Dies ist eine Fortsetzung einer mehrteiligen Artikelserie.

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Wie ich dazu gekommen bin, mein Projekt Zeitschein zu starten.

von Kilian Manger

Im letzten Artikel habe ich philosophische Fragen aufgeworfen, die sich mit Geldreformideen befassen, und von meinem Projekt Zeitschein erzählt. Heute berichte ich euch, wie ich auf diese Idee gekommen bin, eigene Gedanken über ein alternatives Geldsystem ins Internet zu stellen.

Mit der Geschichte möchte ich ganz vorne anfangen. Im Kindesalter habe ich als Sternsinger dabei mitgeholfen, Geldspenden für das Kindermissionswerk zu sammeln. Meine Oma hat mir vom zweiten Weltkrieg erzählt. Werbeplakate, beispielsweise von „Brot für die Welt“, haben mich immer wieder daran erinnert, dass es auch heute viele Menschen gibt, denen es nicht so gut geht wie mir. Die Not anderer Menschen und der Weltfrieden liegen mir, seit ich mich erinnern kann, sehr am Herzen.

Mein Lehramtsstudium habe ich vor einiger Zeit für fünf Monate pausiert, um einen vom Bundesministerium geförderten Freiwilligendienst an einer Schule in Kosovo zu absolvieren. Eingebettet war dieser Auslandsaufenthalt in ein sehr gutes, von der Jesuitenmission getragenes Bildungs- und Vorbereitungsprogramm, für das ich sehr dankbar bin. Diese Zeit hat mich geprägt und meinen Blick auf die Weltpolitik verändert. Mein anfänglicher Gedanke „Naja, wenn es irgendwo Menschen schlecht geht, dann fährt man halt dort hin und hilft den Leuten“ wurde um die Einsicht ergänzt, dass – allen Hilfsprogrammen voran – gesellschaftlich intensiv daran gearbeitet werden muss, die strukturellen Ursachen von Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Auf diesem Weg und auch durch ein paar weitere Impulse während meiner Studienzeit wurde mir immer klarer: Politik, unser Wirtschaftssystem und ganz besonders die tiefste Wurzel allen Übels – die Architektur des Weltfinanzsystems – sind ursächlich an der Entstehung von Nöten, Gewalt und schließlich Kriegen schuld.

Das ist also die Motivation für mein Engagement: Idealismus, politischer Aktivismus, Glaube an das Gute im Menschen, Hoffnung auf eine bessere Welt sowie dieses beißende Gefühl im Bauch, dass ich doch selbst einen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Veränderung leisten will.

Neben dem Freiwilligendienst gab es da noch ein Praktikum in einem hessischen Waldgartendorf, das mich ganz wesentlich dahingehend beeinflusst hat, mich näher mit alternativen Geldsystementwürfen zu befassen. Eigentlich wollte ich lernen, wie man Bauwerke aus lebendem Gehölz errichtet – daraus ist tatsächlich eines meiner mittlerweile größten Hobbys entstanden. Kennengelernt habe ich bei dieser Arbeit im Waldgartendorf dann allerdings einen interessanten und kreativen Menschen, dessen politische Ansichten mir neue Denkanstöße mit auf den Weg gaben. Im Hinterkopf hängengeblieben sind Permakultur als Idee eines Lebensentwurfs fernab beruflicher Zwänge; ein kritischer Blick auf Medien und Informationsbeschaffung; eine für mich neuen Sichtweise auf den Staat und dessen Behördenstrukturen sowie das Konzept eines neuartigen Geldsystems.

Es war die Idee, dass Menschen selbst – ganz dezentral – ihr eigenes Geld selbst erzeugen könnten und dass es dafür doch eigentlich gar keine Banken und Staaten braucht: Einfach Papierscheine selbst gestalten. Und statt einer Geldeinheit kann genauso auch die notwendige Arbeitszeit als Maß für den Wert einer Tätigkeit festgelegt werden. Die Überlegungen haben mich stark bewegt, aber irgendwie war ich noch nicht so richtig davon überzeugt, wie sich solche alternativen Geldsysteme praktikabel umsetzen lassen.

Ein weiterer Schritt auf meiner Reise Richtung Geldreformgedanken war die intellektuelle Auseinandersetzung mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Eine Bekannte hatte mir davon erzählt, dass sie ihre Bachelorarbeit in Psychologie über das bedingungslose Grundeinkommen schreibt. Als ich das hörte, war ich verwundert. In meinem Kopf hatte ich das Thema Geld irgendwo im Bereich Wirtschaft eingeordnet. Diese Assoziation ist wohl nicht ganz verkehrt, dennoch aber keinesfalls umfassend und ganzheitlich genug, um dem großen Thema Geld gerecht zu werden. Heute bin ich mir nicht sicher, ob mir überhaupt eine einzige wissenschaftliche Disziplin einfallen würde, die für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Geld vollständig irrelevant ist. Die Psychologie ist meiner aktuellen Meinung nach wohl eines der wichtigsten akademischen Werkzeuge, die unsere Gesellschaft zur Verfügung hat, um die Frage zu beantworten, wie ein möglichst gutes Geldsystem konstruiert sein sollte. Der Gedankenanstoß, die Thematik Geldsystem aus psychologischem Blickwinkel zu betrachten, weckte bei mir, im Nachhinein betrachtet, tatsächlich viele neue Ideen.

Anfangs stand ich der Idee vom bedingungslosen Grundeinkommen eher misstrauisch gegenüber. Mir gingen damals in Bezug auf ein existenzsicherndes Grundeinkommen sehr oberflächliche und kurzsichtige Gedanken durch den Kopf: „Wenn man den Leuten genug Geld gibt, dann arbeitet doch bestimmt niemand mehr“ oder „Woher all das Geld nehmen?“ Selbst habe ich in Kindheit, Jugend und auch jetzt noch im Studium immer alles, was ich zum Leben gebraucht habe, von meinen Eltern und von unserem Staat geschenkt bekommen. Trotzdem – oder vielleicht auch gerade deshalb – kann ich stolz von mir behaupten, dass ich als Schüler, in der kirchlichen Jugendarbeit sowie beim Engagement in Vereinen immer sehr fleißig gewesen bin. Es braucht also keine finanziellen Existenzängste, um einen Menschen dazu zu motivieren, sinnvoll tätig zu sein. Im Gegenteil, solche Ängste lähmen, verursachen Zwänge und hindern Menschen vor allem daran, das Richtige im Leben zu tun. Darüber hatte ich, als ich zum ersten Mal vom bedingungslosen Grundeinkommen hörte, noch nicht so wirklich nachgedacht. Auch mit der Frage, woher unser gesetzliches Zahlungsmittel eigentlich kommt, wie es entsteht und wie sich in den letzten Jahrzehnten die Gesamtmenge an vorhandenem Geld massiv erhöht hat, hatte ich mich damals noch nicht beschäftigt.

Jetzt beim Schreiben dieser Zeilen muss ich etwas schmunzeln, wenn ich über den Grund nachdenke, warum trotz aller anfänglichen Skepsis mein Interesse am bedingungslosen Grundeinkommen so stark gewachsen ist: Ich wollte mich einfach wieder mit dieser hübschen Frau treffen und Zeit mit ihr verbringen. Um nicht komplett ahnungslos ins Gespräch einzusteigen, habe ich mich nach Informationen und Artikeln zum Thema Grundeinkommen umgeschaut, sodass ich zumindest die gängigen Argumente kannte. Was psychologische Grundlagen zum Thema Geld und Berufswelt angeht, habe ich von meiner Bekannten tatsächlich einiges lernen können. Die Auseinandersetzung mit der Idee des Grundeinkommens halte ich bei meinem jetzigen Kenntnisstand für einen sehr wichtigen Teilbereich im gesellschaftlichen Aufklärungsprojekt über Geld, die damit verbundenen Probleme und mögliche Lösungswege. In meiner Ideensammlung habe ich auf informative Internetseiten und spannende Videointerviews von Verfechtern der Vision eines bedingungslosen Grundeinkommens verlinkt. Dort werden die oben angedeuteten psychologischen, weitsichtigen und tiefsinnigen Gedanken genauer erläutert.

So viele Menschen, so viele Eindrücke. … und ja. Im nächsten Artikel geht es weiter.

Link zu meinem Projekt: https://sites.google.com/site/projektzeitschein
Ideenwerkstatt mit Bildungsmaterialien zum Thema Geldsystem: https://bildung.vonmorgen.org/geld
Kindermissionswerk: https://www.sternsinger.de
Zweiter Weltkrieg: https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/der-zweite-weltkrieg
Brot für die Welt: https://www.brot-fuer-die-welt.de
Freiwilligendienst der Jesuitenmission: https://www.jesuit-volunteers.org
Naturbauten aus lebendem Gehölz: https://www.naturbauten.org
alternatives Zahlungsmittel: http://minutocash.org
online-Vorlesungen: https://www.va-bne.de/index.php/de/veranstaltungen/9-weltfinanzsystem-und-nachhaltigkeit

[Bild von Bob Dmyt auf Pixabay]

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