Viele von Euch werden den Namen Joana Macy kennen, aber viele eben auch nicht (mehr zu ihr unter https://en.wikipedia.org/wiki/Joanna_Macy). In Deutschland verbinden wir sie vor allem mit dem Begriff Tiefenökologie. Dessen Wesensgehalt ist das tiefere Verständnis der Tatsache, dass wir nicht in einer Umwelt, sondern einer Mitwelt leben. In unserer – noch bis vor kurzem geltenden – „mittelalterlichen“ Naturanschauung stand der Mensch im Zentrum und die Welt (und somit auch die Natur) drehte sich „um“ ihn, die „Umwelt“ eben. Und an der durfte er sich grenzenlos bedienen, als sei sie nur für sein unersättliches Ego erschaffen worden.

Neue kopernikanische Wende

Mit zunehmendem Bewusstsein über die tiefen Zusammenhänge und Wechselwirkungen in der Natur wird deutlich, dass unsere Zivilisation eine neue kopernikanische Wende braucht. In deren Verlauf werden wir hoffentlich begreifen, dass die Welt und wir untrennbar und in Wechselwirkung miteinander verbunden sind, körperlich, geistig, seelisch. Auf eine tiefe und unergründbare Weise, eben tiefenökologisch. Dem müssen wir uns unausweichlich stellen, wenn es eine lebenswerte Zukunft geben soll.

So mancher wird spätestens jetzt sagen: „Weiß ich schon.“ Doch was wie eine einfache Idee daherkommt, entpuppt sich bei näherem Hinschauen als eine verflixte Angelegenheit. Wir alle sind im Haben-Modus aufgewachsen, sind von Geburt an mit einer Konsum-, Verbrauchs- und Wegwerfgesellschaft groß geworden, die so tut, als wäre die Welt unaufbrauchbar. Wir erliegen allesamt der Illusion, dass wir etwas besitzen, also dauerhaft „haben“ können, Grund und Boden zum Beispiel. Doch wir sind nur Verwalter auf Zeit. Wir „haben“ nicht einmal unseren eigenen Körper – was uns spätestens bei der nächsten Erkältung klar wird, und noch viel weniger unseren Geist – was einem spätestens nach den ersten Meditationsversuchen wie Schuppen von den Augen fällt.

Unser gesamtes Zivilisationsmodell hat ausgedient. Es führt die Menschheit und die Natur in den Ruin. Es ist DIE Aufgabe der Gegenwart, das zu verhindern, unseren Kindern und den nächsten Generationen zuliebe. Eine GROSSE Aufgabe. Joana Macy wählte dafür den Begriff „the great turning“, der „Große Wandel“. Er steht an, auf allen Ebenen: zwischenmenschlich, mitweltlich, sozial, ökonomisch und politisch.

Und jeder kann seinen Teil beitragen

Es hat sich in manchen Kreisen herumgesprochen, dass der Wandel ein großer sein muss. Auch in solchen, von denen man es nicht vermuten mag. Immer mehr kommen zu dieser „tiefenökologischen“ Einsicht. Doch die Radikalität und Tragweite des notwendigen Wandels und der dafür notwendigen Prozesse ist nur wenigen bewusst – und das kann durchaus Angst machen. Wollen wir wirklich diesen Großen Wandel, bedeutet das: Wir, jeder einzelne, müssen an uns arbeiten, uns wandelfähig machen und uns wandeln, jeden Tag. Auch das ist Wandel-Arbeit.

Und dennoch (oder vielleicht trotzdem) wächst die Zahl der Furchtlosen, die von Hoffnung getragen sind: Allerorten wird gesonnen, gewerkelt, gebaut, erfunden, experimentiert. Zum degrowth-Kongress in Leipzig vor zwei Jahren kamen 3000 Besucher. Doch dieses „allerorten“ besteht aus vielen Rinnsalen, von denen allenfalls eine kleine persönliche Umgebung erfährt. Es ist Zeit, dass diese Bächlein und Bäche zusammenfließen, sich gegenseitig verstärken. Und dass wir, jeder einzelne von uns, wenigstens ein bisschen dazu beiträgt. Die Botschaft weitererzählen, Links weiterleiten, mithelfen, so gut sie oder er kann.

Wir selbst, ein (noch) kleiner Kreis, bauen an der Plattform ökoligenta.de. Dort geht es genau darum: kundzutun, dass am Großen Wandel gearbeitet wird. Dass er nicht nur so rasch wie möglich kommen muss, sondern bereits auf vollen Touren im Gange ist. Wenn Du willst, kannst Du dabei sein. Jede Minute zählt.

Alander Baltosée und Bobby Langer