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Anstelle eines Kommentars:

Das klingt alles ein bisschen wie “kann nicht wahr sein”. Dr. Ha Vinh Tho erzählt davon, wie er in Bhutan Glücksminister wurde und was das konkret bedeutet hat, zum Beispiel, wie sein 1. Arbeitstag aussah. Das 26-minütige, deutschsprachige Interview mit dem heute in der Schweiz lebenden Halbvietnamesen ist sehr inspirierend. Let’s do it!!!

von Elisabeth Voss

Die Bertelsmann-Stiftung führt gemeinsam mit den Vereinten Nationen ein Projekt „Sustainable Development Goals Index“ durch […] Ausgerechnet diese Konzernstiftung, die mit ihrer fast religiösen Ideologie von schlankem Staat und Privatisierungen den neoliberalen Gesellschaftsumbau befürwortet … Weiterlesen

“Ich liebe Kinder. Es gibt kaum etwas Schöneres, als von einem Kind angelacht zu werden und dabei in seine Augen zu schauen, die verzaubern. Der fröhliche Gesichtsausdruck, sobald Kinder sich wohl fühlen, erinnert mich jedes Mal aufs Neue daran, mit welch wunderbarer Natur wir Menschen ausgestattet sind.
Kinder und Jugendliche sollten „der Spiegel“ einer aufrichtigen, menschlichen Gemeinschaft sein. Damit sie genau dazu heranwachsen, brauchen sie wahrhaftige Vorbilder, die ihnen jeden Tag aufs Neue wahre Menschlichkeit vorleben.
Kinder bedeuten Hoffnung und Leben!
Durch sie haben wir die Chance, Wahrheit als wichtigen Inhalt des Daseins zu begreifen. Dieses besondere Gut müssen wir den Kindern lassen, sodass sie mit zunehmender Reife die Wahrheit in die Welt hinaustragen – im Sinne einer gerechten und deutlich menschlicheren Zukunft.”

Aus dem Buch “Zukunft braucht Courage” von Michael Johanni

Warum wir fünf vor 12 beschwören müssen, obwohl es längst fünf nach zwölf ist.

Erstmals seit 66 Jahren gehe ich hoffnungslos in ein Jahr. Und das wird auch so bleiben, allenfalls wird es Steigerungsstufen der Hoffnungslosigkeit geben. Da Hoffnungslosigkeit nun mal politisch inkorrekt ist, sie mir aber als die einzige sachlich angemessene Einschätzung der Wirklichkeit erscheint, möchte ich ihre Hintergründe erläutern.

Enttäuschte Liebe

Die erste große Enttäuschung in der Liebe hat aus uns einen anderen gemacht. Oh ja, wir können auch danach noch lieben, vielleicht sogar noch stärker, und gewiss sogar mit größerer Weit- und Nachsicht, doch die weiche, warme, rundum glühende Zuversicht, mit der geliebten Person werde alles und für immer gut sein, ist nach der ersten großen Liebe vorüber.

Wir haben die Moderne und ihre Versprechen geliebt, ihre Freiheit, ihren Luxus, ihre globale Aussicht auf Erfüllung und Sicherheit. Die Klimakrise und die Dominoreihe der damit verbundenen Einsichten haben uns den Glauben an das Projekt der Moderne endgültig geraubt.

Zuverlässige Vergeblichkeit

Noch 2018 hielt wir uns für Realisten, aufgeklärt, nüchtern und weltzugewandt. Wir waren gesellschaftskritisch, regierungskritisch, kapitalismuskritisch, industrialisierungskritisch, religionskritisch. Bis sich ein Mädchen vor das schwedische Parlament setzte und ohne Wenn und Aber die Einlösung der Pariser Klimavereinbarungen forderte. Nichts weiter. Vielleicht haben wir damals ein wenig gespöttelt. Doch was wir vielleicht als gutgemeinte „Verirrung eines Teenagers“ abtaten, entpuppte sich als gesamtgesellschaftlicher Weckruf.

Was ist seither geschehen? Zig Tausende von Wissenschaftlern haben sich hinter Gretas Thesen gestellt – darunter auch ProfessorInnen von Weltruf. Wir wissen das. Und ahnen doch die zuverlässige Vergeblichkeit ihrer wissenschaftlichen Forderungen.

Ans hohe Ross gebunden

Wie könnte es auch anders sein? Letztlich handelt es sich um den Ruf, das Ruder der westlichen Industriegesellschaft herumzureißen und den rasenden Elefanten zu zähmen, bevor er endgültig alles Geschirr zerschlägt. Es geht nicht mehr nur um einen Paradigmenwechsel*, sondern um einen Ontologie-Wechsel**. Doch schon ersterer ist zu viel verlangt. Zuoberst müssten wir nämlich vom hohen Ross des weißen Mannes herabsteigen, um

  • auf indigenen Schulen zu studieren, wie sich eine ausbeuterische Ökonomie in eine Kreislaufwirtschaft verwandeln ließe;
  • zu lernen, wie wir die vielbeschworene Menschwürde in Alltagshandeln übersetzen: gegenüber Arbeitern, gegenüber Chefs, gegenüber den Alten, den körperlich, geistig und psychisch Kranken, gegenüber all denen, die durch die Raster unseres Sozial- und Rechtssystems fallen, gegenüber allen Minderheiten, Hilflosen und Verlassenen, ja gegenüber ganzen Entwicklungsländern. Mit einem Wort, wie wir die hehre Theorie der Menschenwürde so sehr in eine täglich geübte Praxis der Solidarität verwandeln, dass ein SPDler einem CDU-Abgeordneten applaudieren könnte, ohne das Gesicht zu verlieren, und umgekehrt;
  • die Priorität des Gewinns und der Monetarisierbarkeit gesellschaftlich relevanten Handelns durch die Priorität der Nachhaltigkeit auf allen Gebieten zu ersetzen: ökologisch, ökonomisch, sozial;
  • unsere selbstverständlich gewordenen Zivilisationsstandards in Frage zu stellen: unsere Mobilität, unsere allzeitige Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Konsumgütern, den medizinischen Luxus, unsere Raumbedarf, den unbegrenzten Vorrat an Energie;
  • den Naturgütern Erde und Wasser als Subjekten gegenüberzutreten, ihnen also ihre Würde zurückzugeben, indem wir sie weder besitzen noch missbrauchen dürfen;
  • Eigentum als die psychische und mentale Grundlage unseres Strebens und Trachtens in Frage zu stellen; denn Eigentum impliziert die mehr oder weniger beliebige Verfügbarkeit über das Besessene, auch wenn es sich dabei um meine Frau, meine Kinder oder jedwede Natur handelt.

Auch nur einen einzigen dieser sechs ineinandergreifenden Aspekte in absehbarer Zeit, also z.B. innerhalb von 30 Jahren, umzusetzen, erscheint mir als ein Ding der Unmöglichkeit und würde einen gesellschaftlichen Diskurs erfordern, wie es ihn noch nicht gegeben hat. Und voraussichtlich nicht geben wird. Technische Maßnahmen und ein paar Verordnungen und Gesetzesänderungen – gar nur auf nationaler Ebene – werden ein Schrei gegen den Sturm bleiben, der über uns hereinbricht.

Sogar die Geliebten sind weg

Nun gleichen wir enttäuschten Liebende, denen nicht nur die Liebe, sondern obendrein die Geliebten abhandenkamen. Wir glaubten, eine Geliebte namens Parteiendemokratie könne die gute Zukunft richten, eine Geliebte namens soziale Marktwirtschaft, namens Bildungssystem, namens Sozialsystem, namens Innovationskraft oder namens Technologie. In seinem Buch “Die unbewohnbare Erde” fasst der New Yorker Journalist David Wallace-Wells die Situation so zusammen: “Es ist schlimmer, viel schlimmer, als Sie glauben.” Letztlich spielt es nämlich keine Rolle, ob bis zum Zusammenbruch der zivilisatorischen Systeme noch zehn oder 50 Jahre vergehen. The Great Turning wird keiner dieser Geliebten zustande bringen.

Warum? Weil wir diesen Großen Wandel letztlich nicht wollen. Weil wir zu der erforderlichen Großen Solidarität, einer vollumfänglichen Natursolidarität, nicht bereit sind. Sie ginge weit darüber hinaus, einem Bettler ein paar Euro in den Hut zu werfen – was uns meist schon überfordert – oder sorgsam zu Hause unsere Blumen zu gießen. Mit einem Heer von Uneinsichtigen und Unwilligen lässt sich kein Großer Wandel bewerkstelligen. Erst wenn wir nicht mehr – offen oder insgeheim – herablassend schmunzeln, wenn Indigene die Tiere als ihre Geschwister bezeichnen oder ganz selbstverständlich von „Mutter Erde“ sprechen; erst wenn wir menschliche Wärme, Nähe und Zuverlässigkeit höher schätzen als alle Güter dieser Erde; erst wenn wir uns als Teil eines großen Ganzen verstehen, werden wir eine Chance haben. Sie wird unsere einzige sein. Sie IST unsere einzige.

Mit Zweckhoffnung in die Graustufen

Es ist längst fünf nach zwölf. Darf ich also Hoffnung haben? Oder ist Hoffnungslosigkeit die angemessene Haltung? Vielleicht ist es aber die Zweckhoffnung? Wenn es Zweckoptimismus gibt, warum dann nicht auch Zweckhoffnung? Nach dem einen oder anderen Liebeskummer erhielt ich den Hinweis: „Der liebe Gott hat noch mehr schöne Mädchen gemacht.“ Auch wenn es schon halb eins sein sollte, so wird doch der Wandel zum Schlechten und Schlimmen nicht plötzlich kommen, sondern sich so einschleichen wie die Wetterextreme der letzten Jahre. Die fielen uns anfangs ja auch nicht auf. Es wird also auf das Weiß des Status Quo nicht gleich eine schwarze Zukunft folgen, sondern manche Stufen von Grau. Wenn die vielen Geliebten uns verlassen haben, können wir uns immer noch eine/n neue/n suchen – und handeln, als sei es noch fünf vor zwölf. Das ist das einzige, was uns übrigbleibt: Wir haben zwar keine Chance, aber wir nutzen sie.

*Paradigma: Denkmuster, das die Weltsicht einer Zeit prägt
** Ontologie: die Lehre vom Sein

[Bild von Pexels auf Pixabay]

von Michael Johanni

Vielerorts besteht in Menschen Verwirrung.
Sich wiederholende Gedanken lassen uns an der Menschheit,
auch an uns selbst zweifeln.

Wem kann ich noch glauben?
Alles dreht sich doch nur ums Geld.
Wo gibt es noch Menschlichkeit?
Was wird in der Zukunft auf mich zukommen? Weiterlesen

… so heißt Alanders Text über die (scheinbare) Vergeblichkeit, einen grundlegenden Wandel für eine bessere Zukunft zustande zu bringen. Ich kenne diese Trauer sehr gut und sie verstärkt sich, weil gerade so viel Hoffnung in der Welt ist. Wie die “Traurigkeit” entsteht und was wir gegen ihre Ursachen tun können, davon handelt Alanders Beitrag in “Die Posie des Wandels”.

Mit diesem Zitat beginnt Mario Sedlak seinen “Beitrag über Sachargumente contra Gefühlsargumente”.
Warum wir das augerechnet auf ökoligenta empfehlen?

Ganz einfach: Weil ein Paradigmenwechsel ansteht. Nur wenn wir uns ziemlich rasch mental darauf einstellen, dass wir “anders” leben müssen, sprich zukunftsfähig/enkeltauglich/mitweltverträglich, bekommt der düstere Zukunftshorizont einen kleinen rosa Schimmer. Und um uns mental umzustellen, sollten wir erstmal die Fakten zur Kenntnis nehmen. In unseren Reihen meinen nämlich noch immer viele, dass es wohl so schlimm nicht kommen könne. Das ist zwar psychologisch verständlich – wer gibt schon gerne seine existenzielle Gemütlichkeit auf -, entspricht aber eben nicht den Tatsachen. Und die sind nun mal nicht stimmungsaufhellend (siehe Überschrift).

HIER also zu Marios Blogbeitrag …

[Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay]

Dies ist DIE Stunde

„Man hat euch gesagt, es wäre fünf vor zwölf.

Nun geht zurück und sagt den Menschen, dass dies die Stunde ist!

Es gibt einiges zu überdenken:

Wo lebst du?

Was tust du?

Welcher Art sind deine Beziehungen?

Bist du in der richtigen Beziehung?

Wo ist dein Wasser?

Kenne deinen Garten!

Es ist Zeit, deine Wahrheit auszusprechen.

Erschaffe deine Gemeinschaft.

Sei gut zu dir selbst.

Und suche nicht im Außen nach einem Führer.

Dies könnte eine gute Zeit werden!

Es gibt einen Fluss, der sehr schnell fließt.

Er ist so groß und schnell, dass es Menschen gibt, die Angst davor haben.

Sie werden sich am Ufer festhalten.

Sie werden das Gefühl haben, zerrissen zu werden und sehr leiden.

Du sollst wissen, dass der Fluss sein Ziel hat.

Die Ältesten sagen, dass wir das Ufer loslassen müssen,

uns abstoßen und in die Mitte des Flusses schwimmen,

unsere Augen offenhalten

und unsere Köpfe über Wasser.

Dann schau, wer bei dir ist und mit dir feiert.

In dieser Zeit jetzt dürfen wir nichts persönlich nehmen,

am allerwenigsten uns selbst.

Denn sobald wir das tun,

stoppt unser spirituelles Wachstum.

Die Zeit des einsamen Wolfs ist vorüber.

Versammelt euch!
Verbannt das Wort Kampf aus eurer Geisteshaltung und aus eurem Vokabular.
Alles was wir jetzt tun, muss auf heilige Art und Weise getan und zelebriert werden.
Wir sind diejenigen, auf die wir gewartet haben.“

Die Ältesten, Oraibi, Arizona Hopi Nation

[Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Girl_in_the_Hopi_Reservation.JPG]

Was lese ich als nächstes? Die Frage beantwortet Asra auf ihrem Blog mit einer Empfehlung der Social Fantasy „Frau am Abgrund der Zeit“: Connie, die Hauptperson des Romans, versucht, in den Slums von New York zu überleben. Ihre natürliche Hilfsbereitschaft wird ihr zum Verhängnis, als sie beim Versuch, ihre Nichte vor deren Zuhälter zu beschützen, verprügelt wird und in der Psychiatrie landet. Was sie dort erlebt, ist grauenhaft. Ein Lichtblick in ihrem Elend sind die virtuellen Besuche von Luciente. Die nimmt sie immer wieder mit in die Zukunft, ins Jahr 2137. Dort erlebt sie dörfliches Leben (große Städte haben sich nicht bewährt), ökologische Selbstversorgung mit Lebensmitteln, Energie und allen Bereichen des täglichen Lebens sowie eine hohe Wertschätzung für Schönheit in allen Dingen. Sie erlebt wohlwollende Gemeinschaft und – besonders interessant: freie Liebesbeziehungen und ein offenes Genderkonzept. Das Personalpronomen für alle ist „per“. Mutterschaft ist eine begehrte Aufgabe und betrifft alle.