Was kann ich nur tun?

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Was können wir tun, damit es vorwärts geht mit der Welt? Zunächst einmal: Das weiß ich nicht. Es kann keine zuverlässige Handlungsempfehlung für den einzelnen geben. Niemand hat dieses Wissen und diese Weitsicht. Für 7,5 Mrd. Menschen aus unüberschaubar vielen Kulturen und biographischen Zusammenhängen kann unmöglich das Gleiche richtig sein. Und doch scheint mir eines unverzichtbar: Mich Tag für neu und immer und immer wieder – mit einer geradezu blödsinnigen Hartnäckigkeit – fragen: Ist das, was ich als nächstes tue, gut für die Erde? Denn meine Kultur hat über Jahrtausende hinweg – mit einer geradezu blödsinnigen Hartnäckigkeit – diese Frage ja nie gestellt. Das Leid von Mitgeschöpfen war und ist uns unerträglich lange egal gewesen. Unsere Ausreden hießen und heißen: „Das sind ja nur Neger.“ „Das sind ja nur Flüchtlinge.“ „Das sind ja nur Franzosen.“ „Das sind ja nur Frauen.“ „Das sind ja noch unvernünftige Kinder.“ „Das sind ja nur Arbeiter.“ „Das sind doch Kapitalistenschweine.“ „Das sind ja nur Tiere.“ „Das sind ja nur Bäume.“ „Das ist ja nur mein Egoismus.“

Ja, auch über mich habe ich gelernt hinwegzugehen. Dabei darf meine Antwort manchmal auch lauten: Nein, erst einmal ist das nicht gut für die Welt, aber indem ich mich gerade selbst beschenke, schöpfe ich neue Kraft und kann weiter für das Wohl der Welt arbeiten. Auch meine Umwege können gute und richtige Wege sein, solange ich mich am großen Ganzen orientiere. Alles andere wäre Gewalt gegen mich selbst – und mit Gewalt haben wir ja nun auch viele Jahrtausende Erfahrung. Das mangelhafte Gespür für Gewalt – oder deren gedankenlose Rechtfertigung – ist vielleicht sogar einer der Hauptgründe dafür, dass diese meine und unsere Welt so auf den Hund gekommen ist.

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