Beiträge

Zu den unverzichtbaren Grundlagen menschlicher Dummheit, Feindseligkeit, Eifersucht, Gier und von Gewalt gehört die blinde Identifikation mit dem Ich. Sie ist die am schwersten überwindbare Blockade auf dem Weg zu einem „guten Leben für alle“. Einen gleichermaßen kostbaren wie köstlichen Beitrag dazu hat Wolf Schneider verfasst (danke für die Genehmigung der Übernahme):

Ich und das andere

Wenn ich so dahingehe, durchs Haus oder eine Straße lang, was beschäftigt mich da? Ich beobachte mein Bewusstsein. Ich verfolge, worauf es sich richtet. Wohin es schweift, wo es hängenbleibt und wann es ein Objekt wieder loslässt. Wie es sich einnistet, wenn ich an einem Objekt bleiben will oder dies zulasse. Dort verweile ich dann. Erstaunlich, wie leicht »ich« steuern kann, wo »ich« verweile. »Ich bin das dann«, kommt mir als dies beschreibender Satz in den Sinn, wenn ich diesen Vorgang denn benennen muss.

Da die Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ in mir sowieso fast beliebig fluktuiert, kann ich sie ebenso gut zu dem hin fluktuieren lassen, was ich gerade wahrnehme. Weiterlesen

Flasche statt Mama

Mutterliebe bzw. die Liebe und Zuwendung einer Bezugsperson stellt zweifellos eine Säule unserer Liebesfähigkeit dar. An die zweite „Säule“ denken wir nur selten. Nicht einmal in der Wandelbewegung.

Liebe auf dem Mutterplaneten

Wir werden also geboren. Neun Monate wurden unsere Sinne optimiert und unser Gehirn ist voller Erwartung auf die Fülle des Neuen, das ihm nach dem „Planeten Mutter“ seit Jahrtausenden auf dem „Planeten Erde“ geboten wird. Und da sind sie: die zärtlichen Stimmen meiner Mutter, meines Vaters, meiner Großmutter, meines Großvaters, meiner Verwandten, meines Stammes. Sie alle nehmen mich in den Arm, liebkosen mich, geben wir die erste Sicherheit, gut und richtig angekommen zu sein, nicht den Planeten verfehlt zu haben. Und in Augenblicken der Stille höre ich den Bach rauschen, den Wind in den Bäumen flüstern, das Kochgeschirr aus der Küche, den Atem meiner Mutter, die mich auf ihrem Rücken trägt, das aufgeregte Fiepen und Bellen der Hunde; Vögel zwitschern und Schmetterlinge und Sonnenstrahlen tanzen auf meiner Haut. Und immer wieder und wieder der Urquell meiner Lust: die Brust meiner Mutter.

Fachleute statt Liebe

Wir merken schon: An dieser Schilderung stimt etwas nicht. Weiterlesen

Wahrheit heißt: in den inneren Spiegel blicken.

Wahrheit ist so eine Sache. Allemal ist sie weit mehr als das Gegenteil von Lüge. Wahrheit muss man ertragen können, und damit meine ich nicht „von anderen“, sondern vor sich selbst. Im inneren Spiegel wird so manche Fratze sichtbar, vor der zumindest ich gerne die Augen verschließe. Beispielsweise ist da der „faule Hund“, der lieber ins Auto steigt als aufs Fahrrad, auch dann, wenn die Zeitknappheit (meine beliebteste Ausrede) es zuließe. Und der Große Wandel, finde ich, kann auch nicht so recht vorankommen, solange ich weiter gemütlich auf dem Teppich rumlaufe, unter den ich so viele Wahrheiten geschoben habe. Bei so vielen Bodenunebenheiten ist es schwer, aufrecht zu gehen. Wahrheit braucht also Mut, und der gehört nicht zu unseren Lerninhalten.

Peter Zettels Blogbeitrag zu dem Thema kam mir gerade recht:

Heilig? Ein absurdes Wort aus dem Sakralraum? Na ja, wir kennen die Scheinheiligen, vielleicht auch die Säulenheiligen, aber heilig, Heilige? Das gibt’s doch nur in der katholischen Kirche, oder? Und die Protestanten haben das Brimborium ganz abgeschafft!

Heiliger Zauber

Gehen wir mal an die Wurzel: das Wörtchen „heilig“. Gerne wird es mit dem Wort „heilen“ in Verbindung gebracht, was auch stimmt. Heilig ist etwas rundum Gesundes, Gerettetes, Heiles. Vermutlich leitet sich das Wort aus dem germanischen Substantiv „haila“ ab, was Zauber, günstiges Vorzeichen, Glück bedeutete. Darüber lässt sich lange spekulieren. Nur eins ist klar: Das Wort gab es lange vor dem Christentum in einer positiven Bedeutung. Weiterlesen

Die Komfortzone als Nest und Gefängnis

von Wolf Schneider

Spirituelle Ratgeber neigen dazu, zwei einander fundamental entgegengesetzte Empfehlungen zu geben. Einerseits sagen sie: »Akzeptiere dich so wie du bist! Es ist, wie es ist!« Dies hinzunehmen sei die Essenz von Weisheit, Hingabe, Gnade – Gracias a la vida que me ha dado tanto. Diese Dankbarkeit gegenüber dem Leben sei die wahre Spiritualität. Andererseits behaupten sie, dass es auf dem spirituellen Weg vor allem darum gehe, die eigene Komfortzone zu verlassen, in der wir uns doch nur um uns selbst drehen, um unsere Gedanken- und Verhaltensmuster, das Ego, das gesellschaftlich Akzeptierte, das uns gefangen hält, weil wir nicht den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und zu unserer Einzigartigkeit zu stehen. Weiterlesen