Oasen des Wandels

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Die Bedingungen der heutigen Gesellschaft sind derart verzahnt und verwoben, dass sich selbst durch fleißiges und eifriges Reformieren, nicht einmal durch eine General-Reform wirklich etwas Entscheidendes und vor allem Notwendiges verändern lässt. Es bräuchte eine grundlegende Erneuerung. Das wissen immer mehr, aber politische Verantwortung will niemand dafür übernehmen. Lieber bleiben die politischen Entscheidungsträger bei ihrer Kesselflickerei, die sie seit Jahrzehnten betreiben. Sonst würden sie womöglich nicht gewählt sein, denken sie. Dass sich etwas im politisch-ökonomischen System ändern muss, wenn man einen ökologischen Kollaps vermeiden möchte, wusste man schon in den achtziger Jahren. Die damals vorhergesagten und oft belächelten Szenarien sind eingetreten. Sie finden statt. Jetzt, jeden Tag. Wir schauen alle zu und fragen uns, wohin das alles führen soll.

Die Bevölkerung im Glauben wiegen, man unternähme was, bringt die nächste Reform des Irrtums hervor. Was wird eigentlich ständig und immer öfter zu reformieren versucht? Das Bestehende, das sich als Fehlentwicklung entlarvt hat? Wohin sollen diese Reformen führen, wenn nicht in die nächste Sackgasse? Solange dieses Reformieren dem Erhalt des bestehenden Systems dient, wird sich nicht wirklich etwas Grundlegendes ändern können. Politiker drehen sich im Kreise und wagen nicht, Gesellschaft und Ökonomie neu zu denken. Politik müsste sich stets flexibel zeigen, um sich dem Gegenwärtigen immer wieder angemessen und intelligent anzupassen und sich mit ihm zu wandeln. Tut sie aber nicht. Sie betreiben überwiegend Politik für diejenigen, die vom Raubtierkapitalismus profitieren. Das werden sie tun und verteidigen, solange sich nichts an den Regeln und Zielen des Zusammenlebens und Zusammenwirkens innerhalb einer Gesellschaft ändert.

Es ist eine Zeit angebrochen, in der sich zunehmend mehr Menschen aus dem Strudel des Reformierens befreien und etwas Neues bilden wollen. Auswandern ist out. Man will daheim etwas wandeln. Sie rufen in Pioniersarbeit Oasen des Wandels ins Leben, schaffen soziale und friedvolle Räume, in der sich eine ökologische, sozialgerechte und enkeltaugliche Zukunft frei entwickeln und gestalten kann. In kleinen Parallelgesellschaften machen sie sich unabhängig von der beherrschenden, ökonomischen Ideologie, denn es kann nicht sein und ist auch nicht jedermanns Sache, für ein besseres Leben auswandern zu müssen.

Letztlich ist es eine Illusion, zu glauben, anderswo sei es besser oder einfacher. Es gibt keine Nischen mehr, in denen man sich den Folgen eines fehllaufenden Systems entziehen kann. Die Welt ist zusammengewachsen. Auch lässt sich nicht vor der kollektiven Verantwortung fliehen, die jeder Mensch hat.  Allenfalls kann man der „Matrix“ in der totalen Einsamkeit entgehen, aber selbst dort lässt sich diese Illusion nur eine Weile aufrechterhalten, bis man merkt, dass die schädigenden Auswirkungen selbst dort angekommen sind. In dramatischer Weise.

Es erfordert vielmehr regionale Plätze, auf denen das, was im Geist und der Seele vieler Menschen erwacht, angewendet und ausgestaltet werden kann. Bei immer mehr Menschen wächst das Bedürfnis, das alltägliche Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen – um in ökologischen Oasen der Selbstbestimmung den Wandel zu leben, der sich global vollzieht und uns zu einer herzgetragenen Lebensweise führt. Und wir sollten das Netz der Oasen stärken, damit jede Regung zu einer gemeinsamen Bewegung wird, die das festgefahrene Getriebe wieder ans Laufen bringt.

 

Alander B.