Müssen wir Raupe bleiben?

Scheiden tut weh. Ja, so ist das. Denn das, wovon wir uns trennen wollen oder müssen, ist oft doch ein Teil von uns, etwas, womit wir – wenigstens teilweise – verwachsen sind. Wie schön wäre es, wenn wir dem entgleiten, uns sanft von ihm lösen könnten, statt uns loszureißen. Ich vermute mal, dass die Raupe jede Menge Schiss vor ihrer Verpuppung hat. Denn es war doch so schön, dieses Raupenleben, dieses gemütliche Vor-Sich-Hin-Kriechen, dieses genüsslichen Dauerfressen, dieses Sich-Wälzen von einem Sattsein zum nächsten. Kann da noch etwas Besseres kommen? Unvorstellbar.

Nichts erscheint der Raupe furchterregender als das Schmetterlingsdasein. Sind sie nicht völlig ungeerdet, diese Schmetterlinge? Und so zerbrechlich und flatterhaft. Nichts Rundes und Sattes und Gemütliches haben sie an sich, diese luftigen Lotterdinger. Statt sich auf einen Baum, einen Apfel, einen köstlichen Kadaver zu beschränken, flirren diese Veganer von einer Blüte zur nächsten. Offenbar sind sie mit nichts zufrieden. Und wie gefährlich sie leben! Statt wohl getarnt und im Blattwerk verborgen zu sein, protzen sie mit ihrem auffälligen Prunk und werden allzu leicht eine Beute der Vögel. Schmetterling werden? Niemals!

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