit zwischen Arm und Reich. Dennoch nutzen Verteuerungen im Kampf gegen den Klimawandel wenig. Denn eingespartes Geld an der einen Stelle wird in der Regel an anderer Stelle wieder ausgegeben – z.B. für einen zusätzlichen Urlaub (Rebound-Effekt). Auch deshalb ist es unerlässlich, wirksamen Klimaschutz bzw. unsere konsumbedingten Emissionen vom Geldsystem abzukoppeln – beispielsweise durch eine komplementäre Klimawährung!

Nationalstaatliche Interessen mit globalen Notwendigkeiten vereinbaren

Die Umweltbelastungen drastisch zu reduzieren um planetare Grenzen einzuhalten, ist keine Wahlmöglichkeit, sondern eine zwingende Notwendigkeit. Es braucht also ein Modell, das nationalstaatliche Interessen mit globalen Notwendigkeiten vereinbaren kann. Eine wirkungsvolle und zugleich sozial-gerechte Alternative könnte ein Vorschlag der NGO SaveClimate.Earth sein. Deren Lösungsvorschlag besteht darin, ein konsequent verursacherbasiertes System auf Konsumentenebe zu etablieren. Persönliche handelbare CO2-Budgets und das daraus resultierende veränderte Kaufverhalten baut den notwendigen Veränderungsdruck auf die Wirtschaft auf, ihre Produktionsprozesse immer nachhaltiger zu gestalten, denn die Industrie produziert das, was wir mit unseren begrenzten Budgets kaufen (können). Ein solches System erlaubt uns, auf ökologische Herausforderungen zügig und angemessen zu reagieren.

Wir brauchen einen Paradigmenwechsel …

  • der Treibhausgase im Zusammenhang mit unserem Konsum zugleich lückenlos erfasst, transparent abbildet, und gerecht abrechnet
  • hin zu einem System, bei dem der Einzelne frei über sein Konsumverhalten entscheiden kann, allerdings innerhalb klar gesteckter Grenzen für alle
  • der ein punktgenaues und flexibles Erreichen des Klimaziels garantiert
    hin zu einem Modell, das administrativ relativ unaufwändig ist, und darüber hinaus zur Verringerung der sozialen Ungleichheit beiträgt
  • weg von Maßnahmen die überwiegend auf Verteuerung bzw. Einschränkung und Verzicht setzen, überwiegend einkommensschwächere Haushalte überproportional betreffen, und die inländische emissionsintensive Industrie ins Ausland vertreiben, wo weniger strenge Umweltauflagen gelten
  • weg von kleinteiligen oft unpopulären Maßnahmen, hin zu persönlichen handelbaren Emissionsbudgets

 

Die politischen Debatten über Regelungen bis ins kleinste Detail könnten entfallen, da die Konsumenten durch ihre Kaufentscheidungen, auf Basis günstigerer ökologischer Preise, die notwendigen Transformationsprozesse in der Wirtschaft auslösen und unterstützen.
Denn durch den marktwirtschaftlichen Ansatz einer vom Geldsystem entkoppelten Klimawährung kommen automatisch die am besten geeigneten Methoden bzw. Techniken zur Anwendung, die mit dem geringsten Aufwand die beste Emissionsreduktion bewirken. Und dies ohne die Notwendigkeit zusätzlicher Verteuerungen bzw. staatlicher oder ordnungsrechtlicher Interventionen.

 

Die NGO SaveClimate.Earth, Organisation für nachhaltige Ökonomie, hat zu handelbaren persönlichen Emissionsbudgets ein Konzept ausgearbeitet, das Initial auf EU-Ebene eingeführt werden könnte.

 

Es gibt Antworten darauf,

  • wieso ein Emissionshandel auf Bürger-Ebene dem Zertifikatehandel der Industrie und der CO2-Steuer überlegen ist.
  • wie persönliche handelbare Emissionsbudgets der effektive und sozial-gerechte Gegenentwurf zu allen aktuellen Maßnahmen sein könnten und wir so ein festgelegtes Emissionsziel garantiert einhalten können.
  • wie die Etablierung einer komplementären Ressourcenwährung ECO (Earth Carbon Obligation) als globales CO2-Äquivalent aussehen könnte.
  • wie die monatliche Auszahlung des ECO als ökologisches Grundeinkommen in Form eines persönlichen handelbaren CO2-Budgets funktioniert.
  • wie ein separates Emissionspreisschild in der Klimawährung ECO dafür sorgt, dass die Klimaschädlichkeit von Produkten miteinander vergleichbar wird.
  • wie wir unseren individuellen CO2-Konsum über ein eigenes Klimakonto bezahlen könnten.

 

 

Das Buch zum Konzept der Klimawährung ECO ist im Oekom Verlag erschienen und kann kostenlos als E-Book heruntergeladen werden.

 

 

 

Ich habe mich schon oft gefragt, wie es sein kann, dass immer wieder Menschen, die klaren Verstandes zu sein scheinen, an der Erhitzung des Erdatmosphäre zweifeln, und wenn schon nicht das, dann doch wenigstens der entlastenden Aussage anhängen, wir hätten damit nichts zu tun.
Dass die Großindustrie, insbesondere die Erdölbranche ein großes Interesse an solchen Haltungen hat, ist klar. Nur wie genau geht sie dagegen vor.
Die österreichische Tageszeitung Der Standard hat dies kürzlich akribisch rechecheriert und veröffentlich.
Fazit: „So werden Worte tatsächlich zur Waffe.“

Fridays for Future haben die Forderung nach einem Sondervermögen Klimaschutz in Höhe von 100 Mrd. Euro. Warum? Wozu?

„Die Klimakrise ist kein Wohlfühlproblem“, sagt Luisa Neubauer, „sondern eine Katastrophe.“ Das pfeifen inzwischen die Spatzen von den Dächern, etwa des Ahrtals, nicht jedoch im Regierungsviertel.

„Wir riskieren, dass unser Wirtschaftsmodell wegbricht.“

Inzwischen hat sich sogar Marcel Fratzscher in die Diskussion eingeschaltet. Der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und Professor für Makroökonomie an der Berliner Humboldt-Universität formuliert ähnlich dringlich wie Luisa Neubauer: „Wir haben eine dramatische Situation für die Wirtschaft. Viele Unternehmen können mit den hohen Energiepreisen über fossile Energieträger nicht umgehen, sind von Insolvenz und Überschuldung bedroht. Wir riskieren, dass unser Wirtschaftsmodell wegbricht.“ Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten, so der Professor, würden in Zukunft deutlich weiter zunehmen, „wenn es uns jetzt nicht gelingt, die notwendige Transformation voranzubringen“. Der Einwand, 100 Milliarden Euro seien zu viel Geld für Klimaschutzmaßnahmen, sei falsch, genau das Gegenteil treffe zu. „Je länger wir warten, desto höher sind nicht nur die Kosten für die Menschen, sondern eben auch die wirtschaftlichen Kosten für Unternehmen.“ Fratzscher will deshalb die Initiative von Fridays for Future „ganz nachdrücklich unterstützen“.

Auch das „Haus Wirtschaft“ braucht ein solides Fundament

Wer ein Haus plant, benötigt ein geologisches Gutachten. Warum? Die Antwort ist jedermann einsichtig. Wer will schon, dass sein Haus wegrutscht, einsinkt oder auf einer alten Giftmülldeponie errichtet wird?

Wer ein Haus baut, braucht also ein solides Fundament, auch unterhalb der Bodenplatte. Das gilt nicht nur für relativ kleine wirtschaftliche Vorhaben, sondern auch für große. Die Bodenplatte, wenn man so will, auf der die deutsche Wirtschaft ruht, ist ihre zuverlässige Energieversorgung. Aber unter der Bodenplatte bröckelt es nicht nur, sondern es verschieben sich ganze Gesteinsschichten – nicht erst, seit uns die Gasversorgung knapp wird, sondern seitdem man zuverlässig weiß, dass die fossilen Ressourcen garantiert wegbrechen werden, also seit Jahrzehnten.

Zukunftsvergessen und ruchlos

Der gesunde Menschenverstand legt folglich seit Jahrzehnten nahe, sich verantwortungsvoll um eine weniger riskante Energieversorgung zu kümmern. Aber seit Jahrzehnten funktioniert der gesunde Menschenverstand nicht. Im Gegenteil: Die Bundesregierung pumpt nach wie vor 65 Milliarden Euro im Jahr in Erdöl und Erdgas, statt diese widersinnigen Investitionen in zukunftsfähige Quellen umzulenken. Da setzt das Aushängeschild der deutschen Finanzwirtschaft, die Deutsche Bank, noch den i-Punkt an Zukunftsvergessenheit und Ruchlosigkeit obendrauf: mit ihrer geplanten Finanzierung der EACOP-Pipeline, mit der 1445 Kilometer geheiztes Erdöl vom Westen Ugandas durch Tansania zum Indischen Ozean gebracht werden soll. Rund 7000 Menschen wurden dafür bereits zwangsumgesiedelt, weitere ca. 90.000 Menschen sollen noch ihre Heimat verlieren – ganz abgesehen davon, dass das Tilenga-Ölfeld zum Teil im Murchison-Falls-Nationalpark liegt, dem größten und ältesten ugandischen Nationalpark. Aber wen kümmert das schon, außer Luisa Neubauer? Bei einem 3,5-Milliarden-Dollar-Projekt lässt sich schließlich gut verdienen. Und was tut die Bundesregierung? Es geht sie nicht wirklich etwas an, auch nicht die Bundesumweltministerin.

Das Geld im Land lassen

Gewichtige Argumente pro 100 Mrd. Euro liefert auch Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin. 100 Mrd. Euro in Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland würden das Geld im Land lassen und den Menschen zugute kommen, statt „weiter auf den Import von Öl, Kohle und Gas zu setzen“. Allein in diesem Jahr würde Deutschland voraussichtlich weit über 100 Milliarden Euro für den Import dieser fossilen Energieträger ausgeben. Quaschning: „Zwischen 1990 und heute hat Deutschland mehr als 1500 Milliarden Euro nur für den Import von Öl, Kohle und Gas ausgegeben, das heißt also Geld, was aus Deutschland weg ist und was wir nicht investieren können.“

Die Transformation nicht verschlafen

Mit Bezug auf die Green-New-Deal-Überlegungen der Europäischen Union findet Fratzscher die Fridays-Forderung eher moderat. In Brüssel gehe man von einem zusätzlichen Investitionsbedarf von 10.000 Milliarden bis 2050 aus. Für Deutschland seien das hochgerechnet 120 Mrd. pro Jahr bzw. drei Prozent des BIP. Hoffnungen weckt in Fratzscher „die tolle Forschungslandschaft. Wir waren weltweit die ersten, die in die Energiewende eingestiegen sind, aber wir haben irgendwann immer die Puste verloren“. Es ist also neues Luftholen angesagt. Um die Energiewende voranzubringen, braucht Deutschland aus Quaschnings Sicht „das größte Fort- und Weiterbildungsprogramm, das die Bundesrepublik Deutschland jemals gesehen hat. Und Sie können natürlich ohne Geld keine Weiterbildung machen, also auch hier brauchen wir natürlich massive Investitionen.“ Und Fratzscher warnt: „Wir können es uns in Deutschland nicht leisten, diese Transformation zu verschlafen, weil sonst andere Länder und andere Unternehmen – Wettbewerber von deutschen Unternehmen – da schneller sind.“

Dies ist eine Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

Teil 1 findest du HIER

Teil 2 findest du HIER

Teil 3 findest du HIER

Teil 4 findest du HIER

Teil 5 findest du HIER

Teil 6 findest du HIER

Siebenter Teil: Druckanfragen für die Idee des Obdachlosengeldes

von Kilian Manger

Im letzten Artikel habe ich von meiner Idee eines solidarischen Regionalwährungsexperiments erzählt. Ich stand vor der Aufgabe, Spielgeldscheine drucken zu lassen, die ein einfaches Sicherheitsmerkmal besitzen, sodass sie sich nicht völlig einfach mit einem Farbkopierer vervielfältigen lassen.

In irgendeinem Gespräch mit Fachleuten, die Erfahrungen mit Regionalwährungen haben, hatte ich wohl den Begriff „Sicherheitsdruckerei“ aufgeschnappt. Ach ja, dabei muss es sich wohl um Druckereien handeln, die fälschungssichere Geldscheine herstellen. Ich bediente eine Internetsuchmaschine mit diesem Stichwort und bekam sofort die Internetauftritte einiger Sicherheitsdruckereien geliefert. Als ich am Telefon von meiner Idee des solidarischen Regionalwährungsexperiments erzählte und den Begriff „Spielgeld“ aussprach, kam mir prompt eine entsetzte Antwort entgegen: „Höre ich da Falschgeld? Wenn Sie vorhaben, irgendwelche Scheine zu drucken, die in ihrem Aussehen den Banknoten einer existierenden Währung auch nur ähneln, werden wir Ihnen dabei sicherlich nicht weiterhelfen. Wenn Sie Geld fälschen, dann steht die Kriminalpolizei schneller vor Ihrer Haustüre als Sie denken.“ Kurz darauf war unsere Telefonverbindung unterbrochen. Ich denke, mein Gesprächspartner hatte das Telefonat bewusst unangekündigt abgebrochen.

Da hatte mich der Mitarbeiter der Sicherheitsdruckerei falsch verstanden. Bei meinem Projekt geht es nicht darum, das gesetzliche Zahlungsmittel zu kopieren, sondern darum, eine andersartige Alternative vorzustellen, auf die Lebenssituation finanziell benachteiligter Menschen aufmerksam zu machen sowie Fehler in der Architektur des Weltfinanzsystems in die öffentliche Diskussion zu tragen. Abgesehen von den Missverständnissen war ich bei dieser Sicherheitsdruckerei sowieso an der falschen Adresse. Sie vermarkten nur Sicherheitspapier im vierzig-Tonnen-Maßstab. Mit einer solchen Sicherheitsdruckerei arbeiten also nur Unternehmen zusammen, die LKW-Ladungen voller Papier brauchen. Wieder etwas gelernt. Ich bekam im Telefonat noch den Tipp, mich bei einer normalen kleineren Druckerei zu melden. Das half mir weiter.

Durch kurze Internetrecherche wurde mir klar, dass die üblich bekannten Druckereien, die man normalerweise für den Druck von Hochzeits-Einladungskarten oder Visitenkarten beauftragen würde, passende Ansprechpartner für mich darstellen. Hier lassen sich Scheine mit silbrigen Glitzereffekten drucken, die dadurch zumindest vor der Vervielfältigung durch einen Farbkopierer geschützt sind.

Bei meinem ersten Druckauftrag erfuhr ich, dass meine Druckdaten zur Verarbeitung in der Druckerei nicht wirklich geeignet sind. Die Druckerei war so kulant, mir die Druckdaten kostenlos anzupassen, teilte mir aber mit, ich solle bei weiteren Aufträgen nur Bilddateien im CMYK-Farbraum einschicken. Auch was mit diesem Fachbegriff gemeint ist, wurde mir sehr freundlich erklärt. Mit etwas Unterstützung einer Mitarbeiterin des Rechenzentrums unserer Universität und eines Studenten aus der Informatik-Fachschaft fand ich daraufhin auch das Open-Source-Zeichenprogramm „Krita“. Dieses läuft sogar auf meinem Laptop mit Linux-Betriebssystem einwandfrei, unterstützt die Anfertigung von Grafiken im CMYK-Farbraum und kann die für den Heißfoliendruck benötigten speziellen Farbpixel mit einem Farbauftrag von 400 % Farbwert in Bilddateien einbauen.

Mir ist es also mittlerweile gelungen, ein paar erste, leicht kopiergeschützte Scheine anfertigen zu lassen, die sich theoretisch für meine Idee eines sehr klein skalierten solidarischen Regionalwährungsexperiments eignen. Sicherlich ist die zwischenmenschliche Arbeit bei der Umsetzung meiner Projektidee wichtiger und schwieriger als die nun gelöste technische Herausforderung des Scheinedruckens. Meine ersten Anfragen bei den Inhabern kleiner Geschäfte in Würzburg wurden zumindest mit Rückfragen und Interesse belohnt. Auch die Erlaubnis, ein Werbeplakat für meine Idee aufzuhängen, wurde mir gegeben. Die Schreinerei der Bentheim Werkstatt des Blindeninstituts Würzburg fertigte mir sogar kleine Holzständer an, die ich nutzen kann, um öffentlich auf die Idee des solidarischen Regionalwährungsexperiments hinzuweisen. Meiner bisherigen Erfahrung nach reagieren sozial angehauchte Menschen und Mitarbeiter in gemeinnützigen Einrichtungen sehr positiv und interessiert auf meine Idee.

Eine tatsächliche Umsetzung des Projekts wird es allerdings nur geben können, wenn sich zumindest ein paar Geschäfte und Einwohner der Stadt bereit erklären, den Versuch zu starten, eine erste Anzahl von vielleicht zwei oder drei Scheinen als Zahlungsmittel zu verwenden. Eine wie im vorigen Artikel erwähnte Einrichtung der niederschwelligen Obdachlosenhilfe, die sich durch die Herausgabe der Scheine an bedürftige Menschen ins Projekt einbringen könnte, habe ich bisher noch nicht angefragt. Auch die Internetseite des Obdachlosengeldes steht noch nicht.

Nächstes Ziel: Menschen, Läden, Gruppen, Initiativen und Einrichtungen finden, die mitmachen. Ob das funktioniert? Keine Ahnung. Ich bin gespannt, wie die Leute auf mein Bildungs-, Aufklärungs- und Mitmachprojekt reagieren.

 

Zeichenprogramm mit Unterstützung des CMYK-Farbraums: https://wiki.ubuntuusers.de/Krita/
Blindeninstitut Würzburg: https://www.blindeninstitut.de/de/wuerzburg/bentheim-werkstatt-gmbh/eingliederung-ins-arbeitsleben/
Regionalwährung bei Dresden: https://stories-of-change.org/filme/elbtaler/

Dies ist eine Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

Teil 1 findest du HIER

Teil 2 findest du HIER

Teil 3 findest du HIER

Teil 4 findest du HIER

Teil 5 findest du HIER .

Sechster Teil: Ein Blick in die Zukunft. Wie die nächsten Schritte in meinem Projekt aussehen könnten.

von Kilian Manger

Mein Plan, andere Menschen auf die Thematik Geldsystem aufmerksam zu machen, ist voll und ganz aufgegangen. Seit ich meine eigenen Ideen ins Internet gestellt habe, hatte ich immer einen Anlass, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und mein Thema anzusprechen: Ich erzähle von meinem selbstinitiierten Bildungsprojekt und berichte von meinen bisherigen Erfahrungen. Meistens werden die Menschen dann von ganz alleine neugierig und stellen weitere Fragen.

Vor ein paar Monaten kam mir die Idee, dass ich aus meinem Bildungsprojekt ein „Mitmachprojekt“ erwachsen lassen könnte. Wenn ich eine Art Spiel starte, bei dem Geschäfte, Initiativen, Vereine, Gruppen und Einwohner der Stadt Würzburg mitmachen können, wird das vielleicht dazu beitragen, noch schneller bei einer noch größeren Anzahl möglicher Interessenten Begeisterung zu wecken. Ein spielerischer Einstieg könnte für viele Menschen ein leichter Weg sein, sich mit den Fehlern in der Architektur unseres bestehenden Geldsystems vertraut zu machen.

Für dieses Vorhaben habe ich bisher einen groben Plan entworfen. Das Spiel selbst würde ich als eine Art „solidarisches Regionalwährungsexperiment“ beschreiben, das im Kern von der Großzügigkeit der Mitwirkenden und der Idee des Schenkens getragen wird. Ich denke, viele Menschen freuen sich, wenn man sie dazu einlädt, bei einem Spiel des Schenkens mitzumachen. Vielleicht fühlen sie sich geschmeichelt, wenn man mit einer solchen Einladung offenbart, dass man an ihre Herzlichkeit und Großzügigkeit glaubt.

Wenn mein Plan aufgeht, würde ich bei diesem Regionalwährungsexperiment dafür sorgen, dass eine geringe Anzahl selbst erzeugter Spielgeldscheine, für die mir die Bezeichnung „Obdachlosengeld Würzburg“ eingefallen ist, in den Umlauf kommen. Meiner Einschätzung nach würde eine kleine Anzahl von eins bis zehn Scheinen vollkommen ausreichen, um das Spiel durchzuführen. Im Sinne einer Spielregel würde man unter allen freiwilligen Teilnehmer*innen vereinbaren, jedem solchen Schein anfänglich einen Wert von 2 € zuzuerkennen.

In den Umlauf kommen würden diese Scheine durch eine örtliche Einrichtung der niederschwelligen Wohnungslosenhilfe. Das heißt konkret, finanziell benachteiligte Menschen, die unter Obdachlosigkeit leiden, würden diese neu erzeugten Scheine geschenkt bekommen und hätten die Erlaubnis, damit in teilnehmenden Läden einzukaufen. Die Scheine könnten dort in den teilnehmenden Läden dann zum gleichen Preis an hilfsbereite Kunden weiterverkauft werden, damit die Ladeninhaber nicht auf den Kosten der Geschenke sitzen bleiben. Ein Käufer eines solchen Scheines könnte in einem der beteiligten Geschäfte wieder mit dem Schein einkaufen. Auf diese Weise würde man den Schein von Person zu Person weitergeben und die ursprünglichen Kosten für das Geschenk an den bedürftigen Menschen immer wieder an den jeweils nächsten Beteiligten übertragen. Auf dem Schein sollte eine Tabelle aufgedruckt sein, die vorgibt, dass dieser Komplementärgeld-Schein an gewissen Stichtagen einen Teil seines Werts verliert. Während der Wert des Scheins zu Beginn auf 2 € eingestuft ist, würde er im Laufe der Zeit immer mehr an Kaufkraft verlieren, bis er schließlich nach zwei Jahren seine Wirkung als Zahlungsmittel komplett verloren hätte. Das Spiel mit dem Obdachlosengeld hätte also ein von Beginn an festgelegtes zeitliches Ende. Bis dahin sind die Scheine dann durch mehrere Hände gewandert, konnten ihre Wirkung als Zahlungsmittel entfalten und die Kosten für das kleine Geschenk an einen finanziell benachteiligten Menschen hätten sich auf mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgeteilt.

Beim Obdachlosengeld handelt es sich demnach um Schwundgeld. Diese Idee vom schrumpfenden Geld, die mich aus unterschiedlichen Gründen sehr begeistert, stammt nicht von mir. Ich werfe hier einfach die Stichworte „Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung“ und „Gleichgewichtsgeld“ in den Raum und lege dir ans Herz, einmal im Internet danach zu suchen, wenn du mehr darüber erfahren willst.

Falls sich tatsächlich Menschen für die Teilnahme an einem solchen Spiel gewinnen lassen, würde man dadurch einerseits auf die Lebenssituation obdachloser Menschen und andererseits auf alternative Geldsysteme aufmerksam werden. Das Spiel würde dazu anregen, intensiver über den Mechanismus der Geldschöpfung nachzudenken, denn bei jedem Geldsystem – auch im bestehenden Weltfinanzsystem – gibt es Menschen, die finanziell davon profitieren, wenn neues Geld erzeugt und in den Umlauf gebracht wird. Auch die Möglichkeit des schrumpfenden Geldes und dessen Vorzüge gegenüber dem zinsbehafteten Geld sind sicherlich vielen Menschen bisher unbekannt.

Um mit diesem Spiel beginnen zu können, ist eine technische Herausforderung zu meistern: Es braucht Scheine, die zumindest so fälschungssicher sind, dass sie sich nicht kostengünstig beim nächstgelegenen Copyshop vervielfältigen lassen. Eine solche Möglichkeit der Geldfälschung würde verständlicherweise das Risiko entstehen lassen, dass jemand auf genau diese Weise das Projekt sabotiert, weshalb sich in einem solchen Fall aller Voraussicht nach erst gar keine Mitspieler finden lassen würden.

Von Anfang an war ich sehr zuversichtlich, dass ich eine Möglichkeit finden würde, solche Spielgeldscheine mit Kopierschutz drucken zu lassen, auch wenn ich nicht wusste, welche Firma das wohl für mich machen könnte. Regionalwährungen gibt es an vielen Orten und den daran beteiligten Initiativen ist es schließlich auch gelungen, einigermaßen fälschungssichere Scheine zu erzeugen. Außerdem war mir bewusst, dass es für verschiedenste Veranstaltungen Eintrittskarten sowie für den öffentlichen Nahverkehr Tickets mit silbrigen Glitzerstreifen gibt, die sich der einfachen Vervielfältigung durch Farbdrucker entziehen.

Im nächsten Artikel schreibe ich über meine Versuche, dieses technische Problem der Erzeugung kopiergeschützter Scheine zu lösen.

REGIOS eG: https://www.regios.eu/regiogeld
Regionalentwicklung: http://www.regionalentwicklung.de/regionales-wirtschaften/regionalgeld
Chiemgauer Regiogeld: www.chiemgauer.info

In diesem Beitrag wird das Geldverständnis des internationalen Finanzexperten für Geldsysteme, Bernard Lietaer, in Verbindung mit den Archetypen nach C. G. Jung betrachtet. Erfahrt mehr über das Geheimnis und die Hintergründe der Yin- und Yang-Währung.

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Dies ist die Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

Teil 1 findest du HIER

Teil 2 findest du HIER

Teil 3 findest du HIER

Teil 4 findest du HIER

Ein bisschen Kopfzerbrechen und weiter geht’s.

von Kilian Manger

Der vorangegangene vierte Teil dieser Artikelserie machte deutlich, wie ausgesprochen positiv die vielen Reaktionen ausfielen, die mir bei meiner Tätigkeit in der Verbreitung geldreformerischer Ideen entgegengebracht wurden. Dieser fünfte Teil soll nun einen Aspekt in den Mittelpunkt stellen, den ich im Zusammenhang mit meiner geldsystemkritischen Auseinandersetzung als besonders anstrengend empfand.

Die Reaktionen anderer Menschen auf meine Mithilfe in der Bildungs- und Aufklärungsarbeit zu den Fehlern in der Architektur des bestehenden Geldsystems waren stets von Aufgeschlossenheit und Interesse geprägt. Meine Hinweise auf die Reformvorschläge der Geld-Szene wurden immer wieder gut angenommen. Gemeinsam mit einem Mitstudenten konnte ich in Würzburg eine Film- und eine Diskussionsveranstaltung organisieren, zu der mehr als 20 Gäste erschienen. Die beiden Räume dafür durfte ich dank unserer katholischen Hochschulgemeinde und unserer evangelischen Studentengemeinde kostenlos nutzen. Auch an einer vom Bündnis Grundeinkommen organisierten Konferenz, der BGE-Open, durfte ich teilnehmen und traf dort wieder auf viele interessante Menschen samt ihrer Projekte und Ideen.

Eine kleine Würzburger Gruppe von Verfechtern der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens organisiert regelmäßig Aktionen in der Innenstadt, bei der Fußgänger unter Zuhilfenahme einer „Bodenzeitung“ (siehe Link unten) auf die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens aufmerksam gemacht werden. In dieser Gruppe habe ich guten Anschluss gefunden und tolle Menschen kennengelernt. So auch einen ehemaligen Mitarbeiter eines industrienahen Zeitschriftenverlags, dessen medienkritische und geldpolitische Ansichten mich später noch intensiver begleiteten. Als wir mit unserer Bodenzeitung in der Fußgängerzone standen, kam er mit einem Buch über ein alternatives Geldsystem, von dem ich zuvor schon viel Positives gehört hatte, auf uns zu und fing begeistert an, sich mit uns auszutauschen.

Mir ist es schon mehrfach aufgefallen, dass Gespräche über das sensible Thema Geld hochdynamisch sind. So sprangen wir auch in dieser Begegnung sehr schnell von einem Thema zum nächsten. Ein Gespräch voller Überlegungen, die emotional hoch aufgeladen waren. Unsere Unterhaltung führte uns zum Thema Politik, vom Meinungsaustausch über politische Parteien wechselte das Gespräch auf das Thema Migration und vom Gedankenaustausch zu derzeit weltweit stattfindenden Migrationsbewegungen gelangten wir über den Islam zum Christentum. So entfaltete sich eine angeregte, fast zweistündige Konversation über Jesus, das Christentum und den Islam. Wir tauschten unsere E-Mail-Adressen aus und als ich ihn einige Zeit später kontaktierte, um ihn über eine bevorstehende Abendveranstaltung zu informieren, schickte er mir drei Links zu verschiedenen gefilmten Interviews: „Schau dir mal diese drei Videos an. Ich habe da was in den alternativen Medien gefunden …“ Eigentlich jedes seiner Videos, aber ganz besonders die dreistündige Videoaufzeichnung eines Interviews zwischen Ken Jebsen und Bernd Senf (siehe Link unten) fand ich sehr beeindruckend. Diese Videos waren für mich der Auftakt, mich näher mit machtpolitischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung geldreformerischer Ideen zu beschäftigen.

Ein anderes Beispiel für eine interessante und prägende Begegnung mit einem faszinierenden Menschen entstand auf folgende Weise: Eine katholische Ordensschwester, die ich von einem Silvesterkurs im Kloster kenne, erzählte mir von ihrem Schwager, der genauso wie ich eine große Faszination für alternative Geldsysteme entwickelt hatte. Er sei sogar an der Gründung eines Forschungsinstituts mitbeteiligt gewesen, das sich ganz gezielt der Frage nach den unserem Geldsystem innewohnenden Problemen widmet. Manchmal sei er bis tief in die Nacht wach geblieben, wenn er noch etwas herausfinden oder austüfteln wollte.

Als ich ihn kontaktierte, um mich kurz vorzustellen und ihn darum zu bitten, etwas von seinem Wissen mit mir zu teilen, bekundete er seine Freude über mein Interesse und schickte mir eine Sammlung verschiedener Internetseiten. Er meinte, es handle sich dabei um seine favorisierten Informationsquellen, die ich gerne nutzen könne, wenn ich lernen will, wo die großen Probleme unserer Welt herkommen. Seiner E-Mail fügte er die Warnung hinzu, dass ein zu hoher Konsum der dort verbreiteten Informationen ungesund sei. Er selbst sei einmal depressiv geworden und hatte psychosomatische Gesundheitsstörungen von zu viel Erkenntnis und Problembewusstsein – aber das helfe nicht weiter, um die Welt zu ändern.

Später durfte ich diesen Menschen, ein Informatiker und Experte auf dem Gebiet der Kryptowährungen, auch persönlich kennenlernen. Er habe sich vor einiger Zeit einmal mit politischen Verschwörungstheorien auseinandergesetzt. Er habe vieles, was er damals über die heutige weltpolitische Situation zu hören bekam, für so widerwärtig gehalten, dass er es nicht glauben wollte. Also habe er damit begonnen, gründlich zu recherchieren – mit dem Ziel im Kopf, eine dieser gespenstischen Behauptungen zu falsifizieren. Blöderweise, so erzählte er mir, kam er zu dem Ergebnis, dass sein bisheriges eher naiv-optimistisches Bild von unserer heutigen weltpolitischen Situation falsch sein musste und dass manchen dieser schmerzhaften Theorien tatsächlich ein wahrer Kern innezuwohnen scheint. Diese Erkenntnis schlug sich wohl eine Zeit lang auf seine psychische Gesundheit nieder.

Das Gespräch mit ihm tat mir gut. Er ist ein begnadeter Musiker. Als er nach unserer Diskussion die Gitarre in die Hand nahm und zu singen begann, entstanden bei mir das Gefühl und der Eindruck, dass dieser Mensch mit seinem Scharfsinn und seinem politischen Wissen eine große Last auf seinen Schultern zu tragen scheint: Aus Wissen erwächst Verantwortung.

Ähnlich wie er hatte auch ich ein prägendes, wenn nicht ganz so gravierendes Erlebnis, das mir zumindest drei Tage lang Kopfzerbrechen und leichte Bauchschmerzen verursachte. Es war ein achtstündiges Gespräch bei einem Besuch bei einem Rentner, den ich über meine Begegnungen in geldsystemkritischen Kreisen kennenlernen durfte.

Eines scheint dem Thema Geldsystem innezuwohnen: Wenn man sich damit beschäftigt, stößt man wie von alleine irgendwann auf Menschen, deren sonderbare und aggressive politische Meinungen Unwohlsein verursachen. Wenn man sich mit der Architektur unseres Geldsystems und dessen historischer Entstehung ernsthaft auseinandersetzt, kommt man an machtpolitischen Überlegungen nicht vorbei. Mir scheint unser Geldsystem tatsächlich einer der dunkelsten Flecken unserer heutigen Demokratie zu sein: Den Tag hat es noch nicht gegeben, an dem sich reiche und arme Menschen an einen Tisch setzen, ehrlich über die Verteilung von Eigentum, Vermögen und Besitz diskutieren und einen Plan für ein faires Geldsystem entwerfen, von dem alle Menschen gleichermaßen profitieren – von der politischen Umsetzung ganz zu schweigen.

So waren es immer auch Einzelne mit ihren Ideen, Geschichten und Eigenarten, die mich auf meinem Weg der Beschäftigung mit dem Thema Geldsystem begleitet und motiviert haben.

Link zu meinem Projekt: https://sites.google.com/site/projektzeitschein
Bündnis Grundeinkommen: https://buendnis-grundeinkommen.de
Bodenzeitung: https://www.grundeinkommen.de/15/07/2014/aufmerksamkeit-durch-bodenzeitung.html
alternatives Geldsystem: https://gradido.net
Interviewgespräch zwischen Ken Jebsen und Bernd Senf: https://kenfm.de/bernd-senf
Buchempfehlung: „Schulden: Die ersten 5000 Jahre“ von David Graeber

Dies ist die Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

Teil 1 findest du HIER

Teil 2 findest du HIER

Teil 3 findest du HIER

Teil 5 findest du HIER

Es kann losgehen. Eine philosophische und praktisch-konkrete Auseinandersetzung im Dialog mit anderen Menschen.

von Kilian Manger

In den drei vorangegangenen Artikeln habe ich die Grundgedanken und die Motivation hinter meinem Bildungs- und Vernetzungsprojekt beschrieben. Weiter geht es nun mit einer Beschreibung, wie ich ganz konkret in den letzten beiden Jahren damit begonnen habe, in der Art eines Netzwerkers oder Multiplikators andere Menschen auf geldsystemkritisches und geldreformerisches Gedankengut aufmerksam zu machen. Wie ist also mein bisheriger Weg in die „Geld-Szene“ verlaufen?

Eine eigene Internetseite anzulegen, um dort Texte bereitzustellen, ist heute sehr leicht und kostenlos möglich. Außerdem hatte ich damit bereits Erfahrung. Dieser erste technische Schritt beim Veröffentlichen meiner Ideen gelang mir ohne Mühe. Über mein vergangenes Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit wusste ich bereits von der Impressumspflicht, die es beim Anlegen einer Website zu berücksichtigen gilt. Auch einen Disclaimer konnte ich meinem Internetauftritt hinzufügen. Übrig blieb da noch die Frage nach einer eventuellen Lizenz für meine veröffentlichte Ideensammlung. Von Creative Commons hatte ich bereits gehört. Ich wählte die „CC0-Lizenz“: Jeder darf meinen Text kopieren, verändern und ergänzen, wie er will. Genau das passt für mich. Ich will mit meinem Text ja anderen Menschen dabei helfen, mehr über das Thema Geld zu sprechen und zu schreiben. Da erlaube ich ihnen natürlich, dass sie alle meine Überlegungen uneingeschränkt verwenden dürfen. Meinetwegen auch kommerziell.

Meine Erfahrungen im Gespräch mit anderen Menschen über mein Projekt lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die Leute reagieren emotional auf das Thema Geld. Jeder hat was dazu zu sagen. Ein schönes Erlebnis für mich waren die Reaktionen anderer Kinobesucher auf einen von mir eingebrachten Redebeitrag an einer von attac Würzburg organisierten Diskussionsrunde nach einer Vorführung des Films „System Error“. Ich hatte den Diskussionsteilnehmern erzählt, dass ich an einer Ideensammlung schreibe und an ihren Rückmeldungen interessiert bin. Am gleichen Abend bekam ich von mehr als fünf Menschen ihre E-Mail-Adresse. Eine der Frauen, die ich auf diese Weise kennengelernt habe, las daraufhin meine komplette damals 24-seitige Ausarbeitung, lud mich auf einen Tee ein, zeigte mir die Gemüsegärtnerei, in der sie arbeitet und gab mir sehr wertvolle Verbesserungsvorschläge für meinen Text mit auf den Weg.

Ich denke, der Ernst des Themas ist den meisten Menschen spontan bewusst. Auch wer sich noch nicht großartig mit der Thematik auseinandergesetzt hat, trägt dieses intuitive Gefühl in sich, dass irgendetwas mit dem Geld in unserer Welt nicht stimmt. Oftmals stehen auch prägende Lebenserfahrungen, festgefahrene Überzeugungen und/oder starre Weltbilder in direktem Zusammenhang mit Geld. Die Gespräche über unser Geldsystem waren oftmals ein echter Informationsaustausch. Ich durfte nicht nur erzählen. Ich konnte auch viel lernen.

So erfuhr ich über den Freiraum Würzburg, ein nichtkommerzielles Begegnungszentrum in unserer Innenstadt, von der regionalen Zeitbank, einem Tauschring, dessen Funktionsweise sich nicht wirklich stark von dem unterscheidet, was ich zuvor als eigene Erfindung betrachtet und als „vertrauensbasiertes Geldsystem“ bezeichnet hatte. Auch der Begriff der Schenkökonomie wurde an mich herangetragen und entfachte große Begeisterung in mir.

An einem Vortrag über die Postwachstumsökonomie und das Würzburger Zukunftshaus lernte ich einen jungen Softwareentwickler kennen, der in der deutschsprachigen Geld-Szene gut vernetzt ist und vom Thema Geldsystem vermutlich mehr Ahnung hat als jede andere Person, die mir bisher über den Weg gelaufen ist. Er nahm sich viel Zeit für mich, traf sich mehr als einmal zum Spazierengehen mit mir und machte mich auf Überlegungen aufmerksam, die ich bisher noch nicht angerührt oder zu Ende gedacht hatte.

Auf einer Druckkostenlesung einer von Studenten neu gegründeten kollektiven Literaturzeitschrift bekam ich sogar mehrfach die Möglichkeit, einige meiner Gedanken einem breiten Publikum vorzustellen. Ich scheute mich auch nicht, komplett fremde Menschen auf mein Projekt anzusprechen. Einmal wendete ich mich per E-Mail an einen Professor und Buchautor, dessen Meinungen mir gut gefallen. Von ihm bekam ich die Antwort, dass an unserer Würzburger Universität ein „Forschungsprojekt zur Demokratisierung von Geld und Kredit“ begonnen hat. Dort konnte ich dann an einem Seminar teilnehmen, bei dem ich auf weitere interessante und hilfsbereite Menschen stieß. Ich glaube, unter den Menschen, die sich einmal intensiv mit unserem Geldsystem befassen, gibt es viele, bei denen daraus eine große Begeisterung für tatkräftiges Engagement erwächst. Die Weltverbesserungsmentalität und die höchst konstruktiven Gedanken aus der Geldreformbewegung schwappen sehr leicht auf neue Menschen über.

Zum Abschluss unseres Seminars wurde an diesem Lehrstuhl unserer Universität eine Podiumsdiskussion zur „Finanzierung der Zukunft“ organisiert, an der zwei relativ bekannte Professoren zum Streitgespräch eingeladen waren. Für mich war das eine gute Gelegenheit, andere Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen. Ich fragte in ein paar Geschäften nach, ob ich dort ein Werbeplakat aufhängen dürfte und war erstaunt über die vielen freundlichen und aufgeschlossenen Reaktionen. Schlussendlich lief ich ein paar Tage lang durch die Stadt, weil mir in meiner Begeisterung immer wieder noch ein Laden mehr eingefallen war, bei dem ich noch nachfragen könnte. Insgesamt waren es wohl über 40 Plakate, die ich so an unterschiedlichen Orten aufhängen konnte.

Tatsächlich scheint das Thema „Geldsystem“ meinem Empfinden nach ganz nah am Puls der Zeit zu liegen. Mit wem auch immer ich in den letzten beiden Jahren darüber gesprochen habe, Interesse und Verständnis begegneten mir fast überall. Bei all der Begeisterung und all der Aufgeschlossenheit meiner GesprächspartnerInnen waren doch manche der so entstandenen Diskussionen für mich emotional nicht leicht zu verdauen. Mehr dazu im nächsten Artikel.

Link zu meinem Projekt: https://sites.google.com/site/projektzeitschein
attac: https://www.attac-netzwerk.de/index.php?id=77263
Freiraum Würzburg: https://freiraumwuerzburg.wordpress.com/freiraum-wuerzburg/
Beispiel einer Zeitbank: http://www.spes.de/index.php?id=191
Schenkökonomie: http://www.schenkökonomie.org/buch/
Postwachstumsökonomie: http://www.postwachstumsoekonomie.de/netzwerk
Zukunftshaus: http://www.zukunftshaus-wuerzburg.de/
eine Komplementärwährung im Entstehen: http://credere.eu/
Kollektive Literaturzeitschrift Würzburg: https://literatur-wuerzburg.de/texte/
Forschungsprojekt: https://www.fordemocracy.de/projekte/projekt-03/

Dies ist die Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

Teil 1 findest du HIER

Teil 2 findest du HIER

Teil 4 findest du HIER

Teil 5 findest du HIER

Es wird konkret. Eine Idee reift heran und ich veröffentliche meine Überlegungen.

von Kilian Manger

In den beiden vorangegangenen Artikeln habe ich philosophische Fragen über das Wesen des Geldes in den Raum gestellt und darüber berichtet, welche Abschnitte meines Lebensweges mich zu meinem geldsystemkritischen Engagement geführt haben. In den nächsten Zeilen werde ich beschreiben, welcher innerliche Prozess mich dazu gebracht hat, vom passiven Zuschauer zum aktiv handelnden Multiplikator zu werden, meine eigenen Ideen zu veröffentlichen. Und wie ist es mir dabei ergangen?

Wie im zweiten Teil dieser Artikelserie erwähnt, wurde ich in den ersten Jahren meines Studiums auf unterschiedlichen Wegen in die Richtung einer kritischen Auseinandersetzung mit unserem Finanzsystem gestoßen. Interesse am Thema Geldsystem war bei mir also durchaus vorhanden – neben anderen Interessensschwerpunkten wie Umweltschutz, erneuerbaren Energien, Migrationspolitik, internationaler Verständigung, Glaube und Spiritualität, gesellschaftlichem Wandel oder alltagspraktischem, naturnahem Leben.

Verschoben hat sich mein persönlicher thematischer Schwerpunkt eindeutig und radikal auf den Bereich Geldreform, als mir die Idee eines neuartigen Kommunikationsinstruments kam. Dabei handelt es sich um den gedanklichen Entwurf eines informationstechnologischen Werkzeugs, das unsere Gesellschaft anstelle von Geld verwenden könnte. Meiner Vorstellung nach würde die Arbeits- und Wirtschaftswelt unter Verwendung dieses Werkzeugs noch ähnlich funktionieren wie bisher, mit dem Unterschied, dass die gewaltige und aktuell sogar stark anwachsende Schere zwischen Arm und Reich verschwinden würde und sich hierarchische Strukturen sowie Machtgefälle in betrieblichen Abläufen deutlich reduzieren könnten. Das war für mich so etwas wie eine neue Erfindung, die ich so inspirierend fand, dass ich einfach jedem davon erzählen wollte. Meiner Idee habe ich den Namen „vertrauensbasiertes Geldsystem“ gegeben. Um die philosophische Bedeutung meiner Überlegungen zu präzisieren, habe ich etwas später noch den Begriff des „transparenten Schenkens“ eingeführt, mit dem ich genau den gleichen technischen Mechanismus meine, ihn jedoch von einem anderen Blickwinkel aus beleuchte. Worum es sich bei diesem Koordinationsinstrument im Detail handelt, beschreibe ich in meiner Ideensammlung zum Projekt Zeitschein, auf die ich am Ende dieses Textes verlinke.

Jetzt wurde es für mich also tatsächlich konkret. Ich hatte eine Idee, von der ich glaubte, dass sie die Welt verändern könnte. Verrückter Gedanke. In welche Richtung hätte sich wohl unsere Gesellschaft in den letzten hundert Jahren entwickelt, wenn Albert Einstein seine zur damaligen Zeit sehr weltfremd, schräg und seltsam erscheinenden Überlegungen zur Relativität von Zeit und Raum nicht ernst genommen, sondern verworfen hätte? Wären vielleicht andere Menschen auf ähnliche Ideen gekommen oder hätte die Menschheit dann tatsächlich große Chancen verpasst? Für den technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte waren seine mathematischen und physikalischen Arbeiten von fundamentaler Bedeutung.

Unsere Welt braucht Visionäre, sie braucht Utopien. Echter Fortschritt wäre sonst nicht möglich. Soll mir recht sein, wenn mich der eine oder die andere für verrückt erklärt. Meine Ideen schreibe ich jetzt auf jeden Fall einmal auf. Die könnten irgendwann mal nützlich sein. Und ich erzähle Freunden und Bekannten davon. Ich bin gespannt, welche Rückmeldungen ich bekomme.

Tatsächlich waren die Rückmeldungen sehr positiv. Ich glaube, die Begeisterung in meinen Augen hat mehrfach ihren Teil dazu beigetragen, andere Menschen neugierig zu machen. Oft stieß ich auf leichtes Interesse und wurde darum gebeten, doch zumindest einmal meine bisherigen schriftlichen Ausführungen weiterzuleiten. Manchmal wurde ich dazu ermuntert, doch bitte an meinem Projekt dranzubleiben und auch weiterhin anderen Menschen davon zu erzählen.

Schon oft im Leben hatte ich Ideen, die mich begeistern konnten. Ideen, die ich intuitiv als wertvoll empfand und auf Schmierzetteln notierte. In meinem Wohnzimmer habe ich schon seit längerer Zeit einen ganzen Ordner stehen, in dem ich diese angesammelten Papierfetzen und Überlegungen verstaue. Diese Überlegungen sind für mich etwas sehr Vertrautes und Privates. Man könnte fast sagen „Intimes“. Für mich hat dieser persönliche Ordner einen ähnlichen Charakter wie vielleicht für andere Menschen ein Tagebuch. Ich kann mich erinnern, wie ich einmal – es war zu meiner Schulzeit – nervös wurde, als ein guter Freund diesen Ordner in die Finger bekam. Wie wird er wohl reagieren, wenn er von meinen persönlichen Überlegungen liest? Auch an eine spätere Situation erinnere ich mich, bei der ich einen Teil meiner Notizzettel aus dem Ordner entnommen und im Holzofen verbrannt habe: Die Ideen waren mir peinlich geworden und ich wollte, dass sie niemand zu Gesicht bekommt. Oft war es mit meinen Ideen so, dass sie kurzfristig große Faszination bei mir auslösten, dann aber auch schnell wieder in Vergessenheit gerieten. Bei der Thematik Geldsystem war das ganz und gar anders. Vermutlich, weil es zum Thema Geld wirklich viel Wichtiges zu sagen gibt.

Seit jeher kommen mir meine Gedanken ganz spontan. Beim Fahrradfahren, beim Zahnputzen oder vor dem Einschlafen. Auch meine Überlegungen bei der Auseinandersetzung mit dem Geldsystem und seiner Wirkung auf die Gesellschaft habe ich zunächst auf Schmierzetteln notiert. Erstaunlicherweise hat dieser Fluss an Ideen bisher nicht abgenommen. Ständig kommen Ideen hinzu. Meine Zettel-Sammlung wurde also immer größer, sodass ich damit begann, diese thematisch zu ordnen.

Außerdem gewann meine Theorie an Komplexität: Da ist es bei einer Sammlung aus großen und kleinen abgehefteten Zetteln gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. In einem elektronischen Textdokument ist es dagegen viel einfacher, auch nachträglich noch in eine bereits geschriebene Textpassage weitere Zeilen einzufügen.

Weil sich immer wieder Leute für meine Ausführungen interessierten und die Weitergabe von Informationen über das Internet sehr einfach ist, begann ich also, meine Ideen auf den Computer zu übertragen. Mir kommen auch heute noch ständig neue Ideen, die ich dann stichpunktartig elektronisch notiere. Ein Teil meiner Notizen sind eigene Überlegungen. Bei einem weiteren Teil handelt es sich um Internetseiten und Videointerviews, teilweise von ähnlich kleinen Projekten einzelner Blogger oder von Hobby-Kameraleuten, teilweise von großen Netzwerken, die jährlich Kongresse für Geldreformideen organisieren. Auch die Auswahl an Buchempfehlungen, die ich in meine Sammlung aufnehmen möchte, wird immer größer. Meine ungeordnete Sammlung aus Notizen und Stichpunkten ist aktuell etwa doppelt so lang wie das bisher von mir im Internet veröffentlichte Dokument.

Mir war schnell klar, dass es sich bei meinem neuen Hobby, der Beschäftigung mit alternativen Geldsystemen, um ein langfristiges Projekt handeln wird. Wenn ich mir wirklich vornehme, möglichst vielen gesellschaftspolitisch engagierten Menschen von meinen Vorstellungen und Ideen zu erzählen, dann liegt ein weiter Weg vor mir und ich habe einiges zu tun. Ich spürte bei meiner Recherche im Internet und im Gespräch mit verschiedenen Menschen sehr schnell, dass ich beim Geldsystem auf ein spannendes und hochgradig komplexes Themenfeld gestoßen bin, mit dem ich mich bei Weitem noch nicht auskenne und bei dem ich noch sehr viel lernen kann. Der Gedanke, einen Teil meiner Lebenszeit für dieses Projekt herzuschenken, löste ein gutes Gefühl in meinem Bauch aus.

Mit dem Plan, noch viele unterschiedliche Menschen und Organisationen kontaktieren zu wollen, legte ich auf meinem Laptop eine Datenbank an, die ich dafür nutzen könnte, jeglichen E-Mail-Verkehr in Sachen „Geldsystemkritik“ zu speichern und zu sortieren.

Die Entscheidung war also gefallen. Jetzt geht es so richtig los. Ich starte in ein für mich neuartiges Abenteuer gesellschaftspolitischer Bildungs-, Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit. Weiteres dazu im nächsten Artikel.

Link zu meinem Projekt: https://sites.google.com/site/projektzeitschein
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Video zur Vermögensverteilung in Deutschland

[Bild von Colin Behrens auf Pixabay]